Einzelbild herunterladen
 

J|£ 25. Mittwoch, den 30. Januar 1884.

Fuldser Ikitung.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Wk, 56 Pfg., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne UNS Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

-Einladung.

Wir eröffnen schon jetzt ein Abonnement auf die beiden Monate Februar und März zum preise von 1 Mark (ohne Bestellgeld). Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die Num­mern vom 28. Januar bis L Februar (neues Feuilleton) unentgeltlich.

Deutsches Reich.

Fulda, 30. Januar.

* (Die Aufhebung der Sperre in Erm- land). Die,Ermländ. Ztg.' schreibt: „Wieglaub­würdig mitgetheilt wird, begreift die im .Staats­anzeiger' vom 31. Dez. v. I. für die Diözese Erm- land verkündete Aufhebung der bis dahin bestan­denen Sperre auch die fämmtlichen persönlichen Revenüen des Bischöflichen Stuhles, eingeschlossen die des hochw. Herrn Bischofs. Nur durch einen Jrrthum konnte es geschehen sein, daß die Sperre in der Beziehung als noch irgendwie aufrecht er­halten angesehen wird. Es bleibt somit einzig noch der Klerikal-Seminar-Staatszuschuß gesperrt".

Berlin, 29. Januar.

* (Centrumsantrag in der Steuer­kommission.) Das Centrum beantragte in der Steuerkommission, den Paragraph 2, die Besteu­erung der Aktiengesellschaften betreffend abzulehnen, dafür in einer Resolution eine Reform der Gewerbesteuer zu verlangen, welche die größeren Betriebe zu Gunsten der klei­neren stärker heranzieht.

• (Das Schuldotationsgesetz) ist fertig gestellt, und die bis in die neueste Zeit noch streit tigen Punkte sind erledigt. Das Wichtigste bleibe wohl, das nicht wie früher im Falk'schen Entwurft die persönlichen von den sachlichen Kosten getrenn- bleiben sollen, sondern daß beide zu gleichen Thei- len von Staat und Gemeinden getragen werden sollen. Der Gesetz-Entwurf wird wohl in Kurzem das Staatsministerium beschäftigen.

* Dresden, 29. Jan. (Erkrankungen am Hofe.) Nach dem heute früh ausgegebenen

ärztlichen Bulletin ist eine Befferung in dem Be­finden der Prinzessin Georg nicht eingetreten. Die schweren Krankheitserscheinungen dauern fort. Die Patientin hat die ganze Nacht schlaflos verbracht. Auch beim Prinzen Max zeigten sich Fiebererschei- uungen. Der morgige Hofball ist abgesagt.

* Dresden, 29. Jan. (Zweite Kammer.) Der Antrag, die Regierung zu ersuchen, diesem Landtag noch ein Gesetz vorzulegen, wonach bös­willige und schuldbare Steuerrestanten einem Schank- und Tanzstätten-Berbot unterworfen werden dürfen, wurde nach heftigen Angriffen Bebel's zur Schluß- berathung verwiesen.

* München, 28. Jan. (Landtag.) Bei Er­örterung der Petitionen betreffs des Offizier-Kon­sumvereins wurde der Antrag Ruppert's, die Pe­titionen der Regierung zur Würdigung zu über­geben, angenommen. Der Kriegsminister erklärte, daß er bereits in der Lage sei, über den Gegen­stand, welcher natürlich auch die Aufmerksamkeit des Königs erregt habe, ein Gutachten abgeben zu müssen, selbiges werde nicht anders, als in früherem Sinne erfolgen; er habe sich übrigens mit dem Minister des Innern in's Einvernehmen gesetzt. Der Minister des Innern erklärte, daß rechtlich das Gesetz über die Erwerbs- und Wirthschafts- genossenschaften maßgebend sei, der Kriegsminister und er die Jntereffen von Gewerbe und Industrie wie immer berücksichtigen werden.

* München, 29. Jan. (G"r oßfeuer.) Heute früh 8 Uhr tönten Feuersignale von den Thürmen. Es war in der Kunstmühle von Tivoli ein Brand ausgebrochen, der zur Stunde (halb 10 Uhr) noch nicht bewältigt sein soll. Das genannte Etablisse- ment ist bereits zweimal abgebrannt I

* Karlsruhe, 29. Jan. (Heidelberger Schloß.) Die Abgeordnetenkammer bewilligte 66,000 M. für besondere Vorarbeiten zur Erhal­tung des Heidelberger Schlosses. Der Finanzmi­nister bezeichnete es als eine der badischen Negie­rung obliegende Aufgabe, die Vorarbeiten zu ver­anlassen und so eine Entscheidung über das künftige Schicksal des wichtigen Baudenkmals herbeizuführen. Ob die Inanspruchnahme der gesammten deutschen

Nation dazu nothwendig werde, könne er jetzt noch nicht mittheilen.

Oesterreich - Ungarn.

* Wien, 29. Jan. (Außerordentliche Maßregel). Der Kaiser, welcher aus München zurückgekehrt ist, unterzeichnete heute die Verord­nung, womit einige Bestimmungen betr. das Ver- sammlungs-, Vereins- und Preßgesetz für Wien und Umgebung zeitweise aufgehoben werden. Die Verordnung erscheint demnächst und wird sofort dem Reichsrathe zur Genehmigung vorgelegt.

* Wien, 28. Jan. (Sprachendebatte.) Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Sprachenantrages fort und nahm einen Antrag auf Schluß der Generaldebatte in namentlicher Ab­stimmung mit 174 gegen 168 Stimmen an. Zu Generalrednern bei der Spezialdebatte wurden Plener und Czartornski gewählt.

Belgien.

* Brüssel, 28. Jan. (Entdeckungsexpe- dition nach Centralafrika.) Das ,Echo du Parlement' meldet, daß das belgische Nationalin­stitut für Geographie eine Entdeckungsexpedition nach Centralafrika aussendet, welche unter der Leit­ung des Dr. Joseph Chavanne aus Wien steht und den Auftrag hat, eine Karte vom Kongoge­biet aufzunehmen.

• Brüssel, 28. Jan. (Gesetz zum Schutz der Sittlichkeit.) Wegen der Transportirung deutscher und englischer Mädchen nach Belgien, um sie hier der Prostitution in die Arme zu lie­fern, sind bekanntlich im vergangenen Jahre wie­der häßliche Details bekannt geworden, und wur­den ja auch in Aachen mehrere Individuen wegen dieses scheußlichen Mädchenhandels verhaftet. Das belgische Ministerium des Innern arbeitet jetzt einen Gesetzentwurf betreffs der Sache aus. Bis jetzt war die Polizei allein Richter über die An­wendung der auf die Prostitution bezüglichen kommunalen Anordnungen. Es erwies sich dies allerdings als ziemlich praktisch, soweit die öffent­liche Gesundheitspflege in Frage stand, aber es

Abonnements

3

K Mütterliche Eifersucht.

Nach dem Französischen des Eugen Müller frei bearbeitet.

„Wohlan, Mutter", sagte Heinrich in entschlosse­nem Tone, „dann magst Du es wissen. Mein Herz ist von trüben Gedanken gequält. Sie haben ihren Grund darin, daß Du Dir unablässig meinetwegen so große Sorge machst. Du bildest Dir ein, ich sei mißmuthig, weil ich mich nach einer anderen Lage sehnte, Du schreibst mir allerlei Wünsche vor . .. aber, mein Gott, ich nehme meine Lage, wie sie ist. Warum thust Du es nicht auch? Ich habe kein anderes Verlangen, als aus allen Kräften zu arbeiten, damit Du Dich ein wenig zur Ruhe setzen kannst. Ich kann natürlich nicht hoffen, durch den Ertrag meiner Handarbeit allein die verlorenen Reichthümer wiederzugewinnen. Allein ich habe Muth, und Gottes Güte hat mir Gesundheit ver­liehen. Mag auch mein Tagelohn nicht sehr hoch sein, so reicht er doch hin, um uns Beiden ein sorgenloses Leben zu gewähren. Du solltest Dir doch nicht immer einbilden, ich sei genöthigt, mich einzuschränken. Mach' Dir darum keine Sorge. Ueberlaß das mir, dem die Kraft der Jugend zu Gebot steht. Indem Du Dich quälst, quälst Du mich, und kommst dann hintenher und fragst, was die Ursache meines Kummers sei."

„Du bist ein guter Junge, Heinrich," sagte die Mutter, indem sie die Hand ihres Sohnes erfaßte und ihren thränenfeuchten Blick auf ihm ruhen ließ.

„Ja, Du bist ein guter Sohn, und ich thue Un­recht daran, Dir nicht zu folgen, aber ich kann nicht dafür, daß meine Seele sich mit Gedanken quält — der Himmel weiß, was ich Alles denke! Es ist oft närrisches, tolles Zeug; es ist mir einen Augenblick nachher selber leid, ich fühle dann selbst, daß ich Deiner Liebe Unrecht thue. Du hast Recht, mich zu schelten, und würdest dies noch mehr thun, wenn Du wüßtest, was ich mir bisweilen träumen lasse. Denke Dir, ach sei mir nicht böse, daß ich so einfältige Gedanke nicht verscheuche......"

Dabei stand sie auf, lehnte sich zärtlich auf die Schulter ihres Sohnes und fuhr fort in einem Tone, dessen Tiefe ihre Aufregung und Liebe aus­drückte. „Denke Dir, zuweilen sage ich zu mir selbst: Ich bin ihm eine be-chwerliche Last, die ihn hindert glücklich zu werden. Hätte er mich nicht, so könnte er sich mit seinen Kameraden Freude machen, anstatt jetzt fortwährend zu arbeiten oder bei mir zu sitzen. Er könnte zum Tanze gehen, ohne die Kosten zu scheuen; anstatt daß er schlecht gekleidet ist, könnte er wenigstens am Sonntage bessere Kleider tragen".

Der Jüngling lächelte still vor sich hin mit einer Miene, die seine Verachtung für dergleichen Dingen ausdrückte. — Draußen wüthete der Sturm mit unverminderter Heftigkeit.

„Du lächelst, Heinrich," nahm die Mutter wieder das Wort; „ich weiß. Du bist gleichgültig gegen solche Dinge. Ich sagte Dir ja schon, daß ich

selbst diese Gedanken für thöricht halte. Aber laß mich Dir immerhin Alles mittheilen; wenn Du meine tollen Einfälle tadelst, werde ich sie wohl vergessen. Biswellen denke ich, ach, wenn er Dich nicht hätte, so könnte auch er, wie andere junge Leute, daran denken, zu heirathen . . . ."

„Heirathen", wiederholte leise Heinrich, dem es Mühe kostete, das gleichgültige Lächeln festzuhalten, das er seiner Mutter zeigen wollte.

„Ja, Dich zu verheirathen; denn daran denken doch alle jungen Leute Deines Alters; eine gute liebe Frau zu besitzen und dann . . ."

„Habe ich Dir nicht schon oft gesagt, daß ich daran nicht denke?" unterbrach er sie, man könnte fast sagen heftig, als ob er ihr über eine so zarte Angelegenheit Schweigen auferlegen wollte; aber das Lächeln war von seinen Lippen verschwunden.

„Das weiß ich wohl", entgegnete die Blutter, indem der Ton ihrer Stimme gewinnender und zärtlicher wurde, „allein die Vorsätze, die man gestern noch nicht hatte, fast man heute; ein Er- eigniß, eine Gelegenheit . . . Und wenn nun solche Gedanken Dir in den Sinn kämen, so möchte ich kein Hinderniß sein, ich würde mich starkmuthig darin ergeben ... ich würde mich ganz glücklich fühlen, Dich geliebt zu wissen. Freilich könnte eine Gattin, wie liebreich sie immer roäie, Dich nicht mehr lieben, als ich; allein das macht nichts. Wenn es so käine, würde ich nicht im Mindesten eifersüchtig sein, das versichere ich Dir. Oder