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1884

M 102

Fuldaer

Montag, den 5. Mai

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Zweites Blatt.

Deutsches Reich.

Fulda, Montag, 5. Mai.

• Aus Rom geht der .Germania' folgendes Telegramm zu: „Der Vatikan wird eine zweite Protestnote in der Angelegenheit der Propaganda versenden, in welcher erklärt wird, daß auf dem Boden des gerichtlichen Urtheils eine Verständigung unmöglich sei. — Der Moniteur de Rome' dementirt (ebenso wie die ,Germ.') die über die eventuelle Nach­folge im Erzbisthum Gnesen-Posen verbreitete Nach­richt." — Da die liberale Presse mit der Sammlung von „Nachrichten" über angebliche Kandidaten für den Posener Bischofsstuhl fortfährt, so muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Frage des Rücktritts und der Neubesetzung nicht aus dem Zusammenhang der ganzen politischen Situation gerissen werden darf, sondern daß sie pari passu mit der Rückberufung des Herrn Erzbischofs von Köln und mit der Regelung der kirchlichen Erzie- hungsfrage sich lösen wird. Wenn die preußische Regierung nach so vielen Beweisen des thatsäch- lichen Entgegenkommens des hl. Stuhles und selbst nach der Konstatirung der Einreichung der Resig­nation seitens des Herrn Kardinal Ledochowski mit verschränkten Armen diesen friedlichen Bemühungen gegenüber dasteht, so glauben wir kaum, daß die Zweifel über die Opportunität und Zulässigkeit wei­terer Konzessionen dadurch vermindert werden können.

* Der .Staatsanzeiger' publizirt die Ernennung des bisherigen Divisionspfarrers Mathias Par- m e t in Berlin zum Domprobst bei der Kathedral- kirche in Münster und des bisherigen Pfarrers Karl Seltmann in Eberswalde zum Domherrn an der Kathedralkirche in Breslau.

♦ Wie die .Nat.-Ztg.' gehört haben will, hätte gestern der Kaiser die preußische Regierung er­mächtigt bei dem Bundesrathe den Gesetzent­wurf gegen den Mißbrauch von Spreng­stoffen zu beantragen. Hiernach dürfe voraus­gesetzt werden, daß diese Angelegenheit unverzüglich

an den Bundesrath herantreten werde. Doch wolle die Regierung das Schicksal des Sozialistengesetzes im Reichstage abwarten, bevor sie denselben mit weiteren Arbeiten befasie; es liege hierin auch der Gmnd, weshalb die Regierung vorläufig nicht darauf bestehe, die Kommissionsarbeiten für das Pensionsgesetz zu beschleunigen. — Es ist bemerkens- werth, wie wenig Eile die Regierung in der Be­kämpfung der Dynamitgefahr hat. Es scheint, als ob sie ein gesprochenes oder geschriebenes Wort für viel gefährlicher hält, als alle Sprengstoffe der Anarchisten.

* Berlin, 3. Mai. Im Reichstage ist für einige Tage Ruhe eingetreten, an der auch die Kommissioneen theilnehmen; keine derselben hielt heute eine Sitzung ab. Die Unfallkommision hat sich bis Montag, die Aktienkommisfion bis Mitt­woch vertagt; die Kommission für die Pensions­gesetze hat sogar beschloflen, ihre Thätigkeit erst nach der Entscheidung über das Sozialistengesetz zu beginnen. Die allgemeine Ueberzeugung, daß von dieser Entscheidung auch das Schicksal der Session abhängt, wirkt begreiflicher Weise lähmend auf die Thätigkeit der Kommissionen.

* Berlin, 3. Mai. Der ,Reichsanzeiger' publizirt das Gesetz über den Zinsfuß für die nach den einzelnen Gesetzen auszugebenden Staatsschuld­verschreibungen.

* Berlin, 3. Mai. Die Vertheilung des der Einkommenbesteuerung unterliegenden Ein- kmnmens aus dem Besitze oder dem Betriebe einer sich über mehrere Gemeinden erstreckenden Ge­werbe-, Bergbau- oder Eisenbahnunternehmung, wie solche im §. 7 des zur Berathung stehenden Kommunal-Einkommensteuergesetzes geordnet wird, fand eine ausgedehnte Besprechung in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, bei welcher sich die Abgg. Bachem und Dr. Lieber betheiligten, von welchen der Letztere in lichtvollem Vortrage die Anträge der Kommission durchweg vertheidigte. Mit geringer Veränderung wurden diese Anträge angenommen.

* Aus Schlesien, 2. Mai. Im Regierungs­bezirke Breslau ist eine weitere Anzahl Pfarrer

und Hilfsseelsorger laut einer Bekanntmachung des Regierungsprästdenten mit der Führung der Kir­chenbücher beauftragt worden.

* Köln, 3. Mai. Herr Regierungs-Präsident v. Bernuth erläßt folgende Bekanntmachung:

Nachdem durch Beschluß des königl. Staatsministeriums auf Grund Art. 4 des Gesetzes vom 14. Juli 1880 und Kes' Art. 1 des Gesetzes vom 31. Mai 1882 für den Um­fang des Sprengels des Erzbisthums Köln die W i e d e r a u f - nähme der eingestellten Staatsleistungen vom 1. Jan. d. I. ab angeordnet worden ist, findet nach $. 10 des Gesetzes vom 22. April 1875 von diesem Zeitpunkte ab wieder die exekutivische Beitreibung im Verwaltungswege in Betreff der Abgaben und Leistungen an die Geistlichen statt. In so weit in den von mir bereits genehmigten Umlagen für das Jahr 1884 und folgende die exekutivische Beitreibung nur theilweise in Aussicht gestellt ist, sehe ich den Anträgen der Kirchen-Vorstände auf Exekutorisch-Er» Hüning der vollen Umlage-Beträge nunmehr entgegen.

* Köln, 2. Mai. Hiesige Blätter melden, daß nunmehr auf Verordnung der Regierung die Schul­kinder wieder zur Schulmeffe von ihren Lehrern geführt werden.

* Vom Rhein, 2. Mai. Aus verschiedenen Orten der Erzdiözese Köln wird gemeldet, daß gestern den Pfarrern das gesperrte Gehalt seitens der Steuerkaffen ausbezahlt wurde. In den ver­waisten Pfarreien wurde es dem Kirchenvorstande überwiesen.

* München, 1. Mai. Heute früh wurde der neugebaute (nördliche) Flügel unseres Cen­tralbahnhofs dem öffentlichen Verkehr über­geben. Die Nordseite des Bahnhofes macht nun­mehr in ihrer Vollendung einen imposanten, einer Großstadt würdigen Eindruck, was man von der Ostfront bekannttich in Folge des noch immer stehenden Vorbaues nicht gerade sagen kann. In dem neuen Trakt liegen die Wartesäle für die Ingolstädter und Landshuter Züge, welch' letztere auch an dieser Seite aus- und einlaufen. Der Verkehr wird in den letzten Tagen schon ziemlich rege und man begegnet auf den Straßen bereit- vielfach bädekerbewaffneten Gestalten.

* Amberg. 2. Mai. In einer sehr zahlreich besuchten Versammlung katholischer Männer wurde die Wahl eines Komitee'» zur Erledigung der

31 uu Penelope.

Nach dem Englischen.

„Ja, aber da» Original werde ich nicht lange haben, wenn Du so oft an Algy schreibst. Aber ernstlich, mein Liebling, ich hätte gern ein Abbild von Dir an der Wand neben Deiner Mutter hängen. Ich möchte, daß mein Kind im Bild auf mich herabsieht, wenn es vielleicht weit weg von hier ist."

Penelope's Augen füllten sich plötzlich mit Thränen.

„Du mußt nicht von meinem Weggehen sprechen, Papa," erwiderte Penelope.

„Aber ich muß doch, mein Kind. Du kannst nicht Gatten und Vater zusammen haben, und ich hoffe, Dich in etwa einem Jahre glücklich verhei- rathet zu sehen."

Er brachte sein Pferd dem ihren etwas näher und blickte ihr forschend in da» Gesicht.

„Denkst Du heute noch an Kapitän Graham gerade wie an dem Tage, als er uns verließ, Penelope?"

„Ja, Papa," offen und ehrlich seinem Blicke begegnend.

„Gut, gut, ich hatte Beffere« für Dich erhofft, Penelope." Dann, als das heiße Blut in ihre Wangen -stieg, fügte er bei: „Nicht als wenn ich feine Person nicht für wünschenSwerth hielte. Aber ich war immer ehrgeizig und machte große Pläne für meine einzige Tochter."

Er endigte mit einem Seufer. Penelope blickte ihren Vater an.

„Papa, ist es nicht bester, glücklich zu sein, als nach der Meinung der Welt, eine gute Partte zu machen?"

„Du sprichst gerade wie Deine Mutter, Pene­lope. Ich meinte sie eben vor mir zu sehen. Dies waren genau ihre Worte, als sie einwilligte mich zu heirathen; und sie that er auch, ein Jahr vor­her, al» wir von dem Tode Deines Onkels Jack hörten, der mich zum reichen Manne machte; und ich brauche jetzt nicht zu sagen, daß ich sie zehn­tausend Mal mehr liebte, als sie zu mir kam, um nun au» Liebe die Frau eines armen Mannes zu werden, als wenn ich schon von Anfang an Castle Chartres in meinem Besitz gehabt hätte." Und er spornte sein Pferd zu einem kurzen Gallopp an, denn diese längst vergangenen Tage standen wieder so lebhaft vor ihm und seine Augen wurden feucht, als er von seiner tobten Gattin sprach.

„Alles um der Liebe willen!" Wie süße Musik tönten diese Worte auf dem Heimwege in Pene­lope's Herzen nach. Vielleicht errieth ihr Vater ihre Gedanken, denn als er sie vom Pferde hob, küßte er sie und sagte zärtlich:

„Du sollst hierin und in allem Andern Deinen Willm haben, mein Kind."

Am nächsten Tage kam Mister Chartres in un­gewöhnlicher Aufregung zum Luncheon. Mister Chartres hatte trotz ihres Kopfwehs ihren Tisch reichlich besetzt und theilte große Quantitäten kal­tes Huhn an Tom au». Als ihr Bruder eintrat.

blickte sie auf und schloß dann aber sogleich wie­der ihre Augen mit der leidenden Miene, die fjie so gerne annahm.

„Mein lieber Robert", sagte Miß Chartres, „wie Du in das Zimmer stürmst! Das alterirt meine Nerven und erschreckt die arme Katze!"

„Verwünschte Katze!" „Und Deina Nerven dazu," hätte er gern beigefügt, aber er konnte nie etwas Unfreundliches sagen, und so ließ er sich denn schweigend am Tisch nieder.

„Wo warst Du den ganzen Morgen, Papa?" fragte Penelope, bemüht die klein«.' "Volke von seiner Stirne zu verscheuchen.

„Ich sah nach den Hütten da unten, Liebe. Nebenbei bemerkt, Penelope, Du kannst Dich rich­ten, in der allernächsten Zeit gemalt zu werden."

Penelope öffnete weit ihre braunen Augen vor Ueberraschung.

„Warum, Papa?"

„Du sollst in Lebensgröße auf die Leinwand kommen, mein Liebling — es «st Alles schon aus­gemacht."

„Du scherzest, Papa."

„Wirklich nicht, er kommt heute zum Diner."

„Wer?"

„Mein Künstler. Ich habe Alles über ihn aus­findig gemacht."

„Der Herr, den wir gestern sahen?"

„Der nämliche. Und wer meinst Du, wer er ist, Penelope?"