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Frankreich.

♦ Paris, 3. Februar- (Der Exminister Rouher), bekanntlich der bedeutendste und lange Zeit der einflußreichste Staatsmann unter der Re­gierung Napoleons III., ist heute Vormittag um 9 Uhr gestorben. —

Geboren am 30. November 1814 ju Riom, studirte er die Rechte und schlug in seiner Vaterstadt die Avvokaten- laufbahn ein. 1848 in die Nationalversammlung gewählt, gehörte er anfangs der republikanischen Partei an, trat aber bald zur Rechten über und schloß sich in der gesetz­gebenden Versammlung dem Prinzen Napoleon an. 1849 zum Justizminister ernannt, legte er sein Portefeuille am 26. Oktober 1851 nieder, übernahm es aber nach dem Staatsstreich wieder, legte es aber 1852 wegen des Kon­fiskationsdekrets gegen die Orleans abermals nieder. Nach­dem er eine Zeit lang den Vorsitz im Senate geführt hatte, verwaltete er von 1855 bis 1863 mit Energie und Geschick das Ministerium des Handels, in welcher Stellung er den Handels­vertrag mitEngland abschloß,d-^r einenUmschwung in der fran­zösischen Handelspolitik bezeichnete. 1863 zum Sprechminister ernannt, in welcher Stellung er sich bis 1870 behauptete, war er bis zu dem Eintritt der liberalen Aera der eigent­liche Träger der napoleonischen Politik, die er durch alle Ihre verschlungenen Wendungen hindurch mit Gewandtheit leitete und für deren Vorzüge und Fehler er den größten Theil der Verantwortung trägt. Nach dem Falle des Kaiserthums, 1872, in die Rational-Versammlung gewählt, vertrat er die bonapartistische Sache mit Muth und Energie. Er gehörte zu der konservativen Gruppe der Bonapartisten und trat daher dem Prinzen Jerüme entschieden gegenüber. In den letzten Jahren wurde sein Name wenig genannt, mit dem Tode des Kaiserlichen Prinzen war seine Rolle ausgespielt.

England.

• London, I.Febr. (Anarchistische Um­triebe.) In Hochschottland wurde eine Verschwör­ung entdeckt, welche angeblich die Sprengung des Staatsgebäudes und die Herstellung der Republik bezweckte. Sechs Verschworene wurden verhaftet. — Infolge anonymer Drohbriefe wurden während des gestrigen Besuches des Prinzen von Wales in Bristol umfasiende Maßregeln für die Sicherheit des Thronerben getroffen.

* London, 1. Febr. (Aus Suakim) mel­det .Daily News' vom 31. Januar: Die Lage in Sinkat ist verzweifelt; die Mundvorräthe sind gänzlich erschöpft. Die Bevölkerung ist auf den Genuß von Hunde- und Pferdefleisch angewiesen. Wenn der Entsatz unmöglich ist, wollen die Ein­wohner versuchen, nach Suakim sich durchzuschlagen.

* London, 1. Febr. (Gladstone) ist heute zum Besuch der Königin nach Osborne gereist.

Italien.

* Rom, 2. Febr. (Päpstlicher Protest). Es wird versichert, der Papst werde an die päpst­lichen Nuntien gegen den Beschluß des Kassations- hofes wegen der Konvertirung der beweglichen Güter der Propaganda von Rom einen Protest richten. Der Moniteur de Rome' greift den von der italienischen Regierung veranlaßten Beschluß in einem längeren Artikel: „Die Beraubung der Propaganda" mit Recht scharf an.

Spanten,

* Madrid, 31. Jan. (Neuwahlen.) Wie es heißt, ist die Vornahme der Deputirtenwahlen für den 20. April, der Senatswahlen für den 27. April und der Zusammentritt der Cortes für den 20. Mai in Aussicht genommen.

Egypten.

* (Katholische Mission aus Khartum gerettet.) Die .Agencia Stefani' meldet aus Kairo, daß es der gesammten katholischen Mission von Khartum, infolge der von den diplomatischen Agenten Frankreichs, Oesterreich-Ungarns und Ita­liens getroffenen Maßregeln gelungen ist, sich nach den Worten: „Wenn Ihr Euer Gebet noch nicht verrichtet habt, so können wir es wohl zusammen verrichten, falls es Euch recht ist".

„Ja", entgegnete die Mutter halblaut, in zu­rückhaltendem Tone, kniete am Fuße des Bettes nieder und machte das Zeichen des Kreuzes.

Das Mädchen kniete neben ihr nieder und be­gann mit tiefer Andacht und wahrer Innigkeit die Abendgebete herzusagen.

Die Mutter antwortete leise.

Sie erhoben sich, und die frühere Stille kehrte wieder. Als die Schnitterin der alten Frau freundlich gute Nacht wünschte, erhielt sie eine gleichgültige mechanische Antwort.

Die Lampe wurde ausgelöscht. Bald hörte man nur noch da» leise Athmen des Mädchens, welches in tiefem Schlafe lag. Die Mutter konnte nicht schlafen. (Forts, f.)

Affuan zu retten, wo sie der apostolische Vikar Sogaro empfing.

* Kairo, 3. Febr. General Gordon ist gestern Morgen in Korosko angekommen und hat seine Reise durch die Wüste angetreten; er hofft, in fünf Tagen in Berber einzutreffen. Baker Pascha machte eine gewaltsame Rekognoszirung; der Feind floh südwärts, verfolgt von Kavallerie, welche mehrere hundert Feinde tödtete.

parlamentarisches.

Berlin, Freitag, 1. Februar.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung des Kultusetats bei dem Kapitel der Universitäten fort, in welchem ein bedeutender Mehrbedarf, 119,039 Mark gegen das Vorjahr, im Ganzen 6,246,975 Mark gefordert werden. Dr. August Reichensperger nahm Veranlas­sung, den gerechten Klagen über den mangelhaften Kol- legienbesuch, vie Zunahme der Mensuren und Ueber - handnahme des Frühschoppens und des Trinkens überhaupt bei der studentischen Jugend wiederholt Aus­druck zu geben. — Redner richtete auch die Aufforderung an die Regierung, bei der Enquöte über die Vivisektion besonderes Gewicht auf die Stimmen von Gelehrten zu legen, welche außerhalb der Universitäten ständen. Zum Schluß brachte er, wie im vorigen Jahre, das Cliquenwesen unter den Professoren zur Sprache.

Neben den mit vielen Quellencitaten belegten Ausführungen über das Duellunwesen nahmen die sehr eingehenden Darlegungen des Redners über das Trinken das allgemeinste Jntereffe in Anspruch. Dr. Rei­chensperger sagte darüber u. A. Folgendes: Von den Stu­denten aus geht das Frühtrinken weiter ins Leben über. Natürlich die Gymnasiasten machen es schon nach — es wird der Herr Minister vielleicht später hören, wie es in dieser Hinsicht auf den Gymnasien aussieht —; in den Realschulen, in den technischen Hochschulen spielt dasselbe. Die Kommis machen es möglichst auch; (Heiterkeit) auch sie suchen nach dieser Seite hin zu zeigen, daß sie „echte Deutsche" sind. (Heiterkeit). Weiter geht es auf die Re- ferendarien über und von ihnen zu den Beamten. Auf die an sich sehr löblichen Vereine gegen die Trink­sucht übergehend, sagt Redner mit Recht: Nun, ich weiß sehr wohl, daß die meisten Herren aus den höheren Schich­ten, die gegen die Trunksucht losziehen, vorzugsweise an den Branntweingenuß denken; die Herren denken weiter vorzugsweise an die unteren Stände, an die große Masse. Aber geben sie sich darüber ja keiner Illusion hin! So sind die Maffen nicht, so sind insbesondere die Arbeiter nicht; sie werden sagen: uns soll, was das Trinken be­trifft, ein Kappzaum angelegt werden, die bester situirten Herren dahingegen trinken und betrinken sich ad libitum. (Heiterkeit.) Und solche Reflexionen können Sie nicht von der Hand weisen; wenn die Arbeiter Morgens schon, Vor­mittags sehen, daß junge Beamte und andere Personen höheren Standes sich in das Wirthshaus begeben, obgleich ihrer ein guter Mittagstisch wartet, dann liegt es doch wahrlich sehr nahe, daß die Arbeiter, überhaupt die Leute der untern Klaffen sagen: uns, deren einziger Lebens­genuß oft nur in den Spirituosen besteht, uns will man im Genuß von solchen Zügel anlegen, und diese Herren geben uns ein solches Beispiel! Die Vereine gegen die Trunksucht mögen — den Rath gebe ich Ihnen — haupt­sächlich gegen die reicheren, die gebildeten, vornehmen Stände sich wenden, (sehr wahr) nicht bloß gegen die ar­men Leute, die, wie bemerkt, so zu sagen im Leben nichts haben, als daß sie dann und wann, vielleicht vielfzu oft mit einem Schnaps sich erfrischen.

Abg. Dr. Graf (Elberfeld) richtete an die Regierung die Aufforderung, im nächsten Jahre auch für die anderen Universitäten, wie in Göttingen, Summen für Institute der medizinischen Chemie und Hygiene auszuwerfen.

Abg. Huyssen bemühte sich, die Befürchtungen des Abg. Reichensperger für unsere Jugend als übertrieben darzustellen. Wer Tacitus gelesen habe, müffe wiffen, daß unsere Vorfahren im Trinken uns keineswegs nachgestan­den hätten, und wenn man sogar von seinen Töchtern er­fahren könne, wo Mensuren stattfinden, so würde es auch dem Universitätsrichter möglich sein. Ort und Zeit der Duelle zu erforschen, um sie, wenn nöthig, zu verhindern. Bezüglich der Neuschaffung von Professuren bat der Ab­geordnete um die Schaffung von Kollegien über allgemeine Rechtskunde an allen Universitäten.

Diesem Verlangen trat Abg. Dr. Windthorst mit der Erwägung entgegen, daß man durch derartige Kollegien die Vielwisserei nur vermehren werde. Im Weiteren griff auch Windthorst das jetzige Leben an den Universitäten an. Er sagte u. A. Folgendes bezüglich des allzu vielen Trin­kens: Ich bin sicher der Letzte, welcher einem erlaubten Frohsinn der Studirenden entgegentreten will, im Gegen- theil halte ich das für eine wichtige Sache, daß die jungen Leute, wenn sie ernsthaft gearbeitet, im freundschaftlichen Kreise miteinander verkehren und dort auch der Heiterkeit das Recht gewähren, was Jeder von uns sich in der Ju­gend genommen hat. Wenn der verehrte Herr Kollege Rei­chensperger wieder auf den „Frühschoppen" zurückgekommen ist, so ist es auch meine Ansicht, daß er allerdings damit einen sozialen Fehler der allerschlimmsten Art bezeichnet hat. Der herrscht aber nicht allein in der studirenden Ju­gend, der herrscht fast in allen Ständen, (Sehr richtig!) und ich glaube, wenn wir so recht in unsere eigene Brust greifen, so werden wir sagen: cs wird auch bei uns zu viel „Frühschoppen" getrunken. ^Heiterkeit.) Das bedeutet nicht allein die allmählige Angewöhnung von ganz unnützen Genüffen, es ist zugleich auch ein Verderben eines guten Theiles der Arbeitszeit. Redner wandte sich sodann ein­gehend gegen das Duellunwesen, sowie gegen die unwür­dige Sitte des Einpaukens für die Examina.

Abg. Dr. Virchow, nahm zunächst den Profefforen- Stand gegen die Vorwürfe aus dem Hause in Schutz und vertheidigte sodann die Vivisektion.

Abg. v. Zitzewitz nahm sich des Mensurwesens der deutschen Korps an.

Der Kultusminister nahm Gelegenheit, die einzelnen Beschwerdepunkte durchzugehen. Dabei sprach er sich als ein entschiedener Gegner des Frühschoppens aus, ließ die Mensuren in gewissem Maße gelten, lenkte aber die Auf­merksamkeit auf die jetzigen Bestrebungen hin. den Leibes­übungen auf den Universitäten mehr Geltung zu ver­schaffen. Eine größere Ausdehnung der hygienischen Ju- sfitute an der Universität hielt der Herr Minister nur be­dingungsweise für opportun, ebenso wollte er auch nur bedingungsweise die Nützlichkeit von Kollegien über allge­meine Rechtskunde anerkennen.

Nach dieser Rede des Ministers sprachen noch die Abgg. Dr. Enneccerus und Dr. Windthorst.

Abg. Dr. Wagner nahm'die Studentenschaft in Schutz, er führte die meisten Beschwerden auf den Charakter der deutschen Universitäten zurück, in welchen der Schulcharak­ter möglichst wenig zu Tage träte. Das Bummeln in den ersten Semestern schob der Redner auf den Charakter der Gymnasien, die die jungen Leute zu sehr anstrengten, so daß nach der Absolvirung eine kurze Ausspannung wohl verzeihlich sei.

Am Schluß dieser Debatte sprach Abg. Dr. Langer- Hans als alter Korpsstudent mit großem Enthusias­mus und mit sichtlich großer Wirkung gegen die Mensuren und das Duell. Nach vierstündiger Debatte wurde ein Antrag auf Schluß der Debatte ange­nommen.

Nächst« Sitzung Montag.

Aus Stadt, proainj und Nachbargebiet.

Fulda, Montag, 4. Februar.

Die am Freitag Morgen begonnene Ziehung der Horaser Kirchenbau-Lotterie ist am Sonnabend Nachmittag um 3^2 Uhr beendigt worden. Da» für unsere Stadt so seltene und ungewöhnliche Er- eigniß einer Lotterie-Ziehung im großen Stile hatte für die weitesten Kreise um so mehr Interesse, als alle Klassen und Stände, Hoch und Gering, Be­mittelte und Unbemittelte bei der Lotterie mehr oder minder betheiligt waren und dem Ausgange des Glücksspieles theils mit größter Spannung, theils wenigstens mit Interesse und Neugier ent­gegensahen. Um den Wünschen der hiesigen Bürger­schaft, s» weit es nur eben in unseren Kräften stand, entgegenzukommen, wurde das Resultat der am Freitag Abend gegen 1/38 Uhr unterbrochenen Ziehung in unserer Zeitungsoffizin noch vor Mitter­nacht zu einer Extra-Ausgabe der Zeitung ver­arbeitet und am Sonnabend Vormittag zu geeig­neter Stunde sowohl in der Stadt wie nach aus­wärts an alle Abonnenten expedirt. Der Erfolg rechtfertigte das getroffene Arrangement, denn nicht nur in Abonnentenkreisen und in den verschiedenen Gasthäusern wurde die Gewinnliste mit großem Eifer begehrt und studirt, sondern auch außerdem machte sich eine starke Nachfrage nach dem Extrablatt bemerkbar, der aber über die gewöhnliche Ausgabe hinaus nicht entsprochen wer­den konnte. Heute theilen wir den Schluß der Ziehungsliste mit, wobei wir ausdrücklich hervor­heben, daß der eine oder andere kleine Jrrthum schon wegen der schnellen Aufzeichnung und der beschleunigten typographischen Fertigstellung der Liste (namentlich bei dem Extrablatte) nicht aus­geschlossen ist. Wie sich erwarten ließ, bemächtigte sich die Volksstimme an den beiden letzten freien Tagen mit besonderer Lebhaftigkeit der verschieden- sten theilweise nur von Witzbolden und aus JocuS ausgestreuten Gerüchte über die angeblichen Ge­winner der größeren Gewinnposten. Diese Gerüchte sind mit großer Vorsicht auszunehmen; erst die nächsten Tage und namentlich das Erscheinen der maßgebenden offiziellen Gewinnliste werden über die betr. Gewinner und Loosinhaber bestimmte Aufklärung bringen. Aus diesem Grunde sehen wir auch von der Mittheilung der uns bisher be­kannt gewordenen wichtigeren Resultate ab. Die offizielle Gewinnliste wird in etwa 8 Tagen erscheinen. Es sei noch bemerkt, daß seit der Aus­gabe des Verzeichnisses der Gewinne die Zahl der­selben von 1507 auf 1514 vermehrt worden ist, so daß also die über 1507 hinausgehenden Ge­winnnummern in unserer Liste keineswegs fehler­haft sind, wie hier und dort angenommen wurde. Schließlich wünschen wir Allen, welche Fortuna mit irgend einer Gabe heimgesucht hat, von Herzen Glück und bitten die große Zahl von „unglückli­chen" Spielern, sich mit dem Gedanken zu trösten, daß sie alle Bausteine zu dem herrlichen Denkmal des hl. Bonifatius zusammengetragen haben, wel­ches sich bald zu voller Pracht und Schön­heit erheben wird.

Ö Dem Vernehmen nach ist bezüglich der Bau­last in Betreff der evangelischen Schule eine höhere