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Fuldaer

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Zweites Blatt.

Deutsches Reich.

Fulda, Sonnabend, 29. März.

* Der ,Kur. Pozn.' schreibt in Betreff der DiSpens-Ertheilung für die Diözese Gnesen- Posen: „Wir erfahren aus kompetenter Quelle, daß zu den bereits ertheilten 40 Dispensen für nach den Maigesetzen ausgeweihte Priester in die­sen Tagen noch einige hinzugekommen sind. Leider langte gleichzeitig auch eine ganze Reihe (kilka- aascie, mehr als zehn) abschlägiger Antwor­ten an, in welchen der Minister geradezu erklärt, daß er diesen und jenen Geistlichen die Dispens nicht ertheilen könne. Diese abschlägigen Bescheide, welche man in anderen Diözesen kaum kennt, wäh­rend sie bei uns durch ihre ungewöhnlich große Zahl auffallen, sprechen in beredter Weise für die Gesinnung, welche gegen unsere Erzdiözese in Ne­gierungskreisen herrscht." Auch die .Kölnische Volkszeitung' berichtet über Ablehnung von Dis- pensgesuchen aus Erzdiözese Köln: „Nachdem am 25. d. noch neun Dispensen für Geistliche der Erzdiözese Köln hier angelangt waren, wurden am 27. d. M. die Zeugnisse von 39 Geistlichen der Erzdiözese zurückgeschickt, in Betreff deren der Minister erklärt hat, „daß er davon ab seh en müffe, dieselben auf Grund des Absatz 2 des Art. 3 des Gesetzes vom 31. Mai 1882 von dem drei­jährigen Besuche einer deutschen Universität bezw. einer gleickwerthigen Anstalt zu dispensiren". Es sind das Geistliche, die ihre akademischen Studien ganz oder theilweise in Rom oder Innsbruck absolvirt haben. Die Zahl der Dispensirten be­trägt nunmehr 282, die der nicht Dispensirten 39, »nd die Zahl derer, über welche die Entscheidung noch aussteht, 15. Das Vaterland wäre also gerettet. Und bei einer derartigen Anwendung einer diskretionären Vollmacht angesichts der schrei­endsten kirchlichen Nothstände beansprucht man Vertrauen in die „wohlwollenden Absichten der StaatSregierunq"."

S lqj Penelope.

Rach dem Englischen.

Die Falte auf Hauptmann Graham's Stirn »ettiefte sich noch, seine Augen blickten streng in das hübsche, träge Gesicht seines Freundes Algy.

„Nun?" fragte der Erstere.

„Laß mich an Nelly schreiben und sie bitten, auf mich zu warten", sagte Algy mit tiefernster Stimme, „und ich schwöre Dir, alter Junge, daß ich mich, so lange ich lebe, nie mehr auf eine Wette einlaffen will."

„Nein", war die klare bestimmte Antwort. „Ich jage jetzt, wie ich schon früher gesagt, ich werde Dir Nelly erst geben, wenn Du Dich eines solchen Vertrauen» würdig erwiesen. Der Himmel weiß, Algy, daß ich nur das Beste mit dieser Entschei­dung beabsichtige."

„Gute Nacht", sagte Algy kurz.

Aber Douglas legte beide Hände auf die Schul­lern seines Freunde» und blickte ihm ernst in die Augen.

„Du hörtest, wie ich heute Abend zu Deiner Schwester sagte, ich hoffte, sie würde N.lly eine» DageS kennen lernen — ich meinte damit, als Deine Frau. Und jetzt gute Nacht."

„Er verliebt sich Hals über Kopf in Penelope", jagte Algy zu sich selbst. „Der gute, alte Dou- »las! mag er um sie werben, meine Erlaubnitz l«t er dazu; aber es ist hart, daß meine Sachen Nicht auch so gut stehen."

* Der ,Frankfurter Zeitung' wird aus London gemeldet: Nach einem Kabeltelegramm des.Stan­dard' ist der Weizen gestern in Chicago um weitere 3 Cts. per Bushel gefallen, so daß der Rückgang während der letzten 14 Tage 10 Cts. beträgt. An der Börse von Chicago wurden gestern innerhalb einer Stunde 6000 Bushels umgesetzt. Auch die Frachten sind sehr niedrig. Die ganze Lage des Getreidemarktes in den Ver­einigten Staaten zeugte von der unter den Interessenten verbreiteten Wahrnehmung von der Bedeutung Indiens als eines Getreide produziren- den Landes und besten Konkurrenz mit den Ver­einigten Staaten.

* Berlin, 28. März. In der gestrigen Sitzung des Herrenhauses wurde eine Petition des ka­tholischen Kirchenvorstandes in Dort­mund wegen Außerkraftsetzung des Gesetzes über die Rechte der altkatholischen Kirchengemeinschaft der Regierung zur Kenntnißnahme überwiesen. — Bei Berathung einer Petition des katho­lischen Kirchengemeinde-Vorstandes in Wiesbaden über die gestattete Einräumung der Pfarrkirche in Wiesbaden an die Altkatholiken stellte sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus.

* Berlin, 28. März. Den Bundesraths- Bevollmächtigten ist gestern der Bericht der Zucker- Enquete-Kommission zugegangen. Derselbe besteht aus zwei Drucksachen, dem Berichte selbst und den Anlagen, zusammen 176 Seiten umfas­send. Der Bericht selbst enthält auf seiner letzten Seite die bekannten vier Vorschläge; Beibehaltung der Rohbesteuerung, Erhöhung der Rübensteuer von 80 auf 85 Pfg. den Centner, Herabsetzung der Exportbonifikation um 40 Pfg. auf 3,60 M. und keine besondere Besteuerung der Melasse. Der Bundesrath wird nunmehr Beschluß über diese Anträge fassen, und dann wird in dem Reichsschatz­amt der betreffende Entwurf ausgearbeitet werden.

* Berlin, 28. März. Unfallgesetzkommission. Bei der heutigen Generaldebatte legten Löwe, Dr. Barth, Oechelhäuser, Buhl, v. Hammerstein und v. Hertling den Standpunkt ihrer resp. Fraktionen

Algy Chartres kannte Hauptmann Graham zu gut, um zu denken, er würde je sein Wort zurück­nehmen und er faßte noch vor dem Schlafengehen an diesem Abend den festen Entschluß, keine Schul­den mehr zu machen und seine extravagante Lebens­weise aufzugeben. Armer Algy! Einen Entschluß fassen und denselben ausführen ist zweierlei. Algy Chartres, der von seiner frühesten Kindheit an keinen Pfennig in der Tasche behalten konnte, wie sollte er es jetzt anfangen?

Hauptmann Graham schrieb an demselben Abend noch einen Brief an Nelly, in welchem er Algy's Namen gelegentlich zwei oder drei Mal erwähnte.

„Armes Kind", sagte er, als erden Brief fal­tete. „Aber es ist doch besser so."

3. Kapitel.

Ein trüber Wintermorgen war angebrochen, ein eisiger Nordwind jagte die dicken, grauen Wolken hinter den Borgen hervor. Schnee bedeckte die Erde, alles sah öde und traurig aus, und auf Nelly Graham's Gesichtchen, das aus dem Fenster von Cconigfell auf die winterliche Landschaft blickte, lag ebenfalls ein trauriger Ausdruck. Cronigfell war ein langes graues Gebäude mit einem Gras­platz und Laubgängen an der Vorderseite, und einem Küchengarlen hinter dem Hause. Hinter dem Garten erhoben sich die Berge und dehnte sich das jetzt schneebedeckte, sonst aber in einer eigenartig wrlden Schönheit prangende Moor aus.

Es war um neun Uhr an diesem mütterlichen

dar. Morgen beginnt die Spezialdebatte, welche auch in nächster Woche fortgesetzt werden soll.

* Berlin, 28. März. Die „deutsche frei­sinnige Partei" des Abgeordnetenhauses, hat sich heute konstituirt. Sie wählte in den Vor­stand Richter, Hänel, Rickert, Klotz, Büchtemann, Meyer (Breslau), Kieschke, Virchow, zu Schrift­führern Goldschmidt und Worzewski.j

* Berlin, 28. März. Den Abendblättern zu­folge hat der amerikanische Gesandte Sargent auf den Petersburger Posten resignirt und tritt au» dem diplomatischen Dienst zurück. Er wird nach Amerika zurückkehren und seinen Sitz im Senate einnehmen.

* Berlin, 28. März. Nach einer Depesche, welcher der .Times' aus Washington zugegangen ist, wird der Berliner Gesandtschaftsposten auf unbestimmte Zeit unbesetzt bleiben.

* Danzig, 28. März. Der westpreußische Provinziallandtag wählte heute einstimmig den Ab­geordneten vr. Wehr wieder zum Landesdirektor auf 12 Jahre und den Oberbürgermeister v. W i n t e r zum Vorsitzenden des Provinzialausschusses auf 6 Jahre.

* München, 28. März. Die Abgeordneten­kammer genehmigte mit 125 gegen 15 Stimmen gemäß dem Ausschußantrage die von der Regier­ung geforderten 380,000 M. zuni Ausbau de» Akademiegebäudes.

* München, 27. März. Weit über zwei Stunden wurde in der heutigen Sitzung der Ab­geordnetenkammer über das Kadetten­korps debattirt, über die konfessionellen Verhält­nisse des Lehrpersonals, welches in demselben thä- tig ist, und über den Geschichtsunterrichts, wie er darin ertheilt wird. Die Zöglinge sind zum weit­aus größten Theil Katholiken, die Lehrer zum größten Theil Protestanten. Die Zöglinge sind durchaus Bayern, aber von der bayerischen Ge­schichte hörten sie seither wunderwenig. Diese Verhältnisse wurden nebst Anderem, was ähnlicher Natur ist, seit einiger Zeit in der Presse, im Fi­nanzausschüsse und im Plenum der Abgeordneten­kammer besprochen; der Kriegsminister suchte Alle»

Morgen, und in dem warmen, behaglichen Eß­zimmer stand das Frühstück bereit, das Feuer prasselte und knisterte wie im Trotz gegen die draußen herrschende Kälte, doch N^lly's Augen waren immer noch auf die schneeige Landschaft gerichtet.

Nelly, Douglas Graham's Schwester, war, wie er sie geschildert, ein nußbraunes Mädchen mit goldbraunem Haar, das sich weich um ihre nie­dere, weiße Stirne legte, ihr Gesicht war pikant, obschon die dunkeln Augen ziemlich traurig und ernst hinter den schwarzen Wimpern hervorblickten, und der kleine kindliche Mund mit einem resoluten Ausdruck fest geschlossen war, der dem schelmischen, lebensfrohen Mädchen nicht gut anstand.

„Nelly!" - „Ja Mutter."

„Komm und besorge das Frühstück, Liebste."

Mit einem leichten Seufzer trat Nelly an den wohlbesetzten Tisch und begann den Kaffee einzu- gießcn.

„Ist die Post sch»n gekommen, Nelly?"

„Nein, Mutter, ich sah nach dem Postboten aus."

„Wir sollten heute einen Brief von Dougla» bekommen."

Der Mutter Stimme wurde weich, als sie ihres Sohnes Namen aussprach. Wohl mochte Dougla» Graham seine Mutter lieben mit ihrem zarten, sanften Gesichte, ihren lieben treuen Augen. Mistres Gi aham hatte sich mit sechszehn Jahren verheirathet und sah noch sehr jung, aber zart und schwächlich aus.