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Freitag, den 28. März

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Deutsches Reich.

Fulda, Freitag, 28. März.

* Der ,Reichsanzeiger6 meldet: Durch Beschluß des Staatsministeriums ist für den Umfang des Sprengels des Erzbisthums Köln die Wie­deraufnahme der eingestellten Staats­leistungen von Neujahr 1884 ab angeardnet worden.

Die »Germania' behandelt diese neueste kir­chenpolitische Maßregel der Negierung in einem Leitartikel» dem wir Nachstehendes auszüglich ent- uehmen: „Nach der Aufhebung der Sperre für die drei Bisthümer Ermland, Culm und Hildes­heim und nach der Zurückberufung der Bischöfe von Limburg und Münster waren nur noch die beiden Erzdiözesen Köln und Gnesen-Pofen den Wirkungen des Sperrgesetzes und der „Adsetzungs"- llrtheile des „kirchlichen Gerichtshofes" ausgesetzt geblieben. Es wurde selbst von gegnerischer Seite anerkannt, daß kein Grund vorliege, die Geist­lichen und die Gemeinden dieser Diözesen für den Konflikt, in welchem sich der Staat noch mit den beiden Bischöfen befindet, büßen zu lassen. Ein kulturkämpferisches Blatt äußerte freilich das Be­denken, daß bei Aufhebung der Sperre der „ab­

gesetzte" Bischof zu seinem Einkommen gelangen könnte; es beruhte dieses Bedenken aber bloß auf einer Vergeßlichkeit in Betreff der „staatlichen Ver­waltung des Diözesan-Vermögens. Die Staatsre­gierung hat nun kurz vor Ablauf der Vollmachten des Juligesetzes (am 1. April d. I.) von ihrer Befugniß zur Aushebung der Sperre zu Gunsten Köln's Ge­brauch gemacht, was wir dankbar anerkennen. Dieser an sich erfreuliche Beschluß hat aber zwei Schatten­seiten. Zunächst bringt er die Befürchtung mit sich, daß von der betreffenden Vollmacht zu Gunsten von Gnesen-Pofen kein Gebrauch gemacht werden soll. Da uns nur wenige Tage von dem Erlöschen der Vollmacht trennen, so erscheint die Beseitigung der Sperre für Gnesen-Pofen nicht blos aufgeschoben, sondern auch ausgehoben. Wenigstens vorläufig. Die Optimisten werden sagen, daß vermuthlich für Gnesen-Posen eine baldige Lösung der Biichofs- frage in Aussicht stehe, welche die Aufhebung der Sperre von selhst mit sich bringen würde. Die Skeptiker aber werden entgegnen, daß gerade in diesem Falle die Regierung sich zu der sofortigen Aufhebung hätte verstehen müffen, um der Posen'- schen Erzdiözese ebenso wie der Kölnischen Erz­diözese den Genuß der Staatsleistungen für das laufende Vierteljahr zu sichern. ..... Wir würden die ungleiche Behandlung der beiden Diözesen in diesem finanziellen Punkte selbst vom antipolnischen Standpunkte eines Hundt v. Hassten nicht begreifen können, und wollen des­halb die Hoffnung nicht fahren lassen, daß die Staatsregierung bis zum 1. April noch einen Entschluß kundgibt, welcher für Posen billig sein läßt, was für Köln recht war. — Die zweite Er­wägung, welche unsere Freude über die Wieder­aufnahme der Staatsleistungen für Köln beein­trächtigt, ist die, daß die Hoffnung auf die Rück­berufung des Bischofs anscheinend in nächster Zeit nicht auf Verwirklichung zu rechnen hat. Die Regierung bleibt ihrem System getreu, die Er­leichterungen im Kulturkampf vereinzelt, in mög­lichst spärlichem Maße und in kalter, nüchterner Form, statt in einer großen, ie Gemüther be­wegenden Aktion eintreten zu lassen. Wir wollen

nicht untersuchen, ob die Mißachtung der Volks­psychologie, welche hier wie anderswo sehr deutlich zu Tage tritt, absichtlich oder unbewußt erfolgt.1 Es bleibt uns nur jedesmal die Pflicht, Alles an­zuerkennen, was zur Besserung der traurigen Zu­stände dient, aber zugleich auf das aufmerksam zu machen, was den Katholiken und ihrer Kirche an ihrem guten und heiligen Rechte noch fehlt".

* Der Präsident der Vereinigten Staaten hat, wie wir bereits gestern meldeten, den bisherigen amerikanischen Gesandten in Berlin A. A. ©urgent zum Vertreter der Vereinigten Staaten in St. Petersburg ernannt. — Die ,Köln. Ztg.' erhält hierüber folgende Nachricht: Man bestätigt, daß die amerikanische Regierung Herrn Sargent telegraphisch von seiner Ernennung zum Gesandten in St. Petersburg in Kenntniß gesetzt hat mit dem Hinzufügen, daß sie sein Verfahren in der Laskerangelegenheit, welches den ihm ertheilten Weisungen entsprochen hätte, vollkom­men billige und der Senat als ein Zeichen der Werthschätzung und Ehre seine Ernennung so­gleich, ohne Kommissionsberathung und einstim­mig, bestätigt habe.

♦ Berlin, 27. März. Die .Kreuzztg.' meldet: Die deutsch-konservative Partei des Reichstags wird eine Resolution vorschlagen, welche den Bundes­rath zur baldmöglichsten Vorlegung eines Börsen­gesetzes und eines wirksamen Börsensteuergesetzes au ssordert.

* Berlin, 27. März. Die Sozialistengesetz- Kommission hält die nächste Sitzung erst nach den Osterferien ab. In Parlamentskreisen verlautet, die Kommissionsmitglieder des Centrums würden auf die Verschärfung der Bestimmungen des Straf­gesetzbuchs und des Preßgesetzes gerichtete Anträge stellen, welche besonders die Angriffe auf das Eigenthum, die Familie und. Ehe treffen sollen.

• Berlin, 27. März. In der heutigen Sitzung der Unterrichts-Kommission des Abgeordnetenhauses erklärte der Regierungskommissar, daß das Schul­dotationsgesetzfertiggestellt sei. Das Staats­ministerium habe bereits darüber berathen, wann dasselbe vorgelegt werden solle, ein Beschluß

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iry Penelope.

Nach dem Englischen.

„Ich gehe hinauf, um mich niederzulegen. Der Schrecken über Deinen Unfall hat meine Nerven vollständig aufgerüttelt. Deine arme Mutter ver­wöhnte Dich, Penelope — es ist gut, daß sie nicht amLeben blieb, um ihre Kinder aufwachsen zu sehen."

So sprach in würdevollem, gemessenem Tone die Tante.

Das heiße Blut stieg in Penelope's Wangen, als Miß Chartres in Begleitung von Tom aus dem Zimmer ging.

Hauptmann Graham, der Miß Chartres die Thüre offen gehalten, fand sie mit thränenden Augen und einem harten stolzen Ausdruck auf den schönen Zügen in's Feuer starrend. Er blickte sie mitlei­dig an, sprach aber Nichts. Penelope fuhr mit der Hand über die Augen und begann ungestüm:

„Ich kann Alles ertragen, bis Tante Chartres von meiner Mutter spricht." Ihre Stimme zit­terte vor Bewegung.

„Erzählen Sie mir von Ihrer Mutter," bat Douglas sanft.

„Sie starb vor vier Jahren," flüsterte Penelope; „Algy und ich können sie nie vergessen."

Dann erzählte sie ihm von ihrer Mutter und «ie sie einander Alles gewesen und während sie sprach, bebte ihre Stimme und ihre Augen füllten sich mit Thränen bei den wehmüthigen Erinner­

ungen, die sich ihr aufdrängten. Douglas beugte sich zu ihr:

„Bitte, sprechen Sie nicht weiter, wenn es Sie betrübt."

Penelope's Thränen flössen reichlich, Hauptmann Graham's Stimme war voll Mitgefühl.

„Sie muß so lieb und gut gewesen sein, wie e» meine Mutter ist. Ich wünschte, Sie kännten sie und Nelly."

Und dann fing er an ihr zu erzählen von seinem eigenen Heim in dem schönen Schottland, dem Land der Berge und sonnigen Haiden» bis Penelope's Thränen zu fließen aufbörlen und sie interessirt seiner Beschreibung lauschte.

„Wie viele Schwestern haben Sie?" fragte sie. Die Zärtlichkeit, mit der er von seiner Mutter sprach, hatte ihr wohlgethan. Er konnte den Schmerz und die Verlassenheit des mutterlosen Mädchens verstehen.

„Nur eine," entgegnete er — „nur Nelly; aber vier Brüder — Allan, Tom, Krenneth unv den kleinen Donald, der noch im Röckchen herumläust, der arme kleine Mann. Er war ein Baby, als die Nachricht von dem Tode unseres Vaters kam, und ich erinnere mich noch sehr wohl, daß meine arme Mutter ausrsif, sein Vaier müsse den fletnen Donald nun vom Himmel aus segnen. Ich glaube, er ist jetzt ihr Liedling."

„Und wie sieht Nelly aus?" fragte Penelope.

„Nelly ist ein nußbraunes Mädchen mit blauen

Augen, eine liebe, gute Seele und führt ein arbeitsames Leben. Sie sorgt wie ein Mütterchen für ihre Brüder." l

Penelope lachte.

„Welch' ein glückliches Heim Sie haben? Ich möchte Nelly kennen. Ich habe sie schon gern.":

„Ich hoffe, Sie werden sie eines Tages kennen lernen," erwiderte er.

„Wen kennen lernen?" fragte Algy, in das Zimmer tretend. „Wen sollst Du kennen lernen,. Penelope?"

„Hauptmann Graham's Schwester. Er erzählte mir von seiner Heimath in Schottland." !

War es das Feuer, das plötzlich bei der bloßen Erwähnung von Nelly Grahams Namen eine solche Röthe über Algy's Gesicht ergoß? Seine Augen begegneten denen seines Freundes und seine Stimme klang tiefernst, als er antwortete:

„Gebe der Himmel, daß Du sie eines Tages kennen lernst, Penelope." Tann, als ob er sich ' seiner Bewegung schäme, sagte er rasch: „Pene­lope, Sultan's Schicksal ist entschieden — Papa will ihn sofort verkaufen."

„Armer Sultan!" sagte Penelope bedauernd. „Hätte ihn doch dies Kaninchen heute nicht aufgeschreckt!" f

Hauptmann Graham lachte.

„Es war nicht das Kaninchen — er suchte nur nach einem Vorwand auszureißen."

„Er ist so schön und edel," sagte sie, immer noch ihren Lieblmg bedauernd.

„Und Du kannst ihn so leicht bändigen," schal-