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Montag, den 11. Februar
1884.
Jfidbarr
Ititung.
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zu haben. Endlich sechstens ist dieses ganze Institut der Propaganda, wie wir weiter unten sehen werden, ein derartiges, daß die unbeweglichen Güter nicht bloß die Geldmittel zu den großen Weltmissionszwecken liefern, sondern, wie speziell der gewaltige Palast der Propaganda an der Piazza di Spagna, in die Missionsthätigkeit selbst direkt in einer Weise eingreifen, wie es mit Geld nicht zu ersetzen ist.
Die große Missionsanstalt in dem Palaste an der Piazza di Spagna, eine Schöpfung Urbans VIII., enthält außer der großen und wichtigen Kongregation de propaganda fide (für die Ausbreitung des Glaubens) alle Missionszwecken dienenden Institute. Dazu gehören: 1) Das große Seminar oder Kolleg für junge Kleriker aller Welt zur Ausbildung von Missionären. 2) Die großartige Bibliothek. 3) Das Museum, welches außer heidnischen Alterthümern namentlich eine sehr reichhaltige Sammlung von Gebrauchsgegenständen, Waffen und sogar Marterwerkzeugen wilder Völker enthält, um die zukünftigen Missionäre mit den Gebräuchen der heidnischen Völker vertraut zu machen. 4) Eine Buchdruckerei mit den Typen aller denkbaren ausländischen Sprachen, dieselbe Druckerei, welche während des vatikanischen Konzils das Vaterunser in 250 Sprachen druckte. Alle diese unschätzbaren Requisiten des Propaganda-Palastes sind zu einem großen Theile nicht nur von Fürsten und reichen Privat - Personen dern vor Lem^auH^E
unter tausend persönlichen Opfern bereichert und vervollständigt worden. Auch zu den Fonds des ganzen Instituts haben alle Nationen mehr oder minder beigetragen, das ganze Werk ist em durch und durch internationales, es ist mehr alsledes andere ein Gesammtgut der katholischen Weltkirche.
Und nun will die italienische Regierung die Güter dieser in ihrem Besitzstände wie in ihren Zwecken internationalen Propaganda zu italie- nischem Nationaleigenthum erklären und die mühsam errichtete und ausgebildete Organisation mit einem Schlage zertrümmern. Das italienische Unterredung plötzlich abgebrochen wurde, den» sie traten gerade in den Hos, wo die Arbeiter schon zahlreich versammelt waren und sich eben anschickten auf's Feld zu gehen. Mutter Anselm konnte uns sagen, daß dieser Umstand kein zufällige, war, denn sie hatte ihn vorausgesehen und darauf den Plan gebaut, der so gut gelungen war.
Als die Beiden in den Hof traten, erschallte von der andern Seite des Hauses her em rohes Gelächter. Verschiedene Schnitter standen dort m lebhaster Unterhaltung begriffen zusammen. Dieselbe wurde, wie es schien, hauptsächlich von dem geschwätzigen Godin geführt. . rt . .
Das fremde Mädchen stand em wenig abseits es hatte den Arm auf eine Fensterbrüstung gestutzt und blickte mißmuthig zu Boden, offenbar von den rohen Späßen, deren Gegenstand sie war, pemlich 6erU$u bist diesem Mädchen nicht hübsch genug," rief" ein Arbeiter dem Großen zu, „sie will nichts von Dir wissen."
Du meinst sicher, sie fände großes Vergnügen an "Deinen krummen Beinen," rief Jener und be- qleitete seinen vermeintlichen Witz mit einem heiseren Lachen. „Ich wette, sie ist mir doch mcht böse. Nicht wahr, Kleine? Ich will Dich ;a nicht auffreffen, nur umarmen." ,
Er schritt auf sie zu und hätte sem Vorhaben mit Gewalt ausgeführt, wenn sie Nicht mit lautem
viduelle Recht gegen jede Vergewaltigung des Staates in Schutz' zu nehmen, nichts Eiligeres zu thun, als den von der italienischen Regierung herbeigeführten Spruch des Gerichtshofes in allen Tonarten gutzuheißen und zu loben. Galt es ja auch, dem verhaßten Papstthum einen Stoß versetzen, der Kirche und der Missionsthätigkeit die Hände binden zu helfen, eine Gelegenheit, die ein moderner Liberaler sich nie entgehen läßt. Auch konnte man schon bald in deutschen Blättern lesen, die Propaganda werde ja durchaus nicht geschädigt, indem sie im Besitze der Einkünfte bliebe, welche der Kaufpreis ihrer veräußerten Güter abwirft. Daß Gott erbarm'! Abgesehen davon, daß dieser Einwand, selbst wenn er gerechtfertigt wäre, keineswegs ein Trost sein kann für die grobe Ungerechtigkeit, daß der Staat sich überhaupt in Eigenthums - Angelegenheiten einmischt, welche ihn nichts angehen, — ist der Einwand auch sachlich keineswegs so stichhaltig, wie er auf den ersten Blick erscheint. Denn erstens ist die italienische Rente bekanntermaßen ein Staatspapier, welches die schlechtesten Aussichten hat und nur eben mit Ach und Krach auf einem Kourswerthe von einigen 90 Prozenten erhalten wird. Zweitens könnte die Schuld konvertirt werden, es kann — in Italien jedenfalls kein Wunder — eine finanzielle Krisis eintreten, und das in italienischen Rententiteln angelegte Propaganda-Vermögen wäre theilweise
. tn.itir nerln^r- Drittens ist durch das sogenannte Konvo-ttruUtzsgr^tz vq.- Instituten auch das Recht neuen Erwerbes abgesprochen, so daß also die Propaganda ihren Besitz nicht einmal mehr durch Schenkungen vermehren könnte, was bei ihrem großartigen Zwecke als ein unberechenbares Unglück zu betrachten ist. Viertens kann die Propaganda ihrer ganzen Anlage nach mit dem Ertrage ihres in zweifelhaften Papieren angelegten Vermögens keineswegs in der bisherigen Weise ihr Werk betreiben, da sie des Oefteren, wie noch jüngst bei der plötzlich eintretenden Hungersnoth in China, gezwungen war, das Kapital anzugreifen, um sofort beträchtsicheSummen zur Hülfesendung in die Missionsländer zur Verfügung und schlug die Augen nieder, „Du setzest da etwas voraus ..." , m .
„Ist es denn nicht so?" frug eilig die Mutter, „nun, um so besser."
Ich will es Dir ja gerne glauben. Auch hatte ich "Dir ja schon früher gesagt, daß Du mir so etwas nicht zu verheimlichen brauchst." ,
„Ich konnte erwarten, daß Du eines Tages hei- rathen werdest und habe für den Fall meine Wa^ bereits getroffen. Die Rücksicht auf mich darf Dich nicht zurückhalten. Du hast volle Freiheit, sowohl was Dein Alter, als was meine Zustimmung betrifft. Heirathe nur, mein Junge. Das Mädchen ist hübsch und einnehmend; auch scheint es von gutem Charakter zu sein, doch danach würdest Du Dich ja gewiß ganz genau erkundigen, bevor Du Dich auf etwas Näheres einließest. Kurz, wenn Du glaubst, mit diesem Mädchen glücklich zu werden, so heirathe nur, ohne Dir meinetwegen Sorge zu machen, ich werde mich schon darin finden.
„Ich habe Dir doch nie gesagt, daß ich diese Person liebe, auch nicht, daß ich überhaupt an eine Heirath denke."
„Nun, wenn Du sie nicht liebst und nicht vorhast, Dich zu verheirathen, so wollen wir mcht weiter davon reden, der Gegenstand i|t zu zart für Dich wie für mich, lassen wir das also.
Heinrich wollte eben versuchen, das Gespräch dahin zu wenden, daß er es wagen konnte, ferner Mutter ein offenes Geständniß abzulegen, als die
H^Die „Konvertirrmg" der Propaganda-Güter.
Die italienische Regierung hat ihren Willen mit Hilfe der ihr nur zu gehorsamen und dienstbaren Gerichte durchgesetzt. Die Besitzungen der großartigsten aller päpstlichen Schöpfungen, der Propaganda, deren Wirksamkeit in Wahrheit den ganzen Erdkreis umspannt, fallen nach dem endgiltigen Richterspruche des römischen Kaffationshofes unter das Konvertirungsgesetz, das Gesetz über die Einziehung der geistlichen Güter todter Hand. Auf Grund der falschen Fiktion, daß die italienischen Kloster- und Kirchengüter Nationaleigenthum seien, und Kraft der Staatsallmacht wurde nach der Usurpation Roms unb des Kirchenstaates das sog. Konvertirungsgesetz erlassen u. auch in Bezug auf Klöster und kirchliche Institute ausgeführt. Jedoch ist die mit der Verwaltung der versteigerten und in Rententiteln angelegten geistlichen Güter betraute Liquidations- giunta erst später auf den Gedanken gekommen resp. gebracht worden, daß auch das internationale, allen Ländern der Erde zu Gute kommende und von allen Ländern unterstützte Institut der Propaganda unter das Konvertirungsgesetz falle. Als die ihrer zerrütteten Finanzen und ihrer jämmerlichen Finanzwirthschaft wegen berüchtigte Regierung endlich auch nach den 10 Millionen dieses SBeltinftituts ihre gierigen Hände ausstreckte, kam es naturgemäß zum Prozeß, uno oiejer durchlief alle Instanzen, bis er endlich am 29. v. M. vor den vereinigten Abtheilungen des Kassations- Hofes zu Gunsten der Regierung entschieden wurde. Das Urtheil wurde zwar noch nicht sofort pnbli- zirt jedoch war schon gleich nach getroffener Entscheidung fein Zweifel über sein Resultat.
Viele, selbst keineswegs kirchenfreundliche Blatter stehm nicht an, den Raub an dem internationalen Be- sitzthum der Propaganda offen und energisch zu tadeln. Dennoch hatte ein The» der „liberalen" Presse, welche doch wahrlich berufen wäre, jedem Versuche einer mißbräuchlichen und gewaltthätigen Anwendung der sog Staatsomnipotenz ohne Ansehen der Person auf das Schärfste entgegenzutreten, und das rndi-
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A Mütterliche Eifersucht.
Rach dem Französischen des Eugen Müller frei bearbeitet.
Am andern Morgen machten sie sich frühzeitig auf den Weg zum Meierhofe, und noch immer ver- rieth nichts in ihrem Reden, daß ihre Gedanken sick mit dem Mädchen befchästigten, als plötzlich wenige Schritte vor dem Ziel ihres Weges die Mutter, scheinbar mit der größten Ruhe, sagte:
Weißt Du auch, Heinrich, daß Du es mir nicht verhekmLu solltest' wenn Duvor hast,dieses fremde Mädchen zu heirathen?"
„Heirathen!" wiederholte er bestürzt durch die Offenheit dieser Worte, welche die große Fr^e, die er sich nicht einmal in der Stille seines Herzens zu stellen wagte, mit einem Male auf die Tages- ordnung s^uttcr ,n derselben Weise fort
und gab sich den Anschein, als habe sie die Bestürzung ihres Sohnes gar nicht bemerkt, „M gewiß^ denn ich weiß wohl, daß die Siebe feinen 2,vang auferlegen läßt, und da Du dieses Mädchen siebst, weshalb solltest Du es nicht heirathen? . . . Du liebst es gewiß."
Dieses plötzliche unerwartete Anschlägen einer larten Saite seines Herzens und der durchdringende Blick von dem die Worte begleitet waren, brachte den jungen Mann ganz außer sich und nahm ihm die Möglichfeit eines offenen Geständmffes.
Mein Gott, Mutter," stotterte er errothend