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Fuldaer

Ute .Fuldaer Zenung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., belletristischen Wochenbeilage .Sterne uns Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg. auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Zweites Blatt.

Ostermorgen.

Die Lerche stieg am Ostermorgen Empor in's klarste Luftgebiet, Und schmettert hoch im Blau verborgen Ein freudig Auferstehungslied. Und wie sie schmetterte, da klangen Es tausend Summen nach im Feld; Wach' auf, das Alte ist vergangen, Wach' auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durch's Thal, ihr Bronnen, Und lobt den Herrn mit frohem Schall! Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen, Ihr grünen Halm' und Blätter all! Ihr Veilchen in den Waldesgründen, Ihr Primeln weiß, ihr Blüthen roth, Ihr sollt es alle mit verkünden: Die Lieb' ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen, Die ihr im Winterschlafe säumt, In dumpfen Lüsten, dumpfen Schmerzen Gebannt ein welkes Dasein träumt;

Die Pracht des Herrn weht durch die Lande Wie Jugendhauch, o laßt sie ein!

Zerreißt wie Simson eure Bande; Und wie der Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen Gebrochen an den Gräbern steht, Ihr trüben Augen, die vor Thränen Ihr nicht des Frühlings Blüthen seht; Ihr Grübler, die ihr fernverloren Traumwandelnd irrt auf wüster Bahn — Wacht auf, die Welt ist neu geboren! vier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all' des Heiles freuen. Das über euch ergoffen ward; Es ist ein inniges Erneuen Im Bild des Frühlings offenbart. Was dürr war, grünt im Weh'n der Lüfte; Jung wird das Alte, fern und nah; Der Odem Gottes sprengt die Grüfte — Wacht auf! der Ostertag ist da!

Emanuel Geibel.

Ostern 1884.

Der Frühling ist in's Land gekommen, und wohin das Auge blickt, da keimt und grünt und blüht es, gleich als führte schon der liebliche Mai sein blumenbekränztes Szepter. So feiert die Natur ihr Auferstehungs-, ihr Osterfest, und es ist, als blickten auch die Menschen schier fröhlicher in die Welt, als fühlten sie sich gehoben unter dem Ein­drücke der zu neuem Leben erwachten Natur. Die Kirche stimmt am hl. Osterfeste Freuden- und Triumpfgesänge an zum Gedächtniß an die segens­reiche Vollendung des Erlösungswerkes. Und wenn am Vorabende des schönen Festes und am Oster­morgen die Glocken mit feierlich melodischen Klängen ihr Alleluja singen, dann erhebt sich fast unwillkürlich der Sinn des Menschen in höherem Schwünge zu seinem Schöpfer. Die Auf­erstehung des Weltheilandes, sein glorreicher Sieg über die Macht der Hölle und über die Anschläge und Verfolgungen seiner Feinde ist der köstlichste Trost für das arme Menschenherz, welches auf dieser irdischen Pilgerfahrt so oft mit Unrecht mißkannt, verachtet und verfolgt wird. Auf Nacht folgt Licht, auf die schmerzliche Passionswoche folgt das freudenreiche Auferstehungsfest, und so findet auch im Menschenleben jedes Opfer, jede unverschuldete Kränkung, überhaupt alles Mißge­schick, wenn man es in der richtigen Weise zu er­tragen versteht, Lohn und Vergeltung, in diesem oder in jenem Leben.

In der politischen Welt ist die Osierstille und die Feiertagsrast diesmal nur eine äußerliche. Die Parlaments feiern, und auch die Diplomaten gön­nen sich einige Tage der Ruhe, aber in den po- lrtischen Erörterungen, in deni Widerstreit der Meinungen über die vielen brennenden Tagesfragen

hat auch das Osterfest in diesem Jahre kaum eine merkliche Pause herbeiführen können. Die Ereig- nisie der letzten Wochen kündigen unserem Vater­lande für die nächste Zeit mit untrüglicher Ge­wißheit schwere innere Kämpfe an, und gerade der Mangel an vorübergehendem politischem Tagesstoff treibt die Preffe dazu, in der Osterzeit sich um so gründlicher und eingehender mit den großen Fragen der nächsten Zukunft zu beschäftigen. Die jedenfalls im Herbste, vielleicht sogar noch früher, bevorstehende Reichstags-Wahl beherrscht bereits die politische Diskussion und die Pläne und die Stimmung der Regierung wie der Par­teien in so hohem Grade, daß die Thätigkeit des schon bald seinem Ende nahenden gegenwärtigen Reichstages nur noch insofern ein Interesse erregt, als von der demnächstigen Entscheidung über die Verlängerung des Sozialistengesetzes voraussichtlich der frühere oder spätere Termin der Neuwahlen abhangen wird. Die von Anfang an schon un­günstigen Chancen für die Verlängerung des So­zialistengesetzes sind aber seit der schroffen, wenig vertrauenerweckenden Haltung der preußischen Re­gierung gegenüber den Beschwerden der Katholiken eher gefallen, als gestiegen, und so kann man schon jetzt mit einiger Gewißheit vorhersagen, daß die Ab l ehnung der Sozialistengesetz-Verlängerung die letzte Arbeit des Reichstages sein wird.

Das katholische Volk feiert in diesem Jahre zwar kein Osterfest voller Freude und Genugthuung, denn in der Kirchenpolitik sind weder große Er­folge noch glänzende Hoffnungen zu verzeichnen. Dennoch blicken die Centrumspartei und ihre An­hänger im Lande mit erhöhter Zuversicht in die Zukunft. Es ist, als wäre die Partei mit einem Male von einem Alp befreit worden, der sie seit langer Zeit gedrückt hat. Dieser Alp war die Rücksicht auf die Regierung, welche sich in jedem Augenblicke den geheimnißvollen Anschein gab, als seien große Dmge im Werden und Wachsen, als könne ein unzeitiges Wort die schönsten Friedens­verhandlungen stören oder gefährden. Die letzten Wochen haben Klarheit darüber verbreitet, daß die gegenwärtige Regierung keinen wahren Frieden mit der Kirche will, daß sie nur dahin trachtet, durch kleine Konzessionen die lautesten und fühl­barsten Klagen der Bevölkerung einigermaßen zu beschwichtigen, im Uebrigen aber auf dem falschen Grundprinzip des Kulturkampfes, der Auffaffung des staatlichen Rechtes der Einmi­schung in kirchliche Dinge, beharrlich stehen bleibt. Wenn schon die fortgesetzte dilatorische Behandlung der Kirchenpolitik begründete Zweifel über die wahre Friedensliebe der Regierung aufsteigen laffen mußte, so wurde durch die eben erst bekannt gewordene Behandlung der Dispensfrage seitens des Kultus­ministeriums und die Goßler'sche Antwort bei der Polen-Interpellation die schlimme Vermuthung zur Gewißheit. Diese traurige Erfahrung macht es allen Katholiken zur Pflicht, von Neuem mit Muth und Kraft für die Sache der Kirche ein­zutreten, damit einer „Versumpfung" des Kultur­kampfes wirksam vorgebeugt werde. Das Centrum ist heute eine so mächtige und einflußreiche Partei, daß die Negierung mit seinen Wünschen rechnen muß, und es liegt daher in der Hand des ka­tholischen Volkes, durch seine allgemeine Haltung und Stellung, wie insbesondere auch bei Gele­genheit der nächsten Reichstagswahlen zu zeigen, daß die verehrten Centrumsführec, wie mit der Fraktion im Reichs- und Landtage, so auch mit den katholischen Wählern völlig solidarisch sind. Das Märchen von dem gähnenden Zwie­spalt im Centrum, welches mittlerweile zur Be­ruhigung liberaler und gouvernementaler Philister fleißig verbreitet wird, wird, deffen lind wir ge-

— mit der

miß, schon bald von den Thatsachen Lügen gestraft werden. Auch von der am Ostermontag in hei­ligen Köln stattfindenden großen rheinischen Katho­likenversammlung hat man schon behaupten wol­len, daß sie nur von einem Theile, von der sog. radikalen Gruppe der Centrumsanhänger, in's Werk gesetzt sei. Der Verlauf und der Erfolg der Versammlung wird auf diese Verdächtigung der Parteieinheit die beste Antwort geben.

Die seelsorglichen Zustände in Preußen haben sich ja in den letzten Monaten durch die Etablirung der Hilfsseelsorge einigermaßen gebessert, diese Befferung ist aber weder eine ausreichende, noch eine dauernde. Noch immer sind viele Hunderte von Gemeinden völlig verwaist, ohne jeden geist­lichen Trost und Zuspruch, und die Dispenspraxis des Herrn von Goßler hat nahezu 200 Gemein­den geradezu um die ihnen in Aussicht stehende Aushülfe gebracht. Diese Zustande dürfen nicht fortdauern, und deshalb muß auf's Neue der Streit­ruf erschallen: „Fort mit allen diskretionären Be­fugnissen, wir wollen entweder die Aufhebung oder eine gründliche organische Revision der Mai­gesetze." Die Katholiken haben in dem beinahe zwölfjährigen Kampfe schon Vieles erreicht, es kann noch mehr erreicht werden. Die sich jetzt allmäh­lich vorbereitende neue Ordnung des Verhältnisses von Kirche und Staat wird für die spätere Zu­kunft der katholischen Kirche in Deutschland von größter Wichtigkeit fein. Darum dürfen wir uns selbst noch viele, viele Jahre des Kampfes nicht verdrießen laffen. Wer ausharrt, wird gekrönt, und auf die Passionszeit des Kampfes gegen die Kirche, wie er nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Europas noch immer fortdauert, wird ganz gewiß auch wieder das Auferstehungs­fest, der völlige Sieg der Kirche folgen. Schon heute hat die Kirche im geistigen Sinne den glän­zendsten Sieg über ihre Feinde errungen, denn gerade im vergangenen Jahre sind ja der Kirche und dem Papstlhum von allen Seiten Huldigungen dargebracht worden, wie seit langem nicht mehr. Blicken wir deßhalb mit Gottvertrauen, mit Muth und Hoffnung in die Zukunft. Er, der einst die Bande des Todes durchbrach und siegreich aus dem Grabe erstand, wird seine Kirche nicht ver« laffen und auch ihr Sieg und Triumph verleihen zur rechten Zeit. Alleluja!

Deutsches Reich.

Fulda, Sonnabend, 12. April.

• Die ,Berl. Pol. Nachr.' wollen wissen, daß die als bevorstehend gemeldete Reaktivirung desStaatsraths der wirklichen Situation ent­spreche. Im gegenwärtigen Augenblick habe dieses Projekt die Linie der Vorfrage denn auch bereits überschritten und sei in ein Stadium eingetreten, welches die stetige Weiterentwickelung der Ange­legenheit ermögliche, lieber die Modalitäten der Organisation, die Personalien , Abgrenzung der Kompetenzsphären rc. ließen sich allerdings noch keine positiven Angaben machen, weil alle diese Momente der Entscheidung Sr. Majestät noch un­terlägen. — Von der Kompetenz des zwischen Ministerium und Kammern eingeschobenen Staats» rathes versuchen wir uns vergebens ein Bild zu machen.

* In der gesummten Preffe ist se.it einigen Ta­gen viel von der Ministerkandidatur nationallibe­raler Größe die Rede. Das .Franks. Journal' erfährt aus sicherer Quelle, „daß alle in verschie­denen Zeitungen mitgetheilten Gerückte über Be­sprechungen mit Mitgliedern der nationalliberalen Partei wegen Eintritts in das preußische Mini-