1884.
Fuldaer
— mit der
gnferate
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Zweites Blatt
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LAJ Penelope.
Rach dem Englischen.
Doktor Ferguson stand auf, beherrschte sich aber bewunderungswürdig.
„Ich bin anderer Meinung, Miß Farnham. Sie haben Recht — e» ist meine süßeste Hoffnung, Miß Graham einst meine Gattin zu nennen, und ich hoffe, sie wird sich verwirklichen."
„Betrügen Sie sich nicht selbst, Doktor — dies wird nie geschehen. Nelly denkt nicht an Sie."
Doktor Ferguson wurde feuerroth.
„Ich weiß nicht, warum Sie so zu mir spre- chen", sagte er und seine Stirne zog sich in Falten.
„Aus vielen Gründen", erwiderte Mlß Farn« Ham, ihm ihre Hand entgegenstreckend. „Der eine ist, weil ich Sie gern habe — nnd mit Schrecken daran denke, was Sie leiden werden, wenn dieses Mädchen Ihre Hand ausschlägt, was sicher ge. schehen wird. Blicken Sie mich nicht an wie ein Irrsinniger. Ich weiß es. Sie verschwenden Ihre Zeit an einem Schatten.
Alick stand wie vom Donner gerührt — er konnte buchstäblich nicht antworten, aber stark in seiner Liebe lachte er zuversichtlich, nicht im Geringsten wankend in seinen Entschlüffen.
„Hat Nelly — Miß Graham, meine ich — Sie zu ihrer Vertrauten gemacht?" fragte er.
„Nein, wir haben nie über diesen Gegenstand gesprochen. Ich habe nur meine Augen benutzt,
den „Fortschritt" und das Centrum schreibt die .Frankfurter Zeitung':
„Betragen: bockig — Fleiß: ungenügend — Schulbesuch : sehr unregelmäßig — das ist die offiziöse O st e r- Censur, welche dem Reichstage heute nachträglich in der .Norddeutschen- ausgestellt wird. Der Artikel, in dem das geschieht, nnd in welchem ausgerechnet wird, daß der Reichstag nur 35 Stunden 15 Minuten Sitzungen gehalten hat, kann wieder einmal als Paradigma offizöser Klopffechterei gelten, denn außer der genannten Berechnung ist auch nicht eine der darin behaupteten Thatsachen, nicht eine der daran geknüpften Folgerungen wahr; das Ganze ist nur ein Sammelsurium ödester Schimpfereien und Verdächtigungen zu dem Zwecke, Centrum und Fortschritt der Obstruktion zu beschuldigen. Ihre Parole soll lauten: „Bei Lebzeiten unseres glorreichen Kaisers nur striken, obstruiren und verhindern! Der Fortschritt und das Centrum finden sich also zusammen in dem Streben, die Ausübung der verfassungsmäßigen Rechte der Krone zu verkümmern". Ueber die „verfassungsmäßigen Rechte der Krone", also wohl des Kaisers, scheint die .Norddeutsche- wieder einmal recht unklare Vorstellungen gehabt zu haben, als sie diesen Artikel ausnahm. Sie hüte sich, daß nicht der Bundesrath eine Erklärung über den föderativen Charakter des Reiches gegen sie erläßt, oder daß Herr Payer, wie er einst dem Staatssekretär Burchard eine Vorlesung über den „Landesvater" gehalten hat, ihr klar macht, daß nicht „die Krone", sondern der Bundesrath und der Reichstag die Gesetzgebung auS- üben Doch das nur nebenbei. Der Reichstag hat nur 35 Stunden 15 Minuten Sitzungen gehalten; wir wollen nicht erst nachrechnen, sondern so leichtsinnig sein, zu glauben, daß die offiziöse Addition richtig ist. Was folgt daraus? Doch nur, daß der Reichstag ganz außerordentlich schnell und mit ganz ungewöhnlichem Eifer Alles, was ihm vorgelegt war, erledigt hat. Was ist Alles in diesen 35 Stunden und 15 Minuten geleistet worden; man sollte es kaum für möglich halten. Der Reichstag hat sich in dieser Zeit konsti- tuirt und hat nicht weniger als fünf Gesetze, nämlich drei internationale Verträge mit Belgien mit Luxemburg und der Schweiz, die Marmevorlage und das Gesetz über die Prisengerichtsbarkeit in drei Lesungen fix und fertig gemacht. Sechs wichtige Gesetze sind in erster Lesung be- rathen worden, nämlich das Sozialistengesetz, die Unfallversicherung, die Novelle zum Hülfskassengesetz, das Aktiengesetz, das Gesetz über die Fabrikation von Phosphor-Zündhölzern und das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaaren. Man sollte es wirklich nicht für möglich halten, daß so viel gesetzgeberische Arbeit in 35 Stunden und 15 Minuten geleistet werden kann. Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß der Parlamentarismus vielleicht zu schnell und leichtfertig arbeite. Verschiedene Rechnungsvorlagen, die auch erledigt worden sind, haben wir ganz unerwähnt gelassen; ebenso, daß die Unfallkommission das Gesetz über die Hülfskasien schon durchbe-
sinnungsgenoffen auf diesem Programm steht, wird sich auf dem nationalliberalen Parteitage, der in der zweiten Hälfte des laufenden Monats hier in Berlin stattfinden soll, zu zeigen haben. Die Einladung zum Parteitage wird vom geschäftsführenden Ausschüsse erlaffen, der aus den Herren v. Benda, Gneist, Hobrecht und Max Weber besteht. Bis auf Weiteres kann man annehmen, daß diese Männer nicht geneigt sein werden, das Heidelberger Programm zu unterschreiben und damit beispielsweise die erhöhte Brausteuer und die erhöhte Börsensteuer unaufgefordert auf den Altar der reichskanzlerischen Steuerpolitik niederzulegen. Ohne alle und jede Reibung dürfte es auf dem Parteitage schwerlich abgehen. Daß Miquel und Bennigsen, welche eingeladen werden sollen, auf der Versammlung persönlich erscheinen werden, ist nicht anzunehmen. Beide halten Zeit und Anlaß wohl nicht für geeignet, aus ihrer „staatsmännischen" Reserve herauszutreten".
* Der Regierungspräsident von Kamptz zu Erfurt hat die Verfügung vom 1. März, welche den dortigen Schuhmacher-Fachverein aufhob, „auf Grund neuerer Ermittelungen" zurückgenommen. „Neuere Ermittelungen" ist ein etwas unklarer Ausdruck. Sollen das neuere Ermittelungen thatsächlicher Natur oder neuere Ermittelungen über die Bedeutung der Gesetze sein? fragt die ,Germ.'. Es ist unwahrscheinlich, daß der Herr Regierungspräsident in Betreff des That- bestandes der Erstrebung eines Normalarbeitstages und besserer Lohnverhältniffe sich auf einem Jrr- thum ertappt hätte; , es ist also zu vermuthen, daß die Zurücknahme des Verbotes die Rechtsau f- fassung der ersten Verfügung desavauiren soll. Man hätte allen Grund darüber sich offen a'uS zu - sprechen. Die Unklarheit in Betreff der Remedur ist geeignet, das Mißtrauen gegen die Handhabung des Sozialistengesetzes, welches durch die erste Verfügung hervorgerufen war, rege zu erhalten. Es wird im Reichstag eine förmliche Erklärung der Regierung zu provoziren sein.
* Zu dem von uns gestern an leitender Stelle behandelten Artikel der ,Nordd. Allg. Ztg.' über
6. Kapitel.
Wie ein Feuerball in einem goldenen Dunstkreis war die Februarsonne hinter den prächtigen Bäumen von Castle Chartres untergegangen. Es war jetzt Dämmerung. Penelope saß wieder am Piano, neben ihr Hauptmann Graham, der den Schein des Feuers auf ihren weißen, rasch über die Tasten gleitenden Hände betrachtete. Er war seit 6 Wochen in Castle Chartres und wollte in ein paar Tagen von dort weggehen.
War Penelope traurig darüber? Er versuchte vergebens in ihren Zügen zu lesen, er selbst wurde plötzlich ernst und traurig und auf seine Bitte sang sie jetzt in der Dänimerstunde das Lied, das ihm am Besten gesiel, weil es das erste war, das er je von ihr gehört. Penelope's Gesicht war im Schatten; sie blickte nie auf Douglas, sondern beugte ihr Haupt etwas, während sie mit etwas unsicherer Stimme das Lied sang, um das er gebeten.
„Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben!" Plötzlich legte Hauptmann Graham feine Hand auf die ihrigen.
„Wenn diese Worte wahr wären, würden sie mich zum glücklichsten Menschen machen."
„Keine Antwort erfolgte. Penelope's Athem kam tief und schwer; ihr Haupt senkte sich tiefer und tiefer.
„Sind Sie mir böse?" fragte er und seine Stimme verrieth sein tiefes Gefühl. „Ich konnte nicht anders, ich mußte Sie lieben lernen. Oh Penelope, Penelope wollen Sie nicht sprechen?"
was Sie nicht gethan haben, Alick, und es^thut mir sehr leid für Sie."
„Ich fürchte, Sie verschwenden Ihr Mitleid uunöthig", sagte Alick lachend.
„Und ich hoffe, Sie auf meiner Hochzeit zu sehen, Miß Farnham."
„Vielleicht — aber Nelly Graham wird nicht die Braut sein."
„Entweder sie oder Keine," sagte er, plötzlich ernst werdend.
Miß Farnham ergriff seine Hand.
„Sagen Sie das nicht. Der Himmel gebe, daß Sie doch noch eine gute Frau bekommen; aber merken Sie auf meine Worte, die kleine Nelly wird „nein" fagen."
„Und „ja" meinen", sagte der Doktor, dessen Vertrauen nicht erschüttert, dessen Liebe stärker als je war.
„Ein eigensinniger Mann muß seinen eigenen Weg gehen. Gehen Sie Ihren eigenen Weg, Alick Ferguson; aber wenn die Zeit kommt, gedenken Sie meiner Worte."
„D«S will ich", erwiderte er heiter.
Sie blickte ihn ernsthaft an, mit einemt raurigen, abwesenden Blick in ihren dunklen Augen.
„Sie sind wie Ihr Vater", sagte sie betrübt.
„Mein Vater! Kannten Sie ihn? Sie sprachen mir nie davon", sagte er eifrig, froh das Thema zu wechseln.
„3a, ich kannte ihn ; eines Tages will ich Ihnen erzählen, wie und wann wir zusammentrafen."
Deutsches Reich.
Fulda, Donnerstag, 10. April.
Ein gerade eben in Kreis- und Amtsblättern veröffentlichter offiziöser -f-Waschzettel betitelt sich „Ein neuer Vorstoß des Centrums." In diesem Artikel werden, allen Thatsachen zum Hohne, die längst widerlegten Lächerlichkeiten der ,Prov.-Korr.' und der .Nordd. Allg. Ztg.' bezüglich der hohen Befriedigung der päpstlichen Kreise über die jüngsten kirchenpolitischen Schritte der Regierung abermals aufgetischt. Man sieht wieder, daß dem „beschränkten Unterthanenverstande" doch viel, sehr viel zugemuthet wird. Lange wird die Täuschung jedoch nicht vorhalten können, denn die nächste Zu- kunft wird auch die begeistertsten Anbeter der Waschzettel-Weisheit über den ihnen vorgemachtenblauen Dunst Klarheit verschaffen. Das offizielle Rom wird ganz gewiß mit seinem Urtheil über die neuesten Vorgänge in der Kirchenpolitik nicht zurück- halten.
* In der Angelegenheit Keudell-Depretis geht der ,Germania' aus Rom folgendes Telegramm zu: „Am 21. März d. I., 11 Uhr Morgens, ist Depretis mit Herrn v. Keudell zusam- mengetroffen." Die ,Nordd. Allg. Ztg.' hatte bekanntlich behauptet, daß der deutsche Botschafter Hrn. Depretis seit dem Februar nicht gesehen habe. Sie wird sich jetzt über die Angabe des Gewährsmannes der ,Germ.', welche an Bestimmtheit nichts zu wünschen übrig läßt, zu erklären haben.
* Herr Dr. Miquel soll, der ,Wes. Ztg.' zu- folge, bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin beim Fürsten Bismarck gewesen sein, der ihm das Finanzportefeuille angeboten habe. Dazu bemerkt die ,Voss. Z.': „Wie viel Wahres an dieser Nachricht ist, läßt sich schwer entscheiden. Einst- weilen gilt Herr v. Scholz noch als persona grata beim Kanzler. Man sagt von Herrn Miquel, daß er der Verfasser des sogenannten Heidelberger Programms sei. Ob die Mehrheit seiner Ge-