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M 50.

Sonnabend, den 1. März

1884

Fuldaer

eitung

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich» Sonn- und Feiertage ausgenommen. ^ Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg.» — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne ttttl Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg.» auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Erstes Blatt.

Der heilige Stuhl über die Propaganda an die apostolische« Nuntien.

Nachstehend theilen wir den eigentlichen Kern der Jakobinischen Note mit, unter Weglassung der einleitenden und Schluß-Bemerkungen, welche letz­tere die apostolischen Nuntien ermahnen, die be­treffenden Regierungen für diese alle Nationen der Erde gleichermaßen angehenden Mittheilungen zu interessiren.

„Man will eine Institution, welche in ihrem Ursprünge, ihrer Einrichtung, ihrer Thätigkeit, ihren Gütern und in ihrer Geschichte so wesentlich universal und kosmopolitisch ist, den Spezialgesetzen einer einzelnen Regierung über­liefern durch das Urtheil eines lokalen Gerichtshofes, wel­cher sie für unfähig erklärt, in juridischer Weise Besitz zu haben, und damit zugleich sie ihres Eigenthums beraubt. Es war nicht genug, die Propaganda zu zwingen, sich lange Jahre hindurch von Tribunal zu Tribunal zerren zu taffen, und ihr die schwersten Kosten eines mühevollen Prozesses aufzuerlegen. Mau begnügte sich nicht damit, sie der Bezahlung der enormen Steuern zu unterwerfen, welche sozusagen den fünften Theil ihrer jährlichen Ein­kommen verschlingen und die man somit ihrer wohlthätigen Bestimmung entzieht. Man nahm keine Rücksicht auf die guten Dienste angesehener Persönlichkeiten; die Anstreng­ungen, welche gemacht wurden, um. ihre juridische und ökonomische Situation weniger hart zu gestalten, haben nichts gefruchtet. Man kümmerte sich nichts um die un­widerleglichen Beweise, welche früher andere Tribunale günstige Urtheile fällen ließen, die übrigens von allen rechtlich denkenden Geistern gebilligt wurden; man wollte nicht einmal den förmlich ausgesprochenen Willen einer erhabenen Person jenseits des Grabes respektiren. Man könnte fast sagen, daß eine geheime Macht die Beraubung der Propaganda dekretirt habe, aus dem Grunde, weil sie die am klarsten zu Tage tretende Jncarnation des Papst- thums ist, und daß vor der Uebermacht dieser fremden Gewalt alle Gründe des Rechtes und des Schicklichen eitel und alle Betrachtungen unnütz seien. Um die Kraft der vorstehenden Erwägungen abzuschwächen und die Verant­wortlichkeit für einen so gehässigen Raub zu mindern, sucht man glauben zu machen, daß die Propaganda keinen Schaden von der Anwendung des Gesetzes über die Kon­version ihrer unbeweglichen Güter haben werde, da der Ertrag der Veräußerung ihres Eigenthums durch eine Ziffer repräsentirt werden muß, welche mit einer Ziffer von zu ihren Gunsten in das Staatsschuldbuch eingetragenen Ren­tentiteln stimmt, und da das Institut das Recht behält, in der Zukunft seinen Besitz durch die Annahme neuer Schen­kungen zu vermehren. Um diesen Sophismen Gerechtig­keit angedeihen zu lassen, muß man zuvörderst beachten, daß mit dem Verbote des Eigenthumsrechtes für die Propa­ganda ihr jurioisches Verhältniß schlechter wird, als das irgend eines anderen Staatsbürgers. Wenn es wahr ist, daß das Eigenthumsrecht die Autonomie und die Würde der Persönlichkeiten garantirt, welche im sozialen Körper Platz haben, welche Wunde schlägt man dann nicht der Propaganda, indem man sie für unfähig erklärt, Besitz- thum zu haben und für abhängig von einer anderen In­stitution , die ihr eine halbjährige Rente zahlt, gleichwie einem einfachen Nutznießer und gewissermaßen unter der Form eines Almosens. Aber ohne diese Betrachtungen moralischer Art weiter verfolgen zu wollen, so ist nicht wahr, daß die ökonomische und materielle Lage durch die Konversion nicht berührt wird. In welche Lage würde die Propaganda kommen, wenn die Rente eine Reduktion erfahren, wenn ihre Zahlung gänzlich eingestellt würde, wie es bereits in anderen Ländern der Fall gewesen ist? Wer könnte dafür haften, daß sie genau und vollständig gezahlt würde, wenn finanzielle Krisen, Krieg oder son­stige schlimme Ereignisse einträten? Hat man vielleicht vergessen, daß noch vor Kurzem bloß unter dem Vor­wande von „Repressalien" die Zahlung der geistlichen Ge­hälter, die mit den seitens der piemontesischen Regierung eingezogenen Kirchengütern verbunden ist, suspendirt wurde? Andererseits ist es von ganz außerordentlicher Wichtigkeit, sich zu vergegenwärtigen, daß die Propaganda in Folge ihrer besonderen Verhältnisse und um außergewöhnlichen Bedürfnissen für ihre Weltthätigkeit zu genügen, oft ge- nöthigt ist', auch über einen Theil ihrer Kapitalien zu disponiren, wenn ihre regelmäßigen Einkünfte unter ge­wissen Umständen unzureichend sind. Dies war z. B. der Fall bei den neulichen Hungersnöthen unter den Christengemeinden in China und Tonking, oder als sie vermittelst enormer Summen den schweren Prüfungen, welche das apostolische Vikariat in Konstantinopel zu be­stehen hatte, zu Hülse kommen mußte. Weiterhin aber verlangt die immer größere Entwickelung des Katholizis

mus unter den Ungläubigen und die stets zunehmende Er­leichterung des Veüehrs die Gründung von Seminarien, Kollegien, Universitäten, apostolischen Vikariaten und Prä­fekturen , und es genügt in dieser Hinsicht, daran zu erin­nern, daß unter dem glorreichen Pontifikate Leo's XIII. bereits 18 apostolische Vikariate errichtet sind. Aus glei­chen Beweggründen und in der Absicht für die wachsende Bewegung dieser Missionen zu sorgen, hat Pius IX., seli- !en Andenkens, eine besondere Sektion der Propaganda ür die Angelegenheiten des orientalischen Ritus mit eige­ner Sekretarie errichtet. Schließlich wolle man nicht un­terlassen, zu bemerken, daß die Propaganda nicht bloß das hauptsächlichste Centrum der Leitung der Missionen ist, sondern eine hochbedeutsame Einrichtung ersten Ranges in erziehlicher und wissenschaftlicher Beziehung, indem sie ein Kollegium von mehr als 100 Zöglingen umfaßt, mit zahl­reichen Lehrstühlen für Literatur, Philosophie, Theologie und Philologie, einer außerordentlich^reichhaltigen Biblio­thek, einem sehr werthvollen Museum und einer Polyglot- ten-Druckerei. Wenn die Propaganda, um allen diesen Bedürfnissen zu genügen, mehrfach gezwungen war, über einen Theil ihres Kapitals zu verfügen, so hat die Vor­sehung, sowie die Frömmigkeit der Gläubigen nie verfehlt, ihren Besitz reichlich zu ersetzen. Man wird vielleicht hier­gegen einwenden, daß das Konversionsgesetz die Propa­ganda nicht hindern wird, ihr Kapital durch neue Vermächt­nisse zu vermehren. Das mag sein, aber diese Möglichkeit wird ihr nur in dem Falle einer besonderen Autorisation der Regierung gelassen, unter einer Bedingung, welche im höchsten Grade erniedrigend ist für ein Institut dieser Art, welches dadurch gezwungen wird, bei Anderen um seine Subsistenzmittel betteln zu gehen. Zudem wird die"Regie- rung, bevor sie eine solche Autorisation ertheilt, sich dar­über vergewissern wollen, ob die ökonomischenWerhältnisse derart sind, daß sie die Vermehrung ihres Besitzthumtz for­dern. So ist die Propaganda der Kontrolle der Regierung unterworfen, welche ihren ökonomischen Stand, die Verwen­dung ihrer Einkünfte und selbst den Gang ihrer Verwal­tung der Prüfung unterwerfen wird. Man sieht, um wel­chen Preis der Erniedrigung die Propaganda die Erlaub- niß, etwaige Vermächtnisse anzunehmen oder in den Besitz etwaiger Schenkungen gesetzt zu werden, erflehen müßte. Wenn man zufällig einmal diese Autorisation nicht glaubte gewähren zu sollen, würden die Bestimmungen des Gesetzes illusorisch und die Propaganda würde sich einer nicht min­der ungerechten als schädlichen Abweisung ausgesetzt sehen. Selbst wenn man von der günstigsten Annahme einer Kon­zession der besagten Art ausgeht, so müßten ebenfalls die neuen Kapitalien in Staatsrenten konvertirt und somit allen obenerwähnten Wechselfällen ausgesetzt werden. Alle diese Gründe von einer so handgreiflichen Evidenz taffen leicht begreifen, was gewisse Sophismen für Werth^bean- spruchen dürfen, die man in Umlauf setzt, um die Trag­weite eines Urtheils abzuschwächen, welches bereits von der gesammten öffentlichen Meinung gerichtet ist."

Deutsches Reich.

Fulda» Sonnabend, 1. März.

* Fürstbischof von Breslau wird wegen seines jüngsten Hirtenbriefes von mehreren Blättern an­gegriffen. Die .Germania' bemerkt zu diesen An­griffen : Ein freiwillig - gouvernementales Blatt, welches sich schon oft durch Taktlosigkeit auszeich­nete, wirft dem Herrn Fürstbischöfe nichts Ge­ringeres vor, als daß er „jeglichen nationalen Sinnes" sich entschlage, und die .Post' hat gar entdeckt, daß der Kulturkampf in seinem vierzehn­ten Jahre fortgesetzt werden soll durch Auffrischen derselben Mittel, mit welchen er eröffnet worden sei! Die gegnerischen Blätter g>.hen von der Prämisse aus, daß der Herr Fürstbischof in seinem Hirtenbriefe eine politische Angelegenheit be­handele. Ohne in einen Streit darüber einzutreten, ob und in wie weit auch politische Dinge hirten­brieflich behandelt werden können, weisen wir ein­fach die Behauptung zurück. Die Ehre und die Freiheit des Oberhauptes der Kirche sind allen Katholiken eminent kirchliche Dinge, deren Vertheidigung ihnen eine, von den politischen Konstellationen unabhängige Gewissenspflicht ist. Es gibt keinen Bischof und keinen treuen Katho­liken in Deutschland, der den Raub Italiens am Besitzthum des hl. Stuhles anerknnat hätte oder anerkennen könnte. Wenn der Bischof, welcher von seiner Romreise zurückkommt, die traurige Lage

des Papstes schildert und dem Protest des hl. Vaters gegen die atn Papstthum vollzogenen Ge- waltthaten sich anschließt, dann entspricht das so sehr den Ueberzeugungen und Gefühlen aller Katho­liken, daß wir gar nicht begreifen, wie man sich darüber verwundert stellen kann. Der Kultur­kampf ist nicht entstanden wegen der Frage der diplomatischen Intervention zu Gunsten des h. Vaters, sondern er war geplant und einge­leitet, ehe Rom erobert war, ehe eine Adreß- debatte stattgefunden; Fürst Bismarck selbst hat den Kampf stets auf andere Motive zurückgeführt. Die alte Unwahrheit, daß das Centrum einen Krieg gegen die piemontesischen Eroberer beantragt oder sonst gefordert hätte, ist in ihrem 14. Jahre noch ebenso aktenwidrig, als im ersten. Und ebenso unwahr und ungerecht ist es, wenn die ,Post' von einer neuen „Kreuzzugs"-Parole spricht. Es hat sich doch inzwischen deutlich genug gezeigt, daß die Diplomatie auch ohne Schwertstreich „die Macht hat, dem Rechte den Weg zu bahnen", wenn sie will. Wenn die ,Post' glaubt, einen Trumpf auszuspielen, indem sie von den revolutionären Be­wegungen im Kirchenstaate zur Zeit der päpstlichen Herrschaft spricht, so halten wir uns nicht damit auf, ihren geschichtlichen Exkurs im Einzelnen zu korrigiren, sondern verweisen sie bloß darauf, daß es gerade die Emissäre der augenblicklich in Rom herrschenden Mächte waren, welche den Frieden des Kirchenstaates störten. Eine sonderbare Dok­trin, welche den Verlust des Eigenthumsrechtes mit der Ruhestörung seitens der Räuber recht­fertigen will! Zur Kennzeichnung unserer Kultur- kämpfer nehmen wir Akt davon, daß sie den deut­schen Bischöfen und Katholiken zumuthen, den an dem Oberhaupte ihrer Kirche begangenen Raub anzuerkennen, und daß sie den Bischöfen verbieten wollen, über die Lage des heiligen Stuhles zu reden und die Gläubigen zum Gebet und zur finanziellen Unterstützung des beraubten Papstes aufzufordern.

"Münster, 28. Febr. Der .Germania' schreibt man von hier: „Seit der Verbannung unseres hochwürdigsten Bischofs hatte bekanntlich der Adel sich fast ganz von hier zurückgezogen. Viele vor­nehme Familien waren nur einige Tage des Jah­res in hiesigen Höfen; die übrige Zeit brachten sie auf dem Lande oder in anderen Städten zu. Mit Rücksicht auf die Lage der Dinge lehnte der Adel jeden Verkehr mit dem früher» Oberpräsiden v. Kühlwetter ab, so daß auf dessen Bällen nur Beamte und Offiziere erschienen. Bei den Bischofs- Festlichkeiten war der gesammte Adel der Provinz erschienen, und noch jetzt befindet der größte Theil desselben sich in unserer Stadt. Mit Herrn Ober­präsidenten v. Hagemeister steht derselbe auf dem besten Fuße und dessen Festlichkeiten sind stets sehr zahlreich besucht."

(Oesterreich - Ungarn.

# Linz, 28. Febr. Der diesjährige Fasten- Hirtenbrief unseres hochw. Herrn Bischofs Franz Joseph Rudigier handelt von der christlichen Familie; er zeigt an der Hand des Katechismus, wie das Verhältniß' der Gatten zu einander, das Verhältniß der Eltern und Kinder, sowie der Dienst­herren und Dienstboten beschaffen sein solle; dann folgt ein besonderer Dank des hochw. Herrn Bi­schofs für die fortwährenden Gaben des Peter« Pfennigs. Der hochw. Herr Bischof erinnert da­bei an die im vorjährigen Hirtenbriefe angekündigte Romreise, betreffs welcher er schreibt: „Die Rom­reise, die ich im Hirtenbriefe vor einem Jahre in Aussicht stellte, konnte ich wegen längerer Krank­heit nicht antreten; ich will sie heuer machen; ich muß den heiligen Vater sehen; ich will ihm auch