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1884
Dienstag, den 22. Januar
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sie ist, abgibt, wohl für den ganzen Kreis Fulda die Behauptung aufstellen, daß die Vagabundage hier wesentlich »bgenommen hat. Während sie im Etatsjahre 1877/78 sowohl der Zahl der hier aus Gemeindefonds unterstütztenDurchreisenden(382) ,als dem aufgewendeten Betrage von 230,85 M. nach ihren Gipfelpunkt erreichte, und im Jahre 1880/81 auf 198 Personen mit 89,25 Mark herabsank, hat sie in den Jahren 1881 und 1882 wieder etwas zugenommen; allein es ist hierbei zu berücksichtigen, daß namentlich in diesen Jahren mehr als sonst ganze Familien, die auf der Rückreise in die Heimath rc. begriffen waren, unterstützt wurden und natürlich ausgiebiger als einzelne Personen unterstützt wurden mußten.
Da in anderen Gegenden gegentheilige Erfahrungen 'gemacht worden sind, und dort die Vagabundage eher zu- als abgenommen hat, so muß die Abnahme hier auf lokale Verhältnisse zurückgeführt werden, welche ich in Folgendem sinden zu muffen glaube:
1) Der Hausbettel ist hier minder rentabel geworden, seitdem die Privaten durch den Beitritt zu dem freilich wieder eingegangenen Verein gegen Hausbettelei sich mehr daran gewöhnt haben, die durchziehenden Bettler von ihren Thüren abzuweisen.
2) Die Seitens der Stadt geleisteten Unterstützungen an arbeitsfähige Durchreisende werden feit mehreren Jahren, so knapp bemessen, daß sie den Vagaounöcn keine Lockruf bieten, ihre.Route, über Fulda zu nehmen.
3) Die Furcht vor der Landes-Korrektions-An- stalt Breitenau. Seitdem durch dort iphaftirt gewesene Personen in Vagabundenkreisen die Kenntniß der dort herrschenden strengen Disziplin, verbunden mit strammer Arbeit bei mäßiger Verköstigung, sich verbreitet hat, scheuen derartige Persönlichkeiten den Regierungsbezirk Kassel höchlich, und ein einigermaßen geriebener Vagabund wird stets in weitem Bogen um denselben herumwandern, um nicht zu riskiren, gerade nach Breitenau zu ge- langen.
4) Seitdem die Polizeibehörden die durchrersen-
A Zur Bekämpfung des Vagabundenwesens.
Wit IfrfoHbtrtr öerückkchtigiinz her jnlieer Aerhältniffe nub der in Lnlda gemachten Erfahrungen.
Von sehr geschätzter Seite wird uns nachstehende Abhandlung über die Vagabundenplage, welche aus unmittelbarer Erfahrung und auf Grund langjähriger Beobachtungen diese zeitgemäße Frage von dem Standpunkte unserer Stadt Fulda erörtert, zur Veröffentlichung mitgetheilt:
So wünschenswerth es im Interesse der Allgemeinheit nie in dem der einzelnen Gemeinden sein mag, die Vagabundenplage mit allen thunlichen Mitteln zu bekämpfen, ebenso zweifelhaft werden demjenigen, welcher sich eingehend mit diefer Frage beschäftigt und derselben praktisch nahe steht, die bis jetzt vorgeschlagenen Mittel in ihrer Durchführbarkeit und in ihrer Wirksamkeit erscheinen.
Zunächst erscheint es fast zweifellos, daß nicht im Wege einer einfachen administrativen Anordnung, sondern nur im Wege des Gesetzes den Gemeinden und Kreisen Aufgaben zwangsweise überwiesen weiden können, die an sich lediglich Aufgaben des Staates sind. Man wird ferner keine Gemeinde zwingen können, die ihr obliegende Aufgabe der Armenpflege in dieser oder jener Weise zu erfüllen, ob durch Geld- oder durch Natural- Unterstützung, ob beides gegen eine Arbeitsleistung oder nicht zu verabfolgen ifL
Dennoch aber ist zu hoffen, daß die bis jetzt am meisten, wenn auch nicht unbestritten bewährt befundenen Mittel zur Bekämpfung des Vagabundenwesens von den Gemeinde- und Kreis-Korporationen wenigstens versuchsweise angewendet werden.
In welcher Weise dies zu geschehen hat, wird sich wohl in den allgemeinen Prinzipien, aber nicht im Detail, für alle Landestheile übereinstimmend regeln laffen, da hierbei die verschiedenen Verhältniffe des Lebens und der Arbeit auch Verschiedenheiten in der Ausführung bedingen.
Im Allgemeinen kann man für hiesige Stadt und, da diese wohl auch einen zuverlässigen Maßstab für den ganzen Kreis, dessen einzige Siadt
Anna habe mich an den Alphof gefesselt; ich weiß, es genügt, wenn ich Dir einfach sage, daß ick mich zu Anna um nichts mehr hingezogen fühlte, als zu irgend einem andern Glieds der Familie; allerdings hegte ich für sie ein noch stärkeres Gefühl der Dankbarkeit als gegen ihren Vater und die Brüder. Doch von Liebe konnte in meinem Herzen keine Rede sein. Es war zu kalt, zu öde, zu ausgebrannt, zu tief verwundet.
Anna's Vater Halle auf meine bittende Frage, ob ich noch bis nach dem Christfeste, das vor der Thüre stand, bleiben könnte, die einfache, aber darum nickt minder herzliche Antwort: ich möge so lange bleiben, wie es mir gefiele."
XVII.
Es war an einem Sonntage, am 19. Dezember. Mißmuthig saß ich allein in meinem Zimmer. Der Schnee fiel in dichten Flocken, und ein scharfer Nord faien selbst in der wohlgegeizten Stube sernen eisig kalten Hauch fühlbar machen zu wollen, so heftig umbrauste er den Alphof. Draußen herrschte finstere Nacht, und mit steigender Ungeduld sah ich der Wiederkehr meiner Gastleute entgegen. Alle, selbst die Mmter^waren hinunter zum Städtchen, dessen Kirchthurmspitze Da dort hinter dem Bergrücken hervorlugen siehst. Der Grund, welcher sie zur späten Nachmittagsstunde dem wilden Wetter zum Trotz hinunterge- lockt, hatte meinen Aerger erregt. Jesuitenpatres
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.Q, Den Frieden gefunden.
„Da muß ich schweigen", erwiderte Walther lachend. „Ich will's Min versuchen, so wenig als möglich von Dir zu erzählen, was aber Dich, Freund Werner, nicht abhalten soll, das Beste und Liebste von ihr zu denken."
„Nun ist's alleweil über genug!" rief die Herrin von Hoheneck mit so energisch blitzenden Au- gen, daß wir es für gut fanden, ihrem Befehle Folge zu leisten. Walther fuhr fort:
„Mein Zustand hatte sich unterdessen so weit gebessert, daß ich die Rückkehr nach Hoheneck sogar zu Fuß hätte antreten können. Aber ich wies den Gedanken daran lebhaft zurück. Was konnte Hoheneck mir bieten? Ich fühlte, daß ich dort, ganz allein auf mich angewiefen, wieder meiner finstern Stimmung, Gott und den Menschen feind- lich, verfallen würde. Selbstverständlich durfte ich auch die Gastfreundschaft meiner Retter nicht ungefragt noch länger in Anspruch nehmen. Allerdings hatten die Umstände ein Verhältniß zwischen uns geschaffen, das nicht mit gewöhnlichem Maßstabe zu messen war. Die tiefe Dankbarkeit, welche ich hegte, und zu der gegenseitigen Freundschaft getreten war, ließ es auch von diesem Gesichtspunkte aus für mich wünschenswerth erscheinen, noch einige Tage verweilen zu können. Nur eines möchte ich Dir gegenüber, lieber Freund, noch ausdrücklich betonen. Möglich, daß Du denkst,
Di- ,Fulda-- 'Zeitung- erscheint täglich, S°nn- und Feiertage ausg-nomm-n. Vierteljährlicher 1 ” 5° W' ““
belletristischen Wochenbeilaqe .Sterne und Blumen- m Fulda 1 Mk. 70 Ptg-' auswans i du io Plg.
Inserate: Die vierspaltige Z^le oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; be, Wrederholungen entsprechender^Rabatt.------ ------
den Personen weit schärfer überwachen, als dies früher geschehen ist, erscheint den Vagabunden die Wahrscheinlichkeit, ungestraft zu betteln, weit geringer als früher. Allein trotz dieser Vermmde- rung der Vagabundage in hiesigen Gegend erscheint deren fernere Bekämpfung nicht überflüssig und namentlich in der Richtung wünschenswerth, diejenigen Personen, welche noch arbeiten wollen, vor dem Vagabundenthum zu schützen. Denn wenn auch im Allgemeinen angenommen werden muß, daß wirklich arbeitslustige und fähige Menschen, die arbeitslos geworden sind, bald wieder lohnende Arbeit finden, so gibt es doch zweifellos auch manche gegentheilige Fälle, namentlich bei solchen Personen, welche einer nur wenig verbreiteten Industrie angehöreu und nur in wenigen Städten Arbeit finden können.
Für diese Personen würde ein ausgebreitetes Netz von Verpflegungs-Stationen und eine Beschäftigungs- Kolonie wie die in Wilhelmsdorf von großem Werthe sein, um die arbeitslose Zeit nutzbar zu verbringen und dem Landstreicherthume nicht zu verfallen.
Es wird sehr leicht fein, derartige VerpflegungS- Stationen zu errichten, aber sehr schwer, sie so einmrichten, daß dem Mißbrauch vorgebeugt werde. Man schließt mit einem Wirthe einen Akkord, wonach er auf eine Marke hin dem Durchreisenden Mittagskost ober Abendkost und eventuell Nachtlager verabreicht; aber wer kann in einigermaften größeren Qrten, auch abgesehen von den Schmie- ngkeiten, in den Kreisen derarkiger Speist wirtbe ganz zuhrwiasfige Pilstm-N zu finbest.-eaLN* ringfte Garantie dafür übernehmen, daß die den . Durchreisenden verabreichten Karten, namentlich für#. Kost, nicht an Andere verkauft und der Erlös für > Branntwein verwendet wird? Die Probe hierfür ist schon mehrfach gemacht worden, indem Durchreisenden statt der bescheidenen Baar-Unterstützung Karten für die Suppenanstalt verabreicht wurden. Nur wenige benutzten dieselben, wohl aber wurde die Erfahrung gemacht, daß die Karten unter dem Preise an hiesige Arbeiter verkauft wurden, und was aus dem Erlöse wurde, ist wohl leicht zu er« rathen. ____________________________
hielten eine achttägige Mission ab, und jeden Abend um 5 Uhr sollte Predigt stattfinden.
Was wußte ich von dem Charakter dieser Missionen? Das, was ich aus meiner Jugend noch hätte wissen können, war gänzlich Überwuchert und erstickt durch den Haß gegen die Kirche und besonders gegen die Angehörigen dieses Ordens. Vor mir auf dem Tische lag ein bekanntes Buch über Tirol, und mit dem Behagen, welches den Feind der Kirche erfüllt, wenn er scharfe Ausfälle gegen sie lesen oder hören kann, vertiefte ich mich in die Beschreibung des Wesens der Missionen und der Art, wie sie gehalten werden.
Eben hatte ich die mir zusagende Lektüre be- i endet, als die späten Kirchengänger heinckehrten. | Mich dauerten die Leute, welche der unfreundlichen Witterung zum Trotz einen so beschwerlichen Weg gemacht hatten. Ich war überzeugt, eine 5 gedrückte, finstere Stimmung zu finden, und er« staunte nicht wenig, Alle, trotz der Anstrengung des Heimweges durch den mehr als fußhohen Schnee, heiter und fröhlich zu sehen.
Nichtsdestoweniger konnte ich mir nicht versagen, nach dem Abenddrod das Gespräch auf die Mff- sion zu lenken und eine spöttische Bemerkung zu machen. Gegen mein Erwarten nahm das Haupt der Familie den Handschuh auf. Das Gespräch wurde lebhaft. Als ich mein Zimmer betrat, mußte ich mir sagen, daß ich das religiöse Gefühl meines Wirthes und feiner Familie verwundet