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M 62.

Sonnabend, den 15. März

1884

Fuldaer

DM

Die »Fuldaer Zeuung er,chnnt täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementsp^eis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne Uli» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Erstes Blatt.

Rechenschaftsbericht der katholischen Ret­tungsanstalt zu Sannerz de 1883.

Die katholische Rettungsanstalt zu Sannerz, Kreis Schlüchtern, beschließt mit dem abgelaufenen Rechnungsjahre das 33. Jahr ihres Bestehens. Während dieser 33 Jahre hat sie an der ihr ge- setzten Aufgabe treu und eifrig gearbeitet, bald in beschränkterem, bald in größerem Umfange, je nach der Größe der Mittel, die ihr zur Verfügung stan­den. Somit hat unsere Anstalt bereits in einer langen Reihe von Jahren einen ehrenvollen Platz unter den Anstalten eingenommen, welche die Ab­hülfe geistiger und materieller Roth erstreben, mit diesem Bestreben den allgemeinen Jnteresien der menschlichen Gesellschaft dienen und deshalb auf öffentliches Wohlwollen und öffentlichen Schutz An­spruch haben. Wir widmen unsere Mittel und un- sere Kräfte den Kindern jener unglücklichen Fami- lien, welche Tod oder Elend aufgelöst hat und welche diesen Kindern keinen heimathlichen Herd mehr gewähren; wir widmen sie jenen bedauerns- werthen Kindern, deren Erziehung zu einem sittlich- religiösen und rechtschaffenen Leben in den betref­fenden Familienkreisen gefährdet oder doch nicht gesichert ist. Wir richten unsere Sorge bei allen diesen Kindern nicht allein auf die nothwendige körperliche Pflege, sondern wir erstreben zugleich in den einen die Heilung der oft bereits hervorge­tretenen sittlichen Gebrechen und die Grundlegung einer neuen geistigen Lebensrichtung; in anderen suchen mir wenigstens zu verhüten, daß aus dem schlummernden Keime des Bösen, der leider oft be­reits die schützende Hülle der kindlichen Unbefangen­heit und Arglosigkeit durchbrochen hat oder durch- brechen will, die böse Gesinnung emporwuchere: in allen suchen wir den Sinn für Ordnung, Fleiß, Sittlichkeit und Rechtschaffenheit zu erwecken und zu befestigen.

Unser Ziel ist aber nicht bloß eine äußere Sitt­lichkeit, sondem eine wirkliche Veredlung des Her-

Einblicke in den Spiritismus.

Unter diesem Titel veröffentlicht Erzherzog Johann von Oesterreich seine Erfahrungen mit dem „Medium" Harry Bastian, von dessen Entlarvung bereits die Presse piti berichtet hat.

Wenn wir auf den Inhalt der bekannten Schrift, von der unS die Berlagshandlung in Linz ein Rezensions- Exemplar sendet, statt in einer kurzen Kritik in einem längeren Auszüge eingehen, so haben wir uns vielleicht gegen denselben Einwand zu vertheidigen, dem Erzherzog Johann in der Einleitung begegnet. Obwohl ein Kampf gegen den Spiritismus sagt er, Don Quijote sche An­strengungen bedeute, schreibe er doch gegen denselben, weil die Spiritisten, die nach Millionen zählende Gemeinde dieses modernen Aberglaubens, auch in seinem Vaterland Wurzel gefaßt, weil dieser Aberglaube nicht nur unter den Webern des Braunauer Ländchens oder unter den Arbei­tern und Bauern im Reichenberger Bezirke wuchere, son­dern auch in zahlreichen Palästen und Schlössern des Adels sich häuslich niedergelassen habe, da in vielen Städten der Monarchie, namentlich in Wien und Budapest, ganze Spiritisten-Gemeinden entstanden seien, die da unbeachtet ihr obscures Wesen treiben. Mutatis mutantis gilt dies auch, wenigstens in einem gewissen Grade, vom Reich, und Mr. Slade, der in Berlin als Medium operirte, hat sowohl gläubige Verehrer der vier dimensionalen Wesen »orgefunden und hinterlassen, als auch solche Kritiken, welche zur Erklärung der Kunststücke des Mediums eine dämonische Mitwirkung für nothwendig halten. „Thai-

zens und der Gesinnung, und dabei sind wir über­zeugt, daß diese nur durch die Religion hervorge­bracht werden kann. Eine wahrhaft religiöse Er­ziehung ist darum unser erster Erziehungsgrundsatz!; wir suchen die uns übergebenen Kinder dahin zu bringen, daß sie willig werden, sich den Einflüffen göttlicher Lebenskräfte, wie sie in der Religion lie­gen, zuzuwenden und ihnen und ihren heilsamen Wirkungen ihr Inneres zu öffnen. Und während wir so beniüht sind, in unsere Zöglinge den Grund zu einem wahrhaft sittlich-religiösen Leben und damit zu ihrem ewigen Heile zu legen, ver­nachlässigen wir keineswegs die Bedingungen für ihr irdisches Glück und Fortkommen. Wir sind darauf bedacht, sie in Allem auszubilden, was sie für das körperliche Leben geschickt und tauglich machen kann. Die verschiedenen häuslichen Arbei­ten, sowie die der mit der Anstalt verbundene Oekonomie, welche unsere Zöglinge zu verrichten oder bei denen sie unter Anleitung und Aussicht des Haushalts- und Oekonomie-Personals zu helfen haben, bieten dazu reichliche und paffende Gelegen­heit, während wir anderseits bestrebt sind, den Zöglingen eine gute Schulbildung in's Leben mit­zugeben. Das ist die Aufgabe, der unsere Anstalt dient und an der wir unausgesetzt während dieser 33 Jahre gearbeitet haben unter manchen wech­selnden Verhältniffen und Zeituinständen, aber un­beirrt von dem Kampf der Meinungsverschieden­heiten und begleitet von der allgemeinen Theil- nahme und Anerkennung.

Eine nicht geringe Unterstützung ist der Anstalt auch durch das Gesetz vom 13. März 1878 zu Theil geworden. Sind einmal schon die in dem­selben verfolgten Ziele auch die unsrigen, so sind wir ferner uns bewußt, bei unserer Anstalt von jeher der Mahnung eingedenk zu sein, welcher der damalige Herr Minister des Innern, Graf zu Eulenburg, in seiner Ausführungsverordnung zu jenem Gesetze vom 14. Juni 1878 in den Worten Ausdruck gibt: „Die Behörden werden aber die Aufgabe, welche das Gesetz ihnen zumeist, nicht als abgethan ansehen dürfen, wenn die Heber» bringung erfolgt ist — eine ebenso wichtige Auf­

sachen beweisen", und die von Erzherzog Johann berich­teten Thatsachen sind deshalb der weitesten Verbreitung werth, weil sie zeigen, daß man es bei Mr. Bastian, „der so ziemlich die kräftigste Stütze für den Erfahrungsbeweis der spiritistischen Lehre bildete und über dessen transcen- dentale Leistungen seit mehr als zwanzig Jahren ganze Bände geschrieben worden sind", mit nichts Anderrn, als ganz gewöhnlicher Taschenspielerei zu thun hatte.

Im Jahre 1881 war Mr. Bastian (in der Jugend ein Clown, welches Gewerbe für die spiritistischen Kunst­stücke, welche große Gewandtheit erfordern, besonders be­fähigt) als „Medium" in Wien thätig gewesen und Baron Lazar Hellenbach hatte dieser Thätigkeit Bastian's eine Schrift gewidmet: „Die neuesten Kundgebungen einer in- telligibelen Welt". Durch Vermittelung Hellenbach's ließ Erzherzog Johann das Medium abermals nach Wien kommen.

Am 28. Januar fand die erste Sitzung statt in dem Schreibzimmer und dem ausgeräumten Bibliothekzimmer des Erzherzogs Johann. In der Bibliothek sollte das Medium bei der „Materialisation von Gestalten" sitzen; die Berbindungsthür zwischen Bibliothek und Schreibzim­mer wurde mit dichten Vorhängen verhängt, die übrigen Thüren der Bibliothek blieben geschloffen.

Zur ersten Sitzung erschienen Kronprinz Rudolph, Erzherzog Eugen, Hofrath Dr. Wiederhöfer, mchrere-höhere Militärs und Beamte und natürlich Baron Hellenbach. Es ging Alles regelrecht von Statten. Erst eine Dunkel­sitzung , wobei die Hände durch die übliche „Kette" gefes­selt wurden (die Auflösung der Batterien hindert aber

gäbe ist die Fürsorge für die verwahrlosten Kin­der nach beendigter Zwangserziehung und nach ihrer Entlastung aus der Erziehungsanstalt. Ohne eine solche Fürsorge würde ein großer Theil der entlassenen Kinder in die Verwahrlosung zurück­fallen, vor der sie bewahrt werden sollten; es wirb also keine Entlastung stattfinden dürfen, ohne daß auf die Unterbringung des Entlassenen in die Lehre, in Gesindedienst, oder in ähnliche Verhältnisse, sowie gleichzeitig auf die Ueberwachung der so untergebrachten Kinder Bedacht genommen wird." Diese Instruktionen des Ministers stehen im Ein­klang mit den Grundsätzen, welche die Anstalt seit langer Zeit beobachtet. Sie ist stets bemüht ge­wesen die austretenden Zöglinge zu guten Lehr­meistern in die Lehre zu bringen, und es ist ihr dieses schon in sehr vielen Fällen mit dem besten Erfolg gelungen. Viele Zöglinge, welche sicher ohne die genossene Erziehung und Fürsorge eine große Last für ihre Mitmenschen geworden, viel­leicht ganz zu Grunde gegangen wären, stehen jetzt als geachtete Mitbürger da. In sehr vielen Stän­den finden sich frühere Zöglinge der Anstalt; Kauf­leute, Mechaniker, Ackerleute, Buchdrucker, Buch­binder, Orgelbauer, Schreiner, Schlosser, Speng­ler, Tapezierer, Sattler, Metzger, Wagner, Schnei­der, Schuhmacher, Maurer u. a. m., sind in gro­ßer Anzahl einst Schüler der Anstalt gewesen. In Folge des oben erwähnten Gesetzes vom 13. März 1878 ist auch das Landes-Direktorium mit unserer Anstalt den Vertrag eingegangen, derselben die g-setzlich seiner Fürsorge um erste h enden lachottfchen Knaben zu überweisen, soweit nicht eine Erziehung derselben in Familien vorgezogen wird. Bis zum Ende des Jahres 1883 sind uns von dieser Seite bereits 38 Knaben überwiesen worden.

Wie weit und mit welchen Mitteln wir im Jahre 1883 unsere Aufgabe zu erfüllen gesucht haben, ergibt sich aus nachstehender Hebersicht.

Die Zahl der Zöglinge betrug im Jahre 1883 73, von diesen haben im Laufe des Jahres die Anstalt verlassen 10 Knaben, somit bleiben am Schlüsse desselben noch 63 Zöglinge in der An­stalt. Obige 73 Knaben vertheilen sich:

den Fortgang der Experimente gar nicht.) Eine leuch­tende Glasröhre, eine tönende Spieluhr, eine klingende Guitarre fliegen umher, die Mitglieder des Kreises fühl­ten sich an Händen betastet, es werden ihnen Ringe von den Fingern gezogen und angesteckt ic. Als endlich einige zischelnde Laute ertönen, welche das Medium als den Wunsch der Geister nach Licht übersetzt, werden die Lam­pen wieder angezündet und es folgt der zweite, interes­santere Theil, die „Materialisation".

Nachdem Bastian sich vom Kronprinzen Rudolph und Dr. Wiederhofer hatte untersuchen lassen und bezeugt war, daß er nichts an und auf sich trage, und nachdem er den bereitgestellten Sessel mit einem Rohrstuhl vertauscht hatte, (in England hatte man einmal durch Anlegung einer elektrischen Leitung an dem Sessel ihm eine Falle gestellt) nahm die Gesellschaft vor dem Vorhänge Platz, hinter welchem Bastian im Bibliothekzimmer saß und angeblich in Schlaf verfiel. Unter der Musikbegleitung des Baron Hellenbach erschienen nun hinter dem Vorhang verschiedene Gestalten, welche denselben auseinander zogen und sich eine Zeit lang sehen ließen. Zunächst Herrn Bastian'S eigenes Bild, dann ein volles bartloses Gesicht, dann ver­schiedene weibliche Gestalten, welche alle Hauben mit Bän- ern von unbestimmter Farbe trugen — „ein vierdimen­sionales Pensionat".

„Unmittelbar darauf steht der Kronprinz auf, Erzher­zog Eugen folgt seinem Beispiele, Baron Hellenbach be­schließt sein Akkompagnement. Beide Erzherzoge schreiten rasch dem Vorhänge zu, heben ihn und — man sieht Ba­stian auf dem Stuhle zurückgelehnt im Schlafe. Ein leich-