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* Die Petition der Hanauer Handelskammer 'bezüglich des Gesetzentwurfs über den Feingehalt der Gold- und Silberwaaren, deren wir schon Er­wähnung thaten, liegt uns jetzt im Wortlaut vor. Die Hauptbedenken der Interessenten gegen das Gesetz sind folgende: 1) Wird das Publikum ungestempelte Maaren irriger Weise für falsch oder unmodern erklären, 2) wer­den Fabrikanten und Händler große Massen der nach bis­herigen Bräuchen gearbeiteten Maaren auf Lager behalten, 3) wird die französische Konkurrenz von der voraussicht­lich durch das Gesetz zu bewirkenden Störung der deutschen Edelmetall-Industrie Nutzen ziehen. Petentin weist ferner nach, daß eine Wendung zum Besseren in der Art der Fabrikation von Goldwaaren sowohl in Bezug auf künst­lerische Leistung als auch dem inneren Gehalte nach ein­getreten sei. Die Handelskammer hat dann im Einzelnen u. a. gegen das Gesetz einzuwenden, daß daselbe nicht in so kurzen Terminen, also schon im Jahre 1886 in Kraft treten solle, sondern mit Rücksicht auf die aufgestapelten Lagervorräthe frühestens etwa den 1. Januar 1890, so daß 6 Jahre zur Räumung der Lagervorräthe verbleiben. Prak­tisch sei selbst dieser Zeitraum noch nicht für ausreichend zu halten.

* Berlin, 10. März. Die Kommission für das Kommunalnothsteuergesetz nahm mit 10 gegen 9 Stimmen einen von Zelle beantragten neuen Paragraphen an, wonach der Höchstbetrag der Hundesteuer für die zur Hundesteuererhebung be­rechtigten Städte auf 20 Mark festgesetzt wird. Die Gegner des Antrags kündigten für die zweite Lesung die Aufnahme des ganzen Hundesteuergesetzes in die Vorlage an.

* Berlin, 10. März. Dem Bundesrath ist der in Aussicht gestellte Antrag Preußens, be­treffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der kaiser­lichen Marine, nunmehr zugegangen. Der Antrag, welcher den in der abgelaufenen Session vorge­legten, damals aber unerledigt gebliebenen bezüg­lichen Gesetzentwurf unverändert von Neuem zur Vorlage bringt, ist den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden.

* Berlin, 10.März. Wie das ,Berl. Tagebl.' hört, hat die neue Deutsche Freisinnige Partei be­schlossen, in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am Dienstag eine Interpellation an den Minister zu richten des Inhalts: welche Vorkehrungen in Neustettin getroffen waren, um Unruhen zu verhüten, und was der Minister zu thun ge­denkt, um einer Wiederholung solcher Vorkommnisse vorzubeugen. (Siehe die folgenden Nachrichten.)

* Neustettin, 10. März, früh. Nachdem am Sonnabend Abend anläßlich der Rückkehr der in Könitz freigesprochenen Personen ein wenig erheblicher Auflauf stattgefunden hatte, kam es am Sonntag zu weiteren Ruhestörungen, bei denen Fenster eingeworfen und jüdische Einwohner insul- tirt wurden. Die Gensdarmerie schritt mit blan­ker Waffe ein und stellte die Ruhe wieder her.

* Neustettin, 10. März, früh. (Zweites Tele­gramm). Von kompetenter Seite werden die von hier verbreiteten Nachrichten (das Moss e'sche ,D. M.-Bl/ hat nämlich ganz ungeheuerliche Dinge von Neu­stettin berichtet) über die in der Nacht vom Sonn­abend zu Sonntag vorgekommenen Ruhestörungen als stark übertrieben bezeichnet, gleichzeitig wird von dieser Seite folgende Darstellung des Sach­verhalts gegeben. Nachdem am vorigen Sonn­abend aus der Wohnung des jüdischen Kaufmanns Flater auf die Theilnehmer an einem Maskenzug mit Steinen geworfen worden war, fanden hier Zusammenrottungen statt. Auch wurde der Omnibus, welcher nach Ankunft des Konitzer Zuges die von dem Schwurgerichte in Könitz zurückkehrenden Leßheim, Löwe und Ge­nossen nach der Stadt brachte, angehalten, die In­sassen wurden von einigen Jungen insultirt, auch einige Scheiben zerschlagen. Niemand ist schwer verletzt worden, es ist nichts demolirt. Niemand ist geflüchtet. Gestern Abend wurde aus der Fluterschen Wohnung und anderen jüdischen Hausern auf das Publikum und auf die Gens­darmerie abermals mit Steinen.geworfen. Die sich wiederholenden Exzesse wurden unterdrückt, um 11 Uhr Nachts wurden die letzten Menschen­ansammlungen durch die Gensdarmerie zerstreut.

Die .Post' berichtet in einem Privattelegramm noch Folgendes: Am Sonnabend war ein Masken­ball in Martini's Saal. Viele Zuschauer befan­den sich auf der Straße, als aus der Wohnung eines Juden Steine unter sie geworfen wurden. Hierdurch entstand ein Auflauf und Erbitterung, welcher zum Scheibeneinwerfen in Judenhäusern führte. Um 11 Uhr war die Ruhe wieder herge­stellt. Am Sonntag fand ein größerer Tumult statt. Fenster und Thüren wurden zertrümmert;

gegen Abend um 6 Uhr wurden die Läden ge­schloffen. Die Gendarmen des ganzen Kreises waren anwesend. Beim Gebrauch der blanken Waffe zer­streute sich hierauf die Menge gegen 11 Uhr.

• Dresden, 10. März. Die zweite Kammer genehmigte den Ankauf des Conrad'schen Hauses in Berlin für den Gebrauch des sächsischen Bun­desbevollmächtigten und der Gesandtschaft. Der Schluß des Landtags ist auf den 26. März fest­gesetzt.

Oesterreich«Ungarn.

* Wien, 9. März. Die .Presse' meldet aus Belgrad, der Finanzminister bereite einen Gesetz­entwurf für die Skupschtina vor betreffs Konver- tirung der verschiedenen Titres der serbischen Staats­schuld in eine Rente von 30 Millionen. Ferner wird der Skupschtina eine Vorlage wegen Einfüh­rung des Tabakmonopols zugehen.

* Wien. 10. März. Im Abgeordnetenhause erklärt Minister Prazak, einer bezüglichen Aus­lassung Carnovis gegenüber, er habe anläßlich der Sprachenvebatte kein anderes Staatsrecht, als das Staatsgrundgesetz im Auge gehabt. Der Minister weist den Ausdruck Carnovis von Denunzianten- thum zurück und macht auf die große Gefahr auf­merksam, welche für den Parlamentarismus ent­stehen muß, wenn politische Parteien sich in rein nationale verwandelten.

Frankreich.

* Paris, 9. März. Die heutigen Morgen­blätter bringen Telegramme aus Lyon, welche mel­den, daß gestern in dem Bureau der Messagerie' ein an den Grafen von Paris adressirtes.Packet abgegeben wurde. Die Beamten schöpften Verdacht, da der Aufgeber des Packeis, wie sich alsbald her­ausstellte, nicht die Wohnung inne hatte, welche angegeben war. Das Packet wurde nach dem Ar­senal geschafft, wo festgestellt wurde, daß dasselbe eine explodirbare Bombe enthielt, welche beim un­vorsichtigen Oeffnen des Packets explodiren mußte. — Wie der .Soleil' meldet, explodirte gestern in der Zollwächterkaserne in Lyon eine Dynamitpa­trone, wodurch ein Unteroffizier tödtlich verwundet wurde. — In einer gestrigen Versammlung der hiesigen Anarchisten wurde beschlossen, strenges Ge- heimniß über die Vorbereitungen zu einem nahe bevorstehenden großen Meeting zu beobachten. Man will wissen, daß dasselbe am 18. d. M. auf einem hiefigen Platze stattfinden würde.

* Paris, 10. März. Ein Telegramm aus Tongking meldet: General Millot ging gestern über den Rothen Fluß und legte in der Richtung nach Thuanglan, den Stromfchnellen-Kanal zur Linken lassend, einen Marsch von 15 Kilometer zurück. Man stieß nirgends auf den Feind. General Mgrier marschirte in der Richtung auf Tyandinh. Das Wetter ist günstig.

Italien.

* Rom, 10. März. Der Papst hält am 24 c. ein geheimes, am 27. aber ein öffentliches Konsi­storium ab. Dem .Osiervatore' zufolge wird der Papst den Kardinal Consolini anstatt des verstor­benen di Pietro zum Kämmerling der Kirche ernennen.

* Rom, 10. März. Ein Cirkular der Pro­paganda bevollmächtigte die Nuntien und aposto­lischen Vikare zur Vertretung der Propaganda für administrative und civile Akte. Die Nuntien werden die Bischöfe hiervon informiren.

Aus dem Suban.

* Kairo, 10. März. Die Mitglieder der deutschen Cholerakommisston werden in der nächsten Zeit Goalparo und Darjiling besuchen und nach einigen Tagen nach Deutschland zurückkehren.

* Kairo, 10. März. General Gordon tele- graphirt, er könne die Garnisonen nicht retten, ohne daß Truppen nach dem blauen und weißen Nil gesendet würden.

* Kairo, 10. März. Nubar Pascha wurde interimistisch mit dem Ministerium des Innern be­traut ; thatsächlich führt Clifford-Lloyd die Geschäfte. — Eine Meldung aus Suakim sagt, Osman Digma lehnte die Aufforderung, sich zu ergeben, ab. In Suakim ist ein russisches Kriegsschiff ein­getroffen, ein spanisches wird erwartet.

Amerika.

* Lima, 10. März. Die peruanische Natio­nalversammlung bestätigte gestern den Friedens­vertrag zwischen Chili und Peru.

Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, Dienstag, 11. März.

A In der gestern abgehaltenen Sitzung de» Bürgerausschusses wurde zu folgenden Stadt- rathsbeichlüffen Zustimmung ertheilt: 1) Umbau der Stadtkirchnerswohnung mit Veränderung der Dachlage für ca. 2700 M. 2) Unentgeltliche Abtretung mehrerer städtischer Grab­ländereien neben dem israelitischen Todtenhofe an die evangelische Gemeinde Hierselbst, zwecks Erbauung einer neuen Kirche. 3) Erhöhung des Honorars für den Organisten in der hl. Geistkirche von 120 aus 200 Mark. Hierauf folgte die Berathung des Kämmerei-Grund­etats pro 1884/85. Nach demselben werden wie bisher 9 Simpeln zur Erhebung kommen. Unter Anderem sind in Ausgabe gestellt: für Unterhal­tung der Gemeindegebäude 6468 M., worunter enthalten sind 4500 M. für den Umbau der Stadtkirchnerswohnung, welcher Betrag sich jedoch auf 2700 M. reduziren wird, da die Absicht des Stadtrathes, auf das betreffende Gebäude ein viertes Stockwerk errichten zu lassen, vom Bür- gerausschusse nicht getheilt wird, sowie 1000 Mk. für die Illuminations-Einrichtung am neuen Rathhause; weiter für Erweiterung und Unterhaltung der städ­tischen Anlagen 820 Mk., für Umpflasterung der Mühlstraße 3007 Mk., für ein Cementtrottoir vom Fabrikant Berta'schen Hause bis zur Post 540 Mk., für Herstellung des westlichen Trottoir» in der Friedrichsstraße mit Cement 1374 Mk., für ein Pflastertrottoir vom Schützenhause bis zum Weg nach dem Güterschuppen 400 Mk., ferner für die Schulen 55,580 Mk., für die Gasanstalt 49,108 Mk. (die muthmaßliche Einnahme aus der Gasanstalt beträgt 53,863 Mk.), für die Straßen­beleuchtung 9533 Mk. Der Etat schließt in Ein­nahme und Ausgabe ab mit rund 229,820 Mk. gegen 219,730 Mk. im Vorjahre. Hierbei wurde der Wunsch ausgesprochen, zu den Pflasterungen künftighin besseres Material, namentlich aber statt des Grubensandes, Wassersand verwenden, sowie die Herstellung des Fußweges vom Heerthore bis zum Eisenbahndurchlaß vornehmen zu lassen. Den Ankauf eines Grundstücks im Kasernenfelde, 18,05 Are groß, welches zur Herstellung einer Straße längs der Oberhessischen Straße vom Eisenbahndurchlaß bis zum Bahnhofsgebäude die­nen soll, um den Betrag von 1500 M., glaubte der Bürgerausschuß dermalen nicht zustimmen zu sollen, da ein Bedürfniß für eine solche Straße gegenwärtig überhaupt nicht existire und im etwaigen späteren Bedürfnißfalle das Grundück auch zu dem­selben Preis zu erstehen sein werde.

R. Um der hl. Fastenzeit entsprechend Rechnung zu tragen, hat man im hiesigen Gesellen-Verein für die Sonntagabende dieser ruhigen, ernsten Gebetszeit Vorträge in Aussicht genommen. Am vorigen Sonntag Abend sprach Herr Seminarlehrer Wagner. Sein Vortrag hatte den Zweck, den Sinn und das Verständniß für den Gesang zu wecken und zu fördern. Mit jenen warmen Wor­ten, wie sie nur dem Fachmanns geläufig sind, schilderte der Redner Eingangs die veredelnde Kraft des reinen, wahren Gesanges für Geist und Herz und dessen hohe Bedeutung für geselliges Leben und gesellige Unterhaltung. Er zog jedoch bald die Grenzen enger und blieb mit Rücksicht auf die heilige, ernste Zeit, in der wir eben stehen, bei dem edelsten und schönsten Gesänge, den die Erde hat, dem liturgischen Gesang der heiligen Kirche Gottes, als eigentlichem Redethema stehen. In einem überaus anziehenden geschichtlichen lieber» blick zeigte Herr Wagner, daß der Gesang, den die Kirche so recht eigentlich als den ihrigen sich ausgewählt habe, kein anderer sei, als jener, den der große Gregor in seinem unsterblichen Anti- phonarium zusammengestellt habe, d. h. der gre­gorianische Choralgesang. Diesen Gesang habe die Kirche für die Feier ihrer Mysterien vor­geschrieben, und diese Vorschrift sei jetzt noch bin­dend. Ter deutsche Volksgesang bei dem Hochamt sei daher von der Kirche blos geduldet, nie ge­billigt. Deshalb sei der Cäcilien-Verein ein überaus zeitgemäßer Verein, da er bezwecke, die Vorschriften der Kirche wieder allgemein zur Gel­tung zu bringen und den deutschen Gesang in die ihm gebührenden Grenzen zurückzuweisen. Für unsere Stadt bleibe es daher sehr zu beklagen,