Fuldaer SB Jeitung.
Freitag, den 8. Februar 1884.
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er wenig Aussicht, hier zu Lande fortzukommen .
„Weßhalb sollte er auch bessere Aussichten gehabt haben, als jeder Andere," sagte die alte Frau
wohl gesehen."
„Vielleicht hatte ich sie zuerst gekränkt." (< „Auf welche Weise solltest Du das gethan haben?
„Du bist ja so gut," rief Heinrich ui einer plötzlichen Aufwallung laut aus, ohne zu bedenken, welche zarte Seite er da berührte. ,
„Was denkst Du denn von mir?' srug die Schnitterin mit einem reizenden Lächeln, und fügte
Dienstag Abend, das feierliche Hochamt in der Kathedrale auf Mittwoch Vormittag 10 Uhr festgesetzt worden.
Berlin, 7. Februar.
* Der deutsche Offiziersverein wird am 1. April seine Thätigkeit eröffnen. Das Komitee besteht nunmehr aus Generallieutenant Graf Lehndorff, Generalquartiermeister Graf Waldersee, Generalmajor v. Locquenghien, Oberstlieutenant v. Holleben, Oberstlieutenant Wodte, Major v. Podbielski, Major v. Finks, Kapitänlieutenant v. Ehrenkrook und Hauptmann v. Wedell. Dem Vereine gehört bereits die große Majorität der Offiziere, Aerzte und Militärbeamten der Armee und der Marine an, ferner sehr zahlreiche beurlaubte, zur Dispo- fition gestellte und verabschiedete Offiziere. Der Verein hat im Prinzips die Baarzahlung adoptirt; er wird in eigenen Werkstätten zahlreiche Cwil- handwerker beschäftigen. Für die Mitglieder des Vereins, welche bei ihren bisherigen Lieferanten bleiben wollen, soll auf die Mitwirkung aller vorhandenen Militärschneider eingegangen werden.
* Kardinal Hohenlohe-SchillingSfürst hat sich, da im Befinden seiner Schwester, der Fürstin Salm-Horstmar, Besserung eingetreten, von Höchster in Westfalen nach Berlin zurückbegeben. Er wird nächstens, wie verlautet, wieder auf längere Zeit nach Schillingsfürst gehen.
• Köln, 6. Febr. Die Zahl der aus der Erzdiözese Köln an den Herrn Bischof von Kulm eingesandten Dis^penügesuche (betr. diejenigen Geistlichen unserer Diözese, welche dis maigesetzlichen Vorschriften über Vorbildung rc. nicht erfüllt haben,) beläuft sich auf 360.
• Dresden, 7. Febr. Nachdem gestern gegen Abend die Leiche der Prinzessin Georg in dem Sarg gelegt und um 10 Uhr im Beisein der ganzen königlichen Familie _ und des Dienstes die Einsegnung erfolgt war, fand um 10 Uhr die Uebersührung nach dem Palais am Taschenberge statt. Den Kondukt eröffnete ein Zug des Gardereiter-Regiments, dann folgte ein Wagen mit dem prinzlichen Hofmarschall unv dem Adjutanten und hierauf der sechsspännige Leichenwagen, zu jeder
keine Gegenrede wagte, sondern auch die Andern alle ein leises Schaudern ergriff bei dieser Aeußer- ung eines unnatürlichen, unversöhnlichen Hasses.
Die alte Frau sprang auf und sammelte die gebrauchten Gerätschaften in ihren Korb, um den Heimweg anzutreten. Die Schnitter flüsterten fich noch leise einige Bemerkungen zu, dann begaben sie sich nach der Stelle, wo sie vorhin ihre Arbeit unterbrochen hatten. Heinrich wünschte vorerst noch mit dem geliebten Mädchen einige Worte zu wechseln und hatte seine Absicht bald erreicht, da sie ihm keineswegs auswich.
„Marie," sagte er leise, „nicht wahr, meine Mutter ist recht böse."
„Böse gegen ihren Bruder, das mag wohl sein, aber gegen mich ist sie so gütig gewesen!"
„Gütig gegen Dich," erwiderte er und schüttelte ungläubig den Kopf, „diesen Morgen war sie es doch sicherlich nicht!"
„Das thnt nichts, aber gestern war sie so gütig." „Sie hat Dir Kummer bereitet, ich habe das
mürrisch.
„Das sag' ich auch nicht, Mutter Anselm, aber Ihr wißt doch wohl, daß dem Einen dadurch wenig geholfen ist, daß der Andere auch in's Unglück ge- räth, und obschon Ihr damals einen kleinen Zwist mit Eurem Bruder hattet, so glaube ich doch nicht, daß Ihr ihm je Böses gewünscht habt."
Ein bitteres Lächeln spielte um die Züge der alten Frau.
Jener fuhr fort: „Ich wette, daß Ihr ihm gar nicht so bitterbös gesinnt seid, als es den Anschein hat. Gesetzt, Euer Bruder käme heute oder morgen zu Euch und sagte: „Komm', Marie, wir wollen Frieden schließen," so . . ."
„Wer hat Euch beauftragt, so zu mir zu frechen, Cyprian," fragte sie zornig und warf dem Schnitter einen durchdringenden Blick zu.
„Ich, Mutter Anselm," stotterte der Mann, „kein Anderer, auf Ehre."
„Weßhalb sprecht Ihr denn von Dingen, von denen man mir nie zu sprechen braucht?" _
„Aber, Mutter Anselm, die Sache mutz doch endlich einmal aus der Welt geschafft werden."
„Wenn ich Euch sage: nie, dann ge'chieht es auch nie, verlaßt Euch darauf."
Diese letzten Worte waren in einem so heftigen
Seite zwölf Lakaien mit Fackeln, dann folgten Wagen mit der Geistlichkeit und den Hofdamen der Verstorbenen und den Schluß bildete wieder ein Zug Gardereiter. «SÖn den Straßen, welche der Zug passirte, befand.sich eine dichte Menschenmenge. .,
• München, 7. Febr. Bei dem Kapitel Lehrerbildungsanstalten nimmt das Haus die Ausschußanträge, den separaten Vorbereitungsunterricht für Seminare ausnahmsweise zu gestatten, an, ferner die Aufhebung der Präparandenschule in Kirchheimbolanden. Für Beibehaltung der letzteren treten Vaillant, Hahn und der Minister ein. Der übrige Etat für die Schullehrer-Bildungsanstalten wird dem Ausschußantrage gemäß angenommen. Bei dem Kapitel Elementarschulen erklärt Kopp, die Rechte verzichte deshalb darauf, den Antrag auf Aushebung des siebenten Schuljahres zu wiederholen, weil keine Aussicht aus Annahme im Reichs- rathe bestehe. (F. I.)
• Darmstadt, 6. Febr. Die zweit-Kammer lehnte den Beitritt zum Beschluß der ersten ab, wonach die Errichtung von Fortbildungsschulen in den Willen der Gemeinden gestellt wird. Die Debatte über die Einführung des direkten Wahlmodus für die zweite Kammer wurde vertagt.
• Darmstadt, 7. Febr. Die Kammer lehnte die Einführung der direkten Wahlen, gegen die sich die Regierung entschieden erklärt, mit 29 gegen 12 Stimmen ab.
Oesterreich«Ungarn.
* Wien, 6. Febr. Die.Presse' erfährt, nicht allen Wiener politischen Vereinen wurden die Beschränkungen auferlegt, wovon in den gestrigen Sitzungen des Abgeordnetenhauses und des Ge- meinderathes die Rede gewesen. Dem Vorstande eines angesehenen Vereins im Innern der Stadt wurde ausdrücklich erklärt, daß das Vereinsgesetz diesem Vereine gegenüber in voller Geltung bleibt; es bedarf bei demselben keiner gestempelten Eingabe um Bewilligung, keiner Voranzeige der Namen der Redner, keiner Ueberreichung der Skizzen der Reden.
Deutsches Reich.
Fulda, 8. Februar.
• In Sachen des Antwortschreibens des Vorsitzenden der Centrumsfraktion, Frhrn. v. Schorle- mer-Alst, an den Dortmund er katholischen Volks verein berichtet die ,Tremonia': „Der Vorstand des kath.-polit. Volksverein trat gestern (Dienstag) Abend zusammen, um über das Antwortschreiben des Herrn v. Schorlemer zu bera- then. Man entschloß sich zu einer Erwiderung an die Centrumsfraktion und kleidete sie in folgende Worte ein:
An
den verehelichen Vorstand der Centrumsfraktion des Abgeordnetentenhauses Berlin.
Auf das vom Vorstand der Centrumssraktion durch Herrn Frhrn. v. Schorlemer-Alst an den Vorstand des hiesigen kath.-polit. Volksvereins ergangene Antwortschreiben vom 31. Januar er. sehen wir uns zu folgender Erklärung veranlaßt: . r ,
Die am 27. Januar er. in einer Generalversammlung des"kath -polit. Volksvereins beschlossene Resolution hat weder direkt noch indirekt der Centrumsfraktion einen Vorwurf machen sollen, im Gegentheil bezeugte die in jener Versammlung herrschende Begeisterung, daß die Centrumspartei des Kreises Dortmund heute noch gerade so wie 'rüher fest und treu zu der Centrumsftaktion steht.
Bezüglich des letzten Passus des Antwortschreibens, daß die Centrumsfraktion allseitiges Vertrauen beanspruchen müsse, bemerkt die Centrumspartei des hiesigen Kreises, daß sie dieses allseitig geforderte Vertrauen ihrer parlamentarischen Vertretung voll und ganz entgegen bringt, daß sie sich aber das Recht vorbehält, derselben Bitten vortragen zu dürfen, die aus der jeweiligen politischen Lage resultiren und deren Betonung ihr angemessen erscheint.
QUm Schluß erlaubt sich der Vorstand des kath.-polit. Volksvereins sein lebhaftes Bedauern auszusprechen, daß die beregte Resolution die Veranlassung zu den vorgekommenen Mißverständnissen gegeben hat.
In vollster Ergebenheit
I. A des Vorstandes des kath.-polit. Volksvereins der Vorsitzende: A. Sinn."
Der Dortmunder Zwischenfall, aus dem die liberale und freikonservative Presse bereits mit einer gewissen Schadenfreude Kapital zu schlagen versuchte, wäre somit zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt.
* Wie ein Telegramm der,Germ.' aus Münster meldet, ist der Fackelzug jetzt definitiv auf _~ 9
A Mütterliche Eifersucht.
Nach dem Französischen des Eugen Müller frei bearbeitet.
Was ist Euch denn zugestoßen, Mutter Anselm?" sagte ein alter Schnitter aus dem Dorfe „Ihr precht ja kein Wort und seht uns so bitterböse an als ob wir der Gegenstand Eures tiefen Hasses wären. Ich will doch nicht hoffen, daß Ihr krank seid?"
Ich krank?" entgegnete die Mutter und zwang sich',' eine freundliche Miene anzunehmen. „Gewiß nicht, ich bin nicht krank".
Nmi denn, ein wenig munter; wenn man Euch so da sitzen sieht, sollte man wahrhaftig meinen, Zean Pache habe Euch eigens zu dem Zwecke hierhergesandt, um uns den Appetit zu verderben, damit er das Esten sparen kann".
Der alte Schnitter lachte wohlgefällig, dann fügte er, um Heinrich nicht böse zu machen, hinzu: Du weißt wohl, Heinrich, was ich Deiner Mutter sage, ist nur Spaß, es ist nicht ernst gemeint".
Uebrigens, Kleiner, brauch' ich Dir nicht erst zu "sagen, daß ich Deiner Mutter nicht Uebles will. Sind mir doch alte Freunde von unserer Jugend her. Mein Vater, wenn er auch nicht reich mar, stand doch gut mit Deinem Großvater Nwet, der ihm auch tausend Mal einen Dienst erwiesen hat. Daher kam es, daß wir uns als Kinder genau kennen lernten, Heinrich Nivet, Dein Onkel, Marie Rivet, Deine Mutter und ich. Das