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1884

Freitag, den 29. Februar

Fuldaer

die Wahrnehmung konnte in Berlin sowie in Wien nur einen guten Eindruck machen. Au unklaren Zuckungen und Krisen wird es allerdings auch wei­terhin in Sofia wahrscheinlich nicht fehlen , aber sie werden hoffentlich nicht tiefgreifend sein und die friedliche Zuversicht der gegenwärtigen Lage nicht nachhaltig durchkreuzen.

* Berlin, 27. Febr. Der Kaiser verlieh dem Großfürsten Michael vor dem Galadiner die Kette zum Schwarzen Adlerorden, welche der Großfürst beim Diner trug. Bei diesem trug der Kaiser die Uniform des Kaluga-RegimentS; zwischen dem Kaiser und der Kaiserin saß der Großfürst, diesem gegenüber Feldmarschall Graf Moltke, neben diesem Gurko und Schuwaloff. Der Kaiser brachte folgenden Toast in französischer Sprache aus: Ich bin gerührt über die Aufmerksamkeit des Kaisers, an diesen Jahres­tag gedacht zu haben, wo ich den Georgsorden erhielt, nachdem ich mit der russischen Armee, besonders mit dem Kaluga-Regiment, deffen Chef ich bin, unter den Augen meines Vaters gekämpft hatte. Tief bewegt durch diese schmeichelhafte Erinnerung wünsche ich, daß Eure kaiserliche Hoheit und die für diese Mission auserwählten Offiziere die Doll- metscher meiner Erkenntlichkeit beim Kaiser seien und trinke auf das Wohl des Kaisers von Ruß­land. — Großfürst Michael überreichte dem Kaiser bei dem heutigen Empfang der Deputation ein eigenhängiges Schreiben des Kaisers Alexander mit dem Feldmarschallstab in Brillanten.

'Kifilb^^Lebr.... Rach siebenjähriger unsere Diözese Erschienen. Der Bischof von Limburg aibt in der Einleitung seiner großen Freude Aus­druck, daß es ihm mit Gottes Hülfe nunmehr wie- der gestattet sei, unter seinen Diözesanen zu wecken. „Je länger dieser Zeitpunkt sich verzögerte desto schmerzlicher war es für uns, un Auslande uns aufhalten zu müffen. Zwar haben wir wahrend unserer Trennung von euch nicht Vieles zu leiden gehabt, noch hat uns etwas gemangelt, was wir bedurften. Die göttliche Vorsehung hat m dieser Beziehung überaus gnädig und liebevoll über uns gewaltet. Durch die Großmuth und den Edelsinn

Deutsches Reich.

Fulda, 23. Februar.

Daß eine Denkschrift über die Vor­bildung des Klerus im Kultusministe­rium ausgearbeitet wird, wird den ,B. P. N.' bestätigt; weiter heißt es dort: „wenn aber aus dieser Thatsache verschiedentlich die Folgerung gezogen wurde, diese Denkschrift sei berufen, die Unterlage für einen neuen gesetzgeberischen Akt auf kirchenpolitischem Gebiete zu bilden, so können wir dies als gänzlich unzutreffend bezeichnen". Der letzte Passus dieses offiziösen Orakels ist nicht ganz klar. Wenn man daraus folgern wollte, daß die Regierung an einen bezüglichen gesetzgeberischen Akt überhaupt noch nicht denkt, so wäre doch wohl mit vollem Rechte zu fragen, welchen Zweck dann eine Denkschrift über die Frage der Vorbildung haben sollte. Möge man daher die offiziöse Phrase nicht gar zu wörtlich nehmen, solche Verlautbar­ungen haben ja erfahrungsmäßig nur zeitweiligen Werth, meist verfolgt man mit denselben einen Nebenzweck, denn wäre dies nicht der Fall, so würde die Regierung selbst das größte Interesse daran haben, stets sofort ohne Zögern irrigen Gerüchten durch präzise Aufklärung entgegenzu- treten. Aber darum ist es oft nicht zu thun.

• Der Vorsitzende der Centrumsfraktion im Reichstage erläßt folgende Aufforderung: Die geehrten Herren Kollegen werden dringend und aan» eraebenst gebeten, zur ytamuu=-oi»uutt u... o » Abends 71/2 Uhr, Zimmer Nr. 14 nn Reuhstagsge- büüde, gefälligst vollzählig erscheinen zu wollen.

München, den 27. Februar 1884.

Freiherr zu Franckenstern .

* Der Kur. Pozn.' erwidert auf die gestern von uns erwähnten Angriffe der ,Rordd. Allg. Ztg.' denen den Kardinal Ledochowski Folgendes: 9 Die ,Nordd. Allg. Ztg.' rechnet hier offenbar auf den Unverstand ihrer Leser, die nicht begreifen können, daß man den Primastitel wie z. B. der Erzbischof von Salz­burg führen kann, ohne den Kaiser zu krönen und Sitz und Stimme im Rathe der Krone zu haben. Mit welchem Recht die ,Nordd. Allg. Zig.' seine Eminenz -'nen ,.revo­lutionären" Prälaten nennt, darüber mußten die polnischen Abgeordneten den Minister des Innern im preußischen Landtage interpelliren. Es ist eine Schande, daß ein Or-

angekommene Schwägerin mit uns den Ball be­sucht, so ist für Dich kein Platz mehr unWagen, und Du mußt den ohnehin nicht mehr wecken Weg zu Fuß machen. Gib nur Acht, daß Du nicht ^^Dafür kann gesorgt werden", meinte Frau Dresner; „wenn der Herr Doktor Socken über die Ballschuhe zieht, fällt er gewiß nicht .

Der gute Rath wurde mit Dank °ngen— und befolgt. Thenn eilte nach dem -

Hause, stürzte in das Vorzimmer des Ballsaales hing Hut und Mantel an einen Hacken und trat raschen Schrittes in den hellerleuchteten Saal in welchem bereits die Paare sich zum anstell­ten Wie verblüfft aber war der gute Doktor, als er die Mädchen kichern hörte, und einige Her­ren a°r in lautts Lachen ausplatzten. Stein tra auf ihn zu und sagte ärgerlich: Konfusfionsra h! Unglücksmensch! Du hast 1« noch die rocken an Blutüberqoffen und mit einer Jammermiene, die stlbst seinen Todfeind rühren mußte, starrte ^enn auf seine Füße nieder, rannte in das Vorzimmer hinaus, riß die unheilvollen Socken herab und be­sann sich einen Moment, ob er nicht den Ball Ball sein laffen und nach Hause gehen solle. Doch konnte er's nicht über's Herz bringen, Marie den ganzen Abend nicht mehr zu sehen; er schlich daher durch einen Seitenthüre wieder in den Laat unv suchte das Mädchen auf, dessen freudestrahUiide Augen und frohes Geplauder ihn rasch sein Mitz-

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Der Konsusiousrath.

Novelle von A. I.

Möcht' es ihm auch nicht rathen, mir zu nahe zu treten", lachte JaSpensen„WissenSieFräulein ich habe eine köstliche Idee. Ich gebe dem Stallknecht einen Wink daß er, wenn wieder emgespannt, den Halsriemen an des Doktors Pferd recht fest schnallt ; 8 muß sich dann, wenn er den Zugel anzieht bäumen und durchgehen. Sie werden sehen, das gibt einen Hauptspaß. 'Ihnen, Fräulein, kann dabei nichts geschehen, wenn Sie zur Nachhause- sahrt in meinen Schlitten steigen wollen, der ohne­hin größer und hübscher ist."

Ich danke Ihnen für dieses Anerbieten, Herr Jaspensen, da ich aber jetzt ihre Absicht m Bezug auf den Herrn Doktor kenne, so werden Sie es wohl bleiben laffen, sie auszuführen." Mit diesen gemessenen Worten drehte Marie dem rohen Men­schen den Rücken und wendete sich zu der an ihrer anderen Secke sitzenden Frau Stein wahrend Jas- pensen sich zornig auf die Lippen biß- Bald darauf verließ er, da Marie ihn keines Wortes mehr würdigte, die Gesellschaft und begab sich m das allgemeine Gastzimmer, wo er feinen Aerger: m Punsch zu ertränken suchte. Als t te Gesellschaft den Heimweg antrat, fehlte Jaspenfen. Er fei verhindert mitzufahren, hieß es, und dies war in­sofern richtig, als er im Bette des Wrrthes lag und einen gewaltigen Rausch ausschlief.

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gan, welches mit den Regierungskreisen in so nahen Be­ziehungen steht und Depeschen des Reichskanzlers veröffent­licht, in seiner schamlosen Anmaßung ein Mitglied des h. Kollegiums und einen der nächsten Räthe des Papstes, bei welchem die preußische Regierung einen Gesandten beglau­bigt hält, einen „Revolutionär" zu nennen wagt.

* Wie die .Post' hört, wird der Reichskanzler Fürst Bismarck bestimmt Anfangs März, wahr» scheinlich am 4., von Friedrichsruh in Berlin ein­treffen.

• Das Vordringen Rußlands nach Merw hat auf dem Festlande, wie die Dinge liegen, in die­sem Augenblick fast noch mehr die Aufmerksamkeit gefeffelt, als in England. Es versteht sich, daß das unbetheiligte Deutschland das Ereigniß mit angemessener Ruhe sich vollziehen sieht, gleichviel ob das, wie einige wissen wollen, gelegentlich aus­gesprochen wurde oder nicht. England selbst er­klärt ja, daß ihm die sogenannte, unter Beacons­field gezogene „wissenschaftliche Grenze", die auf die frühere mehr ausgedehnte „neutrale Zone" ge­folgt ist, für die Sicherung seines indischen Be­sitzes genüge. Herr Vambery in der.Times' pro­phezeit allerdings einen künftigen Zusammenstoß der Engländer und Ruffen. Andere Stimmen in der festländischen Presse haben die Frage aufge­worfen, ob die Unzulänglichkeit der militärischen Kräfte Englands, wie sie im Sudan hervortrat, nicht einmal Konstantinopel in Gefahr bringen könnte. Man hat sich indeffen seit geraumer Zeit gewöhnt, den Schutz des bestehenden Zustandes im ^404 UUUU«* GW iitt/ioflörtß ki'lltfrh*

österreichische Bündniß war bekanntlich tn erftkt Linie auf die Wahrung jenes Zustandes und des Berliner Friedens gerichtet. Hat das Bundmtz jetzt auch Rußland für die friedlichen Zwecke des- selben gewonnen, so darf man erwarten, daß die russische Politik im Orient davon eine günstige Rückwirkung erfahren werde. Man hört denn auch, einflußreiche Parteien in Petersburg hatten sich mit dem Verbleiben des Fürsten Alexander tn Bulgarien vertraut gemacht und suchten nicht mehr wie früher die Regierung mit entgegengesetzten Vorstellungen und Bestrebungen heim. Herr von Giers wird sich wohl nicht darüber beklagen und

Während der Zug der Schlitten sich der Stadt näherte, wurden die mitgenommenen Fackeln ange- zündet, die ihren rothen Schein weithin über das Schneefeld warfen; die im vordersten Schlitten po- stirte Musikbande spielte lustige Wersen und mit Hurrah fuhr man über die Schleusen-Brucke tn die Stadt ein. „Ach Herr Doktor wie schön war diese Fahrt, und wie danke tch Ihnen dafür, sagte Marie, indem sie Thenn, der ihr beim Aus- steigen behilflich war, die Hand drückte. „Gott segne Sie für dieses Wort," erwiderte er bewegt und führte ihre Hand an seine Lippen.

Nach der Heimkehr mutzte rasch das Anziehen für den Ball bewerkstelligt werden. Frau Dresner theilte ihre Sorgfalt zwischen ihrer Enkelin und dem Doktor, der unbeholfen wie immer, mit Nichts zurechte kommen konnte. Bald fehlte es am Jabot, bald an den Handkrausen; bald war Dies, bald Jenes vergessen. Endlich kam doch Alles m Ord­nung, und als Thenn fix und fertig bei ^rau Dresner eintrat, stand Marie in weißem Kleide, glühend von freudiger Erwartung, mitten un Zim­mer und lächelte dem Doktor entgegen, der sich in Ausdrücken der Bewunderung über des Mad-

itnh hnfh trat der Prokurator em, um, rote ver­abredet Marie abzuholen. „Es ist plötzlich Glatt- 1 eis geworden", sagte er zu Thenn, „und ich wurde ! Dich gerne auch mitnehmen; aber da meine gestern