JH. 28.
Montag, den 4. Februar
1884
Fuldaer WS Jeilung.
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Deutsches Reich.
Fulda, 4. Februar.
* Der .Moniteur de Rome' befaßt sich in seiner letzten Freitagsnummer in einem längeren Leitartikel „Die religiöse Frage im preußischen Landtag", sowie in mehreren Entrefilets eingehend mit den letzten kirchenpolitischen Debatten gelegentlich der KultuSetat-Berathung. Der ,Moniteur' wiederholt nochmals kurz und bündig den Gang der Verhandlungen im vorigen Jahre und komint zu dem Schluffe, daß die preußische Regierung, indem sie immer wieder auf die Rote vom 5. Mai zurückkommt, nicht den guten Willen habe, die Maigesetze organisch zu revidiren. Schließlich heißt es: „Wenn Preußen noch warten kann, wir können auch warten".
* (Rückkehr desBischofs vonMünster). Aus Münster wird der ,Germ.' telegraphisch gemeldet: „Das Domkapitel erläßt eine Bekanntmachung, daß der Bischof in der Stille heimzukehren wünscht. Nach der Rückkehr wird ein Dankaml in der Kathedrale stattfinden, an einem vorher bekannt zu machenden Tage. Auf diesen Tag wird die Beflaggung der Häuser und die Illumination verlegt. Von der Entsendung einer Deputation hat der Bischof geöeten Abstand zu nehmen".
* (Katholische Schulzeitung). Wie aus Breslau gemeldet wird, hat die dortige Regierung ihre Verfügung bezüglich der .Katholischen Schulzeitung' aufgehoben.
Berlin, 2. Februar.
* (Lotterieantrag.) Zur dritten Lesung des Etats ist ein Antrag Windthorst-Löwe (BochumJ eingebracht, die Regierung aufzufordern, sich für ein Reichsgesetz zu bemühen, durch welches alle in deutschen Staaten bestehenden Lotterien aufgehoben werden und die Errichtung neuer verboten wird.
* (Die Steuerkommission) berieth gestern Abend den § 4 des Einkommensteuergesetzes (Steuerbefreiungen) und verwies die Ziffer 3, welche von der Steuerbefreiung der Standesherren handelt, an eine Subkommission. Hänel hatte Namens der Fortschrittspartei die Streichung der Ziffer 3, also
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Mütterliche Eifersucht.
Nach dem Französischen des Eugen Müller frei bearbeitet.
„Es kostete mich Mühe", fuhr sie fort, „meinenVater zu überreden, weniger weil er für mich Unannehmlichkeiten fürchtete, sondern mehr, weil er glaubte, daß meine Reise doch am Ende erfolglos sein werde. Da habe ich mich denn frohen Muthes auf den Weg gemacht und denke, daß ich, wenn Gott will, mehr zurückbringen werde, als ich mitgenommen."
„Hast Du auf Deinem Wege hierher schon gearbeitet und Dir etwas verdient?"
„Nein, ich habe noch keinen Halm geschnitten. Morgen gedenke ich mir zum ersten Male Arbeit zu suchen. Bei dieser Hitze werden die Ernten drängen, und man wird die Arbeiter gut bezahlen."
„Da hast Du ganz Recht. Heinrich und ich werden Dich schon unterbringen. Wir nehmen Dich mit zu dem Pächter, für den wir arbeiten; sein Gut ist groß, er hat viele Arbeiter nöthig und wird Dich schon brauchen können".
„Wenn er sieht, wie klein und schmächtig ich bin, wird er mir vielleicht nicht viel Kraft und Fertigkeit zutrauen, aber dann irrt er sich sehr, ich schwinge die Sichel so fest und so sicher wie die Beste; zu Hause konnte ich es beim Mähen sogar mit meinem Vater aufnehmen, und der ist als ein tüchtiger Arbeiter bekannt".
„Das will ich Dir gerne glauben," sagte die Mutter, „aber vergiß hier Deine Suppe nicht, iß
। die Besteuerung der Standesherren beantragt. Zu Ziffer 6 (Steuerbefreiung aller Personen, deren Jahreseinkommen 1200 Mark nicht übersteigt) beantragt v. Hüne (Centrum) 900 statt 1200 zu setzen. Tannen (national-liberal) ist ebenfalls gegen die Aufhebung der dritten und vierten Steuerstufe, eben so v. Zedlitz (freikonservativ), v. Hammerstein ist für die Regierungsvorlage, v. Rauchhaupt beantragt 1000 statt 1200 zu setzen. Der Finanzminister erklärt, der Erlaß der dritten und vierten Steuerstufe sei für die Regierung ein Hauptpunkt, worin sie nicht nachgeben könne; die Regierung werde damit einverstanden sein, wenn man auch die Befreiung der fünften und sechsten Stufe beantrage. Fortsetzung nächsten Dienstag.
* (Die Jagdordnungskommission) berieth bis zu §. 18. Zu §. 14 wurden drei Absätze gestrichen, welche den Eigenthümern eine je sechsjährige Verpachtung der Jagd unter gewissen Umständen zusichern, dagegen wurde ein neuer, von Oertzen vorgeschlagener §. 14a angenommen wonach die Regulirung unregelmäßiger Grenzen zwischen zwei Jagdbezirken durch die Betheiligten unter Zustimmung des Kreisausschusses zu erfolgen hat.
* (Schuldotations - Gesetz.) Der Schuldotationsgesetzentwurf ist nunmehr an das Staats- Ministerium abgegangen und dürfte alsbald in Be- rathung genommen werden. Bei dem Umfange des Gesetzentwurfes, welcher 150 Paragraphen zählen soll, wird jedenfalls noch einige Zeit verstreichen, ehe die Vorlage an das Abgeordnetenhaus gelangen wird. Zur Zeit liegt dieselbe auch dem Reichskanzler vor, dessen Gutachten wohl erst abgewartet werden wird.
* (Petition von Gymnasiallehrern.) An das preußische Abgeordnetenhaus wird dieser Tage abermals eine Bittschrift von Gymnasiallehrern aus Heffen-Naffau und Westphalen (vorbehaltlich des Anschluffes von Lehrern aus anderen Provinzen) gelangen, worin das bekannte Gesuch wiederholt werden soll, die Lehrer höherer Unterrichtsanstalten den Richtern erster Instanz an Rang und an Gehaltsbezügen gleichzustellen, und insbe-
sie so warm als möglich, das bekommt Dir gut. Auch ist es schon spät, der Tag wird bald anbrechen. Wir haben Zeit nöthig, um uns auszuruhen, damit wir morgen rüstig und zur Arbeit aufgelegt sind.
Dann öffnete sie den Koffer in der Ecke und nahm ein paar gute Tücher heraus, welche dem Mädchen als Unterlage und Decke dienen sollten.
Heinrich blieb auch nicht müßig, sondern holte frisches Stroh herbei, um der liebenswürdigen Fremden ein Nachtlager zu bereiten. Diese war mittlerweile ganz munter geworden und rief jetzt scherzend:
„Ihr seid aber wirklich sehr gutrnüthige Leute, daß Ihr mich so ohne Weiteres aufnehmt, ohne mich je gesehen zu haben oder auch nur de mNa- men nach zu kennen. Wie wenn ich nun eine Bettlerin, eine Landstreicherin wäre, die es auf Eure Gutmüthigkeit abgesehen hat? Wenn Alles, was ich Euch erzählt habe, unwahr ist?"
„Nein, liebes Kind," versetzte die Mutter, indem sie zutraulich ihre Hand dem Mädchen auf die Schulter legte und ihr freundlich in die Hellen Augen blickte, „Du lügst nicht, davon bin ich überzeugt. Es wäre auch nur zu Deinem eigenen Schaden. So arme Leute wie wir, haben den Vortheil, daß Diebe und Betrüger sie ungeschoren laffen. Wahrlich in unserem Hause würden Diebe , nicht viel finden. Aber ich sage es noch einmal, I man braucht Dich nur reden zu hören, um über- !
sondere die Lehrer an Anstalten nicht königlichen Patronats an dieser Aufbesserung theilnehmen zu laffen.
* (Besuch des Königs Humbert.) Wie in diplomatischen Kreisen mit aller Bestimmtheit verlautet, trifft König Humbert von Italien mit feiner Gemahlin und wahrscheinlich auch mit dem italienischen Kronprinzen innerhalb acht Wochen zum Besuch in Berlin ein, und zwar so zeitig, daß die italienischen Herrschaften den Gebunstag des Kaisers in der deutschen Metropole mitfeiern können. In der hiesigen italienischen Botschaft werden bereits Vorbereitungen zu einer größeren Festlichkeit getroffen.
• München, 1. Febr. (Der Finanzausschuß) lehnte die Beamtengehaltsayfbefferungs- vorlage mit acht gegen sieben Stimmen ab.
* München, 31. Jan. (Der Reichsrath) nahm das Hagelversicherungsgesetz konform dem Beschlüsse der Abgeordneten an und lehnte den Antrag Soden, betreffend Vorlage einer Mobiliarbrandversicherung auf der gleichen Grundlage ab, nahm dagegen den Antrag des Reichsraths Ortenburg an, den Antrag Soden der Regierung zur Würdigung zu übergeben.
• Darmstadt, 31. Jan. (In der zweiten Kammer) überreichte die Regierung eine Vorlage wegen Erbauung einer Reihe von Sekundärbahnen. Die Berathung über den Gesetzentwurf betreffend Enteignung des Grundeigenthums hat begonnen.
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 1. Febr. (Sprachen-Debatte). Die Abgeordnetenkammer beendete die Berathung des Antrags Herbst, betreffend die von der Regierung erlaffene Sprachenverordnung für Böhmen und Mähren und nahm den Antrag der Ausschußma- jorität auf Uebergang zur Tagesordnung mit 175 gegen 161 Stimmen an.
♦ Wien, 1. Febr. (Auf Grund der Ausnahmemaßregeln) ist dem .Fremvenblatf zufolge in der verflossenen Nacht eine Anzahl Arbeiter verhaftet und ebenso eine Anzahl Personen von der Polizei ausgewiesen worden.
zeugt zu werden, daß Du ein liebes, braves Mädchen bist."
„O ja," sagte Heinrich befangen und trat einen Schritt näher.
Die Mutter wurde durch diese naive Bestätigung ihrer Worte plötzlich aufmerksam. Sie betrachtete ihren Sohn mit unruhiger Neugierde, als habe sie eine schlimme Nachricht erhalten.
Das einfache Mahl war bald verzehrt, und es war hohe Zeit, zur Ruhe zu gehen.
Als Heinrich seine Slutter umarmt hatte und im Begriffe war, hinauszugehen, rief das Mädchen munter:
„Gute Nacht!"
„Gute Nacht," entgegnete der junge Mann, gute Nacht, doch ich kann Dich nicht beim Namen nennen, ich weiß ihn nicht.
„Meinen Namen?" wiederholte sie zögernd, erschreckt von dem durchdringenden, finsteren Blicke, den die Mutter auf sie richtete.
„Du wünschst meinen Namen zu erfahren?" Er ist . . . „ich heiße Marie."
„Nun denn, gute Nacht, Marie" sagte der junge Mann und ging hinaus, nachdem er sie noch einmal aufmerksam betrachtet hatte.
Das Auge der Mutter verfinsterte sich immer mehr.
Als die Frauen allein waren, herrschte lange völliges Schweigen — sie hatten beide so Manches zu denken — bis das Mädchen daffelbe brach mit