1884
Jfultiarr
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* Offiziöse Verläumdungen.
Die .Norddeutsche Allg. Ztg.' hat jetzt auch in Sachen der Interpellation Jazdzewski das Wort ergriffen. Der betreffende Artikel ist, wie üblich, in großem Stile gehalten und scheint hauptsächlich dazu bestimmt, die Centrumsführer (sonst war es stets die ganze Centrumspartei, diesmal sind es zur Abwechselung nur die Führer) einerseits den katholischen Wählern, anderseits den maßgebenden Hoskreisen gegenüber als Reichs fein de und Vaterlands - Verräther zu denunziren. Der Artikel, von dem man nicht weiß, ob man sich mehr über die Boshaftigkeit und Verlogenheit, oder über die Lächerlichkeit und Einfältigkeit seiner Anklagen und Verläumdungen wundern soll, bedarf für einen katholischen Leser, der auch nur Halbwegs den Gang der Ereignisse verfolgt hat, keiner weitläufigen Besprechung, er trägt seine Widerlegung schon in sich selbst. Wir wollen ihn deshalb trotz seiner großen Ausdehnung ganz hierhersetzen:
„Die Interpellation Jazdzewski erfolgte am 31. März, also an einem Tage, wo die Vollmachten abliefen, welche der Regierung erlaubt hätten, in Gnesen-Posen dieselbe Konzession zu machen, welche sie ohne Dank des Centrums und Rechnung auf solchen in Köln gemacht hat. (Die Interpellation war bereits am 28. März, am Tage nach ihrer Beranlaflung, der Aufhebung der Kölner Sperre, eingebracht worden.) Einen auf konfe'sionelle Fragen bezüglichen Zweck kann die Interpellation also nicht mehr gehabt haben; sie muß aus dem Bedürfniß hervorgegangen sein, der national-polnischen Opposition neue Nahrung zuzu- führen.
Die Annäherung zwischen Deutschland und Rußland, welche in jünaster Zeit in erkennbarer Weise stattgefunden ' hat, ist in ganz Deutschland als ein erfreuliches Symptom gesicherten Friedens aufgefaßt worden. Das deutsche Volk hat kein Interesse daran, mit Rußland im Kriege zu sein; im Gegentheil, alle seine Interessen weilen darauf hin, den hundertjährigen Friedensstand auf dieser Grenze sorgfältig zu pflegen und zu erhalten, und selbst von einem glücklichen Kriege mit Rußland hätte Deutschland keinen Dortheil zu erwarten. Dir glauben, daß die polnischsprechende Bevölkerung der preußischen Ostleeprovinzen dem Kaiser dankbar dafür ist, daß er ihr den Frieden auf der russischen Grenze erhalten und den von ihr bewohnten Landstrich vor den Verheerungen eines Grenzkrieges behütet hat. Die Mehrheit der polnischen Bevölkerung wird mit allen übrigen Angehörigen des deutschen Reiches den Wunsch theilen, sich der Segnungen des Friedens möglichst
Armer Algy; bitterlich beklagte er an diesem Abend seine Verschwendung, er stöhnte bei dem Gedanken an eine Menge Schulden, die er seinem Vater nicht zu gestehen wagte. Und jetzt konnte er Nelly nicht einmal sagen, daß er sie liebte. Er war sehr böse über Douglas, wenn er daran dachte; aber seine offene, edelmüthige Natur konnte es nicht ertragen, J.manden auch nur iin Gedan- fett Unrecht zu thun und mit größerer Herzlichkeit drückte er am nächsten Morgen die Hand seines Freundes, da er sich bewußt war, am Abend zuvor in seinen Gefühlen für ihn wankend gewesen zu sein.
Nelly erfuhr nie etwas von dieser Unterhaltung.
Zwei Tage später ging Algy weg. Nelly's Ge- sicht war bleich, als sie ihm Lebewohl sagte. Sie waren einen kurzen Augenblick allein im Ammer Er blickte herab auf das geliebte Mädchen, tiefer Schmerz malte sich in seinen schönen Zügen, aber er halte sein Ehrenwort gegeben — er mußte schweigen. Er nahm ein Sträußchen von Haive- kraut, das Nelly vorgesteckt hatte.
„Darf ich dies behalten," sagte er bewegt, „zur Erinnerung an eine Zeit, die ich nie vergeffen werde?"
Es war jetzt Zeit zu gehen, Lebewohl zu sagen, dieses eine Wort, das so viel ausdrückt. Er hielt Nelly's kleine zarte Hand eine Minute in der seinen, blickte ihr traurig in die Augen und zog dann ihre Hand an seine Lippen.
inj Penelope.
Rach dem Englischen.
„Leben Sie wohl — vergessen Sie mich nicht, Nelly!" r x
Ihn vergeffen! Als er diese Worte aussprach, füllten sich Nelly's Augen mit Thränen. Schweigend entzog sie ihm ihre Hand und wandte sich ab. Sie wußte, daß sie den Mann, der fo sehnsüchtig auf sie herabblickte, nie vergeffen würde.
Am Nachmittag fand sie Douglas ganz allem im Moor, Thränen strömten über ihre bleichen Wangen. Ein Band Tennyson lag auf ihrem Schoöß bei „Elaine" aufiteschlagen.
Douglas setzte sich neben seine Schwester nieder und sagte heiter:
„Ich begleitete Algy; er kam gerade noch recht zu seinem Zuge."
Er erhielt keine Antwort. Nelly kämpste mit ihren Thränen. Douglas legte seine Hand auf das Buck.
„Ist Elaine all' diese Thränen werth, Nelly?
Er sprach freundlich; er wußte wohl, daß das arme Kind nicht um Elame's Kummer weinte. Dieser ernste, ältere Bi uver suhlte mehr wie ein Vater für seine Geschwister; er küßte Nelly j tzt lächelnd und sagte: Tennyson würbe sich geschmeichelt fühlen, wenn er ihre naffen Wannen sähe.
Ernst und schweigsam ging Nelly mit ihm nach Hause zurück. „ . ...
„Vergeffen Sie mich nicht, Nelly." Ueber diese Abfchievswoite Algy's dachte sie nach, als sie so allein bei dem lustig flackernden Kaminseuer saß,
lanae zu erfreuen. Die polnische Jnsurrektionspartei, vorwiegend auf Adel und Priester gestützt, hat sich dagegen in den letzten Jahren mit Hoffnungen geschmeichelt, für deren Verwirklichung ein Krieg Rußlands gegen Deuffch- land und Oesterreich die nächste Vorbedingung war. Für das Unglück und die Verwüstungen, welcher jeder Krieg im Gefolge hat, haben revolutionäre Parteien niemals Sinn gehabt, in Polen ebenso wenig wie in anderen Ländern. Es ist daher erklärlich, daß die Feinde des Friedens, nachdem ihnen die Aussicht auf Krieg in die Ferne geruckt ist, zu den gewohnte' Mitteln greifen, um auch im Frieden die deutschfeindliche Agitation in jenen Provinzen zu erhaltene Ebenso natürlich ist es, daß die preuß. Regierung und ihr Kultusminister Bedenken tragen, unter solchen Umständen fün die Diözese Gnesen-Posen dieselben Konzessionen höchste- Orts zu befürworten, welche in allen rein deutschen Diö zesen ohne Gegenbedingungen und mit einer von der vor» aussichtlichen Eindruckslosigkeit aus die Haltung des Centrums ganz unabhängigen Bereitwilligkeit gemacht worden sind. Auch die knappe Form, in der die polnische Interpellation beantwortet wurde, war gerechtfertigt durch die Voraussicht, daß jede eingehende Aeußerui^ der Regie - rungsorgane über eine epineuse Frage, welche mehr der Sicherheits- als der Kirchenpolitik angehört, von gegnerischer Seite zu Entstellungen und Agitationen benutzt werden würde. Ueber den politischen Unterschied, den die Regierung in der Behandlung einer polnischen und einer deutschen Diözese machen muß, konnte kein Mitglied des Landtages in Zweifel oder irgend einer Belehrung bedürftig sein. Eine verfassungsmäßige Pflicht für die Regierung, Interpellationen überhaupt ober ausführlich zu beantworten, besteht nicht. Der ganze Verlauf war also ein natürlicher, vorauszusehender und in keiner Werse geeignet, irgend Jemand zu provoziren und zu kränken. Unnatürlich und auffällig ist in dem ganzen Vorgänge nur das zornige Eingreifen der Führer des Centrums und das ungewöhnliche Maß von Grobheit, welches dieselben bei dieser Gelegenheit der Regierung gegenüber glaubten anwenden zu muffen. .....
Es mag sein, daß das bloße Beim finß, den Kulturkampf durch einen Anschein zorniger Entrüstung zu beleben, das nächste Motiv dafür gewesen ist Das zornige Pathos dient unter Umständen als Ersatz für Gründe, und wenn Herren in den Jahren und in der Stellung, wie die Abgeordneten Windthorst und v. Schorlemer-Alst, sich genö- thigt finden, ihrer sittlichen Entrüstung in so starken Ausdrücken Lust zu machen, so wird der gläubige Bauer und Arbeiter in der That vielleicht annehmen, die Herren hatten zu ihrer Verbitterung allen Grund gehabt, und er wird bereit sein, diese Gefühle zu theilen, auch ohne daß ihm die Berechtigung dazu klar ist. Es mag das eine zweckmäßige Taktik für einmalige und lokale Wahlerfolge sein, aber ob die politische Linie, in welcher das Centruin damit Stellung nimmt, den weiteren Bedürfnissen seiner Kriegführung entsprechen wird, das kann nur der Erfolg lehren.
Dt. .Fulda« 3e.lur.g- «Weint «onn. un» gewing, «uemommen. »hu» 1 M ™ "" "
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Die Führer des Centrums sind sonst sehr empfindlich gegen den Vorwurf der Reichsfeindlichkeit, und wir sind überzeugt, daß diese Empfindlichkeit bei den katholischen Wählern und bei der Mehrzahl der Parteimitglieder eine berechtigte und ehrliche ist; aber wir können den Führern des Centrums dieses Anerkenntniß nicht ertheilen, wenn wir sie nicht einer Kurzsichtigkeit anklagen wollen, die wir bei ihnen am wenigsten voraussetzen. Sie haben mit den Reden vom 31. v. M. Stellung genommen dem Reiche gegenüber, an der Seite der Polen, an der Seite von Parteibestrebungen, welche darauf gerichtet sind, von der preußischen Monarchie Provinzen loszureißcn und Deutschland in einen Krieg mit Rußland zu verwickeln.
Diese Thatsache allein wird hinreichen: um für die Zukunft die Abwehr des Vorwurfs der Reichsfeindlichkeit erheblich zu erschweren. Es ist nicht erforderlich, daß der Rückblick auf die Anziehungskraft, welche das Centrum für alle Reichsgegner hat, für Franzosen und Welsen so gut, wie für Dänen und Polen, dazu kommt, um vorhersehen zu lassen, welche Stellung die öffentliche Meinung Deutschlands im Hinblick auf die Zukunft des Reiches dem Centrum anweisen wird. Wenn die Vertretung der katholr- schen Kirche allein das bestimmende Moment für die Centrumspolitik wäre, dann würden so kluge Politiker wie die bekannten und unbekannten Führer des Centrums niemals aus den Gedanken gekommen sein, einer zum Frieden mit Rom geneigten Regierung, sobald sie den Weg der Konzession betritt, durch Angriffe und Drohungen das Verharren auf demselben zu erschweren. Da die Herren an die Möglichkeit einer „Einschüchterung" der Regierung des Königs sicher nicht glauben, so bleibt für ihr Verhalten nur die Interpretation übrig, daß sie hoffen, die Regierung durch beleidigende und herausfordernde Sprache in ihrer friedlichen Politik den katholischen Preußen gegenüber irre zu machen. Wir glauben aber nicht, daß diese bedauerlichen Bestrebungen von Erfolg sein werden".
Zunächst geht aus dem Artikel sehr klar hervor, daß der von den Centrumsführern ganz mit Recht angeschlagene schneidigere Ton dort, wo man als erste Untertbanenpflicht das M—undHalten verlangt, seine Wirkung gelhan hat. In der großen Verlegenheit, wie man nachträglich die ablehnende Haltung der Regierung motiviren könnte, hat man sich nicht bester zu helfen gewußt, als daß man eine Aufhebung der Sperre für Gnesen- Posen als eine direkte Beförderung revolutionärer Umtriebe, als eine Gefahr für den europäischen Frieden, als eine Unterstützung von Parteibestrebungen hinstellt, „welche darauf gerichtet sind, von der preußischen Monarchie Provinzen loszu- reißen und Deutschland in einen Krieg mit und sie hätte gern gewußt, ob Algy Chartres sich manchmal an diese Tage d.S vergangenen Herbstes erinnerte — an diese Tage, über die Nelly Tag und Nacht nachgrübelte, in deren süßen Erinnerungen sie lebte.
Sie erfüllte ihre täglichen Pflichten heiter und unverdrossen wie immer, nur wenn sie ganz allein war, backte sie mit Wehmuth jener glücklichen Zeit. Niemand in Craiyfell ahnte etwas von Nelly's Ge« heimniß — Niemand als Kenneth, der dasselbe halb errathen hatte und sie in seiner knabenhaften Weise zu trösten suchte. Eines Abends deutete er auf die untergehende Sonne:
„Sieh Nelly, sie ist untergegangen; aber morgen wird sie wieder aufgehen."
Nelly lächelte traurig. Kenneth zog sie an sich und küßte sie.
„Sei nicht so traurig, liebe gute Nelly; auch Deine Sonne wird wieder aufgehen."
„Nem, Kenneth," sagte sie traurig; „meine Sonne ist für immer untergegangen."
Nelly wischte rasch die Thränen aus ihren Augen, denn sie hörte das fröhliche Geplauder der Knaben und dazwischen eine tiefe männliche Stimme, als die Wohnzimmerthür aufging.
„Nelly," rief Allan in das Zimmer tretend feiner Schwester zu und zog eine große Gestalt in dunkelem Ueberrock hinter sich her, „wir begegneten Doktor Ferguson und brachten ihn mit zum Thee."
„Sie sagten mir, Kennet fei nicht fo wohl, drum