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1884

FuldM

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Deutsches Reich.

Fulda, Donnerstag, 3. April.

Zur JnterpellationJazdzewski und deren Diskussion im Abgeordnetenhause äußert die ,Prov.-Korresp.' sich an der Spitze ihrer dies- »öchentlichen Nummer in folgendem Artikel, der sich durch die allerdings bei der ,Prov.-Korresp.' nicht ganz ungewöhnliche Eigenart anszeichnet, daß nur der erste Satz desselben wahr, alles andere dagegen entstellt, verdreht oder geradezu unwahr ist. Der Artikel lautet:

Die der Staatsregierung durch das Gesetz vom 31. Mai 1882 eingeräumten außerordentlichen Befugnisse ha­ben bekanntlich mit dem 31. März d. I. ihr Ende er­reicht. Daß einer wenige Tage vor Ablauf dieser Frist angemeldeten Erkundigung, ob an der Hand dieses Ge­setzes die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen für den Umfang der Erzdiözese Gnesen und Posen beab­sichtigt werde, keine andere als eine agitatorische Absicht zu Grunde liegen konnte, lag danach auf der Hand. Ebensowenig konnte ein Zweifel darüber obwalten, daß, wenn in der Diözese Gnesen und Posen anders verfahren »orden, wie in der Diözese Köln, die schwerwiegendsten Gründe dafür vorhanden sein mußten. Diese Gründe, wie es der Interpellant verlangte, mitzutheilen und da­durch eine Erörterung derselben herbeizuführen, konnte um so weniger angezeigt erscheinen, als nach vielfachen Erfah­rungen derartige prinzipielle Auseinandersetzungen auf die Gestaltung der kirchenpolitischen Beziehungen nur ungünstig einwirken. Getreu deni Vorsatze, Alles zu vermeiden, was zu einer Verschärfung der auf diesem Gebiete bestehenden Gegensätze Anlaß zu geben vermag, hat sich daher die Staatsregierung auf eine kurze ablehnende Beantwor­tung der gestellten Anfragen beschränkt. Wenn man ötcä seitens der polnischen Fraktion nicht verstehen wollte, so mag die Erklärung hierfür darin zu finden i sein, daß für diese Fraktion gewisse kirchenpolitische In­teressen mit den nationalen zusammenfallen. Für das Ver­halten der Centrumsfraktion und für die von Seiten der­selben bethätigte Leidenschaftlichkeit des Vorgehens trifft diese Erklärung bogen nicht zu. Es bleibt nur die andere Erklärung übrig, daß man angesichts des durch das ver­söhnliche Verhalten der Staatsregierung verursachten Man­gels an sonstigen Klagepunkten für zweckmäßig hielt, die besonderen Verhältnisse der Erzdiözese Gnesen und Posen mit der allgemeinen kirchenpolilischen Lage zu identifiziren und dadurch die ersterbende Gluth des kirchlichen Haders xeu anzufachen. Die Vermuthung, daß ein bezügliches Be­dürfnis: vorhanden sei, wird durch den Umstand verstärkt, daß aus der Nichtgewährung eines einzelnen Wunsches so­fort die Nothwendigkeit einer von der Centrumspartei zu

befolgenden Angriffspolitik hergeleitet wurde. Die Beur- theilung dieses Verfahrens darf dem Lande, insbesondere den katholischen Theilen desselben, ohne Weiteres über­lassen bleiben. Ueberall da, wo man den kirchlichen Frie­den will, wird man sich unschwer die Frage beantworten, auf wen die Verantwortung dafür fällt, daß eine mit poli­tischen Interessen der greifbarsten Art zusammenhängende einzelne und besondere Angelegenheit zur Wiederbelebung des gesammten, in ein ruhigeres Fahrwasser gebrachten kirchenpolitischen Streites benutzt worden ist. Das seit Jahren beobachtete Verhalten der Staatsregierung liefert den Beweis dafür, daß die Gründe, welche die Aufhebung der Sperre für die Erzdiözese Posen und Gnesen entgegen­stehen, mit einem etwaigen Mangel an Wohlwollen für die katholische Bevölkerung der Provinz Posen nichts zu schaf­fen haben.

Wenn dieser Artikel den Zweck haben soll, die Centrumspartei bei den Lesern der mit der offi­ziösen Beilage versehenen Amts- und Kreisblätter in ein schiefes Licht zu stellen, so wird dieser Ver­such, wie alle früheren, jämmerlich scheitern. Die jüngste Debatte im Abgeordnetenhause, und nament­lich die Rede des Abg. Dr. Windthorst, hat in allen katholischen Herzen ein mächtiges Echo geweckt, dessen Wirkung solch' klägliche offiziöse Verlautbarun­gen eher erhöhen als abschwächen können. Die schroffe, kalte Form der ministeriellen Antwort auf die In­terpellation Jazdzewski ist selbst von der Ireuzztg.' und,Post' getadelt worden, und was den ablehnenden Inhalt dieser Antwort anbelangt, so hat inan in der katholischen Bevölkerung für die Bedeutung der unmotivirten Fortdauer der Temporaliensperre in Gnesen-Posen volles Verständniß. Die Interessen der polnischen Katholiken von denen der übrigen preußischen Katholiken trennen °zu wollen,'' 'ist ein vergebliches Bemühen. Weil die Negierung keine Gründe für ihren traurigen Entschluß anzugeben weiß, so folgert man einfach, daß sie keine Gründe hat, und daß es allerdings ein „Mangel an Wohl­wollen für die katholische Bevölkerung der Provinz Posen" ist, welcher diese Haltung und die schroffe Form, in die sie kundgegeben wird, diktirt hat. Daß wir übrigens nicht bloß vor der „Nichtge­währung eines einzelnen Wunsches" stehen, dürfte schon allein aus der bedauerlichen Thatsache der Ablehnung von 178 Dispenstzesuchen klar genug her­vorgehen. Wenn die neuerdings beliebte schroffe, kacke,

bureaukratische Behandlung der kirchenpolitischen Mi­sere die Katholiken mit Mißtrauen und neuem Un- muth gegen die Leiter der preußischen Kirchenpolitik erfüllt, so haben diese selbst die Verantwortung dafür zu tragen. Die bisherigen von der Gnade des Kultusministers abhängigen Verbefferungen in den seelsorglichen Zuständen müssen vor der neuer­dings hervorgetretenen Handhabung der verschie­denen diskretionären Befugnifse in den Schatten tre­ten, weil die letztere die schlechtesten Aussichten für die Zukunft eröffnet. — Wir werden übrigens noch weiter auf den Artikel der ,Prov. Korr.' zurückkommen.

* Heber die Zurückweisung der Dispens­gesuche derjenigen Geistlichen, die in Innsbruck oder Rom ihre Studien gemacht haben, äußert sich die ,Köln. Volksztg.' wie folgt: „Warum schließt der Herr Minister die Geistlichen, welche in Innsbruck und Rom vorgebildet sind, aus? Das Gesetz läßt ihm völlig freie Hand; es liegt lediglich in seiner Entschließung. Sind etwa diese jungen Geistlichen staatsgefährlich? Aber wir glau­ben nicht, daß der Minister Ermittelungen über den Charakter und die politischen Thaten dieser Herren angestellt hat. Sie haben zuöem sämmt- lich keine Gelegenheit gehabt, ihre politische Ansicht zu bethätigen. Oder hält er sie darum für ge­fährlich, weil sie in Innsbruck oder in Roni stu- dirt haben? Das können wir kaum annehmen. Denn er hat nicht verhindert, daß der Hr. Dr. Felix Korum Bischof von Trier wurde, wiewohl es der Regierung bekannt war, daß derselbe seine theo­logischen Studien in Innsbruck gemacht habe. Ueverdies hat die Regierung in den letzten Jahren manchen Geistlichen beförvert, der in Rom ober Innsbruck studirt hat. Das konnte und durfte sie aber nicht thun, wenn sie jene Anstalten an sich für gefährlich hielt. Und wenn die Regierung die römischen Studien als Grund der Dispens­verweigerung ansieht, so liegt darin eine schwere Kränkung des Papstes, unter deffen Aufsicht das Kollegium Germanicum steht. Denn es ist eine päpstliche Anstalt, die nach ihren eigenen Statuten geleitet wird. Wenn auch Jesuiten ihr vorstehen,

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ify Penelope.

Nach dem Englischen.

Wie die Tage dahinschwanden — so rasch — die langen heißen Nachmittage und die milden Abende, wo sie in der Dämmerung sangen! Und Algy war immer an Nelly's Seite, und wenn er sang, pochte ihr Herz so stürmisch und sie war froh, daß die Dunkelheit ihr Gesicht verbarg.

Aber der ernste Douglas sah und verstand Alles, und dann bedauerte er, Algy Chartres nach Cray- sell mitgebracht zu haben.

An einem schönen, warmen Nachmittag ließ sich Nelly, nachdem sie lange mit Donald über das Moor gewandert war, nieder, um sich etwas aus- zuruhen-, das Kind spielte zu ihren Füßen, aber Nelly hörte an diesem Tage wenig auf sein Ge­plauder. Ein Buch lag in ihrem Schooß, aber sie las nicht. Langsam füllten sich ihre Augen mit Thrünen, und plötzlich stand Algy Chartres vor ihr und blickte überrascht in ihr trauriges Gesichtchen.

Er liefe sich neben ihr nieder, legte seine Flinte in das Haidekraut und fragte mit einem bedeut­samen Blick auf ihre gerötheten Wangen und feuch­ten Augen. — „Hat Sie Etwas geärgert ?"

Nelly's Lippen bebten. „Nein", antwortete sie, - „es ist Nichts."

„Ist das Nichts?" fragte er, auf eine große Thräne, die plötzlich auf Nelly's Hand gefallen

war, deutend. Sein schönes Gesicht war voller Theilnahme; er legte sanft seine Hand auf die Nelly's. „Darf ich Sie um die Ursache fragen, Nelly?" Und dann leise und sanfter — „Nelly, ich liebe Sie!" Ein freudiger Ausruf von Do­nald. Algy blickte auf und sah Douglas rasch auf sie zukommen, und zum ersten Mal in seinem Leben wünschte er Douglas Graham dahin, wo der Pfeffer wächst.

Nelly wischte ihre Thränen weg und öffnete ihr Buch, aber ihre Erregung war deutlich auf ihrem Gesichte zu lesen.

„Du bist mir durchgegangen, Algy", rief Dou­glas, sich mitten in das Haidekraut nieder wer send.

„Ja, ich hatte einen heifeen Marsch", sagte Algy, den Hut von der Stirne zurücksckiebend.

„Sehen nicht die Berge heute Abend herrlich aus?" bemerkte Douglas.

„Herrlich", stimmte Algy etwas mürrisch bei, während Nelly gar nichts sagte.

Douglas wußte sehr wohl, daß man ihn nicht brauchte, daß er im Gegentheil sehr im Wege war — und doch blieb er, zu Nelly's Füßen lie­gen, die Hände unter dem Kopf, die Augen auf die weißen Wölkchen an dem herrlichen blamn Himmel gerichtet.

Algy drehte ärgerlich fein Bärtchen und Nelly verhielt sich vollkommen ruhig und dachte darüber nach, was Douglas wohl mit dem mitleidigen Blick, den er einmal auf sie geworfen, sagen wollte.

Douglas versackte eine Unterhaltung anzuknüpfen, da ihn aber Niemand in feinen Bemühungen un­terstützte, fing er an zu fingen, was ihm gerade in den Kopf kam. Und bann gingen sie schwei« genb zusammen nach Hause. Beim Eintreten legte Douglas seine Haub auf Alay's Arm unb sagte:

„Komm zu einem Gang in's Freie heute Abenb noch. Ich habe mit Dir zu sprechen."

Nelly wußte nicht, baß ihr Schicksal eutschieben wurde, als die beiben Freunbe nach bem Thee sich entfernten, langsam bin kiesbestreuten Weg entlang gingen, zum Thore hinaus unb weiter über bas Moor, um erst zurückzukehren, als ber Monb schon hoch am Himmel staub.

Douglas blickte ernst, Algy traurig unb verstört. Er bot Allen unverzüglich eine gute Nackt, brückte Nelly's kalte kleine Haub fest in ber feinen unb ging hinauf in fein Zimmer.

Douglas hatte ibm ernst aber freunblich ge­sagt, daß er zu Nelly nicht von Liebe sprechen büife. Algy kannte den Grunb. Er roanbte sich zu Douglas, feine Stimme klang leibeufchaftlich, aber ernst — „Douglas, ich liebe sie."

„Ich weiß es," war bie rufeige Antwort.

Heiße Worte folgten. Algy Chartres gelobte, — unb seine ernste Stimme bewi.s, baß er es so meinte — ein anberes Leben anzufangen, keine Sckulden mehr zu machen — Alles, Alles, wenn Douglas ihm nur Nelly geben würbe.

„Ich will keine Versprechungen von Dir, Algy.