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Jlg go. Montag dm 21. April 1884.

Fuldser 8|l Jeilung.

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dieser Weise Ausdruck zu verleihen. Die Sache liegt sehr einfach so: Fürst Bismarck will, weil ihm die jetzigen Parteiverhältnisse weder im Reichs­tage noch im preußischen Landtage zusagen, wieder einmal eine kleine Schwenkung nach links machen, dabei aber gleichzeitig die nationalliberale Partei, welche nach seinen Erfahrungen doch noch die brauchbarste und gefügigste von allen ist, zu einer Schwenkung nach rechts, resp. zu seinen sozialpolitischen und Steuer-Plänen hin veranlasien. Wenn die Partei sich hierzu bereit erklärt — und wie wir sehen, hat sie ja mit einem wahren Heiß­hunger die hingehaltene Lockspeise ergriffen, — steht ihr zunächst die offiziöse und auch vielleicht noch mehr als offiziöse Unterstützung bei den Reichs- tagswahlen in Aussicht. Aber erst für den wei­teren Fall, daß der Plan gelingt, und die Natio­nalliberalen in brauchbarer Stärke im nächsten Reichstage erscheinen, wird der spiritus rector der deutschen wie der preußischen Politik für den einen oder andern Parteiführer eine Stelle als Staats­sekretär oder ein preußisches Ministerportefeuille oder eine Stelle im neuen Staatsrathe übrig haben. Die jetzt schon in die Welt gesetzten Gerüchte über solche Kandidaturen haben nur einen agita­torischen Zweck, den Zweck, den Nimbus der Partei und damit ihre Wahlaussichten zu erhöhen. Nach den verzweifelten Anstrengungen, welche die Natio­nalliberalen mit kräftigster Unterstützung der Re­gierung und ihrer Organe zur Hebung ihrer Stel­lung jetzt unternehmen, zweifeln wir eigentlich kaum mehr daran, daß die Partei mit einer klei­nen Verstärkung aus dem Wahlkampfe hervor­gehen wird. Man weiß ja, ein wie wichtiger Faktor in unseren Wahlkämpfen, sogar bei der geheimen Stimmabgabe, die Sonne der Regierungsgunst ist. Die nationalliberale Partei hat dies selbst gründ­lich erfahren, als die Parole ausgegeben wurde, daß sie „an die Wand gedrückt" werde. Trotzdem fürchten wir den Ausfall. der Wahlen deswegen nicht. Der frische Zug ber Bewegung, welcher durch die Reihen der „Freisinnigen" geht, der feste Anschluß der ehemaligen Sezessionisten an den Fortschritt, der durch.die nationalliberalen Kon-

; solidationsbestrebungen nur noch inniger und stär- ; ker werden kann, endlich die gründliche Absage der Kon- I servativen gegenüber der zuerst von offiziöser Seite ! ausgegangenen Offerte einer Jnteressen-Verbindung j mit den Nationalliberalen behufs Bildung der zukünf- i tigen Majoritätspartei, — alle diese Umstände zusam- ! mengenommen werden dafür sorgen, daß die natio­nalliberalen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Bei der feindseligen Stellung aller Parteien — mit Ausnahme vielleicht der wenig zahlreichen Freikonservativen — zu der sogenannten Kompro­miß-Partei ist der Gedanke an die Möglichkeit einer zukünftigen selbstständig maßgebenden Stellung der nationalliberalen Partei schon jetzt ausgeschloffen.

Nach allem, was wir bisher von den Zukunfts- Nationalliberalen gehört haben, scheinen sie ent­schlossen, ihrem Charakter und ihrem Rufe getreu, jenes unbestimmte, lavirende, glatte Wesen fortzu­setzen, das neben einigen festen Programmpunkten im Uebrigen nur schöne Redensarten kennt, mit denen sich unter Umständen alles beweisen und alles rechtfertigen läßt. Die Programmrede des Ober­bürgermeisters von Frankfurt a. M., Herrn Miquel, auf dem Neustadter Parteitage am Ostermontag stellte sich schon gleich als ein Muster dieser fast sprüchwörtlich gewordenen nationalliberalen Halb­heit dar. Es'war ein politischer Eiertanz, den Herr Miquel den guten Pfälzern vor Augen führte. Höchst vorsichtig knüpfte der Redner an viele seiner Ausführungen die Bemerkung, daß dies nur seine Privatansicht sei. Und nur da, wo Herr Miquel seine sog. „sehr subjektive Meinung" sagte, wurde er conkret, alles andere war verschwommen und vieldeutig. Die Rede war augenscheinlich darauf be­rechnet, recht weitgehenden Kreisen und Klaffen mund­gerecht zu sein, Jedem etwas Angenehmes zu sagen. So wurde der Landwirthschaft geschmeichelt durch einige schöne Phrasen über die Pflicht des Staates, allen Ständen in gleicher Weise unter die Arme zu grei­fen und durch die nachträgliche Genehmigung der Getreidezölle, die, wie sich herausgestellt, doch nicht so schlimme Folgen gehabt hätten, wie die Partei anfangs vermuthete. Gottlob sind die Bauern heute so weit

Nationalliberale Wahlpolitik.

Seitdem Fürst Bismarck im Reichstage und nach ihm jener Mitarbeiter der ,Nordd. Allg. Ztg.', den wir, um mit der .Franks. Ztg.' zu reden, „als vortrefflichen Gedankenleser maßgebender Per­sönlichkeiten kennen und schätzen gelernt haben", vor aller Welt die weiland hohen Verdienste der nationalliberalen Partei um des Reiches erstes Blühen und Gedeihen gepriesen, und nicht undeut­lich zu verstehen gegeben haben, daß es nur von dem artigen und verständigen Verhalten der Partei selbst abhängen würde, wenn sie wie­der regierungsfähig werden wolle, seit jener Stunde hat neuer Schaffensmuth und neue Be­weglichkeit die nationalliberalen Mannesseelen er­griffen. Eben erst hat die Welt sich mit dem Heidelberger Programm, oder, wie Herr Miquel will, mit der Heidelberger „Erklärung" abgefun­den, da werden die süddeutschen Mannen gemäßigt- liberaler und „nationaler" Richtung wieder in einer andern Stadt versammelt. Neustadt an der Hardt war diesmal der Sammelpunkt jener Män­ner, die schon recht vernehmlich von ihrer zukünf­tigen Größe und von ihrer Aussicht auf einen oder gar zwei Ministerstühle träumen, d. h. Mi­nisterstühle in Preußen bloß, denn die Frage der Reichsministerien ist ja nach der Meinung des Herrn Miquel eine reine Doktorfrage, also mit anderen Worten eine Frage nicht der Praxis, sondern lediglich der theoretischen Erörterung. Wenn auch die ,Nordd. Allg. Ztg.' vor wenigen Tagen deutlich genug erklärt hat, daß von einer Minister-Kandidatur des Herrn Miquel keine Rede sei, überhaupt im preußischen Ministe­rium keine Personal-Veränderungen bevorständen, so muß man dieses Orakel richtig verstehen. Im vollen Ernste wird wohl kein vernünftiger Politiker daran gedacht haben, daß schon jetzt eine „nationalliberale Größe", ein Vertreter jener seit 1877 auf direkte Veranlassung des Reichskanz­lers selbst so stark dezimirten Partei, ein preußisches Ministerportefeuille erhalten könnte. Fürst Bis­marck ist zu viel Realpolitiker, um etwaigen Ge­fühlen des Dankes für früher geleistete Dienste in '

20 Penelope.

Nach dem Englischen.

Doktor Ferguson kam in der Dämmerung rasch auf das rothe Haus zu und wurde unverzüglich von dem Diener, der ebenfalls verweint ausfah, eingelaffen.

„Wie geht es Deiner Herrin, Parkins?"

„Sie ist sehr schwach heute Abend, Sir."

Der Doktor ging weiter, die Treppe hinauf in'S Krankenzimmer.

Mary, mit ihrem weißen, abgehärmten Gesicht­chen erhob sich, um ihn zu empfangen.

„Ich bin so froh, daß Sie kommen," sagte sie. „Sie hat heute Abend schon so oft nach Ihnen gefragt."

„Ist irgend eine Veränderung zu bemerken?"

„Keine besondere - sie ist sehr unruhig."

„Ist er gekommen, Mary?" sprach die schwache Stimme vom Bette her.

„Ja, ich bin hier." Und Alick trat auf das Bett zu und erfaßte ihren Arm, um den Puls zu fühlenn.

Sie entzog ihn ihm.

„Es hat keinen Zweck; ich muß von Euch Allen fort. Sie werden Ihre Patientin verlieren, Dok­tor," sagte sie, und ihre dunkeln Augen blickten ihn an. „Mary."

„Ja, liebe Pathe."

„Ich möchte den Doktor allein sprechen, Kind."

Mary ging weg und Doktor Ferguson setzte sich zu der Kranken. Sie lag ein paar Minuten sehr still und dann sagte sie:

„Ich habe Ihnen viel zu sagen, Alick."

„Sie dürfen nicht zu viel sprechen," erwiederte er; es wird Sie ermüden."

„Im Himmel will ich ausruhen," war ihre Ant­wort. „Alick, wunderten Sie sich jemals, daß ich Sie so gern hatte?"

„Oft," war die rasche Entgegnung.

Sie streichelte zärtlich seine Hand.

„Soll ich Ihnen sagen warum?"

„Ja."

„Weil Sie der Sohn des einzigen Mannes sind, den ich jemals liebte — des Mannes, den ich treu und wahr, aber vergeblich liebte."

Alick beugte sich eifrig vor.

„So waren Sie es, die mein Vater in seiner Jugend liebte?"

„Ja, ich bin Käthe Farnham. Wir sollten ein­ander heirathen, Ihr Vater und ich; aber" — etwas bitter — „er vergaß mich und heirathete eine Andere."

„Miß Farnham, lasten Sie mich Ihnen die Ge­schichte erzählen, wie ich sie ans meines Vaters eigenem Munde gehört habe. Glauben Sie mir, sein Herz gehörte immer Ihnen. Meine arme Mut­ter wußte, daß er sie weniger liebte als das An­denken an Sie, so gütig und saust er sie auch be­handelte; und eines Tages erzählte er mir Alles — wie Sie und er sich getrennt hatten und noch warten wollten. Und erwartete geduldig, bis er von Ihrem Vater einen Brief erhielt, der ihm mit»

theilte, daß Sie zwar noch eigensinnig an Ihrem Versprechen festhielten, daß aber die vorübergehende Neigung für ihn verflogen sei; ein anderer Bewer­ber habe bessere Aussicht und Sie suchten nur nach einer Entschuldigung, um Ihr Wort zurückzuneh­men. Mein Vater, der Ihrem Glück nicht im Wege stehen wollte, verheirathete sich nun selbst. Das ist die Geschichte, wie er sie mir erzählte."

Miß Farnham'S Augen wurden feucht.

„Armer Alick — wie muß er gelitten haben! Aber nicht so sehr als ich. Nun, es ist jetzt Alles vorbei, und doch nach vielen Jahren macht es mich glücklicher, zu wissen, daß mir mein Soldat treu geblieben."

Sie lag jetzt sehr still und dachte an die Ver­gangenheit, an ihr einsames Leben voll Enttäuschung. Dann wandte sie sich wieder Alick zu.

„Haben Sie immer noch die Absicht, Nelly Gra­ham zu heirathen?"

„Ich hoffe, es zu erreichen" — sein Gesicht von ihren forschenden Blicken abwendend.

Ich habe mein Testament gemacht, Alick, und die Hälfte meines Vermögens Mary, die andere Hälfte Ihnen hinterlassen."

Dostor Ferguson drehte sich rasch um.

„Miß Farnham, dies kann ich nicht zugeben."

„Sie können es nicht verhindern" — beinahe mit dem alten herrischen Tone.

„Aber ich muß sprechen und —"

(Fortsetzung folgt.)