Einzelbild herunterladen
 
  

je 6 in den Dekanaten Allenstein und Wartenburg, 7 im Dekanat Gutstadt, 4 im Dekanat Mehlsack, je 2 in den Dekanaten Heilsberg, Röffel und See- bürg, je eine in den Dekanaten Braunsberg, El­bing, Neuteich, Samland; hiervon ist eine (Jo- hannisburg) ohne Seelsorger, während auf die übrigen Hilfsgeistliche entsendet'sind.

Berlin, 6. Februar.

* Wegen Ablebens der Prinzessin Georg von Sachsen ist vierzehntägige Hoftrauer von heute ab angeordnet.

* Der zweite Tag der Debatte über bie ©teuer« befreiungsgrenze ergab wesentlich neue Ge­sichtspunkte über diese schon 1883 in der General­debatte so gründlich erörterte Frage. Bei der Ab­stimmung fiel ein Antrag Magdzinski die Befrei­ungsgrenze auf 1500 M. zu fixiren gegen 4, die Regierungsvorlage (1200 M.) gegen 6, der Ver­mittelungsantrag Rauchhaupt (1000 M.) gegen 10 Stimmen und der Antrag v. Huene (900 M). gelangte zur Annahme. Im Laufe der Debatte erklärte der Finanzminister, der innigste Wunsch der Regierung sei die Aufhebung der ganzen Klas­sensteuer. Fortsetzung am Donnerstag.

* Die Jagdordnungskommission nahm zu § 19 einen Zusatz an, wonach fließende Ge­wässer Jagdbezirke nicht trennen. Demzufolge wurde § 20 gestrichen. Zu § 22 lehnte die Kom­mission prinzipiell die Bildung des Jagdvorstandes ab.

* In der gestrigen Sitzung der Petitions­kommission wurde mit 11 gegen 9 Stimmen die Petition des Kaufmanns Broix in Neuß um Einführung möglichst allgemeiner Sonntags­ruhe der Beamten und Arbeiter, dem Anträge des Referenten Hitze gemäß der königlichen Staats­regierung zur Berücksichtigung überwiesen.

* Zufolge einer Kieler Nachricht der ,Nordd. Allg. Ztg.' soll die beabsichtigte Nachtragsfor­derung zum Marineetat sich auf 18 Mil­lionen belaufen und nur behufs Vermehrung der Torpedoboote und des seemännischen Personals für dieselben eingebracht werden.

* Dresden, 6. Febr. Die Prinzessin Georg ist gestern Abend um 10 Uhr 55 Minuten gestorben.

Prinzessin Maria Anna stand im 41. Lebensjahre. Sie war am 21. Juli 1843 geboren als Tochter der regieren­den Königin Maria II. von Portugal und ihres Gemahls des Prinzen Ferdinand August von Sachsen-Koburg-Götha, der später als „König Ferdinand" die Regentschaft für den verstorbenen König Pedro V. führte und heute noch lebt. Prinzessin Georg ist die Schwester des jetzt regie­renden Königs Ludwig von Portugal und der Prinzessin Leopold von Hohenzollern. Aus ihrer im Mai 1859 ge­schlossenen Ehe mit dem Prinzen Georg von Sachsen sind sechs Kinder entsprossen; der älteste Sohn, Friedrich Au­gust, geboren 1865, ist der präsumtive Thronerbe Sachsens.

Die Leiche der Prinzessin Georg wird morgen Abend 10 Uhr von dem prinzlichen Palais nach Taschenberge übergeführt werden. Die Beisetzung in der Familiengruft der katholischen Kirche findet Freitag Abends 7 Uhr statt. Das Hoftheater bleibt bis dahin geschlossen. Offizielle Kondolenz findet morgen Nachmittag im Residenzschlosse statt. Es herrscht tiefste Trauer; fortdauernd treffen Bei­leidstelegramme auswärtiger Höfe ein.

* Darmstadt, 5. Febr. In der heutigen Sitzung derZweitenKammer wies der Staats­minister v. Starck in Beantwortung der Interpel­lation des Abg. Racke über die kirchenpolitische Lage daraufhin, daß Baden keine Analogie biete, da dort die Anzeigepflicht stets erfüllt worden und die Ezamenpflicht in den Vordergrund getre­ten sei. Die Regierung habe dem preußischen Ge­setz vom 30. Juni 1883 die größte Bedeutung beigelegt und würde in der Lage gewesen sein, eine bezügliche Gesetzvorlage zu machen, wenn das preu­ßische Gesetz die Folge gehabt hätte, daß die katho­lische Geistlichkeit die Anzeigepflicht ausübe. Wegen der Wiederbesetzung des Mainzer Bischofs- st uh les könne die Regierung die Initiative nicht ergreifen, da das Kapitel von Rom aus angewie­sen worden sei, keine neue Kandidatenliste vorzu­legen. Der neue Kandidat müsse die Sicherheit geben, daß die Anzeigepflicht, soweit sie verlangt würde, auch erfüllt werde. Die Verhandlungen mit den päpstlichen Diplomaten im Jahre 1882 feien ohne Ergebniß geblieben; im Jahre 1883 sei von Rom aus wegen neuer Unterhandlungen an­gefragt worden, der Staat habe damals seine Be­reitwilligkeit zu solchen erklärt und sei auch heute noch jeoerzeit bereit, in Unterhandlungen einzutre­ten. Die Verhandlung über die Antwort des Mini- sters wurde vertagt.

* München, 6. Febr. Der Antrag betreffs des konfessionellen Geschichtsunterrichts wurde von der Majorität der Kammer gegen die Stimmen der Linken angenommen.

Oesterreich - Ungarn.

* Wien , 5. Febr. Die Abgeordneten nahmen mit allen gegen drei Stimmen den Antrag auf Einsetzung eines aus vierzehn Mitgliedern bestehen­den Ausschusses zur Berathung der Ausnahme­verfügungen an, lehnten dagegen die von der Linken beantragte achttägige Berichterstattungsfrist ab.

* Pest, 6. Febr. Das Unterhaus nahm mit 171 gegen 131 Stimmen den Beschlußantrag des Ministerpräsidenten an, die Mischehe-Vorlage von der Tagesordnung abzusetzen und die Regierung aufzufordern, zur Regelung der Frage zu passender Zeit eine ^entsprechende Vorlage zu unterbreiten.

Schweiz.

• Basel, 5. Febr. Die .Baseler Nachrichten' melden: Der große Rath von Basel beschloß nach mehrtägiger Debatte den Ausschluß Angehöriger von Kongregationen und geistlichen Orden von der Leitung der katholischen Schulen. Der Be­schluß unterliegt der Volksabstimmung.

Belgien.

* Brüssel, 5. Febr. Die Kammer lehnte mit 68 gegen 41 Stimmen die Amendements, be­zweckend die Herabsetzung der Gehälter der höheren katholischen Geistlichen, ab.

Frankreich.

* Paris, 5. Febr. Die Regierung machte dem Bischof von Urgel, Mitlehnsherrn von An­dorra, Vorstellungen wegen ungesetzmäßiger Ver« urtheilungen bei den Ruhestörungen aus Anlaß der letzten Wahlen in Andorra.

* Paris, 6. Febr. Ein Telegramm des Ad­mirals Courbet meldet: In den Provinzen Song­tay, Hanoi, Haidzong, Namdinh und Haiphong ist Alles ruhig. Die in den Flüssen in der Nähe Baeninh's vorgenommenen Rekognoszirungen haben ergeben, daß die Kanonenboote hinreichendes Wasser finden und gute Dienste leisten können. Der vom Feinde im Flusse Sonean errichtete Sperrdamm wird demnächst gesprengt werden.

England.

* London, 5. Febr. Die Thronrede erklärt ferner, in Irland bessere sich die Lage fortdauernd. Angekündigt werden Vorlagen über die Erweiterung des Wahlrechts, Ausdehnung der Reform der Lokalregierung auf die Provinzen und Einrichtung einer Munizipalregierung, welche die ganze Stadt London umfassen soll.

* London, 5. Febr. Oberhaus. Bei der Adreßdebatte wies Lord Granville die Kritik Sa- lisbury's zurück. Die von letzterem angekündigte Bill gegen die Vieheinfuhr werde die Regierung sorgfältig erwägen. Betreffs Egyptens halte die Regierung daran fest, die Truppen zurückzuziehen, sobald es die Verhältnisse gestatten. Es sei in­zwischen nothwendig, daß Egypten die Rathschläge Englands befolgt. England theilte jüngst der egyp- tischen Regierung den Entschluß mit, den Khedive in der Vertheidigung des eigentlichen Egypten bis zum Rothen Meere zu unterstützen; die Wiederer­oberung des Sudans sei unthunlich. Die Adresse wird angenommen: Lord Richmond beantragt eine Bill behufs Abänderung des Gesetzes, betreffend die Vieheinfuhr; dieselbe wird in erster Lesung angenommen.

Jin Unterhaus wurde das Amendement Bourke, welches die Politik in Egypten tadelt und sagt, daß keine Maßregeln wirksam für die Ziele der Regierung seien, wenn sie nicht auf der bestimm­ten Anerkennung der durch die Einmischung in Egypten übernommenen Verpflichtungen bafiren, mit 77 gegen 20 Stimmen verworfen. Die Debatte sollte bis zum Donnerstag dauern, aber da keine Minister zur Stelle waren, erfolgte die Abstimmung, bevor die Regierung geantwortet hatte. Die Adreßdebatte dauert fort.

* Lond on, 6. Febr. ,Daily Telegraph'mel­det: Unverzüglich nach Empfang der Nachricht von der Niederlage Baker Pascha's erging an alle nach Indien sich unterwegs befindenden Trup- penschiffe telegraphisch der Befehl, Halt zu machen.

Egypten.

* Kairo, 5. Febr. Der Khedive erhielt Abends ein Telegramm Baker's, worin dieser

meldet, er sei bei Tokar mit Verlust von 2000 Mann sowie 4 Krupp'schen und 10 Galling-Ge­schützen geschlagen worden. Die türkisch- europäischen Truppen schlugen sich gut. Baker be­absichtigt, mit dein Ueberrejt der Streitkräfte nach Suakim zurückzukehren.

• Kairo, 6. Febr. Eine Meldung aus Suakim von gestern Abend sagt, Baker Pascha begann den Vormarsch am Montag früh, die Schlacht erfolgte am Montag Nachmittag. Die egyptischen Truppen verloren alle Kameele und die ganze Bagage. Baker Pascha und die britischen Offiziere Harrington, Machon und Giles sind unversehrt. Tokar und Sinkat ergaben sich dem Feinde noch nicht, der Entsatz beider Plätze gilt aber für un­ausführbar. Der Feind machte den erfolglosen Versuch, Suakim das Trinkwaffer abzuschneiden. In Suakim sind Marinetrilppen ausgeschifft worden, um eine Panik zu verhindern. — Einer Meldung des Reuter'schen Bureaus zufolge befinden fich unter den vermißten Europäern der Armee Baker Pascha's zwei deutsche Photographen und zwei Oesterreicher Namens Metzeburg und Donnahauer.

* Kairo, 6. Febr. Baker Pascha und Sar­torius sind mit dem verbliebenen Truppenreste gestern Abend in Suakim angekommen. Die Be­festigungen Suakims sind durch britische Marine- soldaten unter Admiral Hewett besetzt. Der di­plomatische Agent Frankreichs erbat die Absendung eines französischen Kriegsschiffes nach Suakim., Es bestätigt sich, daß die von Sinkat zum Fon-' ragieren ausgeschickten Truppen durch den Feind vernichtet worden sind.

parlamentarisches.

Berlin, Mittwoch 6. Februar.

Im Abgeordnetenhause erregte die Berathung des Kapitels der Elementarschulen, welches im Kultus- Etat enthalten ist, eine lebhafte Debatte, in welcher zu­nächst der Abg. Seyffardt (Krefeld) sich in bekannter gehässiger Weise gegen die angeblichen Bemühungen des Centrums wandte, die Volksschule zu einer „Priesterschule" zu machen.

Abg. Mooren (Centrum) warnte vor der Ansicht, daß das Volk zum Schulzwange freundlich stehe und be­klagte, daß die Politik in den Stand der Elementarlehrer hineingetragen sei. Mooren führt aus, das Centrum strebe blos an, die Schule zu einer Stätte des Friedens und nicht zum Tummelplatz für Politik zu machen. Es werde von den Kindern viel zu viel verlangt, dadurch seien die Leistungen gegen früher zurückgegangen, wo wenig aber gründlich gelehrt ward. Dies beweise auch der Bericht der Berliner Schuldeputation von 1877, worin zugestanden wird, daß die Ziele der Volksschule allgemein nicht erreicht werden.

Abg. Frhr. v. Zedlitz und Neukirch (Mühlhausen) hoffte die Mittel für das zu erwartende Dotations­gesetz aus den durch Reichssteuern bereit gestellten Sum­men nehmen zu können. Er nannte in dieser Beziehung besonders die Branntweinsteuer.

Der Kultusminister versuchte es, die mannigfachen Vorwürfe gegen die Unterrichtsverwaltung und die viele» Befürchtungen für den Volksschulunterricht zurückzuweisen und als unbegründet darzustellen. Er stellte die Aufgabe des Volksschullehrers für eine in religiös sittlicher Be­ziehung ideale dar und forderte sogar von demselben bei im Elternhause verwahrlosten Kindern eine Einwirkung auf das Haus.

Abg. Dr. v. Stablewski brachte Klagen über die Germanisirungsversuche in den Volksschulen der Provinz Posen vor, Klagen, denen die Abgg. v. Tiedemann (Bomst) und der Regierungskommissar Geh. Rath Küg­ler natürlich, wie immer, die Berechtigung absprachen.

Abg. Rickert hoffte, daß man den Lehrern die ver­sprochenen Wohlthaten (Pensionsgesetz) nicht auch nur von Weitem zeigen werde. Jetzt sei endlich Zeit, daß das Gesetz an das Haus gelange. Indessen könne man nicht erwarten, daß das Haus eine Arbeit in wenigen Wochen erledigen werde, zu der das Ministerium lange Jahre ge­braucht hat. Er werde deshalb, um für diePensions- verhältnisse der Lehrer schon jetzt Abhülfe zu schaffen, bei Tit. 29 eine Erhöhung von 100,000 Mark beantragen und hoffe dabei auf die Unter­stützung des Centrums.

Der Titel 1 wird bewilligt, ebenso ohne Debatte die Titel 2-22.

Bei Titel 23 (zu Schulaufsichtskosten 750,000 Mark, 71,250 Mark mehr als im Vorjahr, namentlich für 19 neue Kreisschulinspektoren im Nebenamt) kommt folgender Antrag des sezessionistischen Abgeordneten Drawe mit zur Berathung: „Die königliche Staatsregierung zu ersuchen, in den Elementarschulen, welche nicht Halbtags schulen sind, soweit es die örtlichen Verhältnisse erfordern, den Unterricht an den Nachmittagen fortfallen zu lassen, und ausschließlich in die Vormittagsstunden zu verlegen."

Abg. Dr. Windthorst bekämpfte -die Mehrforderunz für neunzehn Kreisschulinspektoren, wodurch den Kommunen neue Lasten aufgebürdet würden; die geborenen Schultn- spektoren seien die Geistlichen, welche den Kommunen keine Lasten verursachen. Redner führt weitläufig aus, daß unter dem neuen Schulregiment die Lehrer mitten in den politischen Kampf hineingezogen sind. (Sehr richtig! im Centrum.) Lesen Sie die Verhandlungen in Hamburg und Breslau, und ich will sehen, ob Sie dann noch einmal sagen können, daß die Lehrer dort nicht in