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1884.

Fuldaer

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Die Kolonialpolitik Frankreichs.

Seitdem das frühere Ansehen und die maßgebende Stellung Frankreichs unter den europäischen Mäch­ten so erheblich geschwächt worden ist, hat sich das ganze Sinnen und Trachten der republikanischen Regie­rung der Ausdehnung des Kolonialbesitzes zugewandt. Die französische Kolonialpolitik beginnt aber nach­gerade in so abenteuerliche und phantastische Bah­nen einzulenken, daß es manchem Franzosen selbst angst und bange wird bei den Plänen, die unter Ferry's Regiment ausgesonnen werden. Hinter­indien und Hainau ist noch nicht in Sicherheit, Brazzas Abenteuer am Kongo liegen noch sehr im Argen, und schon wird das Rothe Meer, zunächst durch Besetzung von Küstenpunkten, dann Abessi­nien als Vorkost füx die Schutzherrlichkeit Frankreichs über Egypten in Aussicht genommen. Dazu als Uebergang nach Tripolis das Zwischenglied Barka, das einst eine so große Rolle gespielt hat. Die Freunde des Ministeriums scheinen jetzt alles unter den „Schutz" Frankreichs nehmen zu wollen, was sich nicht unabänderlich im Besitze europäischer Mächte befindet. Eine Vrobe von den weitgehen­den Zukunftsplänen der einflußreichen politischen Kreise gibt ein eben erschienener Artikel der mini­steriellen ,Röpublique Franeaise' der ganz gewiß in England ein peinliches Aufsehen erregen wird. Das Blatt stellt sich an, als ob es ihm nur um den Schutz der cb^istlichen Kolonien in Afrika und Asien zu ttjW fei, welche es durch die Erfolg! des Mahdi für sehr bedroht hält. Frankreich müsse sich deshalb am Rothen Meere festsetzen. Die Motivirung dieser eigenthümlichen Logik ist ebenso interessant, wie der aufgestellte Grund­satz selbst, sie zeigt, wie weit sich die Gelüste der dritten Republik bereits erstrecken. Da heißt es denn: „Wenn das Rothe Meer zweifelsohne der Weg nach Englisch-Indien ist, so ist es auch ebenso gewiß der Weg nach Cochinchina, Re­union, Madagaskar und Tongking, und deshalb interessirt uns der Schutz der Häfen des Rothen Meeres nicht minder als England.. ... Um die Bekanntmachungen und Thaten Gordons zu unter­stützen, bemächtigten sie sich Suakims, das Egyp­

ten gehört. Dagegen sollten wir uns auf der Insel Dessi häuslich einrichten, die uns gehört, um auf der Ostküste Afrikas den schändlichen Sklavenhandel zu überwachen, dem die englische Politik einen neuen Aufschwung geben wird. . . . Wir können uns nur dann eine günstige Lage verschaffen, wenn wir so bald als möglich alle Punkte an der Küste des Rothen Meeres besetzen, die uns gehören: die Insel Dessi, welche die Bai von Adulis be­herrscht, die Inseln Uba, Adulis, Edd, Hamazen und das Land der Bogos und der Barkas... ." Das ist aber noch nicht Alles. Das ministerielle Blatt hat seinen Wünschen ein noch höheres und weiteres Ziel gegeben und meint, Frankreich solle auch auf Abessinien „sein Augenmerk richten", natürlich um auch dort seine vorsorgliche Schutz- Herrschaft einzurichten.

Unterdessen ist, wie Ferry bei der Verhandlung der jüngsten Interpellation über Madagaskar meinte, die Angelegenheit von Tongking „dem Ende nahe". Tongking soll nach der allgemein herrschenden Mei­nung „in seinen historischen Grenzen" dem Kolo­nialbesitz der Republik „einverleibt" werden, dann soll Hainau als Faustpfand für die gute Auffüh­rung Chinas weggenommen werden, und endlich soll China 150 Millionen Kriegsentschädigung zah­len. Rocheforte persiflirt diese letztere Forderung mit einem groben Seitenhieb auf den Finanzminister, in­dem er schreibt: „man wolle den Sohn des Himmels die finanziellen Dumücheiren des Sohnes tret Erde, der sich Tirard nennt, bezahlen lassen." Hinter dieser Forderung scheint die Hoffnung versteckt zu liegen, daß China sich weigern werde, zu zahlen, und so in einem "neuen Kriege gegen China selbst Frankreich die ersehnte Gelegenheit geben werde, auch dort „Kolonialpolitik" zu treiben. Man könnte sich jedoch in diesen abenteuerlichen Anschlägen sehr verrechnen.

Ferry scheint übrigens jetzt in der Meinung der i Kammer fester und unantastbarer dazustehen, als \ je zuvor. Selbst diejenigen, welche Anfangs seine „abenteuerliche Kolonialpolitik" hart bekämpften, finden sich jetzt theilweise unter seinen Freunden und Fürsprechern; Ferry konnte selbst mit einer

großen Befriedigung konstatiren, daß die, welche ihn früher der Abenteuersucht bezichtetet, sich nun­mehr über seine Bedachtsamkeit und Furchtsamkeit beklagen, lieber die Grenzen der Kolonialpolitik in Madagaskar, mit anderen Worten darüber, ob Frankreich im Ernste eine Einverleibung oder wenig­stens eine Schutzherrschaft über die Insel im Schilde führe, sprach der Minister sich sehr zurückhaltend aus. Man merkte heraus, daß die Regierung gewiß gerne auch über ganz Madagaskar ihre Hand aus­strecken würde, aber es stehen einige unangenehme Verträge im Wege. Auch scheint Ferry die Schwierigkeiten zu fürchten, welche ein offener An­spruch auf die Souveränetät in Madagaskar haupt­sächlich durch den verzweifelten Widerstand der Hovas Hervorrufen würde. Zunächst rechnet die Regierung auf die Erfolge der wieder aufgenom­menen Unterhandlungen mit den Hovas; wenn sie dadurch auch nur einigermaßen Einfluß auf der Insel gewinnt, wird sie das Weitere der Zukunft überlassen wollen, die schon allmählich auch Ma­dagaskar in die Arme Frankreichs treibe. Wenn wider Erwarten die Verhandlungen scheitern, so soll allerdings auch jetzt schon kein Mittel un­versucht bleiben, um die Hovas zu unterwerfen. — Ob die Auseinandersetzungen Ferrys den wirk­lichen Intentionen der Regierung entsprechen, muß die Zukunft lehren. Ferry hat jetzt in der Kam­mer eine feste Stütze; denn obgleich man dort sehr wshl-empfindet, wie gefährlich die Verwickelungen sind, welche Ferrys Kolonialpolitik heraufbeschwo­ren hat, so macht man doch keine entscheidende,», sein Ministerium bedrohende Opposition, weil man augenblicklich für ihn keinen Ersatz weiß, weil man sich mit ihm schon so weit eingelaffeu hat, daß man nicht mehr zurück kann, weil diese goldenen Pläne der Kolonialpolitik dem angeborenen Ehr­geiz und Eigendünkel der Franzosen schmeicheln, i und endlich weil man nothwendig Geld, viel Geld I gebraucht und dieses durch „fruchtbare" Kolonial­kriege und auswärtige „Einverleibungen" am leich­testen erlangen zu können glaubt.

Wie es mit der französischen Finanzwirthschaft aussieht, ergibt sich aus folgenden Daten: Von

12 try Penelope.

Nach dem Englischen.

Während Nelly jetzt ihre Kuchen verfertigte, ge­dachte sie des Tages, da Algy Chartres seinen Weg in die Küche gefunden und Nelly entdeckt hatte, die gerade wie heute mit bloßen Armen und heißen ^Wangen beschäftigt gewesen, dieselbe Sorte Kuchen zu bereiten, und wie er dann gesagt hatte, jetzt würden sie chm um so süßer schmecken und noch verschiedenes Andere, was mit Algy's Stimme gesprochen, seinen Eindruck nicht verfehlen konnte.

Armer Doktor Ferguson! Hätte er Nelly's Ge­danken errathen können, so würde er sich weniger über die Kuchen gefreut haben. So aber ließ sich der junge Doktor den Thee mit dem delikaten Rahm vortrefflich schmecken, dazu den Schinken, die frischen Eier und Nelly's Kuchen. Er lächelte ihr zu und ahnte nicht, wie weit ihre Gedanken mit seinen Hoffnungen und Wünschen auseinander gingen.

Kenneth fühlte sich wohler und war im Stande aufzustehen — der bloße Laut von Alicks Stimme machte ihn schon bester, wie er behauptete, und so war eine fröhliche kleine Gesellschaft an diesem Abend um den Theetisch versammelt.

„Was macht Ihre exzentrische Patientin?" fragte Mistreß Graham, als sie nach dem Thee gemüth- lich plaudernd zusammen saßen.

„Miß Farnham?" sagte Doktor Ferguson lachend.

„Oh, sie ist exzentrischer als je! Stellen Sie sich vor, was sie heute sagte."

„Was war es?"

„Sie schickte nach mir und wie gewöhnlich fand ich sie ganz wohl mit Miß Montgomery beim Luncheon sitzend. Dies war mir zu viel; ich war in einer Hast zu ihr geeilt, um sie nicht im Ge­ringsten krank zu finden. Ich sagte ihr — und zwar ziemlich ärgerlich — daß ich meine Zeit nicht so verschwenden könne, und noch verschiedenes Andere. Sie ließ mich ruhig ausreden und blickte mir dann voll in's Gesicht. „Doktor Ferguson", sagte sie, „ich habe mein ganzes Leben lang meinen eigenen Willen gehabt und den will ich auch jetzt noch haben. Es beliebte mir krank zu fein; es beliebte mir, Sie rufen zu lasten und jetzt beliebt es mir, Sie Platz nehmen zu heißen und ohne ein weiteres Wort diesen kalten Braten verzehren zu sehen. „Mary, meine Liebe" — zu Miß Montgomery - „reiche dem Doktor den Claret." Doktor Ferguson beendigte seine Erzählung mit einer Stimme ko­mischer Verlegenheit. „Es ist zu arg, wie Sie sehen; sie ist so wohl wie ich in diesem Augenblick und doch muß ich wenigstens dreimal jede Woche einen zwefflündigen Besuch machen."

„Ich meine, es müsse doch keine zu schwere Aufgabe fein, mit einer gesprächigen alten Dame und einer hübschen jungen das Luncheon einzu- nehmen", bemerkte Nelly ernsthaft, aber mit einem mutwilligen Blick ihrer hübschen Augen. „Warum

wollen Sie Miß Farnham nicht krank sein lassen, wenn es ihr beliebt?"

„Ich werde wohl dazu gezwungen sein", sagte der Doktor. „Und jetzt Kenneth, mein Siebt r" — zu dem Kranken — „wollen wir Dich in Dein Bett schaffen, Du siehst ermüdet aus."

„Ja, aber Sie müssen bleiben und ein Plauder­stündchen halten", bat Kenneth, seine müden trau­rigen Augen zu Alick erhebend.

„Es wird aber sehr kurz ausfallen müssen."

Mistres Graham blickte dem kräftigen jungen Arzte und ihrem armen schwachen Knaben mit thränenden Augen nach.

„Er sieht gar elend heute Abend aus", sagte sie zu Nelly, die sich bemühte, heiter zu scheinen, als sie antwortete:

„Es kommt von diesem kalten Wetter, Mutter. Doktor Ferguson findet ihn nicht schlimmer."

5. Kapitel.

Miß Farnham's Haus war ein großes Gebäude aus rothen Ziegelsteinen und stand etwas zurück am Ende des Dorfes. An dem Thore der Halle konnte man jeden Nachmittag ihren Wagen, mit einem Paar prächtiger Grauen bespannt, halten sehen; dann öffnete sich das Thor, Miß Farnham, groß und stattlich, begleitet von einer schlanken, jugendlichen Gestalt, trat heraus, bestieg den Wa­gen und dieser sauste davon, daß die Kinder in der Straße schrien und jubelten.

An nassen Tagen benutzte sie einen Brougham,