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Deutsches Reich.

Fulda, 26. Januar.

* (Zur Dispens an gelegenheit) gibt der .Westph. Merkur' an, daß von den 188 Priestern, welche die Dispensationsliste für das Bisthum Münster ausführte, 142 die Dispensation erhalten haben. Die Liste des Osnabrücker Bisthums ent­hält 22 dort befindliche Priester aus der Mün- sterischen Diözese. Bei Bewilligung aller Dispensen würden also für Münster 210 geistliche Kräfte vorhanden sein. Die Zahl der erledigten geist­lichen Stellen, welche sich natürlich fast von Woche zu Woche vermehrt, beträgt laut dem .Merkur' jetzt nahezu 320. Aus diesen Zahlen sieht man, wie weit das letzte Nothgesetz Abhilfe der Seel- forge-Noth ermöglicht und wie weit nicht. — Ge­genüber der Behauptung der .Norddeutschen', aus der Erzdiözese Köln seien Anträge auf Dispen­sation beim Kultusniinisterium nicht eingegangen, bemerkt die ,Köln. V.-Ztg.': „Die Kölner Dispens- Gesuche sind längst an den Herrn Bischof von Kulni abgesandt. Ob und weshalb dieselben noch nicht „eingegangen" sind, entzieht sich unserer Kenntniß."

Berlin, 25. Januar.

* (Vom Hofe.) Der Kaiser, desien Befinden sich wieder gebeffert hat, empfing Vormittags den Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel und Nach­mittags den Prinzen Albrecht. — Zu der gestrigen Kour im Schlöffe waren ca. 1600 Einladungen er­gangen. Nach der Kour fanden einige Vorstellun­gen statt, sodann übernahmen der Kronprinz und die Kronprinzessin für das Kaiserpaar die Reprä­sentationspflichten und begaben sich, nachdem in­zwischen die Botschafter und Fürstlichkeiten im Wei­ßen Saale Platz genommen hatten, in feierlichem Zuge mit den übrigen Mitgliedern der Kaiserfamilie nach dem Saal, wo Hoskonzert stattfand.

*(Der Volkswirthschaftsrath) nahm gestern zu Ziffer 1 der Grundzüge den Antrag an, wonach alle Arbeiter und Beamten in Bergwerken, Salinen, Aufbereitungsanstalten, Brücken, Gruben, Wersten, Fabriken, Hüttenwerken, deren Lohn oder Gehalt jährlich 2000 Mark nicht übersteigt, nach Maßgabe des Gesetzes versichert werden, ebenso Arbeiter, Betriebsbeamte von Gewerbetreibenden, deren Gewerbebetrieb in Ausführung von Bauar­beiten besteht, sowie andere nicht im Dienste eines derartigen Gewerbetreibenden stehende Bauarbeiter, Betriebsbeamte, sofern sie nicht lediglich einzelne Reparaturarbeiten ausführen. Vorgedachten Be­trieben stehen solche gleich, wo Dampfkessel oder durch elementare Kraft bewegte Betriebe ständig zur Verwendung kommen. Betriebsbeamte mit 2000 Mark übersteigenden Arbeitsverdienst können auf Grund einer statutarischen Bestimmung versichert werden. — Der Volkswirthschaftsrath genehmigte heute die Ziffern 6 bis 19 der Grundzüge der Unfallversicherungsvorlage unverändert bei sehr eingehender Berathung. Ziffer 6 (Erhebung der Deckungskapitalien) wurde mit allen gegen drei, die Bildung von Reservefonds mit 25 gegen 23 Stimmen abgelehnt.

• Münster, 24. Jan. (Zur Rückkehr des Bischofs). Heute Morgen um vier Uhr ist eine Deputation des Domkapitels nach dem bis­her dem Publikum nicht bekannt gewordenen Exils­orte des hochw. Bischofes abgereist, um demselben das Schreiben des Herrn Oberpräsidenten zu über­reichen, in welchem ihm seine Rückberufung amt­lich angezeigt wird. Man erwartet dann die Rück­kehr, wie der ,Germ.' gemeldet wird, frühestens nächste Woche, dieselbe kann sich aber auch noch eine Woche verzögern. Ob die Rückkehr im Stil­len erfolgen wird, wie es gewiß den Neigungen des so anspruchslosen Kirchenfürsten für seine Per­son entsprechen mag, oder öffentlich und feierlich, wie es das ganze Bisthum am liebsten sähe, wird noch nicht bestimmt sein und erst nach der Rück­kehr der heute zum Bischof abgereisten Deputation bekannt werden Wie es allgemein heißt, hat die Regierung ihrerseits kein Hinderniß in den Weg gelegt. Der Herr Graf Droste-Vischering, Erbdroste, hat um die Erlaubniß nachgesucht, eineiT Ehrenbogen am Servatirthore, wo der Eingang von den Bahnhöfen in die Stadt sich befindet, bauen zu dürfen, und dieselbe dem Vernehmen nach erhalten. In der Stadt und dem Bisthume wartet man mit größter Spannung auf den Ein­zugstag, und wir haben hier für die nächste Zeit einen Zufluß von Fremden zu erwarten, wie seit

lange nicht mehr. Die Illumination in der Stadt verspricht eine außerordentlich glänzende zu wer­den; die Nachfrage nach Jlluminationsgläsern und Kerzen ist eine ganz enorme. Durch alle Thoren der Stadt sieht man außer dem Tannen- und Wachholdergrün, auch Stechpalmen rc. hereinbringen, und in sehr vielen Häusern ist man schon seit mehr als einer Woche mit dem Binden von Krän­zen emsig beschäftigt. Mit Bestimmtheit darf man behaupten, daß Münster am Tage der Jlluming- tion ein so festliches Gewand zeigen wird, wie seit dem Beginne des Kulturkampfes nicht mehr.

* München, 25. Jan. (Der Kaiser von Oesterreich) trifft morgen früh zu mehrtägigem Aufenthalt hier ein.

* München, 25. Jan. (Parlamentari­sches.) Der Referent der Reichsrathskam­mer über das Hagelversicherungs-Gesetz, Baron Gaisberg, beantragt die Ablehnung des Be- schluffes der Abgeordnetenkammer betreffs Errich­tung einer staatlichen Mobiliar-Versicherungsanstalt. — Die Abgeordnetenkammer nahm den Antrag Walter, betreffend Abänderung des Notariatsge­setzes mit 80 gegen 59 Stimmen an.

* Bremerhaven, 25.Jan. (Ankunft der Leiche Lasker's.) Der Dampfer „Neckar" hat soeben auf der Rhede Anker geworfen. Die Aus­schiffung der Leiche Lasker's erfolgt im Hafen.

Frankreich.

* Paris, 23. Jan. (Die Angelegenheit der Lumpensammler), welchen durch ein De­kret des Seinepräfekten die Ausübung ihres Ge­werbes sehr erschwert, wenn nichi rknmögllch ge­macht ist, und die sich mit aller Kraft gegen diese Schädigung ihres Handels wehren, beschäftigte gestern die Deputirtenkammer. Die Lumpensammler fanden dabei in der Person des lcgitimistischen Herzogs Larochefoucault-Bisaccia einen beredten Vertheidiger. Er meinte, die Verordnung des Präfekten sei eine Vernichtung der Industrie der Lumpensammler, deren Rechtschaffenheit eine sprich­wörtliche sei, und schilderte das Elend, in welches die 30,000 Lumpensammler mit ihren Familien durch die Maßregel des Präfekten gerathen wären, in den düstersten Farben. Er verlangte schließlich die Wiederzurücknahme der Verordnung. Der Minister des Innern, Herr Waldeck-Rouffeau, er­widerte, daß das alte System der Wegschaffung des Kehrichts und Hausunraths seit Langem von allen kompetenten Persönlichkeiten aus hygienischen Rücksichten verurtheilt worden sei, die Verordnung der Seinepräfiktur in Uebereinstimmung mit einem Beschluß des Pariser Genieinderaths erlassen wäre und zudem keineswegs die Industrie der Lumpen- samniler in der Weise schädige, wie dies vielfach behauptet werde. Außerdem würden die Behörden mit der größten Nachsicht bei der Durchführung der Verordnung verfahren und den Lumpensamm­lern beim Betriebe ihres Gewerbes jegliche Er­leichterung gewähren, soweit sich die Forderungen der Hygiene und der Reinlichkeit dem nicht gebie­terisch widersetzten.

* Paris, 24. Jan. (Aus Hongkong.) Eine Depesche der Igence Havas' meldet aus Hanoi: Am 19. d. M. stieß eine starke französische Rekognos- zirung in der Richtung nach Bacninh bei der Ver­einigung des Rothen und Schwarzen Fluffes auf starke Feindesmaffen und wurde von denselben er­folglos beschossen.

Italien.

* Rom, 24. Jan. (Rundschreiben.) Man- cini soll an die italienischen Vertreter ein Cirkular betreffs der nationalen Wallfahrten zum Grabe Viktor Emanuel's gerichtet haben; er bezeichnet die­selben als Kundgebung für die Monarchie in Ita­lien mit der Hauptstadt Rom.

Spanien.

* Madrid, 24. Jan. (Botschafter beim Vatikan.) Der frühere Minister des Auswär­tigen, Silvela, ist zum Botschafter in Paris, Mo lins zum Botschafter beim Vatikan ernannt.

parlamentarisches.

Berlin, Freitag, 25. Januar.

In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ist der erste Gegenstand der Tagesordnung die erste Be­rathung der Sekundärbahnvorlage.

Durch die Vorlage sollen in gleicher Weise wie durch die Sekundärbahngesetze vom 15. Mai 1882 und 21. Mai 1883 weitere 122, 146, 700 Mk. zu einer im Verkehrs- interesse und zu erhöhter Sicherheit des Betriebes ferner nothwendig gewordenen Erweiterung, Vervollständigung

und besserer Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes be­schafft werden.

Dieselbe ermächtigt in § 1 die Staatsregierung zur Herstellung von 17 bereits früher in diesem Blatte mitgetheilten Eisenbahnen, sowie zur Betheiligung, zur weiteren Bauausführung anderer Bahnen, zur Beschaf­fung von Betriebsmitteln für die bereits bestehenden Bahnen, zur Deckung von Mehrkosten für den Bau der Berliner Stadteisenbahn, endlich zur Deckung der Mehrkosten für den Bau der Bahn von Walburg nach Großalmerode.

Es melden sich zur Generaldebatte 15 Redner gegen, 24 für die Vorlage zum Wort. Die Reden haben für un­seren Leserkreis kein besonderes Interesse; viele Redner traten für neue Sekundärbahnen aus dem Bereichs ihrer Wahlkreise ein, und ergibt sich aus der Debatte zur Evidenz, daß die Regierung noch eine ganze Reihe von Projekten für die kommenden Jahre in Aussicht hat. In dieser Richtung sprach sich auch der Eisenbahn­minister ganz unzweideutig aus. Wir heben die be­treffenden Stellen hervor.

Minister Maybach: Wenn er nicht auf jeden vorge­tragenen Wunsch eine Erklärung abgebe, so dürfe man daraus nicht schließen, daß er einem Wunsche unsympathisch gegen­überstehe. Er sei nicht in der Lage, Namens der Regierung über jedes Projekt eine bindende Erklärung abmgeben, da er sich selbst noch nicht über alle Projekte ei« abschließendes llrtheil gebildet habe. Die gegen­wärtige Vorlage sei seit dem Jahre 1879 die fünfte; die Gesammtzahlder aufgestellten Eisenbahn-Pro­jekte belaufe sich auf 83, die Ausgaben dafür auf 273,992,000 M., wovon über 166 Millionen aus dem Reserve- und Erneuerungsfbnds der Staatsbahnen bestritten werden. Die Gesammtlänge aller Strecken beträgt 9236 Kilometer. Daß vielen Gegenden durch die Sekundär­bahnen Vortheile und Meliorationen erwiesen seien, werde allseitig anerkannt, wenn auch vielen nnd berechtigte« Wünschen noch nicht habe entsprochen werden kön­nen. Jndeß müsse man in der Entwickelung dieses Sy­stems mit Vorsicht vorgehen und die allgemeine Finanz­lage, die politische Lage und besonders den finanziellen Effekt der Staatseisenbahnen berücksichtigen. Wenn noch eine Reihe von Jahren hindurch jährlich 50 bis 60 Millionen Mark auf die Melioration der Eisenbahn-Verkehrswege verwendet würde, dann werde der Staat seine Schuldigkeit gethan haben. Zum Schluß bittet der Minister, man möge diese Vorlage, die nicht die letzte ihrer Art sein werde, mit' Wohl­wollen aufnehmen, dann habe er nicht vergeblich sein Wort dafür eingelegt. (Bravo.)

Nach längeren Debatten wird die Vorlage an die B ud- getkommissivn verwiesen.

Es folgt die Fortsetzung der Etatsberathung. Eine längere Debatte ruft die an die Budgetkommission ver­wiesene Position von 4500 Mk. zu außerordentlichen Re­munerationen und Unterstützungen für Bureau-, Kanzlei- und Unterbeamte des Ministeriums des Innern hervor.

Abg. Rickert rügt es, daß die Budgetkommission von den Beschlüssen des Hauses gar keine Notiz genommen habe. Im Jahre 1882 sei beschlossen, die Regierung zu ersuchen, dem Hause eine Nachweisung darüber vorzulegen, inwiefern die Remunerationsfonds verwendet würden a) zu Unter­stützungen, b) zu Remunerationen für besondere Dienst­leistungen, c) zu Weihnachtsgratifikationen. Er beantrage deshalb, daß diese Position der Budgetkommis­sion zur nochmaligen Berichterstattung über­wiesen werde, (Heiterkeit rechts) mit dem Ersuchen, diese Nachweisung sich vorlegen zu lassen und dann zu gleicher Zeit anzufragen, in wieweit höhere Beamte an den Remu­nerationsfonds, insbesondere der Eisenbahnverwaltung, be- theiligt sind. Nach langwierigen Debatten, namentlich über die Frage, ob die Budgetkommission bei diesem Posten die obige Frage zu prüfen gehabt habe, wird mit ausdrück­lichem Hinweis auf die Regelung der Sache in drit­ter Lesung der Antrag Rickert durch Rechte und Cen­trum abgelehnt und Titel 9 bewilligt.

Hierauf vertagt sich das Haus bis morgen 11 Uhr. (Etat und kleinere Vorlagen).

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 26. Januar.

X Seine Eminenz der Kardinal und Erzbischof von Gran in Ungarn, Johann Simor, hat zum Baue der Elisabelhkirche in Eisenach die Summe von 600 Gulden, etwas über 1000 Mark, zum Zeichen seiner großen Verehrung zu dieser Heiligen gesendet und» dem Unternehmen den besten Fort­gang gewünscht.

+ Gestern war der technische Direktor der deut­schen Wasserwerks-Gesellschaft, Herr P. Schmick von Frankfurt a. M. hier, um womöglich Verhand­lungen mit der Stadt Fulda wegen einer zu er­richtenden Wafferleitung in großem Stile zu pflegen. Wie wir vernehmen, glaubt derselbe, daß die Kosten dieser Einrichtung erheblich niedriger stch stellen würden, als seither allgemein angenommen wurde.

6 In der gestrigen Stadtrathssitzung stand eine Petition hiesiger Metzger um Einführung städtischen Oktrois für Wild und Geflügel und um Erhöhung der Verbrauchsabgabe für eingeführte Fleischwaa- ren zur Berathung an. lieber die Entschließung des Stadtraths ist nichts Bestimmtes in die Oef- fentlichkeit gelangt. Jedoch ist anzunehmen, daß die Stadtbehörde sich wegen der Schwierigkeit und