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1884.

Mittwoch, den 19. März

Fuldaer

und in seinem Spalte bis zur halben Brust festzuhalten, doch um­

mysteriösen schwarzen Vorhänge.

Plötzlich öffnete sich derselbe wird ein Gesicht und eine Büste sichtbar; man versucht die Züge

sonst; es ist eine fahle, verfchwommene Physiognomie, an­scheinend ein Weib, nur die weiße Drapriung, die auch das Gesicht umrahmt, ist dieses Mal besonders hell. Sein Wort wird laut; Niemand bewegt sich; ich warte. D

Aufmerksamkeit von der Thüre abzulenken. Es gelingt, Bastian betritt wieder das Schreibzimmer — ein Augen­blick, der vom Kronprinzen benutzt wird, um Bastian's Fauteuil so weit zurückzuschieben, daß er nicht etwa zwischen die zuschlagenden Thürflügel gerathe.

Während die Vorkehrungen, die Dämpfung des Lichtes betreffend, vor sich gehen, offerirt mir Bastian, mit ihm in der Bibliothek Platz zu nehmen; selbstverständlich ver­zichtete ich auf diese überraschende Begünstignng. Nun aber stellte sich Bastian vor den Vorhang und fordert« die Gesellschaft auf, man möge sich überzeugen, daß et nichts verberge. Der Kronprinz fiel da mit den Worten rettend ein: „Es ist schon gut, wir wissen, daß Sie nichts bei sich haben", nur um Bastian endlich an seine trans­zendentale Arbeit zu bringen. Der Vorhang schließt sich hinter Bastian, um hinter sich eine noch geheimnißvolle Welt zu verbergen. Man setzt sich: Baron Hellenbach ans Klavier; ich hinter ihm wieder am linken Flügel der Reihe, möglichst nahe der Salonthüre und — dem Ende der Leine; der Kronprinz nimmt rechts neben mir Platz.

Baron Hellenbach beginnt in leisen Akkorden zu prälu- diren; die Blicke der Zuschauer hängen wieder an dem

um die Abhülfe großer und allgemeiner Schäden im Ge­werbestande anzustreben und eine ordnende Thätigkeit zur Heranbildung eines unserer deutschen Nation würdigen Hand­werkerstandes zu entwickeln. Es fehlt aber im Gesetz jeder Hebel, um das Gesetz in Vollzug zu setzen; den Innungen ist der nothwendige und berechtigte Einfluß versagt, um ihre Arbeiten zu fruchtbaren zu gestalten, die aufgewandten Mühen und Opfer zu lohnen und den Zweck des Gesetzes zu erreichen. Wenn wir diese Thatsachen im Interesse des Handwerks beklagen, so beklagen wir sie nicht minder schwer wegen der großen Gefahren, welche sich für unser Staats­leben wie für unsere Gesellschaft daraus entwickelt haben. Oder warum ist es eine Thatsache, die nicht zu widerlegen ist, daß unser ganzer großer Gesellenstand mehr und mehr der Leitung der Parteirichtung verfällt, deren Forderungen nicht in Einklang zu bringen sind mit dem Bestehen der christlich-monarchischen Staats- und Gesellschafts-Ordnung, welche die Größe und Blüthe der deutschen Nation hervor­gebracht und sichergestellt hat, und die unveräußerliches Eigenthum unseres Volkes bleiben muß, um seine Stellung an der Spitze der Kultur-Völker zu behaupten? Wir, der deutsche Handwerksstand, sind zu allen Zeiten eine feste Säule dieser Staatsordnung gewesen. Unsere Herrscher und unser Vaterland haben wir geliebt, der Obrigkeit und dem Gesetz die schuldige Achtung gezollt, Religion und Sitte ge­pflegt ; unser eigener Stand konnte an Haupt und Gliedern nur gedeihen in ruhiger und geordneter Entwickelung unter dem Schutze des Gesetzes. Auch noch heute stehen wir auf demselben Boden, davon legt unsere jetzige Bewegung Zeug- niß ab. Wir treten ein für die heiligsten Güter unserer Ration, wir bekämpfen Alles, was den innern Frieden unserer Gesellschaft gefährden kann, wir gehen an der Seite aller Ordnungsparteien, unsere Forderungen ver­letzen nirgendwo berechtigte Interessen. Wenn wir heute unsere Stimme erheben, so geschieht es gegen die Vernach­lässigung der Lebensinteressen eines Standes, welcher noch viele Millionen umfaßt, gegen die ausschließliche Begün­stigung der Interessen der Großindustrie und des Groß- kavitals. Wir finden es ungerecht, den Handwerkerstand in einem Zustande der Freiheit zu lassen, die er selbst ver­schmäht, und unter deren Einwirkung dieser große, edle Stand zum abhängigen Diener des Schachers und Wuchers herabsinkt. Wir richten die Frage an unsere gesetzgebenden Faktoren, ob sie verantworten können, daß neben der zu­nehmenden Zersetzung unserer Gesellschaft, dem Sinken der Achtung vor Autorität und Gesetz, der Zunahme der Ver­brechen, auch noch der Stand verloren gehe, der zu allen Zeiten ein fester Wall gegen die Kräfte der Unordnung war? Wir sprechen uns frei von jeder Mitschuld an den Zuständen, denen wir vielleicht noch entgegengehen! Der Egoismus und die wahrhaft schwächliche Vertretung der wahren Volksinteres­sen mögen die Verantwortung tragen. Wie wir unentwegt festhalten an unserer Forderung, daß dem Handwerkerstande wieder ein ihm zusagendes Gewerberecht gegeben werde, so verschmähen wir den Weg der allmähligen Reform nicht

fand sich selbst zur Bemerkung veranlaßt: „Heute fangen sie anders an". Anschließend an ein längeres inbrünstig gesprochenes Gebet, ersuchte Bastian die Geister, es möchte ihnen gefallen, „tofmake a music“. Einige matte Ak­korde auf der Guitarre, sowie die Klänge der Spieluhr waren das wenig Animo verrathende Resultat dieser Bitte. . ."

Bastian verlangte vor dem zweiten Theile der Sitzung zu trinken; man ging um Wasser. Die Augenblicke, die dieses dauerte, schienen mir eine unerträgliche Ewigkeit, weil sich unterdessen Baron Hellenbach bei wieder ange- zündeter Beleuchtung im Schreibzimmer im Gespräche an jene Wand (nächst der Salonthüre) lehnte, an der die Zugleine mit einigen Wachskörnchen haftete; ein Anstoßen ein Gleiten, eine zufällige Berührung, und schon wäre die Thüre zugeklappt, schon wäre alles verrathen gewesen, wie leicht konnte nicht auch dem scharfen Auge des Ba­rons oder eines der anderen Herren diese nicht ganz styl­volle Wanddekoration auffallen, eine Frage — eine Ver­legenheitslüge — peinlichste Situation. Endlich, endlich hatte Bastian das begehrte Glas Wasser; ich war erlöst, man ging zur Lichtsitzung über!

Doch ich sollte einige noch bangere Augenblicke durch­machen. Bastian, der sich einen Fauteuil aus dem Schreib­zimmer in die Bibliothek getragen hatte, wohin ich ihn, eine Kerze in der Hand, begleitete, sieht sich dort um, gleichsam um sich zu vergewissern, ob Alles beim Alten geblieben ist, und greift sogar nach den Thürflügeln, als wenn er sie hätte weiter öffnen wollen; ich stotterte einige Worte, ich weiß selbst nicht mehr was, nur um Bastian's

Einblicke in den Spiritismus.

(Fortsetzung.)

Die zweite Sitzung fand am 30. Januar statt. Der erste Theil ging wie gewöhnlich vorüber. Nun machte Bastian noch das Kunststück, sich an den Sessel binden zu lassen und bald darauf die Fußseffeln mit kunstvollen Knoten in den Händen vorzuzeigen, wobei er die Hände so weit auseinanderstreckte, daß die lose Umschlingung straff erschien. Die „Materialisation" fiel in dieser Sitz­ung aus; nach langer Pause erklärte das Medium, es könne diesmal nicht in Schlaf kommen: also ein psycho­logisch fein und richtig berechnetes „Versagen".

Es folgte sodann am 11. Februar die dritte und letzte Sitzung. Der Erzherzog hatte in Linz sich die Rädchen, federnden Hacken rc. machen laffen, welche dazu dienen sollten, die Thüre zwischen Schreibzimmer und Bibliothek durch eine Seine zuklappen zu machen. Der Apparat wurde in Gegenwart des Kronprinzen wiederholt probirt, mit Draperien verdeckt und die Zugleine an der Leiste eines Wandfrieses mit Wachs angeklebt. Die „Geister­falle" war aufgerichtet. Ueber diese entscheidende Sitzung erzählt die Schrift:

„Unter den gewohnten Auspizien begann der Spuk diesmal auf eine ungewohnte Weise. Statt der unheim­lichen Berührungen und des tollen Treibens der früheren Abende hörte man zunächst nur, wie die Instrumente laut­los auf dem Boden bewegt und geschleift wurden; endlich erhoben sie sich ebenfalls lautlos, bis sie auf diesem oder einem der Anwesenden Ruhe zu suchen schienen. Bastian

Deutsches Reich.

Fulda, Mittwoch, 19. März.

* Wie das ,W. T. B.' meldet, bringt der ,Kur. Pozn.' die bestimmte Nachricht, daß Kardinal Ledochowski am 1. April den Vatikan verläßt, um in das Palais Antici Mattei überzusiedeln. Die Ueberstedelung steht offenbar mit dem neuen Amte des Kirchenfürsten als Sekretär der Bitt­schriften in Verbindung.

* Was die .Nat.-Ztg.' kürzlich über die Stel­lung des Kronprinzen zu der neuen „freisinnigen" Partei verblümt andeutele, spricht jetzt der Rich- ter'sche .Reichsfreund' offen aus. Es heißt dort: „An maßgebender Stelle ist die neue Parteigestal­tung recht vortheilhaft beurtheilt worden. Der deutsche Kronprinz hat nach vollster Kenntniß- nahme aller Schriftstücke feine lebhafte Anerken­nung und Befriedigung über die beabsichtigte Ver­einigung ausgesprochen."

* Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' schreibt: „Der Reichskanzler wurde im Reichstage am 13. März in seiner Rede über die amerikanische Kundgebung zum Ableben Lasker's bekanntlich durch den von der linken Seite ausgegangenen Zuruf „Pfui!" unterbrochen. Der Urheber dieser Unterbrechung hat sich bisher nicht genannt, Zeugen des Vor­ganges behaupten aber, der Zumf sei von der Stelle auSgeaangen, an welcher sie unniittelbar vorher den sezessionistischen Abgeordneten vr.Dohrn wahrgenommen hatten." Diese „geistreiche" De­nunziation ist sehr charakteristisch für den Geist, welcher in dem offiziösen Blatte herrscht.

* In der .Franks. Ztg.' lesen wir Folgendes: „Mit Vergnügen haben wir gestern in einem Ber­liner Blatte gelesen, daß Fürst Bismarck bei seinen Reden im Reichstage sich nicht mehr durch jenes Wasser von zweifelhafter Farbe, dessen aufregende Wirkung unverkennbar war, sondern durch kalten Thee stärkt. Kalter Thee ist ein die Nerven be­ruhigendes Getränk und mindert auch die Wall­ungen des Blutes; somit eignet er sich für lebhafte Naturen besser als Wasser mit irgendwelchem Zusatz. Die letzten Reden des Kanzlers bezeugen das; sie

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sind in ihren aggressiven Theilen frei von der Percy-Rauhheit früherer Tage und haben da. wo die Ironie hervortritt, eine Farbe, deren Abtönung angenehm berührt. Möchte nun auch jener in­teressante Mitarbeiter der .Nordd. Allg. Ztg.', der so meisterhaft des Reichskanzlers Gedanken zu lesen und niederzuschreiben versteht, sich bei der Arbeit auch zum kalten Thee bequemen. Bis heute huldigt der Mann offenbar noch dem vom Kanzler verabschiedeten Getränke, dem Wasser von zweifelhafter Farbe; man merkt das an seiner Ausdrucksweise, die an Derbheit und Unhöflichkeit nicht leicht ihres Gleichen findet".

* Die .Germania' erhält aus Rom folgende Korrespondenz:

„Von Seiten der großherzoglich badischen Regierung soll, laut zuverlässigen Nachrichten, der Antrag an den hl. Stuhl gerichtet worden sein, dem hochbetagten Herrn Erzbischof Orbin von Freiburg einen Koadjutor zu er­nennen, der ihm die Last der Diözesanverwaltung tragen helfe und dereinst sein Nachfolger werde. Wie ich höre, ist der vom Karlsruher Ministerium für diesen Posten in Vorschlag gebrachte Kandidat eifrig bemüht, sich die Ge­wogenheit solcher Persönlichkeiten zu erwerben, die etwa dazu berufen fein können, bei dieser Angelegenheit ein Wörtchen mitzusprechen. Er soll sogar selbst hierher kom­men wollen, in der Hoffnung, durch seine persönliche Da­zwischenkunft die Bedenken, welche etwa hier an maßgeben­der Stelle betreffs seiner Qualifikation für ein so wichtiges und verantwortungsvolles Amt gehegt werden könnten, zu beseitigen. Aber das dürfte ihm schwer werden, da die von ihm vertretenen Ideen über den „Sutturfrieben" auch hier bekannt sind und als zu kraus angesehen werden, um den Versuch ihrer praktischen Durchführung zu gestatten."

Was diese Anspielungen in einer fo delikaten Angelegenheit bezwecken, ist nicht ersichtlich.

* Der Central-Vorstand des Allgemeinen deut- schen Handwerker-Bundes veröffentlicht in der „In- nung" einen Aufruf „an die Adresse der handwerkerfreundlichen Parteien und derenPresse, welchem wir Folgendes entnehmen:

Das deutsche Handwerk tritt mit einer Forderung vor den Reichstag, welche von beinahe zwei Millionen deutscher Handwerksmeister unterzeichnet und vertreten ist. Wir for­dern die Verbefferung und Ergänzung des zu unserer Orga­nisation bestimmten Jnnungs Gesetzes vom 18. Juli 1881, und wir botumentiren damit laut und feierlich: das In­nungs-Gesetz, welches ihr uns gegeben, ist lückenhaft und unausführbar! Es erlaubt uns, frei jufammenjutreten.