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37.

Donnerstag, den 14. Februar

1884

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Die Feier der Rückkehr des Hochw. Herrn Bischofs von Münster.

* Münster, 12. Febr. Die nach Münster fahrenden Züge waren derartig überfüll t, daß auf jeder Station 50—100 Personen Zurückbleiben mußten, welche mit einem nachträglich eingelegten Extrazug befördert wurden. Außer der wunder­schönen Ausschmückung der Straßen ermähnen wir noch die auf dem Domplatz aufgestellten 6 Ehren­bogen; an der Lambertikirche, Front nach dem Prinzipalmarkt, steht die Kolossalbüste des Namens­patrons des Hochwürdigsten Bischofs, St. Ber­nardus, auf dem Domhofe ist ferner an der Süd­seite des Domes die Koloffalstatue des ersten Bi­schofs von Münster, des heiligen Ludgerus, zu seinen Füßen seine Nachfolger St. Erpho und St. Suitgerus, aufgestellt; aus der Vorderseite des Postaments ergießt sich ein Springbrunnen, die Thätigkeit des eksten Apostels in Deutschland ver- finnbildigend, durch welchen zuerst das Christen- thum verbreitet wurde. — Nach Ankunft des Fackel­zuges vor dem Bischöflichen Hofe begab sich eine zahlreiche Deputation zur Beglückwünschung in das Palais.

Vor dem Bischöflichen Palais sprach der Ober­bürgermeister v. Scheffer-Boichhorst seine Freude über die Rückkehr des Bischofs Namens der Stadt aus und v. Schorlemer-Alst, Namens der Diözese, sagte dern Bischöfe innigsten Dank für die Opfer und Glaubenstreue, gelobte auf's Nene Treue der Diözesanen, sowie kindlichen Gehorsam und schloß mit dem Wunsche, Gott segne, Gott erhalte, Gott stärke unfern vielgeliebten Bischof, dem ein nicht enden wollendes Hoch folgte. Der Bischof antwor­tete von einer im Thore des Palais aufgestellten Estrade aus. Der Gesundheitszustand gestatte ihm nicht, seinen Gefühlen Ausdruck zu geben, da der feierliche Augenblick seine Seele zu sehr bewege. Nach beinahe 9jähriger Trennung habe er heute zum ersten Male das Glück in Mitte seiner lieben Diözesanen zu erscheinen. Man habe ihm ein Will­kommen entgegen gebracht, das seine Seele tief bewege. Wolle er aber seiner Freude Ausdruck geben, so müsse er auch der Trauer gedenken, die er bei der gewaltsamen Trennung empfunden. Hiervon wolle er jedoch nicht weiter reden, viel­mehr der Freude Ausdruck geben und sich der Wohlthaten erinnern, die er empfangen; er wolle Gott danken für die Erhörung der unabläßigen- Gebete und danken vor Allem auch der Mutter­gottes, der Zuflucht der Christen, durch deren Hülfe er heute in ihrer Mitte stehe; danken aber auch Sr. Majestät dem Kaiser, dessen Huld die Hin- de: Nisse beseitigt, welche der Rückkehr entgegenge­standen. Ihm sollen die Diözesanen Dank dar­bringen durch stete Bewahrung der Treue. ^Aus den wiederholt dargebrachten Bezeugungen der Treue schöpfe er die Kraft für die fernere Tragung des bischöflichen Amtes. Die Freude, mit der er zu- rückgetehrt, werde nur getrübt durch viele noch bestehende Schwierigkeiten; er stehe am Abend seines Lebens, seine Kräfte seien gebrochen, er wolle aber die wenigen Kräfte stets dem Wohle der Diözese weihen. Daß er dies thun wolle, dafür rufe er Gott zum Zeugen an, fetze aber fein Vertrauen auf den Klerus und die Diözesanen, sowie die Eltern und Hausväter, wenn diese ihn unterstützen, so sei ihm das Bischofsamt leicht. Schließlich wolle er alle bewiesene Teilnahme und Ehre in einen Kranz zusammenwinden, den er am Kreuzesftamme niederlege, damit der Allerhöchste seinen Segen auf die Diözesanen ansgieße. Hierauf ertheilte der Bischof den Segen. Bei der darauf folgenden Reunion auf dem Ralhhause toastirte der Prälat Giese auf den Papst, Baron Droste-Hülshof auf

den Kaiser und der zweite Bürgenneister von Mün­ster, Böhle, auf den Bischof.

* Münster,13.Febr. Telegramme der,Germ.' melden: Gestern Abend fand programmgemäß der glänzende Fackelzug zu Ehren unseres geliebten, wieder heiingekehrten Oberhirten statt. Derselbe setzte sich um 67z Uhr vom Neuplatz aus in Be­wegung, und gelangte nach 7 Uhr beim bischöf­lichen Palais an. Die Ordnung war folgende: an der Spitze gingen die Studenten, darauf folgte der Magistrat und das Festkomitee, weiterhin die auswärtigen Diözesanen und die Pfarrgemeinden; den Schluß bildete die Feuerwehr. Studenten und Feuerwehr trugen Pechfackeln, die übrigen Lampions. Die Zahl der Theilnehmer, besonders der Auswärtigen war eine überraschend große. Beim bischöflichen Palais hielt der Herr Ober­bürgermeister Scheffer-Boichorst die erste Ansprache im Namen der Stadt Münster. Er hob hervor, wie ganz Münster mit Sehnsucht diesen Tag her­beigewünscht habe und wie es sich jetzt nach so langer schmerzlicher Trennung ganz der Freude hingebe. Münster werde in unwandelbarer Er­gebenheit und tiefster Ehrfurcht seinem Bischöfe stet» treu bleiben. — Der Bischof sprach gerührt dem Redner gegenüber feinen Dank aus.

Darauf betrat der Abg. Frhr. v. Schor­le mer-Alst die vor dem Palais errichtete Tri­büne und begrüßte den Bischof im Namen der Diözese: Benedictas qui venit in nomine Do­mini 1 Als die frohe Kunde von der Rückberuf­ung des Bischofs sich verbreitet habe, da seien Alle an die Altäre geeilt, um Gott zu danken, und so geschehe es auch heute wieder. Die Diö­zese danke dem Bischöfe für den Opfermuth, den er bewiesen bei Gefängniß und Verbannung; der Glaube der Diözesanen sei hierdurch gestärkt und gekräftigt worden. Als der Bischof sie verlasien, hätten Alle Thränen bitteren Schmerzes vergossen, heute aber flössen Frendenthränen über die Rück­kehr des geliebten Oberhirten, der im Glanze des Bekennen hums strahlt, und das Volk erneuere das Gelöimiß unverbrüchlicher Treue.

Als der Redner geendet, erschallte ein tausend­stimmiges Hoch, welches in nicht endenwollenden Jubel überging, als der Herr Bischof jetzt selbst die Tribüne bestieg, um zu seinen geliebten Diö­zesanen zu sprechen: Er bittet um Nachsicht wegen seiner angegriffenen Gesundheit; er könne die Ge- fühle nicht schildern, welche in diesem ergreifenden Augenblicke sein Herz durchbeben. Er dankt für die großartige Kundgebung, die so laut re­denden Beweise der Liebe und Verehrung. In den Zeiten der bitteren Verbannung sei sein Herz zwar tief verwundet gewesen, aber es habe sich stets wieder erhoben gefühlt durch die unerschütterliche Treue seines Klerus und des ge- sammten katholischen Volkes. Er nehme mit Freude und Schmerz zugleich die schwere Bürde wieder auf sich, im Vertrauen auf Gott und die christ­lichen Hausväter. Der Dank gelte nächst Gott unserer allgütigen und allezeit helfenden Mutter Maria, bereu Hilfe ihre Kinder im Oktober vorigen Jahres so offenbar erfolgreich angefleht hätten. Der Dank gelte ferner unserem Kaiser, und sei zu bewähren durch Treue und Gehorsam. Seine Kraft sei gebrochen; er bringe kaum mehr mit als den guten Willen, aber er werde noch den letzten Rest seiner Kraft dem Seelenheile der ihm Anver- trauten opfern.

Darauf ertheilte der hochwürdigste Herr dem Volke seinen bischöflichen Segen.

Nach Beendigung des glänzenden Fackelzuges fanden in den Räumen der Gesellschaft „Eintracht" und im Rathhause Festversammlungen statt, welche

bei musikalischen Aufführungen und froher Unter­haltung die Festgenoffen noch lange zusammenhielten.

Heute Morgen ertönte von den Thürmen des Domes und aller Kirchen feierliches Geläute, wel­ches den Hauptfesttag einleitete. Es herrschte in allen Straßen ein reges Menschengewühl. Durch den überaus zahlreich erschienenen Klerus und das Festkomitee wurde der hochwürdigste Bischof zum Dom geleitet, woselbst um 10 Uhr das Pontifikal-; Hochamt stattsand, an welches sich das Te Deum des Dankes anschloß. Das Hochamt wurde von dem hochw. Herrn selber gelesen. Während des Hochamts waren der Domvlatz und die angrenzen- ; den Straßen mit einer ungeheuren Menschenmenge gefüllt. Kopf an Kopf gedrängt stand das Volk und wartete auf das Erscheinen des Oberhirten.

Um 11 ^2 Uhr zeigte sich der Bischof mit Mitra und Stab auf der Estrade vor dem großen Portal, umgeben vom Domkapitel und der Geistlichkeit. Unsäglicher Jubel durchbrauste in dem Augenblick die Luft. Der Bischof spendete den Segen und aus allen Kehlen erschallte der Lobgesang: „Großer Gott wir loben dich."

Mit welcher Inbrunst, mit welchen Gefühlen dieses Loblied von den Tausenden gesungen wurde, wird jeder Leser mitfühlen! Wohin man geht, in allen Straßen, auf allen Plätzen, in der gan-: zen Stadt wiederholen sich unaufhörlich die Jubel- rufe: Unser Bischof ist zurückgekehrt.

Das herrlichste Wetter begünstigte unsere Feier; M kein Wölkchen trübt die Heiterkeit des Himmels.! Um 4 Uhr fuhr der Bischof in offenem Wagen durch di- Stadt, überall mit stürmischen Hochs von dem jubelnden Volke begrüßt. Die Menschen­menge nimmt noch immer zu.

• Münster, 13. Febr., Abends. (Germ.) Die j Illumination hat begonnen. Die ganze Stadt bis in i i die kleinsten Straßen hinein gleicht einem Lichtmeer., Unter den illuminirten Plätzen und Gebäuden sind > besonders hervorzuheben der Erbdrostenhof, die Höfe Merveldt, Galen, Hülshoff (Frauenstraße), Heere-■ mann, Beversörde und Druffel, das bischöfliche Mu­seum und mehrere Kirchthürme. Der Domplatz i erscheint wirklich feenhaft. Die Menschenmengen ; sind nicht zu übersetzen. Die Staatsgebäude sind unbeflaggt.

Deutsches Reich.

Fulda, 14. Februar.

* Der Unterrichtsminister hat verschärfte Be-! stimmungen wegen Handhabung des staatlichen! Aufsichtsrechts über Privatunterrichts-!! an stall en, namentlich solche, welche für den ein­jährigfreiwilligen Militairdienst vorbereiten sollen, erlassen uud die Regierungsbehörden, welchen diese Anstalten unterstthen, angewiesen, mit Nachdruck daraus zu halten, daß keine derartige Anstalt er«; richtet wird, ohne daß dem betreffenden Unterneh-" mer eine ordnnngskNäßige Konzession ertheilt ift.ti Es sollen gleichzeitig bestimmte Einrichtungen roegenH fortlaufender staatlicher Beaufsichtigung getroffen; weiden. Auch lollen genaue Nachweisungen ein-; gereicht werden, welche sich über die Einrichtung der Anstalt, die daran beschäftigten Lehrer und j bereu Qualifikation, bie Zahl unb Altersgrenze ber Schüler äußern und ein Unheil über den i Stand ber Anstalt auf Grunb ber über biefelbe i geführten Aussicht enthalten. Die Behörben sollen!! sich aber bei ihren desfallsigen Neußerungen vor-!! sehen, daß ihr Urtheil nicht etwa zu Reklame-!! Zwecken ausgenutzt werden kann. Die betreffen-! den Vorschriften sind auf die Provinzen Hannover! und Schleswig-Holstein bisher nicht ausgedehnt^' weil hier das Piivatunterrichtswesen auf wesent­lich anderer gesetzlicher Grundlage ruht. In Han-S