Mark prüfen sollen. Die Beschlußfassung über den Antrag Zedlitz, für alle mit mehr als 3000 Mk. Einkommen die Deklarationspfiicht einzuführen (S 21c) wurde bis Dienstag vertagt.
* Elbing, 1. März. In der vergangenen Nacht ist ein Theil der Schichan'schen Maschinenfabrik abgebrannt. 600 Arbeiter sind augenblicklich brodlos.
* Kiel, 1. März. Heute ist hier die ofsizreüe Nachricht eingetroffen, daß der Kronprinz und Prinz Wilhelm zur Begrüßung des Prinzen Heinrich am 9. März hier eintreffen werden. Die Zimmer im Kieler Schlosse werden bereit gehalten.
• München, 1. März. Die Kammer genehmigte 214,000 Mk. fakultative Staatszuschüsse für Wasserbauten, welche in Folge von Ueber- fchwemmungen nothwendig den Gemeinden obliegen, darunter 100,000 Mk. für die Erhöhung der Rheindämme in der Pfalz als erste Rate.
* Straßburg, 29. Febr. Der Landesaus- schuß genehmigte mit allen gegen zwei Stimmen den Antrag der Kommission, die Petition für den Bau des Kanals Straßburg-Ludwigshafen der Regierung mit dem Ersuchen um Aufstellung eines eingehenden Bauprojektes zu überweisen. Für die Aufstellung des Bauprojektes sollen 125,000 Mk. als Kostenbetrag in den Etat eingestellt werden.
Oesterreich«Ungarn.
* Wien, 1. März. Die Abendblätter enthalten ein Pester Telegramm über die Verhaftung des Redakteurs des Arbeiterorgans ,Der Radikale', Armin Prager. Bei Durchsuchung von dessen Wohnung wurden vom Raube in der Eisert'- fchen Wechselstube herrührende Werthpapiere vorgefunden.
Frankreich.
• Paris, 29. Febr. Im Senat richtet Saint Ballier eine Anfrage an die Regierung über di- Lage der Landwirthschaft. Im Departement Aisne sei die Land- wirthschaft Jahre lang blühend gewesen, jetzt aber dem Ruine nahe, das sei allgemein die Lage der Landwirthschaft in ganz Frankreich. Die Hauptursache sei die Konkurrenz bezüglich der landwirthschaftlichen Produkte und die Einfuhr fremden Viehes. Er verlange die Einführung landwirthschaftlicher Schutzzölle. Der Minister erwiderte, Cerealien und Vieh seien in den Handelsverträgen ausgeschlossen, man würde daher von diesen Produkten Zölle nach dem Generaltarif erheben können, aber er halte dies
Annahme des Gesetzentwurfs über den landwirthschaftlichen Kredit, der den Landwirthen den Ankauf von Werkzeugen und Sämereien erleichtere. — Die Kammer setzte die Berathung der Interpellation Perrin über die militärischen Lieferungen fort. Perrin und die Radikalen beantragten Vertagung der Berathung auf morgen. Campenon und Perier bekämpften den Antrag. Die Kammer nahm mit 315 gegen 119 Stimmen die vom Ministerium beantragte einfache Tagesordnung an. — Die Enthüllung der Statue Gambetta's in Lahors ist auf den 2. April festgesetzt. — Der ,Temps' bespricht die englische Politik in Egypten und schreibt: Was würden die Engländer sagen, wenn Frankreich sich so benommen, wie es die Engländer thun? Welche Ausdrücke der Geringschätzung und Indignation, welche Vorwürfe der Unerfahrenheit, Doppelzüngigkeit und des Ehrgeizes würden wir von der englischen Presse zu hören bekommen, die uns noch jüngst Abenteurer und Freibeuter nannten!
England.
* London, 29. Febr. Die britische Regierung beschloß, an die amerikanische eine in höflichen Worten abgefaßte Depesche zu richten, betreffend die Aktion amerikanischer Bürger, welche Dynamitkomplotte behufs Zerstörung von Personen und Mgenthum in England organisiren und ausführen. — Die Admiralität erhielt eine Meldung Hewett's aus Trinkitat, welche die Ankunft des „Helikon", sowie die Ausschiffung des mit dem „Serapis" angekommenen Regiments anzcigt. — Die Reuter'sche Meldung von heute Vormittag von der erfolgten Verhaftung dreier Personen, wobei Dynamit aufgefunden worden sein soll, wird vom Central-Polizeibureau als unrichtig bezeichnet.
• Aberdeen, 1. März. Auf der Eisenbahn bei Forfar (Schottland) stießen heute drei verschiedene Züge aufeinander. Eine große Anzahl Wagen wurde vollständig zerstört; über die Zahl der Getödteten und Verwundeten ist noch nichts Näheres bekannt.
Italien.
* Rom, 29. Febr. Der.Diritto'.schreibt: Im Ministerrathe erklärte anläßlich des gestrigen Votums Depretis, er könne die vereinzelte Demission Baccelli's nicht zulaffen, nachdem das ganze Kabine! sich mit ihm solidarisch erklärt hätte. Die
vorwiegende Anschauung des Ministerraths ist für die Demission des Kabinets. Die definitive Ent- scheidung wird in dem Abends abzuhaltenden Ministerrath erfolgen. Der König konferirte mit einzelnen Ministern, auch mit Baccelli.
* Rom, 1. März. Morgen beglückwünschen sämmtliche hier anwesende Kardinäle und Prälaten den Papst zu dem Jahrestage feiner Krönung und zum Geburtstage.
* Rom, 1. März. Die .AgenziaStefan!' er» klärt die über eine partielle oder totale Ministerkrisis umlaufenden Gerüchte als unbegründet. Im Senat brachte der Unterrichtsminister den von der Kammer votirten Gesetzentwurf, betreffend die Reorganisation des höheren Unterrichts ein. Dies gilt als Bestätigung, daß eine Ministerkrisis nicht existirt.
Schweden und Norwegen.
* Christiania, 1. März. Nach erregter Debatte versagte das Odelsthing mit allen Stimmen gegen 37 dem Abgeordneten Roll das Wort zur Begründung der Erklärung der 31 Vertreter der Rechten, betreffend die unveränderte Rechts- stellung der beiden Staatsmächte, die durch das ReichsgerichtSurtheil nicht tangirt werde. Das Reichsgericht wählte eine Deputation von zwölf Personen aus seiner Mitte, um dem Könige das Urtheil gegen den Staatsminister Selmer mit dein Ersuchen zu überweisen, die Regierung wolle das Nöthige zur Vollstreckung des Urtheils veranlassen. — Heute Nachmittag 2 Uhr überbrachte die Deputation des Reichsgericht dem Könige das Urtheil gegen Exminister Selmer. Der Prozeß gegen Staatsminister Kierulf wurde bis zum 7. März verschoben. (Vergl. den heutigen Leitartikel).
Rußland.
* Moskau, 1. März. Der gestern Nachts aus Brest kommende Güterzug der Moskau-Brester Bahn ist auf der Dniepr-Brücke, unweit Miasma, entgleist. Die Brücke ist beschädigt, Das Hauptgeleise ist durch die übereinander gestürzten Wagen gesperrt. Der nachfolgende Postzug wurde noch rechtzeitig aufgehalten.
Aus dem Sudan.
»Kairo, 29. Febr. Aus Kaffala wird ge- meioer, oqb ote ovrnge Garnison am 12. Februar einen Ausfall gemacht und die Aufständischen vollständig in die Flucht geschlagen habe. Jetzt herrscht dort vollständige Ruhe.
» Kairo, 1. März. Der Adjutant Gordon Paschas, Stewart, ist von seiner Mission nach dem Weißen Nil nach Khartum zurückgekehrt. Die Mission, welche bezweckte, die Bevölkerung zu beruhigen, verlief resultatlos. Stewart und dessen Begleiter konnten in ihren Dampfern zwar unbehelligt passiren, doch wurden an verschiedenen Orten am Ufer zahlreiche Eingeborene bemerkt, welche eine drohende Haltung beobachteten.
»London, 1. März. General Graham hat unter Parlomentärflagge eine Botschaft an Osman Digma gesandt, welche die Zerstreuung der Rebellen empfiehlt, auf die versöhnliche Natur der Mission des Generals Gordon hinweist und gleichzeitig erklärt, daß im anderen Falle die englischen Truppen heute vorrücken würden.
* London, l.März. Der ,Daily Telegraph' bringt ein Telegramm aus Suakim von heute Vormittag 11 Uhr, wonach gestern den Tag über Gefechte mit dem Feinde stattgefunden hätten, in welchen letzterer auf allen Punkten geschlagen worden sei. Eine der Admiralität zugegangene Depesche des Konimandanten von Suakim vom heutigen Tage bestätigt die Nachricht des ,Daily Telegraph'. Nach dieser Depesche traf heute ein eingeborener Bote ein, mit der Mitthellung, daß gestern den ganzen Tag gekämpft worden fei; der Feind habe sich mit großem Muthe geschlagen, sei aber auf allen Punkten zurückgeworfen worden. Die Engländer sollen in der Nacht an den Quellen von Teb bleiben und heute gegen Tokar vorrücken. Die Verluste der Engländer werden auf 10 Todte und 40 Verwundete geschätzt; der Feind soll gegen 1000 Mann verloren haben. Die Abendblätter bringen in einer Depesche aus Trinkitat von heute eine der Meldung des ,Daily Telegraph' ähnliche Mittheilung. Der Feind habe großen Muth gezeigt und die englischen Truppen, welche ein Viereck gebildet hatten, wiederholt angegriffen. Die Verluste des Feindes sollen sehr groß sein.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, Montag, 3. März
g Der gestrige „Hutzelsonntag" nahm in Fulda und Umgebung einen recht schönen Verlauf. Schon am Nachmittage duftete aus den Bürgerhäusern der für einen echten Fuldaer so anheimelnde Geruch der gebackenen „Krüppel", und die Hausfrauen hatten natürlich auch für die nöthigen „Hutzeln" ge- sorgt. Am Abend eilte Groß und Klein auf die eine freie Aussicht gewährenden Punkte der Stadt und vor die Thore, um die brennenden „Pläscn" zu schauen, die allenthalben auf den Bergen in Flammen aufloderten, und die die Abhänge hinabrollenden „Feuerräder". Der Anblick, welcher sich vom Frauenberge und auf den Straßen nach Kohlhaus und dem Leipzigerhof darbot, belohnte den vielen Zuschauern die Mühe des abendlichen Spazierganges reichlich. Auf dem Kalvarienberg, Schulzenberg, Haimberg, Neuenberg, Johannisberg, bei Kohlhaus, auf dem Röhlingsberg, Florenberg, Petersberg, u. sm. wurden in der gewohnten Weise in Gegenwart einer großen Volksmenge und unter Absingung der üblichen Lieder die Feuer angezündet. — In den Straßen unserer Stadt zeigten sich zahlreiche Masken, denen wir mit Rücksicht auf die begonnene Fastenzeit beim besten Willen unseren Beifall nicht spenden können. Allenthalben herrschte je- doch eine anerkennenswerthe Ruhe und Ordnung. Der Hutzelsonntag ist eine uralte Fuldaer lieber» lieferung, und Fulda hat bisher treu daran festgehalten. Solche Volkstage sind in unserer Alles nivellirenden Zeit an sich gewiß eine wahre Freude für Denjenigen, welcher das Volk und seine Sitten lieb hat. Es wäre nur zu wünschen, daß durch ihre Feier kirchlichen Vorschriften nicht geradezu ent» gegengehandelt würde.
Ö Der Verein „Museum" veranstaltet am nächsten Donnerstag, den 6. c. seine 7. Abendunterhaltung. In derselben wird Herr Semmardirektor Dr. Flügel einen Vortrag halten über „Eine verkannte Frau". Der musikalische Theil wird von den Dilettanten des Vereins unter Leitung des Herrn Souchay ausgeführt. Das Programm desselben ist noch nicht eingetroffen.
ä Die in der Freitags-Nummer enthaltene Notiz über die nächste Sitzung des „Vereins für Natur- künde" enthält einen kleinen Jrrthum. Die Sitzung findet nicht am Montag, sondern am Donnerstag, den 13. März statt. Tagesordnung: Vortrag, Jahresbericht, Neuwahl des Vorstandes.
g Die von Herrn Kapellmeister Olbrich aus Meiningen in Aussicht gestellten Konzerte werden, wie wir bereits am Sonnabend bei der ersten Meldung über das Projekt andeuten konnten, aus verschiedenen Gründen nicht stattfinden.
— (Personalchronik.) Creds, Kanzleirath, Indent. Registr. vom XI. Armeekorps zu Kassel ist auf seinen Antrag zum 1. Juni d. I. mit Pension in den Ruhestand versetzt.
— (Vakante Stellen für Militäranwärter tm Bezirk des 11. Armeekorps.) Sachsenhausen, Postamt, ständiger Hilfsbote int Landbriefträgerdienst, 1 Mk. 30 Pfg. Tagegeld. — Wiesbaden, Bürgermeisterer, Lerh- hausdiener, 1300 Mark Gehalt. — Windecken, Postamt, Landbriesträger, 450 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. — Wolfskehlen, Postagentur, Landbriefträger, 500 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschutz.
— Nach dem Betriebs-Reglement für die Etsen- bahnen Deutschlands hat ein Reisender, welcher in Folge Verspätung ein Fahrbillet nicht mehr hat lösen können und hiervon unaufgefordert dem Schaffner sofort bei dessen Erscheinen Mittheilung macht, Anspruch auf Beförderung gegen Nachlösung des erforderlichen Blllets auf der nächsten Station, welche genügenden Aufenthalt bietet, und gegen Zahlung eines Zuschlags von 1 M. Einem Beschlüsse der preußischen Staatsbahnen zufolge, schreibt man der ,Voss. Ztg.', soll in Fällen, in welchen Reisende verspätet mit einer Nachbarbahn oder einem Anschlußzuge ankommen und aus diesem Grunde keine Zeit zum Lösen von Billets für die Weiterfahrt mehr haben, von Nacherhebung des Strafgeldes von 1 M. abgesehen werden.
— Die Sonne ist, wie die ,Staatsb.-Ztg.' schreibt, schon seit einigen Tagen von einem braunvioletten Ringe umgeben, welcher sich nach unten und den Seiten zu in einen intensiv braunen Dunstschleier fortsetzte, gegen den die westlichen Haufwolkeu vollständig grün sich abheben. Den Ring sieht man am besten, wenn eine kleinere, aber dichte Wolke die Sonne verdeckt, oder wenn man die Stellung an einer Hausecke so wählt, daß die Sonne selbst