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1884

Freitag, den 25. Januar

Zeitung

Fuldner

Deutsches Reich.

Fulda, 25. Januar.

> (Die letzten kirchenpolitischen De- batten) haben verschiedene offiziöse Verlautba­rungen im Gefolge gehabt. Die ,Prov. Korr.' widmet dem „Reichensperger'schen Antrag" einen besonderen Artikel, welcher lediglich eine Umschrei­bung, und soweit möglich, eine präzisere und deßhalb noch schärfere Fassung der Goßler'schen Rede darstellt. Die .Nordd. Allg. Ztg.' griff vor­gestern die Windlhorst'schen Ausführungen von den beiden Souveränetäten, der staatlichen und der kirchlichen, in hefligster Weise an, ohne daß der betreffende Artikel eine mehr als symtomatische Bedeutung hätte. Die Angriffe waren auch so einfältig, daß die .Germania' sich, von einigen Vorbemerkungen abgesehen, zur Hauptfrage völlig schweigend und ablehnend verhalten konnte. Die.Norddeutsche' wendet sich nun in ihrem gest­rigen Abendblatt mit einigen leeren Phrasen ge­gen die .Germania', welche ihr sofort eine kurze und bündige Antwort ertheilt hat. Interessant und für die ganze Kampfesweise der .Nordd.' charakteristisch ist, daß der betr. Artikelschreiber dem Papste jetzt jede Souveränetät bestreitet, welche an ganz derselben Stelle noch vor wenigen Wocden ausdrücklich anerkannt war.

* (Aus Münster) wird der.Germania' tele­graphisch gemeldet: „Von allen Seilen der Diö­zese laufen Nachrichten über die Freudenkund­gebungen der Diözesanen ein. Die Rückkehr des Herrn Bischofs wird in der Stille erfolgen, frü­hestens in der nächsten Woche. — Der .Wests. Merk.' meldet, daß 188 Dispensen eingereicht waren und 142 Bewilligungen eingetroffen sind.

• (Die Goßler'sche Rede) hat nach der ,Germ.' in Rom einen sehr schlechten Eindruck ge­macht (selbstredend!)

* (Liberaler Bauernfang.) Der geschäfts­führende Ausschuß des Eisenacher Bauern­vereins erläßt einen im .Reichsblatte' mitgetheil- ten Aufruf, aus welchem folgende ergötzliche Styl­probe gewiß mittheilenswerth ist: ___________

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A> Den Frieden gefunden.

„Als am Abende die ganze Familie knieend das alltägliche Abendgebet verrichtete, da knieete auch ich unter ihnen. Ich vermag es nickt, Dir die Freude der guten Menschen zu schildern, als ste erkannten, was mit mir vorgegangen. Es war ein Fest, ein Glück, eine Seligkeit, wie sie nur noch bei den Liebeemahlen der ersten Christen so schön geherrscht haben mag. Was aber die Retterin mei­nes Körpers und meiner Seele empfand, das auch nur annähernd zu schildern, mußt Du mir erlassen.

Walther schwieg. Die Stimme versagte rhm. In ausbrechender Liebe umschlang er sein treues Weib, das leuchtenden Auges zu dem Gatten auf­schaute.

Mit Gewalt bemühte ich mich, mir Vorwürfe zu ,nachen wegen meiner unmännlichen Weichheit — doch was half das innerliche Schelten? Meine Augen wurden dennoch feucht, und heute schäme ich mich erst dessen recht nicht bei der lebendigen Erinnerung an jene ergreifende Stunde.

Die Sonne war verschwunden, aber nicht ohne daß sie, gleichsam mit uns fühlend und feiernd, das schönste Schauspiel der Alpenwelt erzeugt hätte. Die Gipfel der Bergriesen prangten in wunderbar­stem Alpenglühen; athemlos schaute ich die nie so herrlich gesehene Pracht. Leise gl tten die Finger Frau Walther's über die Saiten der Zither, und wie Harmonien aus einer bessern Welt erklangen

5Bte ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sann- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Ab°nn°m^prM °hn° Brmgerl°hn ^ 1 Mt. 50 Psg., - mit der

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,.Es ist diesen Herrenleuten und ihren Dienern ein Schrecken in den Magen gefahren über die kühne Bauern­that. Die melkende Kuh des Herrenthums droht sich zu befreien, darum ist überall das Herrenthum mit seinen Treibern auf der Hetze gegen den neuen Bauernverein; es gilt die Rettung und Erhaltung gefährdeter Bortheile. Die Herrenleute und ihre Treiber wollen sich das Recht nicht nehmen lassen, ausschließlich als Bauernvereinsgründer zu fungiren; es handelt sich um die Wolle. Sobald der Bauer die Vereine für sich selbst macht, um seine Wolle zu retten, da klappert's auf den Herrenhöfen, die Treiber werden mobil, und Hatz, Hatz, Halloh! der Bauernfang beginnt. Die Ueberzeugung wird sich immer mehr Bahn brechen, daß sich eine gesunde und stetige Entwickelung un­seres Staatslebens nur dann vollziehen kann, wenn es ge­lingt, die große Berufsschicht der deutschen Bauern voll und ganz loszulösen aus den Fesseln der Bevormundung und Abhängigkeit aus den Resten und Anhängseln einer unfreien Zeit. Den deutschen Bauern rufen wir die Eisen­acher Worte unseres Genossen Kettner in's Gedächtniß: „Laßt Euch nicht beirren durch Anfeindungen und Verdäch­tigungen der vornehmen Herrenleute und ihrer bezahlten Helfershelfer; dieselben haben keine andere Absicht, als die Einigkeit der Bauern zu hintettreiben zur Förderung des Herrennutzens. Darum haltet fest, Bauer an Bauer; denn nur so fördert Ihr die Bauernsache. Als es einst galt, im sinkenden Deutschen Reiche die Reste der Bauern­freiheit gegen das Andrängen des Herrenthums zu ver- theidigen, da riefen in der Kampfesnoth die Stedinger Bauern: „Wehr Dich, Bauer, die schwarze Garde kommt!" Heute bringen wir jenen alten siegreichen Stedinger Bauern­ruf in Erinnerung: „Wehr Dich, Bauer,die schwarze Garde kommt!"

Der Ton des Schriftstückes zeigt wohl am deut­lichsten, daß von den Hoffnungen der Essenacher Bauernfänger sehr wenig in Erfüllung gegangen sein muß, sonst würden sie wohl kaum schon jetzt zu so starken Mitteln greifen, die sehr verdächtig nach Aufreizung zum Klassenhaß schmecken, lieb« rigens ist der Inhalt dieser Hetzerei gar zu lächer­lich und in seiner komisch wirkenden Bramar- basirerei zu ungefährlich, als daß man ein weiteres Wort dagegen zu sagen brauchte.

Berlin, 24. Januar.

• (Das Befinden des Kaisers) ist bis auf die gemeldete Heiserkeit und eine leichte Erkältung vollkommen befriedigend. Der Kaiser empfing Mittags den Prinzen August von Württemberg und ertheilte Nachmittags dem neuernannten Oberst­kämmerer Grafen Otto v. Stolberg Audienz.

die sanften Töne, Friede, Freude, Glück, als wäre wieder Weihnachten gekommen.

Am andern Morgen in der Frühe nahmen wir Abschied vom Alphofe und seinem biedern Besitzer. Unten im Städtchen wartete Sepp mit dem Wagen, um uns nach Hoheneck zurück zu bringen. Ich folgte Walther und seiner Gattin in die Kirche, da sie es nie unterließen, in dankbarer Erinnerung an die geistige Wiedergeburt des ehemaligen Freigei­stes eine kurze Andacht zu verrichten, so oft ihr Weg sie dort hinführte. Das einfache Gotteshaus barg das Andenken an zwei wichtige Abschnitte im Leben Walther's. Hier hatte er seinen Gott und mit ihm zugleich Frieden und Glück wiedergesun­den; hier hatte ihm auch des Priesters Hand die Gattin angelraut.

Als wir auf der wohlgepflegten Landstraße da- hinrolllen, Hub Walther wieder an: „Du kannst Dir das selige Glück ausmalen, das mich durch­strömte, als ich am folgenden 4.age mit den An­deren in frühester Morgenstunde, während die Sterne noch am Himmel funkelten, zur Kirche hin- abschritt, um mein Weihnachten in der Vereinigung mit Dem zu feiern, den ich wiedergefunven. In Einem Herzen herrschte eine Freude, die der Größe der meinigen am nächsten kam; daß dieses Herz Anna gehörte, brauche ich kaum zu erwähnen.

Gleich nach Weihnachten kehrte ich nach Hoheneck zurück. Als ein anderer Mensch betrat ich jetzt die Burg meiner Väter; ich fühlte den Drang in mir,

* (Graf Otto Stolberg) ist an Stelle de» verstorbenen Grafen Redern zum Oberstkämmerer ernannt worden.

* (In der gestrigen Sitzung des Volks - wirthschaftsraths) wurde die Generaldebatte über die Grundzüge des Unfall-Versicherungs-Ge- setzes beendet und bestimmt, daß für die Spezial- Berathung eine freie Kommission gebildet werde zur Vorberathung einiger Abschnitte. Im Laufe der Debatte erklärte der Ministerialdirektor Bosse, es sei kein Geheimniß, daß die Reichsregierung auch die Alters- und Jnvalidenversorgung der Ar­beiter zu regeln in's Auge faßte. Die Regelung sei aber nur nach gründlicher Prüfung aller ein­schlagenden Verhältnisse möglich und befinde sich noch in Vorbereitung. Redner trat der Meinung entgegen, daß sich durch die Grundzüge des Un­fallversicherungsgesetzes ein sichtliches Mißtrauen gegen die Arbeitgeber hinziehe. Int Gegentheil bestehe volles Vertrauen zu denselben. Man wünsche aber auch, die Arbeiter an der Lösung der be­treffenden Aufgaben zu betheiligen, und hoffe, daß sich ein Verhältniß gegenseitigen Vertrauens zwi­schen beiden Theilen Herausstellen werde.

"(Die Jagdordnungs-Kommission des Abgeordnetenhauses) überwies gestern die Fragen der Regulirung des Wildschadenersatzes und der generellen Bezeichnung der jagdbaren Thiere einer fünfgliedrigen Subkommission, nahm den Paragraphen 1 in der Fassung des Herrenhauses und nach längerer Debatte emstimntig 75 Hektar als Mmimalgröße für den selbstständigen Jagdbezirk an.

» (Ein Pamphlet, betitelt „die Ber­liner Gesellschaft"), von dem heute die ersten Exemplare in Buchform eintrafen, wurde auf An­ordnung der Staatsanwaltschaft wegen Majestäts­beleidigung, Beleidigung der Mitglieder des Königs- Hauses, des Reichskanzlers und der Mstglieder des Slaatsministeriums beschlagnahmt.

* Dresden, 24. Jan. (Die zweite Kam­mer) nahm den Gesetzentwurf betr. die Einführ­ung eines Staatsschutdbuchs zur Aufnahme der dreiprozentigen sächsischen Rente an._______________

ein tüchtiges, thätiges Leben zu beginnen und voll­ständig mit der Vergangenheit zu brechen. Sofort suchte ich den Pfarrer auf. Ich ließ den wackern Mann, der mir heute ein liebender Freund ift, durchblicken, so weit es nöthig war, welche Ver­änderung in mir vorgegangen war.

Hatte mir Hoheneck vorher nicht gefallen, so gefiel es mir jetzt auch nicht, nur aus einem ganz andern Grunde. Jetzt erst sah ich, wie verwahr­lost das Schloß war, und sogleich ging ich an's Werk, auch ihm einen andern Charakter aufzu­prägen. Doch wie geistig frisch, wie froh und glücklich ich auch war, mir fehlte etwas, und zwar immer und überall, am Morgen und am Abend, zu Hause und draußen, beim Arbeiten und bei der Ruhe, und dabei wußte ich nicht einmal, was es sei. Als ich eines Tages die Bilder meiner Vor­fahren betrachtete, da würbe mir urplötzlich klar, was mir fehlte, und diese Eikenntniß trieb mir das Blut in die Wangen, ließ mein Herz pochen und machte mich noch froher, als ich es schon ge­wesen war.

Neben dem Bilde meines Vaters hing das wohl­getroffene Porträt meiner Mutter. Mit dem be­seligenden Bewußtsein, der Hochverehrten nunmehr wieder näher zu stehen, ließ ich meine Blicke auf den milden Zügen der Theuern ruhen. Mir fasten es, als habe die Mutter nie so gütig und freunb» lieh auf mich herabgeblickt, und jetzt verstand ich mich selbst. Was den Vater beglückt hatte, mußte