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St. Petersburg' gegen die Meldung des .Standard' über den Abschluß eines Vertrages zwischen Deutsch­und Rußland und gegen die Meldung der.Daily News' über den Wunsch Bismarck's. die Zustim- mung Rußlands zur Ausdehnung Oesterreich- Ungarns im Orient zu erlangen. Das .Journal' hatte gesagt, die ftiedliche Politik, welche die kai­serlichen Mächte vervollständigt, habe in der Regel die Achtung des Bestehenden zur Aufgabe. Die -Nordd. Allg. Ztg.' sagt: Wir haben dem Vor­stehenden nur hinzuzufügen, das dasselbe mit den Thalsachen und unseren Informationen überein­stimmt. — Minister Maybach ist durch eine hef­tige Erkältung genöthigt, einige Tage das Zimmer zu hüten.

* Dresden, 15. März. Die erste Kammer lehnte die von der zweiten Kammer genehmigte Sekundärbahn Geithain-Leusigk-Leipzig ab und be­willigte die Sekundärbahnen: Schwarzenberg-Jo­hanngeorgenstadt, Planenscher Grund-Wilsdruff, von Mosel durch Mülsengrund nach Ortmannsdorf, Wilischthal-Ehrenfriedersdorf, und lehnte weiter ab die Linie Schönfeld-Schwarzenberg und Stollberg- Zwönitz.

Oesterreich-Ungarn.

• Wien, 15. März. Prozeß Schenk. Heute Nachmittag um 5Vg wurde das Urtheil gegen den Mädchenmörder Schenk und Genoffen ver­kündigt. Im Sinne der Anklage werden Hugo Schenk, Karl Schloffarek und Karl Schenk schuldig erkannt und zum Tode durch den Strang ver« urtheilt. Die Angeklagten verzichteten auf jedes Rechtsmittel. In geheimer Sitzung beschloß der Gerichtshof, für Karl Schenk einen Beqnadiqungs- antrag zu stellen.

* Pest, 14. März. Hiesigen Blättern zufolge erfuhr die Polizei von einer beabsichtigten Aktion der Anarchisten, demzufolge 36 Anarchisten, darunter mehrere Frauen verhaftet wurden. Viele Briefe Schriften und Zeitschriften anarchistischen Inhalts wurden saisirt.

Frankreich.

* Paris, 14. März. Ein Telegramm Millot's aus Phanghao vom 13. März sagt: Wir traten heute früh,den Marsch nach Bacninh an. Die erste Brigade ging über Chi und nahm die durch fünf verschiedene Schanzenwerke vertheidigten Höhen von Tsungson. Die zweite Brigade ging von der Flottille unterstützt den Songkau hinauf und be­mächtigte sich rasch der Vertheidigungswerke von Vat Buoe und des Sperrwerks von Laobuoi und trieb den Feind auf die Höhen von Dapcau, wo die kombinirte Bewegung begann. Alle Operationen bis in die Einzelheiten glückten. Der Feind sah sich vollständig umgangen und floh. Die Truppen marschitten trotz großen Schwierigkeiten bewun­derungswürdig.

* Paris, 15. März. Die Einnahme von Bacninh wird von der gesammten Presse freudig begrüßt. Doch gestehen selbst die Regierungsblät­ter ein, daß das Resultat unvollständig sei, da die Chinesen sich zurückziehen konnten. Doch sei wenig­stens die Straße nach Langson und die Haupt­straße nach China ihnen verlegt worden, da sie nach Thai Ngnyen geflohen sind. ,Rep. franc.' sagt: Der Feldzug wird erst beendet sein, wenn alle Straßen zwischen China und Tongking von uns beherrscht werden, dies wird ohne Schwierig, keit zu erreichen sein. — Die Radikalen nennen die Einnahme einen Sieg ohne Folgen und erin­nern an Ferry's Versicherung mit der Einnahme von Sontay und Bacninh werde alles beendet sein, die sich jetzt als trügerisch erweise. .Justice' meint, kein Waffenerfolg werde China veranlassen, seine Südgrenze dem europäischen Handel zu eröff­nen. Die Expedition nach Tongking sei und bleibe unfruchtbar.

* Paris, 15. März. Der Senat votirte auf Antrag Saint Vallier's den französischen Truppen in Tongking seine Glückwünsche. Eine Depesche Millot's aus Bakninh vom 13. d. M. meldet, die Franzosen erbeuteten hundert Kanonen, eine große Anzahl Gewehre und Munition. Die Verluste der Franzosen betrugen am 12. März 6 Tobte und 25 Verwundete. Zwei Kolonnen leichter Truppen find vorgeschickt, die eine in der Richtung nach Thainguzen, die andere in der Richtung nach Leng- son. In Saigon wurde ein französischer Kapitän nebst 11 Mann von der Schiffsmannschaft getödtet. Eine Expedition behufs Verfolgung der Piraten ist ausgesandt.

England.

* London, 16. März. Die Sitzung des Unterhau­ses, welche gestern Mittag begonnen hatte, ist erst heute früh 53'4 Uhr geschlossen worden, weil man in derselben die Nachtragskredite für das laufende Finanzjahr erledigen wollte. @in Telegramm des,Observer^ aus Kairo vom gestrigen Tage meldet, daß man wegen des General Gor- don Besorgnisse hege, weil der aus Khartum in Berber fällige Dampfer ausgeblieben ist. Der sofortige Rückzug der Armee des General Graham wird als ein Fehler an­gesehen, weil derselbe die Rebellen in Central-Sudan ver- anlaffen dürste, die Beunruhigungen der Straße nach Berber fortzusetzen. Von Berber ist ein Schiff in der Richtung nach Khartum zur Rekognoszirung abgesandt

• London, 15. März. Im Unterhaus- beantragte Labouchere eine Resolution, welche be­sagt, die Nothwendigkeit der großen, durch die militärischen Operationen im Sudan verursachten Menschenverluste sei nicht erwiesen. Das Unter­haus lehnte den Antrag mit 111 gegen 94 Stim­men ab. Die Parnelliten stimmten in der Minorität.

Italien.

* Rom, 15. März. Die Kammer hielt zum Gedächtnisse Sel las eine feierliche Sitzung, welcher eine große Anzahl Deputaten beiwohnte. Das Präsidium beantragte, die Sitzung nach der Ge- dächtnißfeier zum Zeichen der Trauer aufzuheben und die Berathungen bis Mittwoch zu suspendiren.

Spanien.

• Madrid, 15. März. Die von Castelar vorgeschlagene Koalition der Republikaner mit den monarchisch Liberalen scheitette an dem Widerspruch der Letzteren.

Aus dem Sudan.

* London, 15. März. Das Krvgsministerium erhielt eine Depesche Graham's, Suakim vom Sonnabend Abend: Alle Stämme zwischen Sinkat und Tokar waren in der Schlacht bei Tamanieb vertreten. Einige Rebellen waren aus der Gegend von Kassala gekommen. Osman Digma hatte den Oberbefehl, zeigte sich aber nicht. Drei vornehme Scheiks und mehrere kleinere Anführer wurden getödtet. Unter den Arabern herrscht die Mei- nung, die feindlichen Stämme werden das Ver­trauen zu Osman verlieren und bald bereit sein zu unterhandeln. Es heißt, Osman hätte 150 Frauen von Sinkat fortgeschleppt, dieselben befänden sich gegenwärtig im Gebirge.

* Kairo, 15. März. Aus Suakim vom 14. März wird gemeldet: General Graham und Ste­wart mit ihren Stäben sind hierher zurückgekehrt. Alle Verwundeten treffen morgen hier ein. Die Truppen entdeckten während der Vernichtung der Munition in Tamanieb heute 2000 Remington- Gewehre, welche ebenfalls vernichtet wurden. Ver­wundete Aufständische berichten, Osman Digma befand sich während des ersten Theils der Schlacht in Tamanieb, zog sich aber in die Berge zurück als er bemerkte, daß seine Streitkräfte geschlagen wurden. — Ein Neffe Osmans, sowie viele An­führer sind gefallen. In den Gräben wurden 1500 Leichen des Feindes gefunden.

* London, 15. März. Ein gestern Abend bei dem Kriegsministerium eingegangenes Tele­gramm Grahams meldet: Die gesammten eng­lischen Truppen rückten bis zu dem Dorfe vor, wo Osman Digma sich befunden hatte. Dasselbe war mit großen Vorräthen von Geschütz- und Geivehrmunition niedergebrannt. Der Feind lei­tete keinen Widerstand, schoß nur vereinzelt, wobei ein Soldat verwundet wurde. Die Kavallerie wird Abends nach Suakim zurückkehren, die Infanterie und Artillerie bei Zereba bivouakiren und morgen nach Suakim marschiren, wohin die Verwundeten bereits heute früh gesandt sind. Der Gesammt- verlust der Engländer beträgt an Tobten 5 Offi. Ziere und 86 Mann, an Verwundeten 8 Offiziere und 103 Mann; 19 Mann werden vermißt. Die meisten Verluste erlitten die Truppen dadurch, daß ein Karre von den Aufständischen durchbrochen wurde, welche im Uebrigen sehr mangelhaft schossen. Die Aufständischen ließen 600 Todte auf dem Platze. 3 Offiziere und 7 Mann der Schiffs- brigade wurden bei der Vertheidigung der Geschütze von den Aufständischen getödtet. Die Geschütze fielen in die Hände des Feindes, wurden aber bald wieder gewonnen. Gleichzeitig griff der Feind auch das zweite Karrö an, wurde aber zurückge­worfen. Die Streitkräfte des Feindes werden auf 10- bis 12,000 Mann geschätzt, die Verluste auf 2000 Mann.

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Berlin, Sonnabend, 15. März.

. .Der Reichstag genehmigte zunächst ohne Debatte in bntter Lesung die Uebereinkunft mit Luxemburg wegen gegenseitiger Zulassung der in den Grenzgemeinden wohnhaften Medizinalpersonen zur Ausübung der Praxis und setzt darauf die erste Berathung des Arbei­terunfallversicherungsgesetzes fort.

Das Wort nimmt zuerst der Reichskanzler Fürst Bismarck: Er habe nicht die Absicht, erschöpfend das große Gebiet zu behandeln, er wolle nur über die Genesis des Gesetzes und die Absicht der Regierungen sprechen. Abg. Vollmar habe triumphirend gesagt, die Regierung sei von ihren hochfliegenden sozialpolitischen Plänen zurück­gekommen. Das sei falsch, man habe sich nur vorläufig auf das Dringendste beschränkt und gehe mit Vorsicht auf dieser „terra incognita“ vor. Damit sei auch am ersten ein praktischer Erfolg erreichbar. Falsch sei es auch, daß die Regierung mit dem Gesetz Stimmen für das Sozia­listengesetz gewinnen wolle. Wenn das Parlament diesem nur ein einfaches „Rein" entgegensetze und sich nicht um das Zustandekommen bemühe, schade es sich selbst und schwäche s-ine Bedeutung ab! Was solle dann an die Stelle treten? Er wisse es nicht, denn er sei kein Freund des Absolutismus. Er erhebe aber seine warnende Stimme denn bei der jetzigen Zersplitterung des Parlamentarismus sei auch unser auswärtiger Einfluß in Gefahr. Sobald, dies Gesetz zu Stande gekommen sei, solle es unmittelbar auf das Baugewerbe und die Landwirthschaft ausgedehnt werden. Das Parlament sei doch nicht nur als Hemm­schuh da, es habe ja auch die gesetzgeberische Initiative. Er konstatire vor den Wählern, daß die Regierung an dem bisherigen negativen Resultat unschuldig sei. Er wendet sich hierauf gegen die Privatversicherungsgesell­schaften. Er meine, daß Unglücksfälle nicht die Ope­rationsbasis für die Gewinnung hoher Dividenden sein dürften. Er scheue sich nicht vor der Bezeichnung Sozia­lismus. Jede Armengesetzgebung sei ja Sozialismus. Es beruhe ja doch auch die Stein-Hardenberg'sche Agrargesetz­gebung auf sozialistischer Grundlage. Habe sein Bestreben keinen Erfolg, so sei das keine Niederlage; erst die Zukunft könne zeigen, wer Recht gehabt, wer also eine Niederlage erlit­ten habe, er oder der Reichstag, der seine Vorlagen ablehnte. Er habe in seiner letzten Rede nicht, wie Bamberger behauptet, jede Opposition als unberechtigt bezeichnet, sondern nur sich geweigert, am Triumphwagen der Opposition mitzuziehen. Der Vorwurf Bamberger's daß die Konstruktions-Vorlage zu künstlich, sei ungerecht, denn das liege in der Natur der schwierigen Materie; mache sie doch der Reichstag weniger künstlich, er könne ja amendiren. Die politischen Partei- gruppirungen müßten den wirthschaftlichen Fragen gegen­über aufhören, das würden die Wähler wohl endlich be­greifen und statt gewandter politischer Redner Vertreter ihrer wirthschaftlichen Interessen wählen. Bamberger habe behauptet, die Genossenschaften beruhen auf Zwang und seien nicht frei genug. Mit dem Wort „Freiheit" werde noch viel Mißbrauch getrieben. Jeder verstehe darunter die Freiheit für sich, den Zwang für andere. Die Freiheit der Kirche bedeute die Herrschaft der Priester, die Freiheit der Presse sei die Herrschaft der Presse, auch freisinnig bedeute eigentlich unduldsam. Er traue dieser Parteibe­zeichnung nicht, ebenso gut könnte sich eine Partei die ehrliche nennen und damit alle anderen als unehrlich hin­stellen. Der Reichskanzler beschwert sich weiter sehr gereizt, daß Bamberger die Kronstruktion der Vorlage eine sozial­istische Schrulle und die Alters- und Jnvalidenversicherung chimärisch genannt habe. Warum müsse man denn durchaus bei Verhandlungen wie dieser den Ton der gebildeten Ge­sellschaft verlassen. Die Absichten der Regierung seien auf die Herstellung des inneren Friedens gerichtet, er bitte darin um Unterstützung des Reichstags. (Beifall rechts).

Abg. Sonnemann antwortet dem Reichskanzler er sei ein Anhänger der Richtung, auf der der Gesetzentwurf beruhe und daher ein unverdächtiger Zeuge der bisherige» Vorgänge. Als solche müsse er erklären, daß der Reichs­tag an dem Scheitern der bisherigen Vorlagen unschuldig und der Vorwurf des Reichskanzlers nicht berechtigt sei Die Schuld habe an den Entwürfen selbst gelegen, an den großen sozialistischen Plänen, mit denen sie angekündigt wurden, an der Verbindung mit dem Tabaksmonopol, an dem Einfluß, den die Großindustriellen im Interesse ihres Geldbeutels auf die früheren Entwürfe der Regierung ge­übt hätten. Viele Schuld an der bisherigen Unfruchtbar­keit trage auch die Behandlung, welche der Reichslag von der Regierung und ihrer Presse erfahren. Es seien doch nach dieser Presse zwei Drittel des Reichstages Republi­kaner. Redner erklätt sich für Zwangsversicherung und in Folge davon für Ausschluß der Pnvatversicherunqs- gesellschaften. Bon den Arbeiterausschüssen erwarte er nicht viel. Das Umlageverfahren belaste zu sehr di- Zu­kunft. Er hoffe, daß das Gesetz auf seiner prinzipiellen Basis zu Stande komme.

Abg. Bamberger bedauert, daß Bismarck, der wäh­rend Sonnemann's Rede das Haus verlassen hat, die Re­den seiner Gegner verurtheile, ohne sie anzuhören und ohne eine Antwort abzuwarten. Er charakterisirt scharf Bismarcks Unzugänglichkeit für jede, selbst berechttgste, fach-