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Donnerstag, den 31. Januar

kruten gegeben.

Berlin, 30. Januar.

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lich Lasker vertrat, ist auf den 17. März anbe­raumt worden. Am 25. d. M. hatten bereits die Deputationen der liberalen Vereine des Kreises Gräfenthal eine Besprechung über die Aufstellung eines liberalen Kandidaten. Wie wir hören, wurde Dr. Witte-Rostock in Aussicht genommen.

* (Besuch der Volksschule.) Der Kultus­minister hat in jüngster Zeit Anlaß genommen, die Bezirksregierungen aufzufordern, den regelmäßigen Besuch der Volksschulen, namentlich auf dem Lande, strengstens zu überwachen und genau die Listen über die Schulversäumnisie zu führen. Den Grund hierzu haben die statistischen Ermittelungen über die Vorbildung der zum Heere eingezogenen Re-

Deutsches Reich.

Fulda, 31. Januar.

*(„Zur kirchenpolitischen Situation") brachte die .Kreuzzeitung' am Sonntag einen Leit­artikel, den wir am Montag bereits im Auszuge mittheilten. Die .Köln. Volksztg.' macht zu dem Artikel, welcher Mit Rücksicht auf die Beziehungen der .Kreuzzeitung' zu den Kreisen des Kultusmini­steriums ein gewisses Interesse beansprucht, u. A. folgende durchaus zutreffende Bemerkungen:

„Der Schwerpunkt des Artikels liegt augenscheinlich in dem zweiten Theile, und dieser Theil wird nicht verfeh­len. bei der katholischen Bevölkerung und in den Kreisen des Centrums sehr ernste Bedenken zu erregen. Das lei­tende Blatt der konservativen Partei schiebt dort der Cen- rrumssraktion eine Initiative zu, welche diese unmöglich annehmen kann, und welche die Rollen in der Lösung der kirchenpolitischen Schwierigkeiten vollständig ver­tauscht. Obwohl die.Kreuzzeitung' betont, daß die Staats­regierung die Nothwendigkeit einer grundsätz­lichen Aenderung dcrMaigesetze keineswegs in Abrede stelle, soll die Regierung nicht verpflichtet sein, aus sich mit einer solchen grundsätzlichen Aenderung wei­ter vorzugehen, ehe und bevor nicht das Centrum die Basis bezeichnet habe, auf welcher die Fraktion mi den Konservativen an der organischen Revision der Mai­gesetzgebung zu arbeiten und der Negierung die parlamen­tarische Majorität dafür zu stellen bereit sei.

Ein ähnlicher Gedankengang trat schon in der Rede des Abg. Frhr. v. Hammerstein bei Begründung der moti- virten Tagesordnung zum Antrag Reichensperger hervor; es fehlte aber auch alsbald nicht an der erforderlichen Be­lehrung. vr. Wind t hör st führte zum so und so vielten Male aus, daß eine Revision der Maigesetzgebung, welche Theile derselben bestehen lasse, ohne Verständigung mit dem apostolischen Stuhle nicht zu Stands zu bringen sei. Das Centrum könne zwar selbstständig der Wie­derherstellung des (vom apostolischen Stuhle wiederholt als erfreulich bezeichneten) kirchenpolitischen Zustandes vor Er­laß der Maigesetze zustimmen und diese Wiederherstellung beantragen (wie es durch den Antrag Reichensperger ge­schehen ist); nicht aber sei die Fraktion in der Lage, von dem vollen kirchlichen Rechte, wie die Artikel 15, 16 und 18 der preußischen Verfassung dasselbe gewährleisteten, ihrer­seits irgend etwas preiszugeben, vielmehr könntenZu- . geständnisse an die staatliche Gewalt hier nur von dem Oberhaupts der katholischen Kirche gewährt werden — ein Standpunkt, der für den Katholiken selbstverständlich ist, aber unseres Erachtens auch für den nichtkatholischen Kirchen­politiker leicht verständlich sein müßte.

Das Centrum kann kirchenpolitische Anträge stellen,

3.

Schweigend und trübselig war der junge Mann ans Fenster getreten, um zu sehen, ob die Fenster­laden gut befestigt fei, da erschütterte ein furcht­barer, lang ausdauernder Donnerschlag die schwache Hütte.

„Hat man nicht geklopft Mutter?" frug Hem- rich und hielt inne, die Hand nach dem Riegel erhoben und aufmerksam horchend.

„Rein, es ist nur der Wind, der an dem mor­schen Holzwerk rasselt".

„Ich sage Dir nochmals, es klopft Jemand; höre nur".

„Zu dieser Stunde und in diesem Wetter, rote kannst Du das denken!"

„Grade in diesem Wetter", sprach Hemrlch, der Thüre zueilend, und hörte nur deutlich, wie eine schwache und zitternde Stimme, fast übertönt von dem Brüllen des Sturmes, sagte: „Um Gottes­willen, liebe Leute, öffnet mir".

„Mach auf Heinrich, es ist ein Kind, das sich verirrt hat, ruf die Mutter in erschrockenem Tone".

Ein junges Mädchen erschien auf der Schwelle, der freundlichen Einladung folgend.

Durch die geöffnete Thür wehte der Wind eine reiche Garbe Regen in's Zimmer. Heinrich beeilte sich, sie zu schließen.

„Besten Dank", sagte die Eintretende schüchtern und warf einen Blick auf Mutter uno Lohn, welche gleichfalls ihren Gast.neugierig betrachteten.

» (Die Butgetkommifsion) hat den Antrag angenommen, die Position: „200,000 Mark als erste Rate für den Neubau eines Gymnasiums in Frankfurt a. M." von der Berathung abzufetzen, bis die Staatsregierung näheren Aufschluß gegeben hat über das Verhältniß der katholischen Gemeinde gegenüber der Stadt, zwischen welchen ein Konflikt entstanden ist, weil die Stadtverordneten den Vor­schlag des Magistrats ablehnten, die katholische Selektenschule in ein Gymnasium umzuwandeln.

* (Die Jagdordnungskommission) hat die betreffende Vorlage bis zum § 12 ohne we­sentliche Aenderungen angenommen.

* (Dio Steuerkommission) lehnte mit allen gegen 4 Stimmen den § 2, Besteuerung der Aktiengesellschaften, ab.

* Dresden, 30. Jan. (Das Allgemein­befinden der Prinzessin Georg) ist etwas besser. Nachts stellten sich zwar wieder Delirien ein, nach einem kalten Bade sank das Fieber je­doch beträchtlich. Die Gehirnerscheinungen dauern fort, der Kräftezustaud ist unverändert.

» München, 30. Jan. (Berathung des K u l t u s e t a t s.) In der gestrigen Berathung des Kultusetats erklärte Minister v. Lutz, er habe Kon­zessionen gemacht, so weiter sich für berechtigt glaubte, augenblicklich aber habe er nicht im Sinne, weitere Konzessionen zu machen. Bezüglich des Altkaiho-

Mütterliche Eifersucht.

Nach dem Französischen des Eugen Müller frei bearbeitet.

So gut ein Kind sein Herz zu verhüllen meint, der mütterliche Scharfblick bringt doch hinein.

Wenn auch die kräftigen Entschlüsse des Sohnes de,?Sieg über die natürlichen Neigungen des Jüng­lings davontrugen, versenkte der innere Kampf den guten Jungen doch ost in ein auffälliges Nach­denken, dessen Ursache der Mutter kein Gehelm- niß blieb. Sie lebte fortwährend in der Furcht, daß die Entsagung ihrem Sohne schließlich doch zu schwer fallen werde, an dem sie mit ganzer Liebe und trotz ihrer ausdrücklichen Versicherung des Gegentheils mit ganzer Eifersucht hing. Ja, mit ganzer Eifersucht, und um sich eine Jlne von ihren Qualen zu machen, muß man die Natur dieses Gefühles bedenken, welches ebenso häufig vorkommt, als unbeachtet bleibt: Eifersucht einer

Mutter. -

Entsprungen aus der reinen Quelle heiligster Siebe, muß dies Gefühl sich dennoch schamhaft verbergen, wenn es nicht zum Gegenstände des Spottes und Tadels werden will.

Mancher Liebende, der oft nur eine sinnliche Leidenschaft hegt, kann offen seine argwöhnische Saune zeigen, und Niemand tadelt ihn, ja der Gegenstand dieser Eifersucht wird häufig noch stolz darauf. Wenn aber ein Mutterherz, das doch so treu, so rein, so unwandelbar liebt, schmerzlich

welche die gejammten Maigesetze oder bestimmte Theile derselben einfach aus dem Wege räumen; aber es kann nicht etwa sagen: ich will die „Anzeigepflicht", welche der Freiheit des geistlichen Amtes von staallicher Einflußnahme prinzipiell widerstreitet, in dieser oder jener Form konze- diren. Hierzu bedarf es einer Vereinbarung des aposto­lischen Stuhles mit dem weltlichen Regiment. Das schließt nicht aus, daß die Vertreter des katholischen Volkes kirchen- politischeir Gesetzen zustimmen, welche Erleichterungen gegenüber dem bestehenden Zustande begründen, wenn die Staatsregierung solche vorschlägt, und so konnten das Juligesetz und das Mainau-Gesetz durch Mitwirkung der Centrums-Fraktion zu Stande kommen. Die Regierung und die nichtkatholische Mehrheit des Landtages haben der katholischen Minorität Gesetze aufgezwungen, welchen diese sich nicht unterwerfen darf, deren Unhaltbarkeit heute auch ganz allgemein aneikannt wird. Sache der Re­gierung und der Majorität ist es zunächst, auf gesetzlichem Wege Wandel zu schaffen, und ganz besonders ist es die Aufgabe derjenigen Partei, welche am entschiedensten bei jeder Gelegenheit die Revisionsbedürftigkeit der kirchen­politischen Gesetzgebung betont, hier voranzugehen und die Regierung an ihre Verpflichtung zu erinnern, den schwer gestörten inncrn Frieden wieder herzustellen und den Katholiken die verkümmerte Freiheit ihrer Reli­gionsübung zurückzugeben.

Unter diesen Umständen muß die von der .Kreuzzel- tung' an das Centrum gerichtete Aufforderung, die mate­rielle Basis für die Revisionsarbeiten zu bezeichnen, auf's äußerste besremden und bösen Verdacht erwecken. Das Hauptorgan der konservativen Partei deutet an, die Re­gierung werde weitere Schritte, um d s kirchen-politische Chaos, welches nach übereinstimmender Ansicht aller Parteien in Preußen besteht, zu beseitigen, nicht thun, — will die konservative Partei gleichfalls bei diesem abwartenden Standpunkte sich beruhigen und die Hände in den Schooß legen? Man könnt- dies Lus dem Artikel hsrauslessn. Ob es wirklich damit gesagt sein soll, das zu erkunden, wird die morgen beginnende zweite Lesung des Kultusetats wohl ausreichende Gelegenheit bieten. Wir müssen volle Klarheit haben, was von der Regierung und den Parteien in der kirchenpolitischen Frage zu er­warten ist, darüber, daß mit dem, was bis jetzt geschehen, eine „Beruhigung" der preußischen Katholiken, schlechter­dings nicht zu erzielen sein wird, werden unsere parla­mentarischen Vertreter keinerlei Unklarheit aufkom- men lassen. Wenn der Abschluß der „neuen Phase des Kulturkampfs als „Versumpfung" gedacht sein sollte, so hat sich die Phase auf eine ebenso entschiedene Be- kämpfunq von Seiten der katholischen Bevölkerung gesaßt zu machen, wie die im Jahre 1879 abgeschlossene, zu welcher Minister Falk den Namen hergab."

* (Die Neichstagswghl im zweiten Meiningischen Watzlkreis), welchen bi kannt-

auszuckt bei dem Gedanken, daß ein Heiz, in dem sich die innigsten Freuden und bittersten Seiden ihres SebenS vereinen, in Zukunft ihr nicht mehr ungeteilt angehören soll, dann hat die Wett mit dieser armen Mutter fein Erbarmen und der Gegen­stand ihrer Eifersucht wird selbst dies Uebermaß der Siebe für drückend lästig halten.

Das ist das gewöhnliche Loos aller Mütter! Doch bte meisten zwingen sich zum Schweigen und verbergen ihren tiefen Schmerz unter einer schein­baren Ruhe. Niemand denkt dann daran, in die­sem neuen Zeugniß einer Selbstüberwindung, die man als Regel fordert, ein Verdienst zu finden. Wenn aber endlich dieser hohe Muth wankt, wenn die Mutter in einem unbeachteten Augenblick ihrem Schmerze Ausdruck gibt, dann wundert man sich und spottet ihrer. Ja, selbst anbeie Mütter, welche di.se traurige Zeit, wo das Herz ihres Kindes ein anderes Wesen zu umfassen beginnt bereits hinter sich haben, sagen dann tadelnd: Ist das in Wahr­heit eine Mutter, die so wenig Stärke zeigt in ihrem Schmerz?

Wir gestehen es gerne, diese mütterliche Eifer­sucht zu bekämpfen und oen vielen Beweisen der Liebe den größten und letzten, den Verzicht auf einen Theil des geliebten Herzens, hinzuzufügen, ist heilige Mutterpflicht. Aber wer wollte die Mutter tadeln, welche sich eine Zeit lang von der i Saft dieser Pflicht niedergebeugt und fast erdrückt 1 fühlte?

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