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Deutsches Reich.
Fulda, 26. Februar.
* Ein Telegramm des .Deutschen Montagsbl.' meldet:
„Laut dem .Moniteur de Rome' verweigerte Fürst Bismarck trotz höchster Fürsprache die Begnadigung des Erzbischofs Melchers. Der Moniteur de Rome' hält jedoch eine anderweitige Verständigung über die Besetzung der erzbischöflichen Stühle von Posen und Köln für wahrscheinlich, nachdem die Erledigung der Vorbildungsfrage erfolgt ist."
Die Gewähr für die Richtigkeit dieses Auszugs müssen wir dem .Montagsbl. überlassen. — Wie uns übrigens von gewöhnlich sehr gut unterrichteter Seite aus Berlin mitgetheilt wird, wäre schon für die nächste Zeit ein Gesetzentwurf über die Vorbildung der Geistlichen zu erwarten.
* Die Erörterungen über die Rücksendung der Lasker-Adresse werden in der offiziösen Presse mit ungeschwächten Kräften fortgesetzt, und dabei wird immer deutlicher, welche Motive den Fürsten Bismarck zu dieser Aktion veranlaßt haben. Die .Norddeutsche' behauptete vorgestern allen Ernstes, daß die sezessionistischen Abgeordneten die Adresse zu besonderen politischen Zwecken in Washington bestellt haben. Sie schreibt: „Eine bewußte Absicht der Verherrlichung deutscher regierungsfeindlicher Bestrebungen und Parteimänner ist nicht in den Kreisen amerikanischer Abgeordneten, sondern nur in denen deutscher Parteigenossen der sezes- sionistisch-fortschrittlichen Färbung zu suchen. Da glauben wir aber allerdings an eine lang angelegte und sorgfältig erwogene Sache um so mehr, als zu den Leitern der sezessionistischen Fraktion Persönlichkeiten gehören, deren intime Beziehungen zu amerikanischen Gesinnungsgenossen die Aus- sührung des sinnreichen Vorhabens erheblich erleichtern mußten. Diese haben augenscheinlich die Sache in Szene gesetzt, um auf indirektem Wege die deutsche oder preußische Regierung, wider ihren Willen, vor den sezessionistischen Parteiwagen einzuspannen. Sie sind die Jntestaterben des politischen Kapitals, welches der Abgeordnete Lasker etwa
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Der Konsusisnsrith.
Novelle von A. I.
Nach einer Weite bot Marie dem Doktor einen gebratenen Apfel, und während Thenn erfreut dankend ihn nahm, sagte sie neckend: „Ich habe den Apfel eigens für Sie ausgehoben, aber was noch mehr ist, ich habe nicht darauf vergessen, ihn Ihnen zu geben." Während Thenn lachend den Apfel in die Seitentasche seines Hausrockes schob, sagte er: „Damit Sie sehen, daß ich doch nicht auch Alles vergesse, muß ich Ihnen gleich etwas mittheilen, was mir eben einfällt. Die Harmoniegesellschaft veranstaltet in nächster Woche eine große Schlittenfahrt nach Wittensee und Abends einen Ball. Wollten Sie, Frau Dresner, nicht erlauben, daß Fräulein Marie daran Theil nimmt?"
„Ich hätte nichts dagegen," entgegnete die Großt mutter nach einigem Bedenken, wenigstens nicht gegen die Theilnahme an der Schlittenfahrt, aber ob Marie auch auf den Ball gehen kann, das muß ich mir erst noch überlegen. Vor Allem kann fie doch nicht mit Ihnen allein auf den Ball gehen, das würde sich nicht schicken."
„Da kann geholfen werden," beeilte sich Thenn zu erwidern. „Mein Freund Stein geht mit seiner Frau auch auf den Ball, und es wird Beiden ein Vergnügen sein, wenn Fräulein Marie sich ihnen anschließt."
hinterlassen hat. Dasselbe durch eine Art Börsen- koup, noch nach Lasker's Tod zu steigern, ist eine Berechnung, die man, um sich eines amerikanischen Ausdrucks zu bedienen, als „Smart" bezeichnen kann; nur hätte man dabei nicht voraussetzen sollen, daß der Reichskanzler die ihm zugedachte Rolle bereitwillig übernehmen würde". Die .Norddeutsche Allg. Ztg.' druckt weiterhin einen Artikel der .Köln. Ztg' ab, welcher hervorhebt, daß Sargent hinter seinen ausgezeichneten Vorgängern an allgemeiner Beliebtheit zurückstehe. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bedauert, daß die ,Köln Ztg.' mit dieser Anschau- ung in der liberalen Presse allein dastehe und sich der Mehrzahl der liberalen Blätter der deutschfeindlichen (!) ausländischen Presse anschließe, um die öffentliche Meinung Amerikas gegen die deutsche Regierung aufzuhetzen. (!) Man sei aber daran gewöhnt, die oppositionelle Preffe stets auf Seiten der Gegner der Regierung zu finden. Die großen Anstrengungen, welche die ,Nordd. Allg. Ztg.' in der Sache macht, beweisen übrigens, daß man den Fall in Berlin recht ernst nimmt. Jetzt liegt schon wieder ein Artikel über den Fall vor.
Berlin, 25.Februar.
* Der Nachtragsetat zum preußischen Staatshaushalt für 1884/85 schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 17,696,808 Mark. Die dauernden Ausgaben betragen 17,315,608 M., die einmaligen 381,200 M. Die größte Summe dieser Einnahmen und Ausgaben fällt auf das Ministerium für öffentliche Arbeiten. Unter den Einnahmen befinden sich außer denen, welche durch die Eisenbahnen einkommen, 15,000 M. Gebühren für Eintragungen in das Staatsschuldbuch, unter den Ausgaben neben denen für Eisenbahnen an größer» Posten 6400 M. für das vom 1. Januar 1885 neu zu errichtende Landgericht in Memel, 20,000 Mk. zur Verbesserung der Besoldungen der Lehrer an sämmtlichen Universitäten sowie zur Heranziehung ausgezeichneter Dozenten und 60,000 M. zu Ruhegehaltszuschüssen und Unterstützungen für ausgeschiedene Elementarlehrer und Lehrerinnen. Die Regierung hat für diese Position nach den neuer»
Indem noch über diesen Punkt gesprochen wurde, fuhr der Doktor einmal in die Rocktasche, um das Sacktuch herauszuziehen, brachte aber statt dessen einen gelblichen Brei zum Vorschein, der an seinen Fingern klebte. „Mein Gott," stammelte er roth vor Verlegenheit, „an den Apfel habe ich schon wieder nicht mehr gedacht!" Während er sich die Finger abtrocknete und in das Lachen einstimmte, das fein Un- und Mißgeschick dem muthwilligen Mädchen entlockte, kam ein Knabe, der den Doktor bat, sogleich mit ihm zn seiner schwer erkrankten Mutter zu kommen.
Als Marie und ihre Großmutter wieder allein waren, wurde mit allem Ernst das wichtige Thema vom Ballanzug nufgenommen und nach allen Seiten berathen. Frau Dresner hatte von ihrer Jugendzeit her ein Rosa-Seidenkleid, noch ganz gut im Stoff und in der Farbe, aber im Schnitt ganz kläglich ans der Mode und überdies für die stattliche Gestalt des jungen Mädchens zu eng und zu kurz. Damit also war es nichts; an den Ankauf 'eines neuen Kleides aber war nicht im Entferntesten zu denken, und Marie gab sich mit einem nicht gerade leichten Seufzer darein der frohen Aussicht auf den Ball zu entsagen. Sie hatte sich aber bald getröstet, und indem sie das Vergnügen der Schlittenfahrt sich mit den hellsten Farben aus- malte, fiel sie, kaum daß sie zu Bett gegangen war, in den festen Schlaf der Jugend.
Der Großmutter wurde es nicht so gut. Es
lichen Berichten der Bezirksbehörden die Summe von 160,000 M. für erforderlich erachtet; davon werden dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses gemäß 100,000 M. bereits in den dem Hause vorliegenden Etat einzustellen fein, der Rest wird im Nachtragsetat verlangt. In der Begründung wird dazu bemerkt: Der Etat für 1883/84 setzt aus 700,000 M. Dieser Betrag hat sich inzwischen als unzureichend erwiesen. Nach neuerlichen Berichten der Bezirksbehörden find mehr erforderlich 160,000 M.; davon n erben, entsprechend dem Beschlüsse des Hauses der Abgeordneten vom 13. Februar 1884 zur zweiten Lesung des Etats, 100,000 Mark bereits in den dem Hause vorliegenden Entwurf des Staatshaushaltsetats einzustellen sein; der Rest ist hier im Wege des Nachtragsetats flüssig zu machen."
* Die Steuerkommission nahm 4 und 6 der Kapitalrentensteuer unverändert, und 5 (progressive Skala der Steuersätze) mit 15 gegen 5 Stimmen an. Betreffs der Frage des Zuschlags der Kommunal- fteuer zur Rentensteuer erklärte der Regierungskom- miffar die Rentensteuer für zuschlagsfähig. Zu § 7 (Rentensteuer ist von nach Paragraph 1 und 2 ein« kommensteuerpflichtigen physischen Personen, Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschasten zu entrichten) erklärt der Regierungskornmiffar, Paragraph 7 bestimme nur Personen und Gesellschaften, welche nach Paragraph 1 und 3 steuerpflichtig seien. Die Auffassung, daß dadurch die in Paragraph 7 genannten Aktiengesellschaften doppelt he- rangezogen werden sollten, sei eine irrige. Die Paragraphen eins und drei bezeichneten die steuerpflichtigen Objekte, Paragraph sieben die steuerpflichtigen Subjekte. Schwerin beantragt, die Aktiengesellschaften nur soweit zur Rentensteuer heranzuziehen, als die Rente nach Paragraph drei mehr beantrage als die vertheilte Dividende. Huene beantragt, nur die Kapitalreservefonds der Aktien- gesellschaften zur Rentensteuer heranzuziehen. Der Antrag Schwerin wird abgelehnt, der Antrag Huene mit 17 gegen 6 Stimmen und damit der ganze Paragraph angenommen. Huene behielt sich vor, für die zweite Lesung einen Antrag zu
that der alten Frau recht von Herzen weh, daß das brave, fleißige Kind das Vergnügen des Balles entbehren sollte, und sie besann sich hin und her, ob es nicht doch noch möglich zu machen wäre; aber es ging nun einmal nicht. Waren doch trotz der Zahlung, die sie von Thenn erhalten hatte, ihre Mittel so knapp, daß sie, wenn die Rückstände beim Fleischer und Bäcker und einige andere dringende Posten bezahlt waren, kaum mehr etwas übrig blieb, und sie dachte allen Ernstes daran, sich endlich doch der goldenen Uhr zu entäußern, lieber solchen Gedanken und Sorgen floh sie der Schlaf, und sie hörte noch, wie nm Mitternacht Thenn nach Haufe kam.
Der Doktor hatte mehrere Stunden bei der Kranken zugebracht, die hauptsächlich vom Elend auf das Siechbett geworfen war. Er verschrieb eine Arznei und gab der Armen etwas Geld zum Ankäufen von Holz und Lebensrnitteln. Als er sich, nachdem die Kranke eingeschlaftn war, entfernen wollte, wurde ein kleines Kind, das neben ihr geschlummert hatte, wach und fing zu wimmern an. Der gute Mann konnte es nicht über's Herz bringen, die Mutter zu wecken, oder ras arme Würmchen hülflos liegen zu lassen; er nahm es auf den Arm und wiegte es wieder in Schlaf, indem er sich Zeit und Weile mit den Gedanken an Marie vertrieb, die ihm heute schöner und liebenswürdiger noch als jemals erschienen war. Indem er sich die Freude ausmalte, mit ihr die Schlittenfahrt zu