und bitten, unsere Petition zur Ergänzung des Jnnungs- gesetzes mit aller Kraft durchzusetzen, damit wir endlich in die Lage kommen, an dem Wiederaufbau unseres Standes arbeiten zu können. Mit großer Spannung rot d der Handwerkerstand der dahin gehenden Thä- tigkeit im hohen Reichstage zusehen, aber auch mit dem festen Gedanken, daß, wenn man uns auch dieses Mal das Wenige, was wir fordern, verweigert, nichts uns abhalten kann, für unsere Vereinigung eine Form zu finden, in welcher wir selbstständig und unter Benutzung aller gesetzlich erlaubten Mittel in den Kampf für unsere Rechte eintreten. Kämpfen wollen wir, kämpfen müssen wir, — unsere Zahl wächst zusehends! Die Phrase, wir seien selbst nicht einig in dem, was wir wollten, ist verbraucht; wo ist der Gegenbeweis? Die Presse oben genannter Parteien aber Bitten wir um energische Unterstützung in unserer Sache. Wir werden aber in Zukunft nur noch handeln nach dem Spruche: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.
* „Im Auftrage der Versammlung der national- liberalen Landtags- und Reichstagsabgeordneten" erlaubt sich Herr von E r) n e r n den nationalliberalen Parteiblättern die nachfolgende offizielle Parteikundgebung einzusenden. „Berlin, 16. März 1884. Bei einer Besprechung, welche unter Vorsitz des Abgeordneten Hobrecht heute zwischen den in Berlin anwesenden nationalliberalen Mitgliedern des Reichstags und des preußischen Landtags stattfand, wurde die Stellung der nationalliberalen Partei zu den veränderten Parteiverhältnissen besprochen. Das Resultat dieser Besprechung war die einstimmig ausgesprochene Ueberzeugung, daß die nationalliberale Partei gegenüber der Umgestaltung der Parteiverhältnisse in Folge der Verschmelzung der Fortschrittspartei und der liberalen Vereinigung ihre volle Selbstständigkeit auf der Grundlage des Programms vom Jahre 1881 nach wie vor zu bewahren habe. Die Bildung der „Deutschen freisinnigen Partei" habe in keiner Weise die Stellung der nationalliberalen Partei zu den politischen Parteien nach rechts oder nach links berührt. Man verständigte sich demnächst bezüglich der Centralleitung der Partei für die bevorstehenden Reichstagswahlen unter dem Vorsitze des Abgeordneten Hobrecht. Die Anberaumung eines Parteitags gleich nach Ostern wurde in Aussicht genomme M.
* Rotenburg, 18. März. Im hannoverischen 36. Wahlbezirk wurde heute Ferdinand Wattenberg (nationalliberal) mit 63 von 110 Stimmen zum Landtagsabgeordneten gewählt; Hofbesitzer Meyer (nationalliberal) erhielt 47 Stimmen.
"Dresden, 17. März. Die erste Kammer genehmigte die Erbauung einer Eisenbahn von Schönberg nach Schleiz und das Gesetz, betreffend die Abänderung des Berggesetzes. — In der zweiten Kammer fand die Steuerdebatte statt. Die Abstimmung Über den Antrag auf Ermäßigung der Grundsteuer von 4 auf 2 Pf. er«ab Stimmengleichheit, eine anberroeite Abstimmung wird morgen erfolgen. Der Antrag, dem nächsten Landtag ein Gesetz über die Entlastung der unteren und mittleren Einkommensteuerstufen vorzulegen, wurde angenommen.
* Dresden, 18. März. Die zweite Kammer lehnte bei anderweiter Abstimmung den Antrag auf Ermäßigung der Grundsteuer von 4 auf 2 Pf.
— melodramatische Spiel ruft bald ein zweites, dieses Mal ausgesprochen männliches Gesicht mit deutlicherem, starrem dunklen Blicke. Ich sage leise zum Kronprinzen, daß, wenn nur Köpfe kommen, ich die Thüre nicht spielen lassen kann. Beim dritten Male öffnet sich der Vorhang etwas tiefer, so daß der Oberkörper der Erscheinung sichtbar wird; es ist eine undeutliche Gestalt, die bald in's Dunkel zurücktritt. Ich schöpfe Hoffnung, daß sich doch noch ganze Gestalten zeigen.
Baron Hellenbach sagt unaufgefordert, wir möchten die Salonthüre etwas mehr schließen, die Gestalten würden sich dann eher heraustrauen. Ich beeile mich, dieses zu thun und dabei die Leine unbemerkt von der Wand loszumachen ; dem Kronprinzen aber flüsterte ich meinen Entschluß zu, bei der dritten ganzen Gestalt, die noch erscheinen würde, jedenfalls anzuziehen, damit es nicht „zu spät" werde.
Wieder tiefe Stille; Niemand bewegt sich. Vom ver- düsterteren Halbdunkel begünstigt, öffnet jetzt eine große Gestalt den Vorhang, um sich wohl ganz zu zeigen, aber nur für einen Augenblick im engsten Sinne des Wortes. Ich nehme das Ende der Schnur in die Hand, denn jetzt muß es Ernst werden. Eine zweite ganze Gestalt, halb Römer und halb Ritter mit entblößtem Haupte, in faltenreichem , weißem Gewände, vollkommen ausgebildet und unverkennbar selbstleuchtend, bezeichnete mir den Höhepunkt der Darstellungen. Roch immer die Schnur in der Hand, lisple ich ein „Jetzt!" dem Kronprinzen zu; ein Kopfnicken zeigt mir fein Einverständniß; ich greife fest in die an der Schnur gemachten Knöpfe.
Der entscheidende Moment ist da! (Schluß folgt.)
mit 38 gegen 36 Stimmen ab. Im Vereinigungs- Verfahren blieb die zweite Kammer bei dem Beschluß der Genehmigung des Bahnbaues Geithain- Laufigk-Leipzig stehen, welchen die erste Kammer abgelehnt hat. Die zweite Karniner genehmigte ferner den Bau eines neuen Kunstakadeinie-Ge- bäudes auf der Terrasse in Dresden nach dem ersten Projekt des Baurath Lipsius und bewilligte dafür die geforderten 2,567,700 Mk.
* Dresden, 18. März. Die Deputation der ersten Kammer empfiehlt, dem Beschlüße der zweiten Kammer, welcher die Regierung zur Errichtung eines Gesundheitsmuseums ermächtigt, wegen ungenügender Vorbereitung des Projektes nicht beizutreten, dagegen darauf bezügliche- Petitionen an die Regierung zur Erwägung abzugeben.
* Karlsruhe, 18. März. Der Landtag bewilligte 100,000 M. als erste Rate für das Heidelberger Universitäts-Jubiläum im Jahre 1886. Bei Berathung des Steuer-Verwaltungs-Etats sprechen mehrere Redner scharf gegen den Berliner Offizier-Konsumverein und wünschen volle Besteuerung aller Konsumvereine. Der Finanzminister Ellstätter rechtfertigt die herrschende Praxis.
* Meiningen, 18. März. Bei der gestrigen Ersatzwahl erhielt, soweit bis jetzt bekannt, Senator Witte (liberal) 4104, Lotz (kons.) 1283, Viereck (Sozialist) 2582 Stimmen.
Frankreich.
* Paris, 17. März. Eine Depesche Millots aus Bacninh meldet: Die Colonne Briere trifft voraussichtlich heute oder morgen in Thainghyen ein. Vom Feinde wurde bisher nichts bemerkt. Die Kolonne Regrier's stieß bei Phulanghiang auf reguläre chinesische Truppen, überschritt den Fluß, nahm Fort Phulang mit Verlust von 3 Todten und einigen Verwundeten. Tie Kolonne ist darauf zur Verfolgung des Feindes aufgebrochen.
* Paris, 17. März. Nach einer weiteren Depesche Millot's aus Bacninh stießen Negrier und Briere auf die Aufständischen und warfen diese aus allen Stellungen. Dieselben befinden sich auf der Flucht und haben die Munitionsvor- räthe und Fahnen zurückgelaffen.
* Paris, 18. März. Ferry empfing heute den französischen Gesandten in Peking, Patenötre, der^voraussichtlich nächstens nach Peking abreisen wird.
England.
* London, 17. März. (Unterhaus.) Fitzmaurice antwortete Odonnell: Auf die Klagen der deutschen Regierung betreffs der Sklavenhandelsumtriebe in der Süd- fee habe bte Regierung durch Mittheilung des jüngst dem Parlament vorgelegten Kommisstonsberichtes geantwortet. Die Absicht der deutschen Regierung ist, wie uns angekündigt, ein Kriegsschiff in den Südsee-Gewässern während der Arbeitssaison, die erst im Mai beginnt, zu ftationiren. Der Zweck dieser Maßregel fei, wie in Baron Pleffen's dem Berichte angehängter Rote definirt, die Kontrole deutscher Arbeitsschiffe. Da die Regierung keine Kenntniß von einer Absicht der deutschen Regierung hat, sich in die Angelegenheiten von Schiffen unter englischer Flagge zu mischen, so hält sie es für unnöthig, irgend welche Schritte zu thun. — Hartington erklärt, er habe nicht gesagt, noch die Absicht gehabt, zu sagen, daß die Häfen des Rothen Meeres einschließlich oder ausschließlich Suakims oder Suakim allein zu halten seien; was er gesagt habe oder sagen wollte, war, daß die Regierung stets vom Anbeginne die Absicht angekündigt habe, der egyptschen Regierung im Schutz der Häfen beizustehen. Die Regierung habe der Pforte keinen Vorschlag gemacht, ihr Häfen zu übergeben, sie hat derartige Ideen aufwerfen sehen, ober kann weder über diese noch andere der angeregten Ideen Information geben. Die Regierung fragte bei Hewett an, ob es wahr sei, daß er einen Preis auf Osman Digmas Kopf gesetzt habe, gleichzeitig hervorhebend, daß er eine derartige Proklamation nicht, ohne vorher Boring zu konsultiren, erlassen dürfte.
* London, 17. März. (Unterhaus.) Hartington legt das bereits bekannte Kriegsbudget vor. Im Laufe des Jahres verfügt die Regierung über eine Reserve von 66,000 Mann; die Freiwilligenkorps zählen 209,395 Mann. Für die Flotte sollen 400 Hinterlader - Stahlkanonen beschafft werden, deren durchdringende Kraft mindestens jener in anderen Ländern gleich ist, auch werden für die Flotte jetzt drei 110 Tons-, vier 63 Tons- und drei 43 Tonsgeschütze angefertigt werden. Mit den neuen Zwölf pfün- derkanonen für die Armee werden jetzt Versuche gemacht, man glaubt, dieselbe wird das mächtigste Geschütz des Heeres sein; auch sollen noch Sechsunddreißigpfünder Vorderlader angefertigt werden, welche die französischen und deutschen Kanonen übertreffen dürften.
* London, 17. März. Das an der Börse verbreitete Gerücht vorn Rücktritt Gladstone's wird als erfunden bezeichnet. Der Premier, welcher, noch immer leidend, sich schonen soll, wird sich voraussichtlich morgen einige Tage auf's Land begeben.
Schweden und Norwegen.
*Christiania, 18.März. Das Urtheilüber den Staatsminister Kjerulf wurde gestern Abend publizirt. Kjerulf wurde nach denselben Gesetzes
bestimmungen wie Selmer verurtheilt, sein Amt als Staatsminister verwirkt zu haben. An Prozeßkosten hat Kjerulf 600 Kronen an die Ankläger zu zahlen.
Rußland.
* Petersburg, 18. März. Das .Journal de St. Petersbourg' konstatirt den ruhigen Charakter der Debatten im englischen Oberhause bezüglich Merws. Die früheren Befürchtungen über einen Kampf in Betreff Indiens seien heute geschwunden.
Aus dem Suöan.
• Kairo, 17. März. Aus Suakim wird gemeldet: Morgen früh sollen 600 Mann Infanterie, 300 Mann Kavallerie und eine Avtheilung Genietruppen unter General Stewart nach Handuk, 11 Meilen von Suakim abgehen, dasselbe provisorisch okkupiren und in Vertherdigungszustand setzen.
parlamentarisches.
Berlin, Dienstag, 18. März.
In der heutigen Sitzung des Reichstages kam zunächst der Gesetzentwurf, betr. die Bewilligung von Mitteln zu Zwecken der Marineverwaltung, zur Verhandlung. An der Debatte beseitigten sich die Abgg. Rickert, Graf von Holstein, von Benda, Hänel und Meier (Bremen), während vom Bundesrathsttsche zunächst der Staatssekretär im Reichsschatzamt, von Burchard, und demnächst auch der Chef der Admiralität, Generallieutenant von Kaprivi das Wort nahmen.
Die Vorlage wurde in materieller Beziehung von allen Seiten des Hauses sympathisch ausgenommen, dagegen hielten verschiedene Redner es für nothwendig, daß die Vorlage formell als Nachtragsetat umzugestalten sei.
Der Entwurf wurde der Budgetkommission überwiesen.
Demnächst wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Anfertigung und. Verzollung von Zündhölzern in erster Berathung erledigt. Der Entwurf fand in seinem ersten Theile, der sich auf die Beseitigung der Gefahren bei der Fabrikation von Zündhölzern bezieht, allgemeinen Anklang. Gegen die Bestimmungen über die Verzollung wurden aber von den Abgg. Dr. Baumbach, Sonnemann und Dr. Barth Ausstellung gemacht, während Staatssekretär im Reichsschatzamt v. Burchard die Bestimmungen über die Zollerhöhung rechtfertigte.
Die zweite Lesung des Entwurfs wurde für heute von der Tagesordnung abgesetzt.
Die nächste Sitzung wurde auf Donnerstag 11 Uhr anbei aumt, (Berathung der Denkschriften über die auf Grund des § 28 des Sozialistengesetzes getroffenen Anordnungen und des Gesetzentwurfs betr. die Verlängerung des Sozialistengesetzes.)
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, Mittwoch, 19. März.
Ö Heute Mittag ging die mündliche Maturitätsprüfung am hiesigen Gymnasium zu Ende. DaS Resultat war für alle Abiturienten ein günstiges. Das Zeugniß der Reife wurde den nachgenannten 13 Oberprimanern ertheilt, welche wir in alphabetischer Reihenfolge mit Angabe ihres Heimaths- ortes mittheilen. 1) Arthur Auth, 2) Karl Berner, 3) Ernst Brill, 4) Friedrich Henkel, sämmtlich von Fulda. 5) Hugo Jäger von Wolfsburg. 6) Peter Nau von Schröck. 7) Salomon Pollack von Groß Tapolzsany (Ungarn). 8) Justus Rang von Fulda. 9) Rudolph Schultheis von Fulda. 10) Adolph Web er von Friedberg. 11) Berthold Weidig von Lauterbach. 12) Theodor Wiegel von Rimlos. 13) Karl Zengerly von Düsseldorf. Von den Genannten widmen sich Nau der katholischen, Wiegel der protestantischen und Pollack der jüdischen Theologie, Rang, Schultheis und Henkel studieren Jura, Weidig Philologie, Brill Geschichte, Jäger Forstfach und Berner Jngenieurfach.
Ö Die Aufnahme-Prüfung im hiesigen Schullehrer-Seminar ist gestern Abend zu Ende gegangen. Von 25 Präparanden, welche erschienen waren, wurden 18 ausgenommen. Die mündliche Ent- laffungs-Prüfung bat heute Vormittag 8 Uhr unter dem Vorsitze des Herrn Provinzial-Schulraths Kretschel aus Kaffel begonnen. An derselben nehmen, wie bereits gemeldet, 20 Zöglinge des Seminars theil, vier derselben, Noll, Scherer, Vogt und Ebel wurde auf Grund der schriftlichen Prüfung das mündliche Examen erlassen.
Ö Heute Morgen vor Tagesanbruch, gegen '/z5 Uhr, brach in der Hinterburg ein heftiges Feuer aus, welches in kurzer Zeit mehrere Gebäude in Asche legte und erheblichen Schaden anrichtete. Das Feuer entstand in einer neben dem Hause des Mechanikers Keil belegenen Scheune und theilte