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Deutsches Reich.

Fulda, Donnerstag, 24. April.

• Wie verschiedenen Blättern telegraphisch gemel­det wird, enthält der ,Mon. de Rome' die Mittheilung daß der Papst die R e s i g n a t i o n des Kardinal-Erz- bischofes Ledochowski nicht angenommen habe. Wenn diese Angabe sich bestätigt, so ist daraus zu schließen, daß die Regierung sich bisher weigert, die nothwendigen Vorbedingungen zu erfüllen, welche ein so großes Opfer rechtfertigen könnten.

* Zur Frage der Verlängerung des So­zialistengesetzes erhält der .Westfälische Mer­kur' von dem Centrumsfnhrer Dr. Freiherrn von Schorlemer-Alst folgende Zuschrift:

„An

die Redaktion des .Westfälischen Merkur' Münster.

Die früher schon hervorgetretenen, thatsächlich unbe­gründeten Voraussetzungen über meine Beziehungen zum »Westfäl. Merkur' sind wohl die Veranlassung, daß seit einiger Zeit wiederholt Anfragen an mich gerichtet werden, ob meine Ansicht, betreffs des Sozialistengesetzes bezw. dessen Verlängerung sich geändert habe, und nunmehr die­jenige des »Westfäl. Merkur' sei. — Ohne die Ansicht der geehrten Redaktion irgendwie kritisiren oder gar tadeln zu wollen, muß ich doch meinerseits Werth darauf legen, daß sich betreffs meiner Stellung zu dieser Frage keine irrige Meinung festsetzt und verbreitet. — Ich erkläre da­her, daß meine Ansicht betreffs des Sozialistengesetzes, bezw. dessen Verlängerung unverändert dieselbe blieb und ist, wie ich solche in meinen Reden und Abstimmungen früher dargethan habe, unter Hinweis auf die viel härte­ren Ausnahmegesetze, unter denen die Katholiken stehen, wo denn das Expatriirnngsgesetz sogar gegen das aus­drückliche Votum des deutschen Reichstages aufrecht erhal­ten wird. — Die verehrliche Redaktion bitte ich ergebenst um die Veröffentlichung der vorstehenden Erklärung.

Alst, den 19. April 1884.

Hochachtungsvoll

Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst."

* Berlin, 23. April. Die Kommission für den Gesetzentwurf über den Feingehalt von Gold- und Silberwaaren begann heute die Generaldis- kufsion. Referent Karsten berichtete über einge­gangene Petitionen; ihm persönlich fei die An­nahme des Gesetzes unmöglich. Korreferent Per­rot sprach sich dafür aus, entweder die Stempel­berichtigung auf geringere Feingehalte auszudehnen, oder die Stempelpflicht auf schwerere Gold- und

23 lQi Penelope.

Nach dem Englischen.

Nelly wurde von Alick in ihren Träumereien gestört.

„Ich sah sie mir heute an."

„Was sahen Sie sich an?" fragte Nelly, Alick erstaunt anblickend.

„Die kleine Villa."

„Wollen Sie dieselbe miethen?" fragte Nelly ruhig, ohne zu errathen, daß das Herz ihres Be­gleiters stürmischer pochte als je zuvor in seinem Leben. Wie zitterte er in Gegenwart dieses Mäd­chens mit den tiefblauen Augen und dem nußbrau­nen Haar!

Während Re sprach, beugte er sich zu ihr herab und flüsterte:

„Es hängt Alles von Ihnen ab."

„Von mir?" rief Nelly, ihn mit weitoffenen, unschuldigen Augen anstarrend. Dann fügte sie mit hellem Lachen bei — „ich hätte doch gedacht, das würde von Ihnen selbst abhängen, Doktor Ferguson; ich kann Sie wirklich heute Abend nicht verstehen."

Alick blickte hinab auf das hübsche Haus und dann in Nelly's Gesicht; das Lächeln spielte noch um ihre Mundwinkel.

„Hören Sie mich einen Augenblick an," sagte er mit ziemlich ruhiger Stimme, obschon es ihm zu Muthe war, wie einem Manne, der fein Alles aus eine Karte gesetzt.

Silbergeräthe zu beschränken. Regierungskornmiffar Bödicker suchte mehrere Angaben in den Petitionen der Gegner der Vorlage zu widerlegen. Morgen Fortsetzung.

* Berlin, 23. April. Die Eisenbahn-Kom­mission genehmigte sämmtliche Verträge über den Erwerb neuer Bahnen, mit Ausnahme der Bremer Bahn, worüber wegen Abwesenheit des Referenten die Berathung ausgesetzt wurde.

* Berlin, 23. April. Wie in Reichstags­kreisen verlautet, ist Oberbürgermeister Miquel von Frankfurt a. M. gestern hier eingetroffen und vom Reichskanzler Fürsten Bismarck empfangen worden. — Die ,Nat.-Ztg.' glaubt gegenüber gegen« theiligen Angaben und Vermuthungen versichern zu dürfe«, daß bei den Audienzen, welche der Reichsgerichtspräsident Sirnson beim Kaiser und Kronprinzen hatte, die Angelegenheit des Staats- raths nicht berührt worden ist.

Frankreich.

* Paris, 23. April. Die wegen der Theil- nähme an dem revolutionären Sonntagsmeeting verhafteten Ausländer Hauppe, genannt Waldo, und Pachner (ersterer ein Preuße, letzterer ein Oesterreicher) sind heute aus Frankreich ausge- wiesen worden.

* Paris, 23. April. Einer Meldung des Neuter'schen Bureaus aus Shanghai zufolge, ist der Vizekönig von Dünnan in Hang-soa plötzlich gestorben. Man vermuthet einen Selbstmord.

England

* London, 22. April. Unterhaus. In der Spezialdebatte über die Vieheinfuhrbill wurde der Regierungsantrag, die vom Oberhause ange­nommenen Abänderungen des Artikel 1 zu ver­werfen, mit 185 gegen 161 Stimmen verworfen. Dodson beantragt Vertagung der Debatte, um die Stellung der Regierung betreffs der Vorlage neuer« dings zu erwägen. Beach protestirt Namens der Opposttion gegen eine Vertagung, weil die Re­gierung dadurch anbeute, daß sie die Vorlage fallen laffen wolle. Der Antrag auf Vertagung der Debatte wurde angenommen.

Und Nelly sah ihm verwundert in das Gesicht und wurde traurig und ernst, als sie das tiefe Gefühl, das sich darauf ausdrückte, bemerkte; doch kam ihr immer noch kein Gedanke an den wirk­lichen Sinn feiner Reden, als er jetzt leise und rasch zu sprechen begann:

„Seit zwei Jahren habe ich gearbeitet und ge­hofft und dabei Tag und Nacht nur ein Ziel im Auge gehabt. Ich habe an nichts Anderes mehr gedacht. Können Sie dieses Ziel nicht errathen?"

„Nein," kam es leise von Nelly's Lippen.

Er ergriff ihre Hand und sagte mit weicher Stimme: „Nelly, meine einzige Hoffnung ist, Sie als meine Gattin in dieses kleine Besitzt hum einzuführen."

Sie hörte den tiefen Ernst feiner Stimme; sie brauchte nicht weiter zu fragen, sie verstand ihn jetzt. Sie entzog ihm ihre Hand und brach in Thränen aus.

„Doktor Ferguson, o, warum haben Sie mir dies gesagt?"

„Weil ich Sie mehr, als irgend einen Menschen in der ganzen Welt liebe. Nelly, ich kann Ihnen jetzt ein Heim bieten, wollen Sie es annehmen?"

Er blickte ängstlich in ihr Gesicht, um ihre Ant­wort darin zu lesen; der schmerzliche Ausdruck in ihren Zügen hätte sie ihm nur. zu deutlich sagen können; aber er war blind und erst aus ihren Worten entnahm er die Wahrheit.

„Nein, nein," rief sie mit gebrochener Stimme. „Es kann niemals sein!"

* London, 22. April. In Dublin wurden gestern in der Nähe des Phönixparks Plakate ver- theilt mit einer daran befestigten gefüllten Patrone und der Aufschrift: „Die unbezwingbaren Irwin- eibles werden ihre Rache haben. Gott errette Irland!"

Rußland.

* Petersburg, 22. April. Die Trauung des Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Altenburg ist auf den 27. April anberaumt. Arn 28. April findet Theaterfestvorstellung statt, und für den 1. Mai ist eine Gratulationscour in Aussicht ge­nommen.

* Petersburg, 22. April. Prinzessin Eli­sabeth von Sachsen-Altenburg ist mittelst Separat­zuges Nachmittags hier eingetroffen, vom Kaiser« paar, der Mutter und dem Bruder des Bräuti­gams, den Hofstaaten, dem diplomatischen Korps und den Ministern am Bahnhofe begrüßt. Kon­stantin Konstantinowitsch war derselben entgegen­gefahren. Am Bahnhofe war eine Ehrenkompagnie des Jsmailoff'schen Leibgarde-Regiments, welchem der Bräutigam angehört, mit der Fahne und dem Musikkorps aufgestellt. Vom Bahnhof begaben sich die Fürstlichkeiten in vierspännigen Galakut« fchen nach dem Marmorpalais, wo die Gemächer für die Braut hergerichtet sind.

Türkei.

* Konstantinopel, 22. April. Das öster­reichische Kronprinzenpaar besuchte heute nochmals den Stambulbazar und sodann das Kriegsmini- fteriüm, wo dasselbe einer Truppenparade beiwohnte. Abends findet ein Bankett an Bord des „Mira­mar" statt, wo das Kronprinzenpaar übernachtet. Der „Miramar" geht früh 2 Uhr nach Mudama ab. In Bruffa werden große Vorbereitungen ge­troffen.

* Konstantinopel, 23. April. Bei der Ver­abschiedung des österreichischen Kronprinzenpaares vorn Sultan, wobei der Kronprinz für die außer, ordentliche Gastfreundschaft wärmstens dankte, drückte der Sultan den Wunsch aus, der Dampfe?

Aber selbst jetzt wollte er es noch nicht glauben. „Nelly, ich kann diese Antwort nicht annehmen. Ich habe so lange gehofft und gewartet — ich liebe Sie so innig. Nelly, Sie dürfen nicht „nein" sagen. Ich will noch Jahre warten, wenn ich nur die Hoffnung haben kann, daß Sie eines Tages „ja" sagen."

Nelly richtete sich bleich, aber entschlossen auf und streckte ihm ihre bebende kleine Hand entgegen.

„Doktor Ferguson, es thut mir sehr leid, aber ich muß „nein" sagen: jetzt und immer. O, bitte, mißverstehen Sie mich nicht. Ich meine es so."

„Sie können es nicht so meinen!"

Er war weit aufgeregter als sie. Nelly suchte mit aller Mühe ihre Ruhe zu bewahren; ihre Augen waren voll Thränen.

„Ich bin Ihrer Liebe nicht wcrth — ich würde Sie nie glücklich machen können. Ich kann es nicht ertragen, Ihnen wehe zu thun; aber, o, sprechen Sie Nichts mehr darüber, ich bitte Sie!"

Doktor Ferguson blickte in Nelly's thränen- seuchtes, flehendes Gesichtchen, und seine Liebe für sie war stärker als je. Dann beugte er fein Haupt, und der Schmerz über Nelly's Zurückweisung machte sich nur in dem einen herzbrechenden Schrei Luft:

„Mein Leben hat von jetzt an keinen Werth mehr für mich!"

Schweigend legten sie den übrigen Weg nach Craiyfell zurück. An der Thür versuchte Nelly