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Beiblatt zu Nr. 22 der ,Fuldaer Zeitung'.

Sonnabend, den 26. Januar 1884.

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<Q> Den Frieden gefunden.

(Schluß.)

Da fühlte ich, wie der Vater die Hand mir schwer auf die Schulter legte und hörte, wie er sprach: „Schau, schau! Ist das auch eine Art zu freien? Sind kein Vater und Mutter mehr da, die der Red' werth sind? Stät, stät! 's wird halt nit so gar zeitig sein."

Anna eilte in die Arme der unter Thränen lächelnden Mutter und barg das glühende Gesicht an ihrer treuen Brust. ,Jch aber warb in aller Form um mein Weib.

„Was sagst, Mutter?" wandte Anna's Vater sich zu seiner. Frau, ohne mir Antwort zu stehen.

„Ich sag' in Gottes Namen ja," erwiderte die Mutter und legte die Hände segnend auf das Haupt ihres Lieblings.

„Und ich sag' nit Ja," Hub der Vater wieder in seiner ruhigen, bestimmten Weise an, daß wir vor Schrecken auffuhren.

„Stät, stät!" unterbrach er mich, als ich bit­tend auf ihn eindringen wollte. „Will's unser Herr­gott, dann sage ich auch Ja; aber ihr laßt einem nit mal Zeit, den zu fragen. Schaut, gnädiger Herr, ich sag' Ja, wenn Ihr über's Jahr, ich will's noch um ein paar Tage kürzer machen, um Neujahr, wieder kommt und dann die Anna noch haben mögt. So a Herzl schnappt zu wie «Stutzen, den man nit obachtet. Feuer gibt's und knallen thut's auch, aber man trifft nit alleweil. Gibt's über's Jahr noch Feuer, so mag's sein. Bälder nit. So, das wäre halt meine Meinung."

Und so blieb es. Zufrieden kehrte ich nach Hoheneck zurück. Ich mußte meinem zukünftigen

Schwiegervater Recht geben, wenn es mir auch leid that, mich nicht schon jetzt in der Vereinigung mit der Geliebten meines Glückes zu freuen.

Mein Plan für das kommende Jahr war ge­macht. Nach gründlichem Verhandeln mit meinem Verwalter, dem ich Auftrag gab, die verpachteten Besitzungen zu eigener Bewirthschaftung wieder zu fordern, verließ ich Hoheneck und meine Heirnath auf längere Zeit.

Vier Tage später war ich in Rom, und nach abermals zwei Tagen knieete ich zu den Füßen des hl. Vaters. Ich hatte das Glück und die hohe Ehre, in Privat-Audienz vorgelassen zu werden. In kurzen Zügen entrollte ich dem hl. Vater mein Leben und auch meine schwere Schuld gegen ihn selbst als ehemaliger Freischärler. Verzeihung von ihm, gegen den ich die Waffen getragen, zu er­langen, war der Zweck meiner Reise gewesen, und ich erreichte ihn. Ich kann Dir nicht lebhaft genug die Güte und Freundlichkeit des Papstes ausmalen, als er einen verlorenen Sohn reumüthig zu den Füßen des Vaters zurückkehren sah.

Nachdem er mit innigen Worten seine Verzeih­ung ausgesprochen, hob er mich mit seiner Rech­ten auf, um sich in leutseligster Weise noch länger mit mir zu unterhalten. Dann trat er zu seinem Schreibtische, nahm eine seiner Photographien und schrieb mit fester Hand feinem Namen darauf. Hierauf entließ er mich mit den Worten: „Wenn Dich Gott abermals nach Nom führt, mein Sohn, so wird es mir Freude machen, Dich wiederzusehen. Gott und die heilige Jungfrau seien mit Dir!"

In Deutschland besuchte ich noch einige her­vorragende landwirthschaftliche Anstalten. Als das Frühjahr kam, kehrte ich nach Hoheneck zurück.

Anna's Vater hatte fortlaufend Nachrichten von mir erhalten. Er sollte die Ueberzeugung ge­winnen, daß es mir Ernst gewesen sei mit der Umkehr zu einem anderen Leben, aber auch mit der Liebe zu Anna. Im Laufe des Sommers sprach er häufig auf Hoheneck ein, und mit Ge- nugthuung vernahm ich sein Lob über alles, was er hier sah. An der Seite meines tüchtigen Ver­walters, der auch jetzt noch in meinen Diensten ist, besorgte ich die ausgedehnte Bewirtschaftung meinet Güter selbst und unter sichtlichem Schutze Gottes.

Sonntag war's, der 4. September. Als ich in's Dorf hinab kam zur Kirche, stand Anna's Vater mich erwartend, am Portale. Nach dem Gottesdienste begleitete er mich hinauf nach Hoheneck. Mit Stolz zeigte ich ihm, was alles geschehen, und immer freundlicher und zufriedener wurde sein Gesicht.

Als wir nach Tisch das Gebet gesprochen, rückte ich ihm näher und begann: „Muß es denn wirklich gerade bis Neujahr aufgeschoben werden? Habt Ihr noch kein rechtes Vertrauen zu mir gefaßt?"

Er lächelte und erwiderte: „Schau, freut mich's doch, daß Ihr selbst davon anfangt. Bin ja doch nur halt wegen der Sach' kommen. Das Mädel singt nimmer so viel als vordem, und alleweil zählt's im Kalender, wie viel Tag's noch gibt bis Neujahr. Wie schaut's, habt Jhr's noch gern, das Annerl?"

• Wie mir das aus der Seele gesprochen war!

„Gut denn", fuhr er fort. „I glaub', unser Hergott will's haben. Habt Ihr Zeit am Don­nerstag — 's ist ein Feiertag: Maria Geburt — 'naus zu kommen zum Alphofe? Könnt dann

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auch von dem rechten Flügel der Liberalen, den sog. Konstitutionellen, heftig bekämpft, und die An­nahme der von der Opvosilion vorgeschlagenen Antwort auf die Thronrede stellte den König vor die Alternative, entweder dem Ministerium die Auflösung der Kortes zu bewilligen ober aber die Entlassung des Kabinets anzunehmen. Posada Herrera konnte dem Könige einen Sieg der Regier­ung bei eventuellen Neuwahlen nicht garantiren, und so erwies sich denn der Rücktritt des Mini­steriums Posada als eine pure Nothwendigkeit. Selbst die Furcht vor dem gefährlichen Einfluß

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Mütterliche Eifersucht.

Nach dem Französischen des Eugen Müller frei bearbeitet. (Nachdruck verboten.)

Es dunkelte schon, und das Abendeffen war be­endigt. Mutter und Sohn verließen das Pacht- gut, wo sie den Tag über gearbeitet hatten, der Sohn als Schnitter, die Mutter als Arbeitsfrau. Langsamen Schrittes machten sie sich auf den Weg zu ihrer Wohnung, einem kleinen, armseligen Häuschen, das einsam im Felde lag.

Die Mutter war eine kleine schmächtige Frau; ihre Gesichtsfarbe war bleich, ihre Stirne von Runzeln durchfurcht, rhr Haar vor der Zeit er­graut; sie zählte erst fünfzig Jahre, obschon ste bedeutend älter schien.

Der Sohn, ein junger Mann von fünfund­zwanzig Jahren, war das gerade Gegentheil seiner Mutter. Sein Wuchs war schlank; seine krafl- volle Gestalt zeugte von ungewöhnlicher Thalkraft; feine Gesichtszüge waren männlich und doch sanft.

Sie gingen dicht neben einander.

„In jenen Zeiten, mein Junge", — begann die Mutter, die unterbrochene Erzählung wieder ausnehmend, „in jenen Zeiten hallen wir nicht riölhig, wie jetzt, unserer Hände Arbeit dem ersten Besten zu verdingen. Jrn Gegenlheil, wir halten selbst Knechte, Mägde und Tagelöhner. Deinen Vater nannten die Leute den Herrn; ich hieß Madame, nicht, wie heute, Mutter Anselm.

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der gleich als der „ultramontane Minister" ange- ftaunt und perhorreszirt wird. Wenn die Libe­ralen Recht haben sollten, so kann man Spanien zu einem solchen Unterrichtsminister gratuliren.

Die Rückkehr Don Alfonsos zu einem konser­vativen Regiment wird im Auslande, mit fast alleiniger Ausnahme von Frankreich, mit seltener Eininüthigkeit gutgeheißen. Auch das Gros der deutschen gemäßigten Liberalen findet andern Sturze des liberalen Ministeriums Posada nichts auszusetzen, in der klaren Erkenutniß, daß bei der Fortdauer

Niemand würde es gewagt haben, mir zu sagen, mein Sohn würde eines Tages bei fremden Leuten um armseligen Taglohn arbeiten, ich würde als Wäscherin ober zur Erntezeit als Tag- löhnerin bienen müssen. Wie freute ich mich in Gebauten, baß du unser schönes Gut nach uns besitzen und bewirthschaften werdest, wie Dein seliger Vater, streng, aber gerecht gegen die Unter­gebenen, bei allem Reichthum doch bescheiden und immer gut gegen die Armen. Aber ach, das Schicksal hatte es anders beschl offen, es hat uns hart mitgenommen, tief gedemüthigt."

„Was sollen Deine Klagen, Mutter," — entgegnete der junge Mann.

„Alle Deine Worte vermögen unsere Sage nicht zu ändern. Es ist besser, den Kummer zu über­winden. Haben wir doch wenigstens den einen Trost, daß Du unser Unglück nicht verschuldet hast, und mein seliger Vater auch nicht."

„O, gewiß nicht, wir haben bis zum letzten Augenblicke unser Möglichstes gethan, um das Unheil abzuwenden, aber Alles schien sich gegen uns verschworen zu haben. Zuerst kam der Bankerott des Notars, bei dem wir unsere Er- sparniffe niedergelegt hatten; unser Geld war weg, Ländereien, die wir längst bezahlt glaubten, waren es nicht. Dann kam der Hagels schlug unsere Saaten nieder und verwüstete unsere Weinberge, Krankheiten befielen unsere Heerden; schließlich hat dann das Feuer das Wenige verzehrt,

ÄÜry lOililTe bei Vertretung des Domkapitels nicht sogleich der Tag bezeichnet werden, zu welchem die Heimkehr erwar­tet werden dürfe. Der Herr Bischof äußerte sich dahin, daß cs ihn selbst dränge, sobald wie irgend möglich den Weg nach Münster anzutreten, jedoch lasse sich dies nicht in den ersten Tagen ausführen. Es bleibt daher Näheres abzuwarten." Die am Sonnabend erschienene erste Nummer des .Kirch­lichen Amtsblattes' veröffentlicht einen Erlaß des Bischofs Johann Vernarb. Der Bischof gibt die Rückberufung durch die Gnade Sr. Majestät und was uns geblieben war. Ach, wenn ich daran denke!"

„Du mußt eben nicht daran denken; wir müssen fest, ungebeugt unser Loos ertragen".

„Ach^ Dein armer Vater konnte es nicht ertragen; es hat ihm das Grad gebracht. Jch^aber habe die Schicksalsschläge überdauert; die Frauen sind stärker im Selben. Was wäre aber aus dem armen fünfzehnjährigen Knaben geworden, wenn ich gestorben? Wer hätte Dich erzogen? Nah- Verwandte von väterlicher Seite hattest Du nicht. Wohl lebte mein Bruder noch^ aber dieser Brud r würde für das Kind seiner Schwester wenig ge­than haben. — Ja, das glaube ich. Sein Haß gegen mich ist zu groß .... freilich bin ich ihm nichts schuldig geblieben".

„Und doch, Mutter, bin ich überzeugt, Du hättest die kleine Henriette ausgenommen, wenn er nach dem Tode seiner Frau auch geftorbeu wäre. Und Du wärest eine gute Mutter geworden und hättest für sie gearbeitet, wie Du es für mich gethan hast".

„Das wäre meine Pflicht gcwefen".

„Warum glaubst Du denn, daß mein Onkel eintretenden Falles nicht auch diese Pflicht erfüllt hätte?"

„Darum nicht", begann die Mutter, blieb aber stockend stehen, als fache sie trotz der Dunkelheit in den Augen ihres Sohnes zu lesen. — „Höre Heinrich, sage mir doch einmal, weßhalb nimm ft