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1865 ic.) geäußert.
Als nämlich die innere Einrichtung und der Charakter der Freimaurersekte mit Hilfe der allgemeinen Kriterien völlig durchschaut war, indem die Ursachen ihres Entstehens zu Tage lagen, ihre Gesetze, Riten, Schriften zur Oeffentlichkeit gelangten, wozu noch oftmals die Zeugnisse solcher kamen, die in das Geheimniß eingeweiht waren,
einzelner Abteilungen, gewisse geheime Zusammenkünfte aus den innersten Abtheilungen, desgleichen gewisse Be- schlüsse und die Art und Weise, wie und mit welchen Mitteln sie auszuführen sind. Dahin gehört auch der vielfache Unterschied in den Rechten, Pflichten und Remtern unter den Mitgliedern, sowie die sestorgamsrrte Unterscheidung der Ordnungen und Grade, und jene strenge Handhabung der Disziplin in der Verwaltung. Die Ern- tretenden müssen geloben, ja sogar in der Regel mit einem besonderen Eide beschwören, Niemanden zu irgend einer Zeit oder auf irgend eine Weise die Genoffen, die Geheimschriften, die Doktrinen verrathen zu wollen. So bemühen sich die Maurer unter einem erlogenen Scheine und unter dem immer gleichen Deckmantel der Verstellung wie ehemals die Manichäer, auf alle Weise sich zu verbergen, und keine anderen Zeugen zu haben als die eigenen Ge-
Sie verbergen sich hinter der Maske von Freunden der Literatur und Wissenschaft, die der Bildung wegen beigetreten seien; sie wissen ihrer Sprache eine fern gebildete Form zu geben und populär zu machen, indem sie als ihr einziges Ziel verkünden, dem Volke bessere Zustände zu schaffen und die Vortheile der Kultur zum Gemeingut Aller zu machen. Aber wenn dieses schönklingende Programm auch begründet wäre, so würde es doch nicht den Kern der Bestrebungen treffen. Diejenigen, welche ausgenommen sind, müssen versprechen und flch verpflichten, ihren Führern und Meistern mit der größten Willfährigkeit und Gewissenhaftigkeit gehorchen zu wollen, bereit, auf ihren Wink und ihr Zeichen die Befehle auszuführen. Im Verweigerungsfalle verfallen sie dem Strafgericht, ja, dem Tode selbst. Und in der That, wenn gegen Einen erkannt ist, daß er ihre Geheimlehre verrathen oder ihren Befehlen widerstanden, so wird die Todesstrafe nicht selten verhängt, und zwar mit solcher Verwegenheit und Raffinirtheit, daß der Meuchler sehr oft der spähenden und rächenden Gerechtigkeit verborgen bleibt.
Nun aber ist es eine ausgemachte Thatsache: sich ver' stellen, lichtscheu die Verborgenheit suchen, Menschen nach Sklavenart durch ein unauflösliches Band an sich fesseln, ohne daß ein Motiv klar vorliegt, der Willkür eines Obern Anheimgegebene zu jeder Frevelthat mißbrauchen, die Hand -um Morde bewaffnen, und der strafenden Gerechtigkeit Hohn sprechen — das ist eine Unmenschlichkeit, die schlechterdings unnatürlich ist. Die Vernunft und die Wahrheit selbst legen somit Zeugnis; dafür ab, daß die in Rede stehende Gesellschaft mit der Gerechtigkeit und mit der natürlichen Sittlichkeit in Widerspruch steht.
Und dies um so mehr, da noch andere einleuchtende Gründe den Beweis liefern, daß ihre Natur der Sittlichkeit widerstreitet. Denn mag auch bei den Menschen die Verschmitztheit und Verlogenheit groß sein, so kann man doch aus den Wirkungen immer zurückschließen auf die Ursache und erkennen, welcher Art sie an und für sich ist. „Ein guter Baum kann keine bösen Früchte bringen, noch ein böser Baum gute Früchte." (Matth. 7, 18.) Nun bringt aber die Sekte der Freimaurer gefährliche, sehr bittere Früchte. Denn aus den oben erwähnten ganz zuverlässigen Anzeichen stellt sich heraus, was das End siel all' ihrer Pläne ist, nämlich die ganze Einrichtung der Religion und des Staates, wie sie das Christenthum hervorgebracht, von Grund aus zu zerstören und eine neue nach ihrem Sinne zu schaffen, auf einer Grundlage und mit Gesetzen, die mitten aus dem Naturalismus entnommen sind.
Was Wir hier sagten und noch sagen werden, ist von der Freimaurersekte im Allgemeinen zu verstehen, und von den verwandten und afflliirten Gesellschaften, die fl^. umschließt, nicht von ihren einzelnen Anhängern. Unter ihnen können immerhin nicht Wenige sein, welche, obgleich ihr Anschluß an solche Gesellschaften nicht ohne Schuld ist, doch keinen Theil haben an den Schandthaten, und welche nicht wissen, was jene schließlich anstreben. Ebenso billigen vielleicht einige von den Zweig-Gesellschaften keineswegs gewisse extreme Schlüffe, welche sie, da dieselben nolhwendig aus den allgemeinen Prinzipien folgen, konsequenter Werse auch annehmen müßten, wenn nicht die Verbrechen selbst sie durch ihre Abscheulichkeit abschreckten. Desgleichen lasten Rücksicht auf Zeit und Ort es einigen Gesellschaften räth- lich erscheinen, weniger zu unternehmen, als sie selber niöchten und als andere erstreben. Aber darum sind sie doch nicht als solche anzusehen, die außerhalb des Verbandes mit den Freimaurern stehen, weil der Freimaurerbund nicht sowohl nach den Erfolgen und vollendeten Thatsachen, als nach dem Programm zu beurtheilen ist.
Kommen Wir auf die Naturalisten zurück. Ihr höchster Grundsatz ist, wie schon der Name sattsam sagt, die menschliche Natur und die menschliche Vernunft müsse in allen Verhältnissen Lehrerin und Führerin sein. Von diesem Grundsatz ausgehend, legen sie wenig Gewicht auf die Pflichten gegen Gott oder entstellen sie durch irrige und vage Meinungen. Denn sie stellen alle und jede Ueber- lieferung, die Gott zum Urheber hat, bei Seite, lasten sich auf kein Dogma in Religionssachen ein; nach ihnen gibt
Encyklika Papst Leo XIII. gegen die Freimaurer.
Den ehrwürdigen Brüdern, Patriarchen, Primaten, Erzbischöfen und Bischöfen des ganzen katholischen Erdkreises, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem apostolischen
Stuhle stehen.
Leo XIII., Papst.
Ehrwürdige Brüder! Gruß und apostolischen Segen!
Nachdem das Menschengeschlecht von Gott, seinem Schöpfer und dem Spender der himmlischen übernatürlichen Gnaden, elendiglich abgefallen war, th-ilte es sich in zwei verschiedene und entgegengesetzte Heerlager; das eine streitet unausgesetzt für Wahrheit und Tugend, das andere für Alles, was der Tugend und der Wahrheit zuwider ist. Das eine Heerlager ist das Gottesreich auf Erden, nämlich die wahre Kirche Christi, und wer diesem Heerlager aufrichtigen Sinnes und zu seinem Heile anhangen will, muß Gott und seinem eingebornen Sohn mit ganzer Seele und völliger Hingabe des Willens dienen. Das andere Heerlager ist das Reich des Satans, unter dessen Botmäßigkeit und Gewalt Alle stehen, welche nach dem Beispiele ihres Führers und der Stammeltern dem göttlichen und ewigen Gesetze den Gehorsam verweigern und ihre Handlungen theils mit Hintansetzung Gottes, theils geradezu gegen Gott unternehmen. Dieses doppelte Reich, zwei Reichen vergleichbar, die bei entgegengesetzter Verfassung entgegengesetzte Ziele verfolgen, sah und beschrieb genau Augustinus, und er faßte die Ursache beider in treffender Kurze also zusammen: „Eine zweifache Liebe hat die zwei Reiche errichtet: nämlich die zur Verleumdung Gottes führende Selbstliebe das irdische Reich, die zur Selbstverleugnung führende Gottesliebe das himmliche Reich." (De civitate Dei, 1. IV. e 17.) r r .
In jedem Zeitalter der vergangenen Jahrhunderte kämpfte die eine Macht gegen die andere mit verschiedener und mannigfacher Waffengattung und Kampsesweise, wenn auch nicht immer mit gleicher Hitze und Heftigkeit. In unserer Zeit aber scheinen sich diejenigen, welche der Partei des Bolen dienen, zu verbinden und im Verein insgesammt den heftigsten Anlauf zu nehmen unter dem Vorgänge und der Hülfeleistung jener weit verbreiteten und fest organisirten Gesellschaft von Menschen, die man die Freimaurer nennt. Denn ohne noch Geheimniß aus ihren Plänen zu machen, reizen sie sich.gegenseitig verwegen auf gegen bte gottli$e Majestät, arbeiten offen und frei °m Rum der hl. Kirche, und zwar zu dem Ende, um die christlichen Volker der Wohlthaten, die ihnen der Erlöser Jesus Christus gebracht, gänzlich zu berauben. Ob dieser Uebel seufzen Wir auf und müssen im Drange der Liebe oft zu Gott hinauf schreien: „Siehe, deine Feinde toben, und die dich Haffen, haben das Haupt erhoben. Ueber dein Volk fassen sie böse Anschläge und Uebles ersinnen sie gegen deine Heiligen. Sie sagen: Kommt, vertilgen wir sie aus den Volkern. (Pf.
werde.
Es gibt verschiedene Sekten, welche zwar dem Namen, den rituellen Gebräuchen, der Form, dem Ursprung nach von einander abweichen, aber doch, da sie durch eine ge- wiffe gemeinsame Tendenz und gleiche leitende Grundsätze unter sich zusammenhängen, in der That nicht von der Sekte der Freimaurer verschieden sind, die gewissermaßen das Centrum bildet, von wo alle ausgehen, und wohin alle zurückkehren. Obgleich einige von ihnen sich ganz und gar nicht in der Finsterniß verbergen zu wollen scheinen, bei hellem Tage angesichts ihrer Mitbürger ihre Zusammenkünfte halten und ihre Tagesblätter veröffentlichen, so findet man doch bei genauem Einblick auch die Natur und den Charakter geheimer Gesellschaften.
Manches bei ihnen hat nämlich den Charakter von Geheimnissen und wird daher vorschriftsmäßig mit der äußersten Sorgfalt nicht bloß den Feinden, sondern auch sehr vielen Mitgliedern entzogen. Dahin sind zu rechnen ihre eigentlichen und letzten Pläne, die höchsten Vorstände
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'In so augenscheinlicher Noth, bei so grausamer und hartnäckiger Bekämpfung des Christenthums ist es Unsere Pflicht, auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die Gegner zu kennzeichnen und ihren Plänen und Kunstgriffen zu widerstehen, damit nicht diejenigen, deren Heil Uns anvertraut ist, ewiglich zu Grunde gehen, damit das Reich ^esu Christi, dessen Schutz Wir übernommen, nicht bloß bestehe und unangefochten bleibe, sondern auch immer neuen Zuwachs gewinne und sich auf der ganzen Erde ausbreite.
Unsere Vorgänger, die römischen Papste, haben tn ihrer sorgsamen Wachsamkeit für das Wohl der Christen- beit diesen Erbfeind, so wie er aus der Finsternis; hemr- l cher Verschwörung ans Licht kam, bald erkannt und durchschaut, wer er sei und was er wolle; sie haben m Voraussicht der Dinge den Fürsten und Volkern gleichsam ein Zeichen gegeben und sie gewarnt, sich nicht durch die Künste und Fallstricke fangen za lassen, die gelegt waren, um sie zu täuschen. Der erste, welcher auf die Gefahr aufmerksam machte, war Klemens XII. (Const. hi enii- nenti 24 April 1738), dessen Konstitution von Benedit. XIV. (Const Providas 18. Mai 1751) bestätigt und erneuert wurde. Dem Vorgänge beider folgte W Jl. (Const. Eeclesiam a Jesu Christo 13. September 1821), und Leo XII. faßte in einer Apostolischen Konstitution „Quo graviora“ (13. März 1825) die bezüglichen Akten und Dekrete der früheren Päpste zusammen und befahl, daß sie auf immer in Kraft und Geltung bleiben fällten. In demselben Sinne haben sich Pius VIII. (Encycl. Tra- diti 21. Mai 1829), Gregor XVI. (Encycl. Miran 15. August 1832), und sehr oft Pius IX. (Encycl. Qm plu- ribus, 9. Nov. 1846, Alloc. Multiplices inter 25. Sept.
erklärte dieser Apostolische Stuhl und sprach -s offen aus, daß die Sekte der Freimaurer ganz und gar widerrechtlich entstanden, und ebensowohl dem christlichen rote dem bürgerlichen Gemeinwesen verderblich sei. Noch mehr, er verbot unter Androhung der Strafen, welche bw Kirche gegen Schuldige zu verhängen pflegt, tn diese Gesellschaft emzu- treten. Dadurch aufgebracht, wähnten die Geheimbündler durch Spott und Verleumdung die Wucht jener Unheils- spräche abschwächen und sich denselben entziehen zu können : sie klagten die Päpste an, welche jene Verordnungen erlassen, daß sie ungerechte Beschlüsse gefaßt, oder tn ihren Beschlüssen das Maß überschritten. So suchten sie bas Ansehen und das Gewicht der Apostolischen Konstitutionen Klemens' XII., Benedikt's XIV. und ebenso Pius VII. und Pius' IX. in trügerischer Weise zu vernichten. Aber es fehlte in jener Gesellschaft selbst nicht an Männern, die wenn auch mit Widerwillen eingestanden, daß die Maßnahmen, die von den römischen Päpsten getroffen, vom Standpunkte der katholischen Lehre und Disziplin, aus väterlicher Pflicht getroffen seien. Und dann schienen mehrere Fürsten und Staatsmänner den Päpsten vollen Beifall zu zollen, indem sie es sich angelegen fein ließen, entweder die Freimaurersekte beim Apostolischen Stuhle zu verklagen, oder selbst durch Gesetze Strafen zu verhängen, so z. B. in Holland, Oesterreich, in der Schweiz, Spanien, Bayern,. Savoyen und anderen Ländern Italiens.
Der Gang der Dinge legte in bemerkenswerther Weise Zeugniß ab von der Klugheit unserer Vorfahren. Ihre Umsicht und Väterliche Sorgfalt hatte nämlich nicht immer und überall den gewünschten Erfolg, und zwar bewirkte das die Verstellung und die List der Menschen, die durch ihren Eintritt in den Geheimbund selbst schuldig waren, oder die Unbesonnenheit und Leichtfertigkeit der klebrigen, in deren höchstem Interesse es gelegen hätte, wohl auf der Hut zu sein. Und so gewann die Sekte der Maurer in dem Zeitraum von einem und einem halben Jahrhunderte einen unerwarteten großen Zuwachs, drängte sich keck und verschlagen in alle Schichten des Gemeinwesens und begann eine Macht zu entfalten, fo daß sie nahezu die Oberhand in den Staaten zu haben scheint. Die Folge dieses schnellen und furchtbaren Anlaufes war jene Unten wühlung der Kirche, der Gewalt der Fürsten, des öffentlichen Wohles, die Unsere Vorfahren lange vorausgesehen. Denn soweit ist es gekommen, daß für die Zukunft im höchsten Grade zu fürchten ist, nicht so sehr für die Kirche, die ein viel zu festes Fundament hat, als daß es durch Menschenwerk erschüttert werden könnte, sondern vielmehr für jene Staaten, in denen die genannte Sekte selbst zu einflußreich ist, ober anbere gleicher Tendenz als Helfer und Handlanger zu Diensten stehen hat.
Darum sahen und fühlten Wir alsbald, als Wir das Steuer der Kirche ergriffen, daß Wir diesem allzu großen Unheile Unsere Autorität entgegenstellen und nach Kräften Widerstand leisten müßten. Thatsächlich haben Wir schon zum Oestern bei günstigen Anlässen gewisse im Vordergrund stehende Grundwahrheiten erörtert, welche namentlich die verkehrten Anschauungen der Freimaurer verdunkelt zu haben schienen. So unternahmen Wir in Unserer Encyc- lica „Quod Apostoli muneris“ die wahnwitzigen Einfälle der Sozialisten und Kommunisten zu widerlegen; in einer andern: „Arcanum“ stellten Wir Uns sodann die Aufgabe, I den wahren und echten Begriff der bürgerlichen Gesellschaft, deren Quelle und Ursprung in der Ehe liegt, zu entwickeln und zu vertheidigen. ferner in jener Encyclica, bie beginnt: -Diuturnum" haben Wir bie Form der politischen Gewalt nach den Grundsätzen der christlichen Weisheit zum Ausdruck gebracht und dargelegt, wie sie mit der Natur der Dinge selbst und mit der Wohlfahrt der Völker und Fürsten in wunderbarem Einklang steht. Jetzt aber haben Wir beschlossen, nach dem Beispiele Unserer Vorgänger die Freimaurer-Gesellschaft selbst, ihre ganze Doktrin, ihre Anschläge und ihre Weise, zu denken und zu handeln, direkt in's Auge zu fassen, damit ihr heilloser Einfluß mehr und mehr in's Licht gestellt und dadurch die weitere Verbreitung dieser unglückseligen Sekte, so weit es möglich ist, verhindert