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1884.

Fuldaer

eitung

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Erstes Blatt.

Gründonnerstag.

In dem lichterfüllten Saale Saß der Herr beim letzten Mahle Mit der Jünger trauten Schaar. O, wie leuchtet wunderbar Das^erlangen zu beglücken Liebend aus des Heilands Blicken.

Tiefes göttliches Erbarmen Mit der sünd'gen Welt, der armen, Unaussprechlich tröstend spricht AuS des Heilands Angesicht, Der Entschluß, durch seine Leiden Himmelsglück ihr zu bereiten.

Tief in seiner Liebesfüll« Sann der Herr in aller Still«, Wie sein mildes Gottesherz Lindern könnt' den Trennungsschmer,; Wie auf immer könnt' vereinen Er in Lieb' sich mit den Seinen.

Selbst wollt' er sich ihnen geben Und zugleich das ew'ge Leben. Könnt' er schenken höh'res Gut Als sein eigen Fleisch und Blut? Herr, vor solcher Liebe Zeichen Kann nur staunend ich mich beugen. Unser Heiland wollt' beim Scheiden Den Altar uns noch bereiten, Der den Himmel mit der Welt Unsichtbar verbunden hält; Ganz wollt' er sich unser nennen, Niemals von den Seinen trennen.

Alinda Jacoby.

Woher die Namen Charwoche, Grün­donnerstag, Charfreitag?

Das Wort Char oder Kar ist, wie fremd es auch klingen mag, kein fremdes, sondern ein deut­sches Wort. Schon im Mittelhochdeutschen finden sich die Namen Kartac, Karfritac. Man hat öfters den Versuch gemacht, das Wort Kar aus dem Griechischen charis (Gnade), hinweisend auf die ErlösungS- oder Gnadenwoche, herzuleiten; allein dieser Versuch ist mißlungen. Kar kommt her vom althochdeutschen chara, Wehklage, Trauer. Chara- sang heißt Klagelied. Es ist hier die stille, in­nere Trauer gemeint, im Gegensatz zu heftigem Wehklagen. Da» verwandte Wort im Gothischen heißt Kara und bedeutet Sorge, im Angelsächsi. scheu cearu Leid, Kummer. Im gothischen quai- ran, Seufzen, wird wohl die Wurzel kar oder quar enthalten sein. Nach Kluges neuestem, zu- verlässigem ethänologischen Wörterbuch fehlt jeder weitere Aufschluß über das Wurzelwort. Char- woche wird hiernach die Woche der Trauer, des tiefinnern Schmerzes bedeuten; ist sie ja die Lei­denswoche des Herrn, in welcher er unsäglichen Schmerz gelitten und wir klagend diesen Schmerz empfinden und auch ausdrücken in. den sogenannten Klageliedern. Die Bedeutung des Charfreitags — Karfritac oder Kartac, des Tages, an welchem der Herr sein Leiden vollendete, ergibt sich hieraus von selbst; eS ist der eigentliche Klagetag der Kirche um den Tod des Herrn des Lebens.

Das Wort Gründonnerstag wird noch heute in einem mehrfachen Sinne gedeutet. Grün heißt im Althochdeutschen gruoni, altsächsisch groni, englisch green, gothisch groni. Die Wurzel heißt zweifels­ohne gro — wachsen, grünen. Falls Gründon- nerstag von dieser Wurzel hergeleitet werden darf, könnte man das Wort symbolisch nehmen, indem man an die Einsetzung des Altarssakramentes denkt und den Beginn des Leidens, wodurch uns das Heil erwächst, oder ergrünt. Doch scheint diese Auslegung uns zu gesucht und dem Volkessinn unverständlich. Bringt man aber das Wort mit grunni, Trauer, Klage, in Verbindung, so würde Gründonnerstag so viel bedeuten als Jammertag.

Dies scheint uns näher zu liegen; denn am Grün­donnerstag hat das Leiden Christi begonnen. In manchen Gegenden, so z. B. in der Gegend von Aachen, herrscht noch heute die Sitte, am Grün­donnerstag eine Suppe aus neun Kräutern — in anderen Gegenden werden sieben gebraucht — her­zustellen. Und fragt man nach der Bedeutung die­ser Sitte, so heißt es, daß diese neun oder sieben Kräuter die verschiedenen Farben bedeuteten, die der Heiland im Garten Gethsemane angenommen vor Angst über das bevorstehende Leiden. Offen gestanden, sagt uns tie letztere Bedeutung, Grün­donnerstag als Jammertag zu deuten, bester zu, al« die erstere. Noch sei bemerkt, daß der Name Gründonnerstag wie auch Charfreitag nur im Deut­schen vorkommt. Andere deuten das Wort noch anders. So brachte die .Köln. Volksztg.' seiner Zeit eine Zuschrift, der wir Folgendes entnehmen: Das Wort „Gründonnerstag" hat seinen Namen von dem an diesem Tage — so lange die alte Kirchen-Disziplin bestand — üblichen Re- konziliations-Ritus. Schon im zwölften Jahrhun­dert finden wir: gruene, grüne dunrestac, nach dem mittelalterlichen dies viridum (Tag der Grü­nen), d. h. der öffentlichen Büßer. Die Buße dauerte bis zu genanntem Tage, an welchem sie nach der während der heiligen Fastenzeit vollbrach­ten Buße von den Kirchenstrafen losgesprochen und als Sündenlose wieder in die Gemeinschaft der Christen ausgenommen wurden, aus „dürren" Zweigen wieder „grüne" geworden; die Bezeich­nung knüpft an das Wort Christi an: „Wenn dies am grünen Holze (an einem Gerechten) ge­schieht , was wird am dürren geschehen?" Aus dürren, tobten Gliedern der Kirche wurden sie an diesem Tage wieder grüne, lebende und zum hei­ligen Mahle zugelaffen. Ueberhaupt heißt im La­tein des Mittelalters „viridis“ „sündelos", vide Eyschmann's Vocabularium praedicantium 1483; „viridis, ein grünender, der d& ön Sunde ist, grün“. Auf meinen Reisen habe ich noch folgende Namen gefunden: „Des Herrn Primiztag", weil Christus an diesem Tage zuerst sein heiliges Opfer darbrachte. „Priester - Ostertag" , weil an diesem Tage der Herr seinen Aposteln die heilige Kom­munion darreichte, daher jetzt noch alle Priester an diesem Tage kommuniziren müffen.

Vier Namen sind für diesen Tag üblich: gronen donderdagh, witten donderdagh, mengeldagh und mendeldagh Grüner Donnerstag hieß er zum Andenken an das jüdische Paffahmahl und die bittern Kräuter, welche dazu genoffen wurden. Es waren Kerbel, Meerrettigstengel, Moos von Dattelbaum, Endivie, wozu noch einige von der Tradition angegebene kommen. An diesem Don­nerstage aß man früher und noch bis zur neuesten Zeit im Clevischen des Mittags eine Suppe, wozu sieben besondere Kräuter verwandt wurden. Noch heute wird zu Galcar und anderwärts in manchen Familien eine ähnliche Kräutersuppe (mit Mehl­klößen) beim Mittagsmahl genossen. Von leicht überwinternden Pflanzen (Sellerie, Petersilie, Spi­nat, Poree, Salat, Sauerampfer) wird der Kerbel vorherrschend verwandt. Witten donderdagh, weißer Donnerstag, albus dies Jovis, hieß und heißt er noch heute, weil früher an diesem Tage den Armen Weißbrode als Almosen, eleemosyna triticea, panes tritiei seu albi in der Kirchhalle verabreicht wurden. In Frankreich wurde in eini­gen Gegenden dieser Tag deshalb jeudi blanc, und das Weißbrod-Almosen blanc dieu genannt. Im Kölner und Jülicher Land hieß er auch men- geldagh und mendeldagh, und das Brod meng- helbrood und mendelbrood, weil das Brod aus Weizen und Roggen, ex farragine, tritico nempe et secali, Mengelkorn, hergestellt war.

Zur moderne« Mädchen-Erziehung.

Angesichts der überschwenglichen Lobeserhebungen, welche bei der letzten Berathung des Kultus-Etat» der modernen Mädchenerziehung in höheren Töchter­schulen zc. gespendet wurden, verdient es Beachtung, daß selbst der gewiß ultramontaner Bestrebungen nicht verdächtige „Bildungsverein" aufmerksam da­rauf macht, daß viele höhere Töchterschulen in Lehrerinnenseminare auslaufen, und daß dadurch eine übergroße Anzahl von Lehrerinnen ausgebildet werde, deren viele keine Beschäftigung finden, was namentlich die Bedürftigsten am meisten trifft. Es wäre in der Thal zeitgemäß, daß man bei der Ausbildung der Mädchen mehr den Zweck häus­licher Beschäftigung und allgemeiner Bildung ol­den der pädagogischen und didaktischen Fachaus­bildung in's Auge faßte. Gleich beachtenswerth erscheinen folgende Worte der Freifrau v. Rosen, welche in einem Büchlein über Kinder-Erziehung u. A. schreibt: „Die Erziehung unserer Heranwach­senden weiblichen Jugend läßt Vieles zu wünschen übrig. Trotz der guten Schulen, trotz der Vor­lesungen, die uns fast bi» zum Ueberdruß geboten werden, nimmt die wirkliche Bildung in den höhe­ren Kreisen auf eine erschreckende Weise ab, und die Oberflächlichkeit kommt immer mehr zur Gel­tung. Werfen wir einen Blick auf unsere halb­wüchsigen Mädchen. Sind sie nicht etwa» ganz Entsetzliches? Modefiguren im Kleinen? Die Back­fische mit den langen, dünnen Armen, der breiten Taille, den spitzen Schultern, den weißen Zähnen, rothen Backen, leuchtenden Augen und langen Zöpfen sind gänzlich auSgestorben! Wo mögen sie nur geblieben sein, die Mädchen mit den linkischen Bewegungen und ungeschickten Manieren, die man doch lieb haben mußte, weil sie jung und kindlich waren — weil sie ein warmes Herz hatten, glühende Begeisterung für alles Große und Schöne empfan­den, und die sich für die Ihren mit tausend Freu­den geopfert hätten. Was haben wir jetzt dafür? Geputzte Dämchen, nach der neuesten Mode geklei­det, mit Taillen zum Umspannen. Das Innere entspricht dem Aeußern. Die Backfische unterhiel­ten sich unter einander mit ihren Puppen und Spielen, älteren Leuten gaben sie nur Antwort, wenn gefragt. Moderne Mädchen verachten die Puppen; sie geben über jede» und alle» mit mit der größten Anmaßung ihr Urtheil ab. Träumte in früheren Zeiten das Heranwachsende Mädchen von der Zukunft — so schwebte ihr eine einfache glückliche Häuslichkeit vor; es sah sich an der Seite eines Helden, geschmückt mit allen Tugenden eine» Manne» — das Ideal unserer vierzehnjährigen Mädchen ist ein Geldsack; sie find ungemein prak- tisch und verstehen sich vortrefflich auf'S Rechnen. Herzlos und engherzig, oberflächlich, eitel und in­nerlich roh ist ein großer Theil des Heranwach­senden Geschlechts, ein trauriges Resultat der mo­dernen, nach allen Grundsätzen der Pädagogik aus- geführten Erziehung. Wir leben in einer Zeit des Ueberganges, des Experimentirens; was heute für gut gilt, wird morgen als unbrauchbar verworfen. Die Bildung dringt immer mehr bis in die unter­sten Schichten des Volkes ein, mit der Bildung steigern sich die Ansprüche, der Kamps um's Da- sein wird immer härter, das Bedürfniß nach in­dividueller Freiheit immer mächtiger. Und wie Völker und Staaten nicht zur Ruhe kommen, so herrscht auch ein fortwährender Kampf zwis ' en den einzelnen Individuen — jetzt gilt c» Hammer oder Amboß sein. Inmitten dieser Wirren, dieser Hast und Eile, dieses fieberhaften Verlangens, in möglichst kurzer Zeit Geld und Ruhm zu erlangen, haben die Frauen den innern Halt verloren." Diese Bemerkungen passen für viele, aber, — wir betonen das ausdrücklich — keineswegs für Alle.