Einzelbild herunterladen
 

1884

Freitag, den 21. März

aus Deutschland, beschäftigen.

Deutsches Reich.

Fulda, Freitag, 21. März.

betreffend die konfessionelle Trennung des Geschichtsunterrichts mit allen gegen vier Stimmen ab, ebenso denjenigen betreffend die aus­nahmsweise Ertheilung des Vorbereitungsunterrichts für die Aufnahme in das Lehrerseminar durch einzelne Geistliche und endlich diejenigen betr. Auf­hebung der Präparandenschule in Kirchheimbolanden.

• Hamburg, 19. März. An Bord des gestern Abend von London einqeiroffenen Dampfers „Gem­ma" wurde Mittags nach dem Oeffnen des Schiffs­raums Feuer entdeckt. Eine Anzahl Juteballen, welche in der Nähe der Donkeymaschine gestaut waren, hatten sich entzündet. Das Feuer wurde durch drei Dampfspritzen in vier Stunden gelöscht. Ein Theil der Ladung wurde unversehrt gelandet, ein großer Theil erlitt starken Brandschaden und Wafferschaden durch das Hineinpumpen von sechs Fuß Waffer in den Schiffsraum. Das Schiff selbst litt wenig Schaden.

1 Slimme.

• Dresden, 20. März. Die erste Kammer lehnte die von der zweiten Kammer beschloffene Errichtung eines Gesundheitsmuseums zur Zeit ab, beschloß aber, einen diesbezüglichen Antrag der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Ferner genehmigte die Kammer bei nochmaliger Beralhung den Bahnbau Geithain-Lausigk-Leipzig.

• München, 20. Mürz. Die Abgeordneten­kammer erledigte den Etat der Pensionen, Susten- tationen und Unterstützungen nach den Anträgen des Ausschuffes.

* München, 20. März. Die Reichsraths­kammer nahm den Kammerbeschluß, betr. die An­stellung eines katholischen Geschichtsprofeffors in München an, lehnte dagegen den Kammerbeschluß,

Frankreich.

* Paris, 19. März. Die Kommission für die Gesetzvorlage betreffend Zulaffung fremden gesal­zenen Fleisches genehmigte den Entwurf des Han­delsministers vom hygienischen Gesichtspunkte, will aber vor der Genehmigung der Einzelbestimmungen auch die wirthschaftliche Seite prüfen und den Ackerbauminister hören. Sie wird sich nicht nur mit der Einfuhr des gesalzenen Fleisches aus Amerika, sondern auch mit der Frage betreffend

Amerika.

* Washington, 20. März. Das Repräsen­tantenhaus genehmigte eine Resolution dahingehend, daß die Beileidsresolution des Hauses anläßlich des Ablebens Lasker's den Tribut der Achtung darzubringen bezweckt habe, und daß das Haus, den Beziehungen zwischen der deutschen Exekutive und dem Reichstage fernstehend, von jeder weiteren Kritik der bezüglichen Vorgänge abstehe. Das Haus genehmigte ferner eine Resolution, worin die im deutschen Reichstage geäußerten Wünsche für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten besten» erwidert werden.

* Washington, 20. März. Bestem Ver­nehmen nach sandte das Amt weder ein Telegramm noch eine sonstige Mittheilung an Sargent ab, worin dessen Verhalten gebilligt oder ihm ein Wechsel seines Postens oder ein Urlaub angeboten wird. — Im Senat brachte der Ausschuß für aus« wä tige Angelegenheiten eine Bill ein, welche die Prüfung des für den Export bestimmten Fleisches anordnet und die Einfuhr -gefälschter Lebensmittel verbietet.

Di, .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich? Sonn- und Feiertag, ausgenommen. Vierteljährlicher 1 «• 50 M" “ mit ber

fiMTpfriflifApn 9tt n Apnbetl a a e Sterne und Blumen m Fulda 1 Mr. 70 Psg., auswärts 1 M. <o Psg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender^Rabatt.

parlamentarisches.

Berlin. Donnerstag, 20. März.

Im Reichstage wurde heute zunächst gemäß dem An krasse der Wahlprüfungskommission, die Wahl des Abg. v. Levetzow im 3. Wahlkreise des Regierungsbezirks Frankfurt für giltig erklärt.

Es folgt die Berathung der Darlegung über die von der preußischen und hamburgischen Regierung auf Grund des Gesetzes gegen die gemeingefähr­lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie ge­troffenen Anordnungen.

Abg. Hasenclever weist nach, daß die Gründe, die für die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes an­geführt werden, sich gegenseitig ausheben, denn während auf den ersten Seiten gesagt weide, die günstige Wirkung bestehe in der Einschränkung der Agitation der Sozial­demokratie, heiße es auf den letzten Seiten, der Belage­rungszustand müffe verlängert werden, denn die Sozial­demokratie bestehe in ungeschwächter Kraft. Man weise auf ihre Kongreffe im Ausland hin! Ja was bleibe ihnen denn anders übrig, fo lange man ihre Versammlungen in Deutschland verbiete. Er sei im Grunde seines Herzens national. Man gebe ihnen in Deutschland Freiheit, sie würden Herrn Madai und v. Puttkamer zu ihren Kongressen einladen, denn sie brauchten die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen. Man wünsche aber in gewissen Kreisen, daß der Säbel haut, die Flinte schießt, um eine große Kulturbe­wegung im Blute zu ersticken Man behaupte, die So­zialdemokraten wollten ihre Ziele nur durch den Umsturz der Gesellschaftsordnung erreichen; das sei nicht wahr. Er halte den friedlichen Weg für möglich. Denselben Vorwurf könne man der Regierung und den Konservativen machen, denn sie erklärten ja auch in ihren sozialreforme­rischen Projekten die bestehende Wirthschaftsordnung für verwerflich. Es sei falsch, daß die Sozialdemokratie mit den Anarchisten und Dynamit-Attentätern verwandt sei; er und Grillenberger hätten die Anarchisten stets bekämpft, der .Sozialdemokrat- greife sie aufs Schärfste an. Ohne das Sozialistengesetz würden die Anarchrsten gar nicht möglich sein. Schließlich versichert Redner, seine Partei stehe der Verlängerung des Sozialistengesetzes mit dem Gefühl „absoluter Wurstigkeit" gegenüber ; sie sei zu ver­nünftig, um sich dem Anarchismus in die Arme treiben zu lassen, aber auch unterwerfen werde sie sich niemals.

Abg. Grillenberger bestreitet, daß die Anarchisten Einfluß auf die deutschen Arbeiter haben; man suche es allerdings so hinzustellen, um die Verlängerung des Gesetzes begründen zu können. Die Verbindung des Subjekts Reins­dorf in Frankfurt mit dem Polizeirath Rumpf habe diesen Zweck. Warum hänge man ihnen die Anarchisten an die Rockschöße; habe nicht jede Partei ihre Narren und Aus­wüchse? Sei Stöcker denn etwas anderes als das anar­chistische Anhängsel der Konservativen? Sind die Anti­semiten in Neu Stettin denn nicht zur Propaganda der Thal gekommen? (Beifall links.) Man fürchte die Anar­chisten, unterdrücke aber in Berlin jede Diskussion Über die Sozialreform, selbst Über das UnfaUgesetz, dem er noch mit schwerem Herzen gegenüberstehe. Warum betone man die Jnternalionalität der Sozialdemokratie und nicht die des ' Kapitals und der Polizei?

Italien.

* Rom, 19. März. Die Journale konstatiren den lebhaften Eindruck des Kammervotums anläß­lich der Präsidentenwahl. .Opinino' bezeichnet die Lage als ernst, .Diritto' verzeichnet unter Reserve das Gerücht, Coppino werde das Präsidium ab­lehnen und das Kabinet demissioniren.

• Rom, 20. März. Kammer. Ministerpräsident Depretis theilt mit, daß Angesichts der parlamen­tarischen Lage das SDlinifterium dem Könige die Demission überreicht habe und der König sich die Entscheidung vorbehalten habe. Das Ministerium werde inzwischen am Platze bleiben und die ge­wöhnlichen Angelegenheiten erledigen.

* Rom, 20. März. Der Ministerrath tritt im Laufe des Vormittags zusammen, um über die Lage zu berathen.

Schweden und Norwegen.

* Christiania, 20. März. Der König ist gestern Abend nach Stockholm abgereist, derselbe wird in der nächsten Woche zurückerwariet. Wäh­rend der Abwesenheit wurde der Kronprinz zum Vtzekönig von Norwegen ernannt. Generalkom­missar Bull und der ehemalige Staatsrath Haffner wurden zu Staatsräthen ernannt.

Rumänien.

* Belgrad, 19. März. Die Nachricht von angeblichen Reklamationen der Regierung bezüglich Perianis und dem Verlangen nach deffen Abbe­rufung ist unbegründet. Der Ministerpräsident be­auftragte die vierzehner Kommission, Vorbereit­ungen zum festlichen Empfange des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Oesterreich-Ungarn zu treffen.

Aus dem Sudan.

• London, 20. März. Ein Telegramm der ,Daily News' bestätigt die aus Kairo gemeldete Nachricht, daß die Bemühungen Osmans, den hei­ligen Krieg zu predigen, gescheitert seien und die meisten seiner Anhänger ihn verließen; Osman Digma habe sich mit nur wenigen Leuten ins In­nere zurückgezogen.

• Der .Schles. Volksztg.' wird aus Rom ge­schrieben: „Ich hatte schon seit einiger Zeit in Er- sahrung gebracht, daß der heilige Vater, weil die Unterhandlungen mit Herrn v. Schlözer so lang­sam von Statten gingen und zu keinem Ergebniß führten, aus eigenem Antriebe und auf anderem Wege durch Lösung der Kölner und Gnesen-Po- sener Bischofsfrage dem immer unerträglicher wer­denden geistigen Nothstand in diesen beiden großen Erzdiözesen sobald als möglich abzuhelfen. Meinem Gewährsmann zufolge sollte Leo XIII. sich bereit er­klärt haben, die Resignation des Kardinals Ledochowski auf das Erzbisthum Gnesen-Posen anzunehmen unter der Bedingung, daß die preußische Regierung in die Rückkehr des Herrn Erzbischofs Melchers nach Köln willigte. Letzteres wäre aber entschieden ver­weigert worden und da hätte der heilige Vater als Lösung vorgeschlagen, daß der Herr Erzbischof wohl „begnadigt" und ihm der Titel als Erzbischof von Köln wieder staatlich zuerkannt, zugleich aber die Verwaltung der Diözese einem Koadjutor über­tragen werden würde. Es schien, als ob dieser Vor­schlag auf eine günstige Aufnahme rechnen und der vom heiligen Stuhle für den Koadjutorposten aus- ersehene Kandidat vor den Augen der gestrengen Herren in Berlin und Varzin Gnade finden dürfte __________, ...... „ ~ ..

und darum that Leo XIII. einen ersten Schritt. ^.Einfuhr lebendigen Schlachtvieh'^ namentlich durch die Ernennung des Kardinals Ledochowski ~ ' - ......

zum Sekretär der Memoralien. — Die Auffassung jedoch, daß durch diese Ernennung der Kardinal Ledochowski an den Aufenthalt in Rom gebunden sei, muß als eine irrige bezeichnet werden; denn abgesehen davon, daß er dieses Amt stets nieder­legen oder der heil. Vater ihn desselben entheben kann, ist mit demselben, wie aus manchen Präze­denzfällen hervorgeht, keine absolute Residenzpflicht verbunden. Dagegen würde zur Uebernahme eines Suburbikar-Bisthums durch den Kardinal Ledo- chowski seine Verzichtleistung auf das Erzbisthum Gnesen-Pofen erforderlich sein und dadurch auch ihm die Verpflichtung erwachsen, in Rom zu resi- diren. Es gilt hier als gewiß, daß der Kardinal Ledochowski veranlaßt werden würde, schon im nächsten Konsistorium für eines der vakanten Subur- bikar-Bisthümer zu optiren, wenn bis dahin von der preußischen Regierung dem Papste befriedigende Zugeständnisse gemacht würden."

* Berlin, 20. März. Der Kaiser empfängt morgen Nachmittag den russischen Botschafter Fürsten Orloff in Audienz behufs Ueberreichung deffen Be­glaubigungsschreibens. Der bisherige Botschafter Saburoff hatte heute Nachmittag Abschiedsaudien­zen beim Kronprinzen und der Kronprinzessin.

» Glatz, 20. März. Bei der heutigen Land­tagsersatzwahl erhielt Porsch (Centrum) 430 Stimmen, Sack (liberal) 16, Pilaty (konserv.)