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Jfidbatr Jeitung

ßg* Sonnabend den 19. April 1884.

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den

19

Bewegung.

7. Kapitel.

dem Der ver-

tcy Penelope.

Nach dem Englischen.

Warm lag das Sonnenlicht auf den blauen Ber­gen bei Crayifell in der Gluih eines Juniabends. Die Himbeerenbeete bei dem „rothen Haus", die den ganzen Tag über von der Sonne beschienen gewesen, lagen jetzt im Schatten, die rothe Frucht war unter den kühlen grünen Blättern versteckt; eine schläfrige Stille herrschte ringsum.

In einem Zimmer des rothen Hauses waren die Rouleaux herabgelasien. Seit einer Woche, oder noch länger, hatte man die schönen Grauen nicht an Miß Farnham's Thüre halten sehen, und Dok­tor Ferguson war mehrmals des Tages dorten gewesen.

Miß Farnham war endlich wirklich krank, ster­bend sogar; und an diesem warmen Jnniabend saß Mary Montgomery in dem verdunkelten Zimmer ihrerPathin und bewachte ihren Schlummer. Mary's bleiches Gesicht war traurig und müde, ihre Augen

das Volk vielmehr immer wieder auf's Neue die Wiederherstellung des Zustandes vor dem Beginne des unseligen Kulturkampfes erwartet. —

Der Kölner Parteitag hatte aber bekanntlich nicht nur denZweck, das ungetrübte Einvernehmen zwischen Parteileitung und Volk, die alte stramme Einigkeit und Einmüthigkeit der Parteigenosten vor aller Welt zu zeigen, sondern vielmehr den vornehm- lichsten und Haupt-Zweck, der Anhänglichkeit an den Erzbischof Paulus erneuten Ausdruck zu geben und aus'S Neue seine Zuruckberusung zu fordern. Ob der Kölner Erzbischof jemals wieder in seine so lange verwaiste Diözese zurückkehren wird, steht in Gottes Hand; so lange er aber der kirchlich anerkannte und rechtmäßige Erzbischof von Köln ist, haben die Kölner Diözesanen nicht nur das Recht, sondern auch die heilige Pflicht, den vertriebenen Hirten von denen zurückzufordern, die ihn seiner Heerde geraubt haben. Sollte es für Köln ein gutes Omen sein, daß, eben nachdem die Bischofs-Resolution von mehr als 5000 katholischen rheinischen Männern beschlossen worden war, von Rom die Nachricht in die Welt gesandt wurde, daßKardinalLedochowski auf seinErzbisthum Gneseu-Posen verzichtet habe? Wir roiffen es nicht, insbesondere da ja über die Annahme oder Nicht­annahme des Verzichtes noch keine bestimmte Nach­richt vorliegt, wir haben aber die feste Zuversicht, daß der Papst, wenn er jenes schwere Opfer aus den Händen des Kardinals annimmt, bestimmte Ga-

W # Der Kölner Katholikentag.

U Wir haben in weitläufiger Weise über die groß­artige Manifestation der rheinischen Katholiken im Gürzenich zu Köln berichtet. Bei der großen Wich­tigkeit, welche dem nach zuverlässigen Schätzungen von ungefähr 6000 katholischen Männern aus allen Städten und Bezirken des Rheinlandes be­suchten Katholikentage nicht nur von der katholi­schen, sondern auch von der gegnerischen Preffe beigemessen wird, mag es nicht unangebracht sein, wenn wir einige an das feste und begeisterte Auf­treten der rheinischen Katholiken sich anknüpfende Gesichtspunkte etwas näher in's Auge fasten.

Der Gesammteindruck der Versammlung ist ohne alle Frage ein mächtiger gewesen; selbst ein nationalliberales und kulturkämpferisches Blatt mußte zugeben, daß angesichts dieser vielen Tau­sende von Männern, die in nie gesehener Masse den großen Gürzenich bis auf das letzte Plätzchen füllten, eine natürliche Begeisterung die Redner er- faffen und sie selbst dann zu einer kraftvollen markigen Sprache animiren mußte, wenn sie sich nicht schon vor­her dazu gerüstet hätten. Daß demnach die Partei­kundgebung eine große und eindrucksvolle gewesen ist, darüber wird auch der ärgste Katholikenfeind nicht im Unklaren sein können. Auch über den Charakter, insbesondere über den universellen Charakter derselben, wird auf gegnerischer Seite kaum noch ein Zweifel herrschen. Diejenigen, welche vorher in die Welt posaunt hatten, es handle sich um eine Demonstration her dcmokralischcn, schär­feren Richtung der Partei gegen die konservativ- aristokratische „diplomatisirendc" Gruppe, es handle sich demnach um die offizielle Proklamirung einer Spaltung innerhalb der Partei, sind so gründlich als möglich in den April geschickt worden. Kein Mißton, keine abweichende Ansicht, kein ängstliches, zögerndes Wort wurde am Ostermontag im Gürzenich zu Köln gehört. Alle standen da wie ein Mann und forderten die Wiederherstellung der Reckte der Kirche voll • und ganz. Wer selbst dabei war und Gelegen­heit fand, die brausenden Rufe des Beifalls, die vieltausendstimmigen Hochrufe und den fühlbaren Zug der inneren Bewegung, der durch die Ver-

,Algy," antwortete Penelope, ihren Kopf er­hebend und ihm ernst in die Augen fehend, „willst Du nickt versuchen, Deine Angelegenheiten zu ordnen?"

„Du weißt nicht, was Du verlangst, Penelope. Ich" glaube, wenn ich zwanzig Tausend per Jahr hätte, würde ich vierzig Tausend ausgeben. Ich denke, ich will den Dingen ihren Lauf lasten.

„Stehst Du schlecht eben, Algy?"

„Schlimmer als je."

„Sprich mit Papa darüber," schlug Penelope vor.

, Penelope, ich wage es nicht, dem Regent zu sagen, ick stecke zu tief in Schulden. Nem, der liebe alte Regent würde sich zu sehr darum grämen. Das Weinen hilft nichts, Pen; es wird Alles sckon wieder in Ordnung kommen, ich will auch einige meiner Pferde verkaufen."

„Ich glaube, es wäre bester, Du wurdest mit Papa darüber sprechen, Algy, oder" — zögernd — „mit Douglas. Du kannst ihm vertrauen.

„Ich will Niemand vertrauen als Dir, Pene­lope. Du bist meine Vertraute. Aber ich will mich bestem, ich verspreche es Dir."

„Thue es, Algy, um Nelly's willen," flüsterte Penelope. . _.

„Arme, kleine Nelly'" sagte Algy traurig. „Es wäre bester für sie, wenn sie mich nie gesehen hätte.

Penelope seufzte. Ihr eigenes Herz war schwer,

als sie jetzt ihr Gefickt in ihren Händen vergrub und in leidenschaftliche Tdränen ausbrach.

Bleich und traurig faß Douglas neben Algy und öffnete kaum seine Lippen während der Fahrt zur Bahn. Sie kamen gerade noch recht, der Zug hielt schon an. Douglas ergriff Algy's Hand.

„Lebe wohl. Behüte sie mit gut, Algy."

„Das will ich. Lebe wohl, alter Junge."

„Bitte, einsteigen, mein Herr!" nef ein Schaff­ner, die Thüre eines Rauchkoupce's öffnend.

Douglas stieg ein und der Zug setzte sich in

sammlung ging.tzzu beobachten und Betrachtungen darüber anzustellen, der wird die freudige Gewch- heit, das beruhigende Bewußtsein mit nach Hause genommen haben, daß von der Gefahr einer „Ver­sumpfung" des Kulturkampfes, eines Sichzufrie- dengebens mit halben Maßregeln und oberfläch­lichen Verbesterungen noch gar keine Rede fein kann. Mögen die ,Prov. Korr.' und die .Nord­deutsche' noch so oft davon faseln, daß sie die Be- urtheilung der „Windthorst'fchen und Schorlemer- schen Angriffe und Uebergtiffe" ruhig dem „ge­sunden Sinne der katholischen Bevölkerung" über­ließen, die katholische Bevölkerung PieußenS, an deren Spitze die Katholiken Rheinlands marschiren, scheuen sich gar nicht, ihr Unheil immer wieder gegen die Regierung und die Offiziösen und für ihre bewährten Führer abzugeben.

Mit den schönen Illusionen der Gegner von einer „tiefgehenden" Spaltung in der Centrums­partei, von einem schroffen Gegenüber stehen der konservativen und demokratischen Richtung am Rheine hat der rheinische Katholikentag gründlich aufgeräumt. Die Katholiken haben wieder einmal bewiest n, daß sie trotz aller, nicht mehr als mensch­licher Meinungsverschiedenheiten über nebensäch­liche Fragen, in den großen kirchlichen Programm­fragen wie ein Mann zusammenstehen und zusam­menhalten. Hoffentlich wird das nunmehr auch der Regierung ein für alle Male klar geworden fein, so daß sie in Zukunft von dem Bemühen, die Katholiken i«u vtiuoiuiiufav „arviae et linpera , „theile und herrsche" zu regieren, abstehen wird.

In Köln wurde auch bereits die Anregung dazu gegeben, an allen größeren Orten Katholikenver­sammlungen zu veranstalten und so das feste Zu- fammenstehen der Partei bis in die kleinsten Theile hinein offen zu dokumentiren. Hoffentlich werden, namentlich vor den Reichstagswahlen, auch in an­deren katholischen Gegenden allenthalben solche Par­teiversammlungen veranstaltet werden, damit es klar an den Tag komme, daß die Katholiken in Preußen wie im Reiche sich wohl bewußt sind, daß die kirchenpolitischen Zustände im Volke noch keineswegs gebilligt und gutgeheißen werden, daß denn Douglas mußte ja weggehen. Er trat jetzt ein, ernst und traurig, und Algy ging hinaus und ließ sie allein beisammen.

„Du wirst mich nicht vergesten, Penelope?" Douglas Stimme klang leise und gebrochen. Er hielt sie fest in feinen Armen.

Es war Abend. Sie waren allein in der Bib­liothek, da» Mondlicht überflutete das Zimmer mit silbernem Schein und beleuchtete Penelope'» bleiches Gesicht.

„Du wirst mir treu bleiben?" fuhr er fort

„Immer und ewig!" rief die arme Penelope aus der Tiefe ihres übervollen Herzens. „O Douglas, Douglas!"

Der Wagen, der ihn zu Bahn bringen sollte, stand schon an der Thür. Algy rief laut, daß sie den Zug versäumen würden, aber Douglas hielt sie fest, als könne er sie nicht von sich lasten.

„Vergiß mich nicht. Lebe wohl, mein Liebling." Er küßte ihre bebenden Lippen und eine Thräne fiel auf ihr Gesicht. „Lebe wohl, lebe wohl !"

Er war gegangen. Penelope beobachtete, wie er in den Wagen einstieg; sie sah Algy die Zügel er­greifen. Douglas sah im Mondlicht die trauernde Gestalt am Fenster stehen und wußte, daß die dunkeln Augen ihn. beobachteten. Er warf ihr zum Lebewohl einen Handkuß zu.

Dann ließ sich Penelope auf den Boden gleiten, und der Mond allein war Zeuge ihres Kummers,

fe,

stoße« aus dem Wege zu räumen, als u “ die Regierung immerfort den Kardinal mit verhaßten polnischen Namen bezeichnet hatte. Erzbischof von Köln wäre sodann der einzige bannte und in der Ausübung seines heiligen Amtes „verhinderte" preußische Bischof. Ob die Regierung in diesem Falle in seine Zuruckberusung einwilligen würde, oder ob vielleicht schließlich doch noch durch Bestellung eines Koadjutors ein Ausweg gefunden werden wird, muß natürlich dahingestellt bleiben. Der Bischofsparagraph des Ultimogesetzes gibt der Regierung das Mittel an die Hand, der Köl­ner Erzdiözese ihren Oberhirten wrederzugeben.