Fuldaer
Mittwoch, den 27. Februar _ AMF) _
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O Aschermittwoch.
Im Kreislauf des Kirchenjahres stellt sich mit grauem Aschenkreuz und ernster Mahnung auch der Aschermittwoch wieder ein. Nur zu viele Menschen sehen diesem Merkzeichen am Anfang der Fastenzeit, bei Beginn der zu besonderer Abtödtung, Entbehrung und Selbstbeherrschung verpflichtenden Periode der Vorbereitung auf das hl. Osterfest, nur ungern und mit Mißmuth entgegen. Ihnen erscheint der Mißton, welcher in dem unvermittelten Uebergang von den tollen Tagen des Karnevals, den lustigen Fastnachtsscherzen zu dem memento des Aschermittwochs liegt, gar zu schrill und unangenehm. Und doch liegt in diesem Wechsel ein so tiefer Sinn I Die Vergänglichkeit aller irdischen Freuden, die Mahnung, über dem irdischen Genuß nicht das Seelenheil, über den erlaubten Vergnügungen und Erholungen nicht das Gebet und die Pflichten gegen Gott, über dem Leben nicht den Tod zu vergessen, findet in dem jähen Uebergang von den auserlesenen Tagen des Scherzes und der Freude zu den strengen Pflichten des Aschermittwochs und der Fastenzeit den wirkungsvollsten Ausdruck.
Wer die Zerstreuungen und Vergnügungen der Welt mit richtigen Augen ansieht und in richtiger Weise zu genießen versteht, dem wird der Uebergang nicht gar zu schroff erscheinen. Es kommt eben darauf an, in welcher Stimmung und Verfassung man die Tage vor dem Aschermittwoch verlebt hat, es kommt darauf an, ob der Ernst des Aschermittwochs einen trüben Schein des Vorwurfes und der Gewissensbedrängniß über die verlebten Tage wirft. Ist dies nicht der Fall, so kann dem gläubigen Christen die ernste Mahnung des Aschenkreuzes nur ein willkommener Antrieb zun. Guten sein und eine erneute Unterweisung in der rechten und wahren Auffassung des Lebens als einer vorübergehenden irdischen Pilgerfahrt. „Bedenke, daß du Staub bist und wieder in Staub zurückkehren wirst".
Auch der moderne Materialismus predigt diesen Satz von der Vergänglichkeit alles Irdischen, aber in einem ganz anderen Sinne. Während nach
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Der Konsusisusrath.
Novelle von B. I.
Merkwürdiger Weise tauchte, als Thenn in früher Morgenstunde bei seiner Arbeit saß, die Er nnerung an die in der Nacht gefaßten Vorsätze in ihm auf, und er freute sich dieses ersten Sieges über seinen alten Fehler, auch behielt er diesmal die Haus- schuhe fest an den Füßen, und als er das wohlbekannte Klappern des Kaffeegeschirrs vor seiner Thüre vernahm, wartete er das Anpochen gar nicht ab, sondern sprang sofort auf und konnte bei Marie noch einen Morgengruß anbringen und von ihr einen erhalten, was nicht wenig zur Erhöhung feiner Zufriedenheit beitrug. Hebet den Genuß des Frühstücks kam ihm auch der Ball wieder in den Sinn und daß Marie denselben besuchen müsse, und um jedes Hinderniß aus dem Wege zu räumen, beschloß er, selbst ein Ballkleid zu kaufen und es dem Mädchen zum Geschenk zu machen. Daß sich das Eine wie das Andere nicht ganz für ihn schicke, siel ihm in seiner Harmlosigkeit nicht im Mindesten ein. Ehe er seine Krankenbesuche begann, trat er in eine Modewaarenhandlung und kaufte den feinsten weißen Tüllstoff, den er verpacken ließ und mitnahm, um ihn durch den Knaben, der ihn Abends vorher zu seiner kranken Mutter geholt hatte, an Frau Dresner gelangen zu lassen.
Während der Doktor, glückselig darüber, diese Angelegenheit erledigt und somit einen Anfang zur
seiner Meinung mit der Rückkehr des aus dem Staub geborenen Lebens zuni Staube Alles ein Ende hat, winkt dem gläubigen Christen über die Verwesung seines irdischen Leibes hinaus das ewige Leben im Jenseits, der Lohn für die Mühen und Sorgen der irdischen Pilgerfahrt. Darum auch der himmelweite Unterschied in der Auffassung der Bedeutung des Todes, der Rückkehr zum Staube für den Gläubigen und den Ungläubigen. Das „memento, homo, quia pulvis es et in pulverem rever- teris“ (bedenk', o Mensch, daß du Staub bist und in Staub zurückkehren wirst) ist für den Langner Gottes, der Ewigkeit und der Unsterblichkeit der Seele ein trostloser, ein schrecklicher Gedanke, während er für den Christen, der nach dem Willen Gottes lebt, Freude, Lohn und Erlösung, ewiges Glück und ewige Seligkeit bedeutet. Das Memento des Aschermittwochs, der Gedanke an den Tod ist darum unter Christen nur für diejenigen ein Schrecken, deren Leben darnach an- gethan ist, daß sie fürchten müssen, plötzlich vor den Richterstuhl ihres Schöpfers zu treten. Die Furcht vor dem Tode ist die Furcht vor dem ewigen Richter, die Furcht vor der unendlichen Strafvergeltung.
Die angedeuteten Wahrheiten sind die wichtigsten Fundamente unseres ganzen Lebens und Seins, darum kann es gewiß als zweckmäßig und angebracht erscheinen, wenn an der Stelle, wo sonst nur politische und soziale Fragen aus dem ruhelosen Getriebe der Welt erörtert werden, am Aschermittwoch eine unpolitische, aber um so wichtigere und ernstere Frage, die Frage, um die sich alles dreht, eine entsprechende und kurze Beleuchtung findet.
Wir treten nun in die heilige Fastenzeit, in die Periode des Kirchenjahres, wo wir nach dem Willen der Kirche durch kleine Entbehrungen und durch Abtödtung nicht nur unseres Leibes, sondern auch unseres Geistes und Willens uns als würdige Jünger des leidenden Welterlösers bewähren sollen. In unserer genußsüchtigen Zeit, wo es nicht selten vorkommt, daß selbst gläubige Christen und Katholiken die „stille Zeit" gering achten und sogar zu lauten, rauschenden Vergnügungen mißbrauchen,
Besserung gemacht zu haben, seinen Berussgeschäs- ten nachging, hatte Frau Dresner einen zwar unerwarteten, aber durchaus nicht angenehmen Besuch. Es erschien vor ihr die lange, hagere Figur des HauseigenthümerS und Kaufmanns Jaspensen. Derselbe machte zuerst einen kurzen, steifen Bückling, erkundigte sich nach werthem Befinden, nahm während der landesüblichen Antwort auf diese Frage bedächtig eine Prise aus der goldenen Dose, räusperte sich ein Weniges und ließ dann verlauten: „Ich wollte so frei sein, zu fragen, ob Sie nicht einige Groschen für mich übrig hätten .... eine kleine Abschlagszahlung, wie man so sagt . .
„Ich würde sie Ihnen gerne leisten, wenn ich nur könnte," entgegnete mit einem aus der tiefsten Tiefe der Brust heraufgeholten Seufzer die alte Frau. „Haben Sie noch einige Zeit Geduld."
„Ich wollte wohl, aber sehen Sie, liebe Frau, mein Guthaben wird immer größer .... ich habe auch meine Zahlungen zu leisten. ... Sie stehen mit mehr als 200 Thalern belastet in meinem Buch."
„Ich weiß, ich weiß, Herr Jaspensen und ich grüble Tag und Nacht darüber, mit der Zeit wird es wohl gehen. Einstweilen möchte ich sie bitten, mir diese goldene Uhr abzukaufem Von der Kaufsumme wollen Sie mir die eine Hälfte geben und die andere an ihrem Guthaben abschreiben."
„Nun, das laßt sich hören", meinte der Kauf- I mann, indem er die Uhr aufmerksam betrachtete.
solltenT. alle Einsichtsvollen bei sich selbst und in ihre Familie um so strenger und peinlicher auf die Beobachtung der kirchlichen Fastengebote halten. Vor allem aber darf, wie wir bereits andeuteten, die äußerliche Befolgung der Fastengebote nicht die einzige Abtödtung und Enthaltsamkeit sein. Viel wichtiger noch als diese ist die geistige Abtödtung, die Strenge gegen die eigenen Gedanken, Worte und Handlungen. Wer so die Fastenzeit zur Ehre Gottes und im Sinne der Kirche hinbringt, wird sie nicht als eine Plage und Belästigung, sondern als eine Quelle reinster geistiger Freude empfinden, ihm winkt ein schönes, verklärtes und glückseliges Osterfest.
Deutsches Reich.
Fulda, 27. Februar.
• In dem von uns jüngst an leitender Stelle behandelten Artikel der ,Köln. Ztg.' betreffend einen angeblichen Erlaß des Herrn Erzbischofs von Köln über das Rosenkranzgebet wird gesagt, derselbe habe bei der üblichen Einsendung des Berichtes über den Status der Diözese beim Regierungsantritt des neuen Papstes diesen vor den Hohenzollern gewarnt, „da sie immer feindlich gegen die Kirche gewesen seien". In Bezug hierauf schreibt die ,Köln. Volksztg.':
Der Berichterstatter der .Köln. Ztg.' befindet sich bei dieser Angabe im Jrrthum. Der Erzbischof von Köln hat, wie wir aus zuverlässiger Quell« wiffen, nicht beim Regierungsantritt des gegenwärtigen Papstes, sondern zul^t im Jahre 1877 noch zu Lebzeiten des Papstes Pius IX. einen solchen Bericht erstattet, in welchem aber von der angegebenen Warnung nichts enthalten ,var. Cs ist jedoch nicht unbekannt, daß zur Zeit, als in Wien zwischen dem päpstlichen Nuntius, dem jetzigen Kardinal-Staatssekretär Jakobini, und dem Vertreter der königlich preußischen Staatsregierung Verhandlungen gepflogen wurden, das Gerücht sich verbreite, es sei aus einem Akten- Fascikel der päpstlichen Nuntiatur ein vertrauliches Schreiben des Erzbischofs von Köln an den heiligen Vater, oder eine Abschrift eines solchen entwendet worden. Es verlautet, daß darüber bei der besagten Nuntiatur eine scharfe Untersuchung stattgefunden habe, wovon wahrscheinlich auch der damalige Vertreter der königlich preußischen Regierung Kenntniß erhalten hat. Welches Resultat jene Untersuchung gehabt, ist nicht zu unserer Kenntniß gelangt. Man ver-
„Wissen Sie was, ich nehme sie um 50 Thaler. 25 Thaler zahle ich Ihnen sofort und die andern 25 schreibe ich Ihnen gut. Mehr ist die Uhr nicht . werth, so wahr ich ein ehrlicher Mann bin."
„Das bezweifle ich nicht", entgegnete die alte Frau, indem sie mit einem leisen Seufzer das Geld in Empfang nahm.
„Diese Angelegenheit wäre also abgemacht", sagte Jaspensen und fuhr etwas zögernd fort: „Ich wollte eigentlich von etwas Anderem mit Ihnen sprechen. Sie wissen, mein Sohn ist jetzt 26 Jahre alt, und, wie ich wohl sagen darf, ein ganzer Kerl, der sich nicht scheut, den Stärksten aus dem Laden zu werfen, wenn es ihm einfiele, Spektakel zu machen. Nun, was ich eigentlich saqen wollte, er hat ein Auge auf Ihre Enkelin, und wenn ich auch nicht ganz damit einverstanden bin, daß er ein Mädchen heirathet, das nichts hat, als ein schönes Gesicht, so will ich doch nicht gerade entgegen sein, weil ich weiß, daß er sich'» doch nicht ausreden ließe. Für Ihre Marie wäre eine solche Heirath ein großes Glück, wie man so sagt, und die Großmutter würfen wir dann auch nicht aus dem Hause, wenn sie auch die Miethe nicht bezahlen könnte. Ich verlange nicht, daß Sie und die Jungfer sich auf der Stelle entschließen sollen; in ein paar Tagen will ich wieder nachfragen. Ueberlegen Sie sich die Sache und bedenken Sie, daß der Reichthum nicht oft an die Thüre : der Arnmth klopft. Und nun Adieu, Frau Dres-