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Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, Mittwoch, 2. April.

Ö Wir meldeten vor einiger Zeit, daß ein Mitglied des Kasseler Ausschusses für die Ausstel­lung kunstgewerblicher Alterthümer Hessens dem­nächst nach hier zu kommen gedenke, um wegen Ueberlasiung einiger interesianter im Besitze' der Stadt befindlicher Denkwürdigkeiten für die Aus­stellung in Unterhandlung zu treten. Vorgestern weilte Herr Museumsdirektor v. Kramer dieser- halb in unserer Stadt und besichtigte nach Rück­sprache mit dem Herrn Oberbürgermeister Nach­mittags die Hahne'sche Sammlung auf dem Frauen­berge. Herr v. Kramer hat die für die Ausstel­lung wünschenswerthen Gegenstände ausgewählt und wird der Stadtbehörde ein Verzeichniß der­selben mit dem förmlichen Gesuche um Ueberlasiung zu dem gedachten Zwecke einreichen. Wie wir hören, wünscht derselbe auch die beiden der Stadt gehörigen werthvollen silb. Pokale und das vormalige Bürgermeister-Szepter zur Ausstellung zu erhalten.

B. Die Himmelskunde erfreute sich zu allen Zeiten und bei allen nicht gänzlich rohen Völkern eines ausgezeichneten Ansehens. Die ältesten Schrif­ten, das Buch Job, die Jliade u. a., bezeugen, welche hohe Wichtigkeit die Astronomie in jenen Tagen hatte und lassen uns ahnen, mit welch unermüdeter Beharrlichkeit die Urväter den Ster­nenhimmel beobachteten. Was die Alten ohne In­strumente unternahmen, das setzen heute gelehrte Forscher auf vortrefflich mit allen Hilfsmitteln ausgerüsteten Sternwarten fort; aber wir Alltags­menschen sind am Himmel nur nothdürftig be­wandert. Wir sehen heute die muthmaßliche Wit­terung an der Skala des Barometers ab, und lesen sie nicht mehr aus den Sternen. Damit hat die Betrachtung des Himmels an Jntereffe verloren; wir wenden keine hinreichende Ausdauer auf die Beobachtung der Lichtfunken über unseren Häup­tern, und deshalb dürfen wir uns meistens nicht rühmen, Kenner der Sterne zu sein. Es war darum ein sehr glücklicher Gedanke des Herrn Prof. Dr. Gies, die Aufmerksamkeit der Mit­glieder des Vereins für Naturkunde aus die Sternenwelt zu lenken. Am Montag Abend hielt derselbe einen zweistündigen Vortrag „über Stern­bilder und Sternörter. Nach einigen ein­leitenden Bemerkungen über die Art der astrono­mischen Forschungen sonst und jetzt, sowie über die wichtigsten astronomischen Grundbegriffe, zeigte und erläuterte der Vortragende die Sternbilver an einer transparenten Karte. Nebenbei wurden Belehrungen über Ursprung und Bedeutung ihrer Namen und über die scheinbare Größe und Farbe der Sterne gegeben. Sehr intereffant war auch Nie Mittheilung, daß einige Sterne im Laufe der Jahre verschwunden, andere neu erschienen und wieder verschwunden sind. Von vielen Slernen wurde ferner berichtet, daß ihr Glanz und zuweilen auch ihre Farbe sich periodisch veränderten. Einer der merkwürdigsten dieser Veränderlichen ist ein Stern im großen Bären, welcher in etwa 4^/2 Wochen nicht nur seine Helligkeit, sondern auch seine Farbe zwischen Gelb und Feuerroth ändert. Eine durch­aus befriedigende Erklärung solcher Erscheinun­gen kann bis heute noch nicht gegeben werden. Unter solchen sehr ansprechenden Seiten-Bemer- kungen wurden die wichtigsten Sternbilder an der genannten Karte veranschaulicht und dann an einem Himmels-Globus näher ausgeführt. Einem Berichterstatter sollte es schwer werden, das reiche Vortragsmaterial m den engen Rahmen eines kurzen Referates zu drängen, darum seien nur noch einige Kernpunkte erwähnt. Der Vortrag erstreckte sich im Weiteren auf 1. eine Erklärung über die Bestimmung der Sternörter durch Höhe und Azimuth, Rectascension und Deklination, Länge und Breite; 2. die Erklärung und Bestimmung der Sternzeit, der wahren und mittleren Zeit; Z. die Erklärung der Präzession (Vorrückung) der Nachtgleichepunkte mit Hilfe eines mechanischen Apparates. — Das alles wurde in einer solch' schlichten, verständlichen Form vorgetragen, daß sich dadurch der Herr Professor den wärmsten Dank aller Anwesenden erwarb. Die projektirte Exkursion nach einem freien Platze der Stadt, wurde wegen vorgerückter Zeit und ungünstiger Beleuchtung des Himmels auf einen geeigneteren Abend verschoben. Mögen sich an demselben recht

viele wissensdurstige Naturfreunds einstellen. Das Nähere über Zeit und Ort der Zusammenkunft wird in unseren Tagesblättern mitgetheilt werden.

* Aas unserem Regierungsbezirk schreibt man dem ,Fr. Beob/ unterm 25. v. M. Folgendes: Eine erfreuliche Erscheinung in unserem Regierungsbezirke bilden die all­mählichen Fortschritte der Bienenzucht. Gegen­wärtig findet man fast in jedem Landstädtchen einen Bie­nenzuchtverein, zu welchem dann auch meistens die Bienen­züchter in den benachbarten Dörfern gehören. Diese Vereine wirken durch theoretische und praktische Unterwei­sung ihrer Mitglieder in der Bienenzucht viel Gutes und setzen auch dieselben in den Stand, die Vortheile der neueren Apparate sich nutzbar zu machen und tragen auf diese Weise sehr viel zur Hebung und Belebung dieses in seiner Ersprießlichkeit nicht zu unterschätzenden Zweiges der Volkswirthschaft bei. Die Bienenzucht ist ein Gebiet, auf welchem wir von der sonst überall bedenklich gewach­senen Ueberproduktion noch weit entfernt sind, und welches daher wohl geeignet ist, eine günstige Gelegenheit zu den heutigen Tags so sehr begehrten Nebenverdiensten zu bie­ten und selbst als Haupterwerbszweig, wo die erforder­lichen äußern Bedingungen vorhanden sind, seinen Mann zu ernähren. Es werden in Deutschland jährlich für mehr als vier Millionen Mark Honig und Wachs eingeführt und ist doch nicht zweifelhaft, daß dieser Bedarf auch durch die inländische Produktion gedeckt werden könnte, da fast an allen Orten, wenn auch freilich mit gratuellen Unterschie­den, geeignete Bienenwride (Linden, Roßkastanien, Obst­bäume, Ginster, Haidekraut, Haselnuß, Sahlweide, Buch­weizen, Esparsette, Raps, Sonnenblume, Thymian rc.) vorhanden ist. Durch vie Einführung beweglicher Waben, welche gestatten, einem einzuschlagenden Schwarm aus vorräthigen Waben einen Bau zusammenzusetzen, gewissen Stöcken Vorräthe, weisellosen Stöcken junge Brut zuzu­führen rc., ist die Bienenzucht in neuerer Zeit so erleich­tert worden, daß zu hoffen ist, daß ihr eine noch weitere Verbreitung zu Theil werden möge.

% Sütter, 31. März. Gestern wurde in Ried von Vertretern der Gemeinden Lütter, Ried und Schmalnau Berathung gepflogen zwecks Gründung eines Bauernvereins in hiesiger Gegend. Man beschloß, von jetzt ab mit Energie ans Werk zu gehen, damit der Bauersmann endlich auch hier die Vortheile genießt, die man in anderen Ge­genden schon^seit Jahren als wesentlichen Faktor der die Lebensbedingung des Bauernstandes er­kannt hat.

* Hanau, 1. April. Das Frühobst ist Dank der herrlichen Witterung der letzten Tage in Blüthe getreten und berechtigt, falls der April, welcher sich heute in liebensivürdigster Weise eingeführt, kein Spielverderber mehr wird, zu den erfreulich­sten Hoffnungen.

* Homberg, 28. März. An den beiden letz­ten Tagen fand in der hiesigen Präparanden-An- stalt die Aufnahmeprüfung statt. Es hatten sich dem Vernehmen nach 53 Schüler eingefunden, wo­von aber nur 30 ausgenommen worden sind.

* Frankfurt, 1. April. Die sozialistische Fraktion des Reichstags hielt gestern hier eine Art Parteitag ab, zu welchem sich beinahe alle Abgeordnete, sowie mehrere Vertrauensmänner ein­gefunden hatten.

* Mainz, 1. April. Beim Abtragen von Erd­werken hinter dem Holzhof wurden durch Nach­stürzen von Erdmaffen mehrere Arbeiter verschüttet. Drei derselben sind tobt geblieben.

Monatskalender

des Fuldaer Gartkuballvereius für April.

Obstgarten. In diesem Monat müssen alle Obst­bäume welche veredelt werden sollen, vorgenommen wer­den, alte Bäume welche schlechte Früchte haben und um­gepfropft werden sollen, dürfen nur 3/4 ihrer Aeste beraubt werden, weil sonst der Baum im Safte ersticken kann; die zurückgelassenen Aeste kann man im nächsten Jahr veredeln, nur darf man den Baum resp. die Aeste nicht weiter zu­rückschneiden, d. h. wo die Veredlungsstelle hinkommt, als ohngefähr von einer Stärke von 2 cm und wird auf solch' einen abgeschnittenen Zweig stets nur 1 Pfropfreis gesetzt, solche Veredlungsstellen verwachsen in 2—3 Jahren vollkommen, und erreichen solche Bäume dasselbe Alter als wären'sie nicht umgepfropft worden. Das gewaltsame Umpfropfen, wie dies so manchmal geschieht, wo die Aeste bis auf 6 cm Stärke abgeworfen und dann auf so einen starken Ast 6—8 Pfropfreiser aufgesetzt werden, ist gänz­lich zu verwerfen, denn wenn auch sämmtliche 8 Reiser anwachsen, gut verwachsen werden sie nie und nimmer und mehr wie zwei Aeste dürfen schließlich doch nicht stehen bleiben, und so müßten durch das Abschneiden der übrigen Aeste gerade an der Veredelungsstelle stets neue Verwundungen gemacht werden, und das ist sehr nach­theilig. Weinreben können ausgenommen und angeheftet werden. Stachel-, Johannis- und Himbeeren sind jetzt mit bestem Erfolg durch flüssigen Dünger zu düngen. Wenn jetzt Obstbäume gepflanzt werden, so ist es gut, wenn dieselben tüchtig eingeschlämmt, aber nicht angetreten werden.

Gemüsegarten. Der April ist der eigentliche Säe­monat, sei es nun im Anfang oder Ende des Monats, je nachdem es die Witterung erlaubt. Es müssen gesäet werden: alle Sorten Erbsen, theils für die Küche, theils zum Samen, ferner säe man alle späten Kraut-, Kohl- und Kohlrabisorten, Rotherüben, Möhren, Lauch, Radieschen, alle Sorten Salat welche man auspflanzen will rc. Von

Erbsen, Radieschen und Salat, mache man von jetzt an bis Mitte August alle 14 Tage frische Aussaat. Mitte April kommen die im Februar ausgesäeten Kraut- und Kohlrabisorten sowie Salat zum Auspflanzen. Sämmtliche Beete und Quartiers müssen in diesem Monat fertig ge­graben werden, denn der kommende Monat, der Mai, ist der Pflanzmonat, da ist keine Zeit mehr zum graben. An geschützte Stellen können von Mitte April an auch Frühkartoffeln und Buschbohnen gelegt werden. Bei de« Mistbeeten muß fleißig gelüftet, gejätet und gegossen wer­den, am Tage die Fenster ab- und Abends wieder aufge­legt werden, mit Ausnahme der Gurken und Melonen.

Blumengarten. Wenn die Blumenbeete und Ra­batten noch nicht alle gegraben sind so muß dies jetzt geschehen, ebenso muß der ganze Garten und die Wege gesäubert werden, denn im Mai müssen doch alle Blumen­beete ausgepflanzt werden und da ist zu solchen Arbeiten keine Zeit mehr. Von Blumensamen kann jetzt eine zweite Saat ^gemacht werden und zwar ins Freie, um damit einenSpätflorzuerzielen, als: Levkoyen,Astern, Bilsaminen, R.-seda rc., auch lege man jetzt unangetriebene Georginen, Gladiolen und Ranunkeln gleich an Ort und Stelle ins Freie; warte aber mit dem Auspflanzen der in Mistbeeten gezogenen Blumenpflanzen bis Mitte Mai,, lüfte aber die Fenster so viel wie möglich, und ber ruhigem mildem Wetter lege man dieselben am Tage ganz herunter und Abends wieder darauf. Mit dem Aufnehmen der im vo­rigen Herbst eingegrabenen hochstämmigen Rosen sollte man nie vor dem 15. April beginnen, und mit dem Be­schneiden derselben kann man sogar bis Ende dieses Mo­nats warten, namentlich mit den Theerofen. Buxbaum- Einfassungen können jetzt beschnitten und noch ausgebessert und spätblühende Ziersträucher noch verpflanzt werden; aber ganz besonders ist die zweite Hälfte des Monats zum AuSpslanzen der verschiedenen Coniferen (Nadelhölzer) ge­eignet, und zwar so viel als möglich mit guten Wurzel- ballen, und nach dem Verpflanzen gut anzugießen, jedoch nicht anzutrsten. — Im Freren mehrt sich jetzt dis Früh­lingsflora, denn es blühen Hyazinthen, Tulpen, Narziffen, Tazetten, Kaiserkronen (frititaria), Adonis vernatis, Gen­tiana, Iris, Vergißmeinnicht, Primel und Aurikel rc. Von den Ziersträuchern blühen Alahonia aquafolia (Berberis) mit seinen goldgelben Blüthentrauben, tipirrea pranifolia, Prunus titoba, am schönsten aber blühet wohl die japa­nische Quitte (Cydonia japonica) mit ihren großen schar- lachrothen Blüthen; im Garten des Herrn Mark heim stehen hier zwei große Sträucher davon, und diese blühen nicht nur jedes Jahr prachtvoll, sondern sie tragen auch oftmals viele Früchte, welche sich durch ihren Wohlgeruch vor allen anderen Früchten auszeichnen. Im Blumenzimmer ist jetzt oft zu lüften, auch öfter, aber immer mit lauwarmem Wasser zu begießen, die abgeblühten Hyazin­then und Tulpen werden ganz zurückgestellt und trocken gehalten und durch blühende Cinerarien und Azaleen er­setzt, welche jetzt in den hiesigen Gärtnereien recht schön blühen. B.

Neueste Depeschen.

* * London, 1. April. ,Reuters Bureau' meldet aus Suakim von heute: Wie Spions be­richten, lagere Osman Digma in Ashatit bei Ta« manieb mit ungefähr 1000 Mann und viele« Stamm-Häuptlingen; er bereite einen Angriff auf die den Engländern befreundeten Stämme vor. Vergangene Nacht ist der Feind bis auf eine Ent­fernung von einer Meile an Suakim herangekom­men und hat einen Fouragevorrath fortgenommen. Mahmud Ali ist mit ca. 100 Manu zu seiner Verfolgung abgegangen. Die Bevölkerung SuakimS ist mit dem Abmarsch der englischen Truppen un­zufrieden.

Familiennachrichten.

Dompfarrei.

Geborene. Den 24. März: Karoline Sabine Mari«, T. des Fabrikanten Johann Joseph Müller.

Gestorbene. Den 27. März: Eduard Johann, S. des Wagners Alexander Teubner zu Dietershan, 3 I. 5 A. 16 T. Den 27. März: Margarita Jahn, ledig, 60 I. 4 M. 16 T.

Stadtpfarrei.

Geborene. Den 24. März: Rosa, T. des Eisen­händlers Franz Joseph Studt. Den 27. März: Johann, S. des Braumeisters Konrad Oberndorfer. Den 28. März. Im Entbh.: Maria Theresia, unehel. T. einer Auswärtigen.

Gestorbene. Den 23. März. Jm Landkrkh.: Andreas Schneider, ledig, aus Burghaun, 51 I. Den 26. März: Therese Ernestine, Ehefrau des Maurers Franz Joseph Ulmicher, 34 I. Den 26. März: Mathilde Margaretha, T des Maurers Franz Joseph Ulmicher, 4 T. Den 28. März: Im Landkrkh.: Karl Dietrich, Rechnungsrevisor a. D., aus Kaub am Rhein, 60 I. Den 29. März: Justus Richard, S. des Fabrikarbeiters Georg Wiegand zu Horas, 2 Jahre.

Marktbericht.

Frankfurt, 1. April. Marktpreise im Großverkauf. Heu- und Strohmarkt. Angefahren 58 Wagen. Heu pr» 100 Kil. 6 Mk. 60 Pfz. bis 7 Mk. 20 Pfg. Stroh pr» 100 Kil. 5 Mk. 80 Vfq. bis 6 Mk. — Pf. Markthallen­preise: Kartoffel pro 100 Kil. 4 Mk. bis 4 Mk. 50 Pfz. Zwiebel 50 Kil. 12 bis 14 Mk. Butter 50 Kil. 100 bis 105 Mk. Eier pro 100 St.: deutsche 4 Mk. 50 Pf. bis 5 Mk., italienische 5 Mk. 70 Pfg.

Meteorologische Beobachtungen.

Fulda, 2. Apttl, Mittags 12 Uhr:

Barometer st and: 738 Mill.

Thermometer st and: 13,5» Rsaum.