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M 98.

Mittwoch, den 30. April

1884.

.-.nt .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der Lll-tristische» Woch.nbeilage ,Ster«e ««» Blumen- in Fulda 1 $».70 Pfg, auswärts 1 M. 75 Pfg.

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AdomkmenK-Sinlidmig.

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O Die staats- und kirchenfeindliche Thätigkeit der geheimen Gesellschaften.

(Eine historische Skizze.)

I.

Die epochemachende Encyklika Leo's XIII. gegen die Freimaurer und die sonstigen revolutionären und antireligiösen geheimen Gesellschaften legt eS nahe, einen historischen Rückblick zu werfen auf das staats« und kirchenfeindliche Treiben der ge- Heimen Gesellschaften, wie es uns in der modernen Staatengeschichte mit ihren vielfachen Umwälzungen fast auf Schritt und Tritt begegnet. Obwohl die Freimaurerei ihr verderbliches Netz über ganz Eu­ropa und weit darüber hinaus gespannt hat, und auch in unserem deutschen Vaterlande*) in Staat und Gemeinde, wie in allen Beziehungen der Ge-

•) Aus der Zusammenstellung der statistischen Haupt­übersichten über den Personalbestand und die Thätigkeit der deutschen Großlogen und freien Vereini­gung der fünf unabhängigen Logen im vergan­genen Jahre dürften folgende Angaben interessiren: 1) Die Große National-Mutterlogc zu den drei Weltkugeln zählt 119 Bundeslogen mit 13,526 Mitgliedern, von Venen durchschnittlich 114 auf eine Loge kommen. 2) Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland hat 90 Bun­deslogen mit 9995 Mitgliedern; Durchschnittszahl für jede 112. 3) Die Großloge Royal Dort zur Freundschaft zählt in 61 Bundeslogen 6178 Mitglieder, von denen durch­schnittlich 101 auf eine Loge kommen. 4) Die Groß­loge von Hamburg zählt 35 Bundeslogen und 3367 Mitglieder; die Durchschnittszahl für jede derselben beträgt 96. 5) Die Große Landesloge von Sachsen hat 20 Bundeslogen mit 3657 Mitgliedern. Aus jede Loge kommen im Durchschnitt 183 Mitglieder. 6) Die Große Mutterloge des Elektrischen Bundes hat 14 Bundes­logen und 2219 Mitglieder. Durchschnittszahl 159. 71 Die Großloge zur Sonne vereinigt in 24 Bundeslogen 1970 Mitglieder. Durchschnittlich kommen auf 1 Loge 82 Brüder. 8) Die Großloge zur Eintracht zählt 8 Bundeslogen mit

sellschaft ihren Einfluß in einer Weise geltend macht, die dem Unterrichteten nur zu oft den klar­sten Beweis ihrer fast schrankenlosen Macht greifbar vor Augen führt, so ist der Heerd der eigentlichen hochpolitischen Aktion dieser Verschwörer-Liga doch, wie ftüher, so auch heute noch, ohne Zweifel in den romanischen Ländern, und zwar vornehmlich in Frankreich und in Italien zu suchen. *•)

Der Zusammenhang der geheimen Gesellschaften mit den Revolutionsbeströbungen der Neuzeit, die gleichmäßig gegen den Thron wie gegen den Altar gerichtet waren und sind, läßt sich schon aus der Vorgeschichte der ersten großartigen Umwälzung Nachweisen, die am Ende des vorigen Jahrhun­derts Frankreich heimsuchte und in der Geschichte nicht mehr ihres Gleichen hat. Wenn wir es daher versuchen, den verderblichen Einfluß zu kenn­zeichnen, den die geheimen Gesellschaften zu jener Zeit aus die Geschicke Frankreichs ausgeübt haben, so werden sich ganz von selbst, ohne daß es eines direkten Hinweises bedarf, viele beachtenswerthe Vergleichungspunkte mit der heutigen Maulwurfs­arbeit der Freimaurerei ergeben. Jedoch glaube man nicht, in der folgenden historischen Skizze eine allseitige Beleuchtung der dunklen Thätigkeit der geheimen Revolutionsgesellschaften in Frankreich in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhun­derts zu finden, zu einer solchen reichen auch die Quellen nicht im Mindesten aus. Fast alle Schrift­steller, welche über die französische Revolution ge­schrieben haben, scheinen von der gewaltigen Macht dieser Gesellschaften gar keine Ahnung gehabt zu 863 Mitgliedern. Durchschnittszahl für jede Loge 108. Die Freie Vereinigung der fünf unabhängigen Logen hat 5 Bundeslogen mit 1364 Mitgliedern. Durchschnittszahl in jeder derselben 273. Nach dieser Statistik arbeiteten also bis Neujahr in 376 Bundeslogen 43,138 Brüder.

**) In dem diesjährigen Kalender des französischen L’orde ma$onnique (Freimaurerorden), den der »Groß­orient von Franlreich" herausgegeben hat, gibt es heute in Frankreich 293 Logen, 35 Kapitel, 10 Konseils, ein Konsistorium und ein großes Ritenkolleg, also zusammen 340 freimaurerische kleinere oder größere Verbände. Die Zahl der Logen ist in den 4 Jahren seit 1880 von 248 aus 293 gestiegen. Der in Rom residirende „Großorient von Italien" hat 150 Einzellogen unter sich.

haben; den Jakobinerklub z. B. betrachten sie als einen sich ganz ohne Weiteres bildenden Lokal- Verein. Einige hinwiederum haben absichtlich das Dasein und die Wirksamkeit der geheimen Trieb­federn der Revolution soviel als möglich zu ver­heimlichen gesucht, um nur ja nicht denkende Leser zu der so nahe liegenden Frage zu veranlassen, wer es denn sein möge, der in unseren Tagen die Revolution in Szene setzt. Was ferner das Ma­terial der Beweisführung anlangt, so leisten aller­dings die Werke einzelner französischer und deut­scher Schriftsteller treffliche Dienste, aber selbst diese haben es zu wenig verstanden, das Wichtige von dem minder Wichtigen zu scheiden und das große Beweismaterial durchsichtig zu ordnen. Sie haben gleichsam nur das Eisenerz zusammengetra­gen, aus desien geläuterten Bestandtheilen erst das Schwert geschmiedet werden müßte gegen die ge­heimen Gesellschaften. Die Männer der Revo­lution selbst haben natürlich die Beweisführung nach Kräften erschwert. Die wichtigsten Dokumente, welche dazu dienen könnten,, ihre Ziele und Mittel unwiderleglich nachzuweisen, sind auf eine uner­klärliche Weise verloren gegangen, oder, besier ge­sagt, vernichtet worden. Aber ihre eigene lieber» eilung und Selbstüberschätzung hat uns auch an­dererseits wichtige Zeugnisse geliefert in den Briefen und Schriften der Verschworenen selbst, welche meistens zu einer Zeit veröffentlich wurden, wo man es sich noch zur Ehre anrechnen konnte, ein Sohn, und zu noch größerer Ehre, ein Vater der Revolution zu sein. Diese Selbstgeständnisse, oder besser Selbsturtheile können uns denn auch die besten Dienste leisten; ihre Echtheit ist noch von Niemanden bestritten worden.

Wenn man in den bekanntesten Geschichtswerken nach den Ursachen der französischen Revolution sucht, so findet man gewöhnlich folgende angegeben: die Mißliebigkeit des Königs und der königlichen Familie, die schlechten Finanzen, die Sittenlofig- keit der höher» Stände, die unerträglichen politi­schen Zustände. — Mißliebigkeit des Kö­nigs! Das ist eine offenkundige Unwahrheit. Kennt man denn den Titel nicht, den das fron,

27 Penelope.

Nach dem Englischen.

„Das trifft sich ja prächtig!" Und Nelly lief weg und kam in wenigen Augenblicken wieder, heiter lächelnd, einen kleinen ArbeilSkorb in der Hand und bereit zu plaudern, zu arbeiten und all' ihre Liebenswürdigkeit zu entfalten.

„Wie hübsch und lebhaft sie aussieht!" dachte Mary und betrachtete die zierliche Gestalt in dem blauen Kleid und das schöne einnehmende Gesicht mit den tiefblauen, bald heiter lächelnden, bald ernst und traurig blickenden Augen — den Augen, die Algy Chartres nicht vergessen konnte.

Mary seufzte bei ihrer stillen Beobachtung — sie sah in Nelly das Mädchen, das Alick Ferguson zu seiner Gattin auserkoren. Es war hart, daß Nelly so viel haben sollte, so Viele, die sie lieb­ten und für sie sorgten, und sie stand so allein.

„Nun, was haben Sie mir zu erzäblen?" fragte sie, ihr Gesicht über ihre Arbeit beugend. „Sie sagten, Sie wollten mir etwas erzählen, Nelly."

In ihrem Innern dachte Mary nichts Anderes, als daß dieses „etwas" sich auf Doktor Ferguson beziehe — daß Nelly sich bald mit ihm verhei- rathen würde, jetzt, wo ihm Miß Farnham's Ver» mächtniß zugefallen war, sie preßte fest ihre Lippen zusammen und ihr Herz pochte heftig, als Nelly jetzt mit etwas unsicherer Stimme begann —

„Ach ja! Es betrifft Doktor Fergufon."

Jetzt kam es. Mary's Kopf beuqte sich tiefer

über die Arbeit, die in den dünnen, weißen Hän­den zitterte; aber überrascht blickte sie auf, als Nelly fortfuhr:

„Er ist im Begriff nach Deutschland zu gehen und will Kenneth mitnehmen, um ihn die deutschen Heilquellen probiren zu lassen, von denen wir hof­fen, daß sie seinem armen Rücken gut thun und ihn vielleicht ganz gesund machen. Kenneth schlief die ganze Nacht nicht vor Aufregung und wir An­deren freuen uns nicht weniger als er."

„Wann geht er weg?" fragte Mary, tief alhmend.

„Sehr bald; und wir wissen nicht, wie lange er bleiben wird. Doktor Ferguson hat einen Freund aufgetrieben, der während seiner Abwesenheit seine Praxis übernehmen will."

Mary blickte hinaus aus den strömenden Regen.

„Ich hoffe, es wird Kenneth gut thun, Nelly; ich habe oft von solchen Kuren gehört; aber wie kommt Doktor Ferguson dazu, so plötzlich von hier weg» zugehen? Vor zwei Tagen dachte er noch nicht daran."

„Ich weiß es," stammelte Nelly; „der Entschluß kam ganz plötzlich. "

Mary blickte sie jetzt an. Nelly's Wangen glüh­ten, ihre Augen waren niedergeschlagen. Mary sprach nichts mehr über den Doktor. Sie plau­derten von Kenneth und seiner erhofftem Heilung, ohne den Namen seines gütigen Freundes noch ein­mal zu erwähnen.

Die Vorbereitungen zu Kenneth's Abreise wur­den eifrig betriebe*, der Knabe war in fieberhafter

Eile, fortzukommen und auch Doktor Ferguson schien Alles nicht rasch genug zu gehen. Er konnte es nicht vermeiden, Nelly öfters zu sehen und ihr Anblick machte ihn elend.

Endlich war Alles bereit und eines Abends be­gab er sich nach dem rothen Haus, um Mary Lebewohl zu sagen.

Er fand sie wie gewöhnlich allein, ihre Wangen waren fast so weiß wie ihr Kleid. Sie blickte auf, als er eintrat, und erröthete.

„Sie sehen krank aus," sagte er, freundlich ihre Hand in der feinen haltend, nachdem die erste Be­grüßung vorüber war.

„Ja," erwiderte Mary mit schwacher Stimme; sie wechselte beständig die Farbe und ihre dunkeln Augen blickten noch trauriger als gewöhnlich. „Es ist sehr einsam hier, aber ich denke, mit der Zeit werde ich mich daran gewöhnen."

ter blickte sie ängstlich an.

„Warum reisen Sie nicht oder machen sich sonst eine Abwechslung. Es ist schrecklich für Sie, in diesem großen, düstern Haus allein zu sein."

„Wie Sie wissen," erwiederte Mary, „wünschte Miß Farnham, daß ich zwei Jahre hier wohne — warum, kann ich nicht sagen."

Alick Ferguson erröthete plötzlich; als er Mary's sanftes Gesichtchen und ihre traurigen Augen an­sah , wurde ihm mit einem Mal der Gründ zu Miß Farnham's Bestimmung klar. Er biß die Zähne aufeinander und wandte sich einen Augen-