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1884

Mittwoch, den 6. Februar

Jätung

Fuldaer

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Deutsches Reich.

Fulda, 6. Februar.

* Der Moniteur de Rome' spielt, wie das ,Berl. Tagebl.' sich telegraphiren läßt, auf eine „gegen­wärtig schwebende Prüfung eines Hauptpunktes des religiösen Konfliktes" an. Das ,Berl. Tagebl.' nennt das einen „Orakelspruch". Vielleicht wird die Deutung dieses „Orakelspruches" durch das Ge­rücht erleichtert, welches gegenwärtig in parlamen­tarischen Kreisen umgeht, daß zur Zeit an einer Denkschrift über die Erziehung des Kle­rus gearbeitet werde, welche Herrn v. Schlözer bei den Verhandlungen in Rom dienlich sein solle.

* An den Abg. Frhrn. v. Schorlemer-Alst war-nachstehendes Schreiben gerichtet worden:

In einer von ca. 400 Personen besuchten Versammlung des katholischen politischen Volksvereines, welche heute im katholischen Gesellenhause Hierselbst tagte, wurde nachstehende Resolution einstimmig beschlossen und bin ich beauftragt, dieselbe Ew. Hochwohlgeboren resp. der Fraktion zur Kennt- nißnahme zu unterbreiten. Ich entledige mich hierdurch dieses Auftrages und zeichne

in voller Ergebenheit

L. Lensing, Schriftführer des kath. polit. Volksvereins für den Stadt- und Landkreis Dortmund. Resolution.

Die heutige Versammlung der Centrumspartei des Kreises Dortmund drückt der Fraktion des Centrums im preußischen Landtage für das muthige Austreten bei der Berathung des Antrages Reichensperger ihre volle Aner­kennung aus, sie bittet, daß die Fraktion, wie bisher, auf dem Boden rein katholischer Prinzipien ohne Spmpathisir- ung mit den Grundsätzen der Rechten und der Linken, die Freiheit und die Rechte der kath. Kirche in energischer Weise reklamiren in der zuversichtlichen Gewißheit, daß das kath. Volk entschlossen und siegesgewiß hinter seiner parlamentarischen Vertretung steht.

Nach eingehender Berathung des Gegenstandes innerhalb der Fraktion des Centrums ist vom Abg. Frhrn. v. Schorlemer folgendes Schreiben an den kath. polit. Volksverein für den Stadt und Land­kreis Dortmund zu Händen des genannten Schrift­führers gerichtet worden:

Ew. Wohlgeboren

Zuschrift vom 27. Januar c. nebst der vom katholischen politischen Volksvereine an gleichem Tage gefaßten Reso­lution habe ich zur Kenntniß der Centrumsfraktion ge­bracht. Dieselbe hat mich durch einstimmigen Beschluß

beauftragt, dem katholischen politischen Volksvereine für den Ausdruck seiner Zustimmung ergebenst zu danken, zu­gleich aber die hinzugefügte Bitte

daß die Fraktion, wie bisher, auf dem Boden rein ka­tholischer Prinzipien ohne Spmpathisirung mit den Grundsätzen der Rechten und Linken, die Freiheit und die Rechte der katholischen Kirche in energischer Weise reklamire,

in so weit zurückzuweisen, als dieselbe, ohne erkennbaren Grund ausgesprochen, die Mißdeutung nahe legen könnte, daß die Centrumsfraktion ihren Prinzipien ungetreu ge­worden sei oder werden könne. Die Centrumsfraktion verweist diesbezüglich auf ihr Programm und ihre auch unter den schwierigsten Verhältnissen demselben entspre­chende Haltung; sie muß allerseits das Vertrauen be­anspruchen, daß sie hier, mitten im Kampfe stehend, am besten und sichersten beurtheilen kann, was der Durchführ­ung der Grundsätze unserer Partei und der Sache, für welche sie seit 13 Jahren kämpft, dienlich ist.

Berlin, den 31. Januar 1883.

Der Vorstand der Centrums-Fraktion: Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst.

Berlin, 5. Februar.

* Der Kaiser befindet sich nach dem gestrigen Hofballe ganz wohl und frisch, nahm Vor­mittags Vorträge entgegen, empfing den komman- direnden General des 8. Armeekorps, Freiherrn v. Loö, und arbeitete sodann mit dem Militärkabinet. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt.

* Der Kaiser hat bestimmt, daß in diesem Jahre das 7. und 8. Armeekorps große Herbstübungen, zum Schluß gegeneinander, haben sollen.

"Im Abgeordnetenhause ist heute eine Vor­lage zum Bau eines neuen Abgeordnetenhauses gegen­über dem künftigen Reichstagsgebäude eingegangen.

"Bezüglich des sogenannten Nothgesetzes über die Kommunalbesteuerung war in den letzten Tagen das Gerücht verbreitet, die Ne­gierung plane den Verzicht auf dasselbe. Dem­gegenüber erzählt die ,Nat.-Ztg.', der Entwurf sei von allen zuständigen Ressorts fertiggestellt und auch der Zustimmung des Staatsministeriums ge­wiß. Indessen habe Fürst Bismarck verschiedene Aenderungen verlangt, welche eine theilweise Um­arbeitung nöthig gemacht haben und eine Ver­zögerung von etwa 8 Tagen herbeiführen, lieber das Schuldotationsgesetz verlautet in den letzten Tagen nichts. '

» Merzig, 5. Febr. Bei der stattgehabten Landtagsnachwahl wurde Landrichter Leh­mann (Centrum) in Saarbrücken mit 378 von 379 Stimmen gewählt.

* Dresden, 5. Febr. Der Krankheitszu­stand der Prinzessin Georg hat sich wesent­lich verschlimmert, der Puls ist sehr frequent und kaum fühlbar, die Temperatur hat sich beträchtlich erhöht, die Kräfte lassen nach.

" München, 5. Febr. Die Kammer berieth ausführlich den Antrag des Finanzausschusses, den Geschichtsunterricht auf den Gymnasien, wo immer es möglich fei, nach Konfessionen getrennt zu er» theilen. Der Kultusminister bezeichnete den Antrag als undurchführbar und prinzipiell als unannehmbar. Die Abstimmung findet mor­gen statt.

* Stuttgart, 5. Febr. Der .Staatsanzeiger' meldet: Ministerpräsident v. Mitt nacht ist am 2. d. M. in San Remo eingetroffen und be­absichtigt dort einige Tage zu verweilen, uni dem König über den Stand der Staatsgeschäfte Bericht zu erstatten.

Oesterreich - Ungarn.

* Wien, 5. Febr. Im Abgeordnetenhanse be­gründete Ministerpräsident Graf Taaffe die Aus­nahme-Verfügungen hinreichend mit dem Treiben der Anarchisten, der Ermordung von Polizeibeam­ten und der Verbreitung aufrührerischer Schriften. Es handle sich nicht um einzelne Fälle. Der oberste Gerichtshof trug angesichts der Verhältnisse nicht die geringsten Bedenken, der zeitweisen Ein­stellung der Geschworenengerichte rückhaltslos zuzu­stimmen. Die Regierung mußte außerordentliche Mittel anwenden, welche mit dem größten Ernste gehandhabt werden, ohne daß die Regierung hier­bei über den Zweck hinaus gehen wird.

Frankreich.

• Paris, 4. Febr. In de<Deputirtenkammer interpellirte Häntjens über die Konventionen mit den Eisenbahngesellschaften, beantragt Abschaffung der Steuer auf Kourierzüge, welche den Konven­tionen zufolge die Herabsetzung der Tarife nach

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A «Mütterliche Eifersucht.

Rach dem FMzösifch-n des Eugen Müller frei bearbeitet.

Heinrich fühlte sich tief bewegt, denn es ent­ging ihm nicht ^Mß ihrem Herzen eine schwere Wunde geschlagen war, wenn auch keine Klage über ihre Lippen kam. Vielleicht das erste Mal in seinem Leben, feit er sich von seinen Handlungen Rechenschaft gab, ste fcc* es, eine Handlung feiner Mutter tadtzkstswertK-zu findest' und zu ver- urtheilen.

Endlich machten fitz-sich aüffden DA. Jeder hüllte sich in ein dumpfes Schweigen, Mutter, um ihrem "System Talyr Zurückhaltung treu zu bleiben,, der junge Mann, um yiner Mutter nicht Inlaß zu 'neuen Kränkungen zu geben, und die Fremde ohne Zweifel, unv durch eine edle Selbst­verleugnung zy beweisen, daß es ^icht ihre Absicht sei, sich zwischen die Mutter und das Herz ihres Sohnes zu stellen. f S

Da die Mutter langsam voranschritt, als ob sie absichtlich zögere, so langten sie, trotzdem Heinrich npmer zur Eile antrieb, zu einy Zeit auf dem Hofe an, wo an sorkstigen Tagen 6er Pächter nicht mehr zu treffen war. Glücklicherweise wartete er heute, his die Sonne, welche sich eben strahlend erhob, die vom nächtlichen R'gen noch feuchten Halme ein wenig getrocknet habe. Heinrich hatte -daher zu seinerZreude noch gerade Zeit, ihm -seinen Schützling öot^ufteßen und lebhaft zu enzpfehssen,

ohne Rücksicht darauf, daß er dem geheimen Wunsche seiner Mutter entgegen handelte.

Der Pächter nahm nicht nur das Anerbieten an, sondern gesellte das Mädchen auch der Schaar von Arbeitern zu, welche Heinrich, der als ein gewissen­hafter und tüchtiger Arbeiter bekannt war, zu lei­ten hatte.

Gott weiß, welche Gefühle das Herz der armen Mutter bewegten, als sie sehen mußte, wie ihr Sohn und die Fremde sich zusammen entfernten, während ihr selbst aufgetragen war, zurückzubleiben und bft der Hausarbeit hülfreiche Hand zu leisten.

5.

Als sie auch auf dem Erntefelde angekommen waren, hatte Heinrich zuerst einige Schwaden allein gemäht. Dann stellten sich die Schnitter ihm zur Seite auf, und die Arbeit begann. Das Mädchen war die Vierte in der Reihe, so daß Heinrich sie immer vor Augen hatte, wenn er auch nicht mit ihr plaudern konnte.

Gesenkten Blickes beobachtete die Kleine noch immer dasselbe kummervolle Schweigen, das sie in den Augen des jungen Mannes um so liebenswür­diger erscheinen ließ, da er wohl wußte, daß er die Ursache ihres Kummers roar; Wie grausam war ooch seine Mutter, daß sie sich nicht scheute, einem so unschuldigen Wesen Leid zu bereiten.

Ost sah er verstohlen zu ihr hin. Obschon klein und schwach, wetteiferte sie doch an Fleiß und Ge­schicklichkeit mit den starken Männern, zwischen denen

sie einherschritt. Mit ihrem kleinen Arm umfaßte sie ein ebenso großes Büschel Mehren wie diese; sie ließ die Sichel kraftvoll in die dichten Halme rau­schen; in der linken Hand hielt sie den Handgriff und legte damit die Halme zusammen, die den Boden zugleich bedeckten. Heinrich verglich ihre Arbeit mit der seinigen. Sein starker Arm hielt weniger Halme, seine Sichel rauschte nicht so mäch­tig, er bückte sich lange nicht so tief, um den Schwaden niederzulegen.

Am andern Ende des Ackers blieb er stehen und schärfte seine Sichel, um zu warten, bis auch sie dort angelangt wäre.

„Marie," rief er ihr entgegen, „Du hattest wohl Recht, zu behaupten, daß Du eine starke und ge­schickte Arbeiterin seiest. Deine Nachbaren werden es bezeugen können."

„Fürwahr," rief einer der Gefragten, „man wird schwerlich einschlafen, wenn man dieser Klei­nen beibleiben will."

„Das will ich meinen," fügte der Andere hinzu. ^Findest Du das auch? Das ist mir angenehm

zu hören," entgegnete sie bescheiden, und Heinrich hatte die Freude, sie wieder lächeln zu sehen, aber seine Freude war von kurzer Dauer, denn sie fiel bald in ihre frühere Traurigkeit zurück.

Gegen 9 Uhr sah Heinrich seine Mutter kom­men, die den Schnittern ihr Frühstück brachte. Er wagte zu hofftn, daß sie ihr ungerechtfertigtes Be- nehmen ändern werde, sollte sich aber bitter täuschen.