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Montag, den 24. März

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Penelope.

Nach dem Englischen.

der Regierung'* Dinge bekannt seien, welche sie in der großen Oeffentlichkeit nicht zu erörtern wage, und die eine umfassendere Machtvollkommenheit der Exekutive zur Abwehrung anarchistischer Anschläge erforderlich machten. Bisher hat die Regierung nichts Positives über thatfächliche Ausschreitungen der sozialistischen Partei in Deutschland beweisen können, und die höhnische Anspielung eines Sozial­demokraten, daß das Frankfurter Dynamit-Atten­tat, wie man es den Sozialdemokraten in die Schuhe schieben wolle, ebenso ein von der Polizei angezet­teltes Werk sein könnte, bewies, indem sie wegen Mangel an Beweis ohne schlagende Erwiderung bleiben mußte, am besten, wie gering die Anhalts- punkte für eine in Deutschland bestehende „Propa­ganda der Thal" sein werden. Immerhin muh die Regierung es als ein Zeichen der Loyalität ansehen, wenn die Majorität des Reichstages, obwohl augen­scheinlich mit einer einfachen Verlängerung des So- zialistengesetzes nicht zufrieden, ihr dennoch Gelegen­heit geben will, alles und jedes Material herbei­zuschaffen, welches vielleicht zu einer Erörterung vor gefüllten Tribünen und zu breiter Reproduktion durch die gesammte Preffe nicht so ganz geeignet wäre.

Wir halten von dieser Seite der Kommissions- berathung nicht viel, denn schon heute möchte es klar genug sein, daß die Regierung zur Begrün­dung ihres Verlängerungsantrages nicht mehr an­zuführen weiß, als sie bereits vorgetragen hat.

hoffentlich nächstens etwas vorsichtiger in seinen historischen Exkursionen sein, insbesondere wenn sie sich gegen eine Macht richten, welcher auch er, dem Drange der moralischen Rothwendigkeit folgend, auf die Dauer seine faktische Anerkennung nicht hat versagen können. Uebrigens wird es nicht bloß uns ausgefallen sein, daß dieser „historische Vortrag" über die angeblichen revolutionären Neigungen der Katholiken mit einem gewiffen jüngsten Artikel der .Nordd. Allgem. Ztg.' in einer ganz merkwürdigen Jdeenharmonie sich begegnet. — Außer dieser „nebenbei" unternommenen Exkursion auf das ge­fährliche Kulturkampfsfeld hat Fürst Bismarck sich fast nur mit der neuen freisinnigen Partei zu schaf-

O Rückblick.

Die zweitägigen Verhandlungen des Reichstages Über die Verlängerung des Sozialistengesetzes haben zwar noch keine desinitive Entscheidung über die zur Debatte stehende Frage herbeigeführt, sind aber dennoch in mannigfacher Beziehung intereffant ge­nug, um sie in großen Zügen in einem besonderen Artikel zu behandeln und ihre Konsequenzen fest­zustellen. Schon sitzt läßt sich ein gewisses Resul- tot der Verhandlungen insofern feststellen, als sich unzweifelhaft herausgestellt hat, daß die weit über­wiegende Mehrheit des Hauses nicht geneigt ist, so ohne Weiteres dem Anträge der Reichsregierung zu entsprechen. Die gegen die Stimmen der beiden konservativen Fraktionen und der Sozialdemokraten — natürlich aus ganz entgegengesetzten Gründen — beschlossene Kommissionsberathung soll nach der Meinung des Antragsstellers Dr. Windthorst und demnach auch nach dec stillschweigenden Intention der den Antrag unterstützenden Majoritätsparteien zweierlei bezwecken.

Erstens soll in der Komission der Regierung Gelegenheit geboten werden, über die zu ihrer Kenntniß gelangten Pläne und Umtriebe der So- zialisten und Anarchisten in Deutschland Aufschluß zu geben. Man ging dabei von dem Gedanken aus, die Möglichkeit sei nicht ausgeschloffen, daß

nicht, daß e» schon so spät sei." Und sie eilte aus dem Zimmer und die Treppe hinauf in einem Tempo, das ihrer Tante höchstes Mißfallen erregte.

Tom, würdevoller als je, doch etwas beleidigt aussehend, hatte sich, nachdem er sich erst über­zeugt, daß die Luft rein sei, wieder in das Zim­mer gewagt und saß nun feierlich neben seiner Herrin.

Die Glocke ertönte gerade, als Penelope, in blauem Cachemirekleid mit Schwanenpelz besetzt, nach Hauptmann Grahams Meinung bezaubernder als je aussehend, die Treppe herunter eilte. Gleichzeitig erschien auch Mister Chartres und be­trat mit Penelope das Zimmer. Er war Algy mit grauen Haaren und gealterten Zügen. Der­selbe angenehme, gutmüthige Ausdruck sprach aus seinen Augen. Mister Chartres war ein jovialer, gutherziger Landedelmann, ein Freund des Sport und leidenschaftlicher Jäger; sein Jagdpferd Rufus war in der Grafschaft wohl bekannt, und Miß Chartres rechnete man es zur Ehre an, daß auch sie eine Hetzjagd liebte.

Es war eine fröhliche Gesellschaft beim Diner an diesem Abend. Hauptmann Graham saß neben Penelope, und sie wurden bald große Freunde.

„Sie muffen mir heute Abend wieder singen — wollen Sie?" fragte er.

„Sie oerdienen's kaum", sagte Pci elooe lachend, „nach der unschönen Art, wie Sie sich heute Abend in das Zimmer geschlichen".

„Tom und ich sind alte Feinde", lachte Algy. „Er macht sich zu breit — er meint, er sei allein Herr hier. Komm Graham, wir müssen jetzt weg — es wird gleich Essenszeit sein."

„Wird Algernon jemals bedenken, daß er kein Knabe mehr ist?" seufzte Tante Chartres, als der Klang seiner lustigen Stimme auf der Treppe »erhallte. „Und Du, Penelope, unterstützest ihn auch noch, indem Du über seinen Unsinn lachst."

„Ich konnte nicht anders, Tante — Tom sah zu lächerlich aus."

Miß Chartres Augenlider schloffen sich wieder. Daß Penelope in solch' heiterer Laune sei, weil ge ihren Spielgefährten Algy wieder hatte, war ihr ein Räthsel. Die alte Dame mit ihrem wirk­lichen oder eingebildeten Leiden brachte ihr Leben sehr einförmig zu, ein bischen Handarbeit, ein neuer Roman und die Besuche des Arztes waren chre einzige Abwechslung, und daß Penelope mehr wünschen oder verlangen sollte, ging über ihre Begriffe.

„Penelope, wirst du noch nicht Toilette machen?" sagte sie jetzt, als Penelope mit verschlungenen Händen dastand und mit lächelnden, nachdenklichen Mienen in das Feuer starrte.

Penelope blickte auf die Uhr auf dem Kaminsims. „Ich habe nur noch zehn Minuten; ich wußte

„Oh, Sie müssen mir verzeihen", bat er. „Sie wissen, wir konnten nicht anders, wir mußten Ihrem Gesänge lauschen".

„Ach, wenn Sie anfangen, Komplimente zu machen, werde ich überhaupt nicht mehr singen".

Und der ernste ruhige Douglas Graham blickte in ihre lachenden braunen Augen, und die seinen wurden traurig. Er seufzte — warum wußte er selbst nicht. War es ein Vorgefühl, daß dieses Mädchen mit dem lockigen Haar und den dunkeln Augen auf sein ganzes ferneres Lebe« von Einfluß sein sollte?

Algy erzählte seinem Vater eine lächerliche Ge­schichte aus dem Barackenleben und plauderte be­ständig von „unserm Jungen". Miß Chartres lachte thatsächlich über die Anekdote; Algy's Hei­terkeit war ansteckend.

„Famos!" rief Mister Chartres, als er geendigt hatte. „Und was wurde aus dem Jungen?" .

„Oh, er ging ab — nach dem was vorgefallen, konnte er nicht länger bleiben“.

Penelope blickte auf ihren Tischnachbar.

„Und Sie, Hauptmann Graham, betheiligen Sie sich auch an diesen Scherzen?"

„Nein", erwiderte er lächelnd, „ich überlasse das Alles den jüngeren Kameraden"..

„Douglas kann nicht auf einen Scherz eingehen", schaltete Algy ein, „und wenn man ihn dafür be­zahlen wollte. Emst schleppten wir sein 3elt_ eine Meile von dem Platze weg, wo es gljätte stehen

dem Vorwurf entgegentreten, weshalb denn de« Staat trotz der drohenden fozialistischen Gefahren nicht endlich die katholische Kirche völlig frei gebe und ihr gestatte, den geistigen Kampf gegen die revolutionären Ideen mit größeren Mitteln und größerem Erfolge aufzunehmen. Wir haben nicht die Absicht, an dieser Stelle die „historische" Be­weisführung des Fürsten Bismarck mit Wissenschaft- licher Gründlichkeit und Genauigkeit ad absurdum zu führen, wollen aber dennoch nicht unterlassen, durch Hervorhebung einiger bekannter Namen die sonderbaren historischen Reminiscenzen des Reichs­kanzlers in das rechte Licht zu stellen. Wir sagen: Haben etwa Mirabeau, Robespierre, Danton und Genossen, haben Mina, Riego, Mendizabal, Silva, Karvalho, haben Pepe, Mazzini, Garibaldi, haben diese Revolutionäre aus katholischen Ländern die Theorie und Praxis ihrer Revolutionen auf ka­tholische Lehren und Grundsätze gestützt? Wird Jemand es wagen, auch nur einen von ihnen einen gläubigen Katholiken zu nennen, ober waren sie nicht vielmehr ausnahmslos geschworene Feinde der katholischen Kirche, die sie haßten und mißachteten, bevor sie ihre Hand gegen die staat­liche Gewalt erhoben? Und hat Voltaire, der eigentliche Vater der modernen Revolution, sein schändliches Programm aus dem Katholizismus ge­schöpft, hat nicht vielmehr er gerade das Wort ersnu» den: „Ecrasez l’infänie!“ „Vernichtet die infame"

Derjenige, von dem man eigentlich eure gedregeuL Motivlrüng des Antrages hätte erwarten sollen, Reichskanzler Fürst Bismarck selbst, hat wenig oder gar nichts hierzu gesagt, er hielt vielmehr den Augenblick für geeignet, den Katholiken einige selt­same „Schmeicheleien" zu sagen, ihnen auf Grund einer nachweislich falschen historischen Beweisfüh­rung vor Augen zu führen, daß in katholischen Ländern revolutionäre Strebungen stets einen gün­stigeren Boden und eine schnellere Verbreitung fän­den, als in protestantischen. Was der Herr Reichs­kanzler mit dieser, wie er sich besänftigend aus­drückte, „mehr zur Abwehr" hervorgeholten abge­standenen historischen Schmähungen gegen die ka­tholische Kirche bezweckte, ist ja sehr klar. Er wollte