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Jfö 15. Freitag, den 18. Januar 1884.

Fumtr Ftitung.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Plcchannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Fulda, 18. Januar.

* (Zum An trag Reichensperger) bean­tragen die Konservativen nachstehende Tagesord­nung: „Da die Wiederherstellung der drei aufge­hobenen Verfassungsartikel als geeigneter Weg zur Herstellung des Friedens auf dem kirchenpolitischen Gebiete nicht anzusehen sei, vielmehr die Gefahr eintretender Rechtsunsicherheit dadurch herbeig.führt würde, und da die Selbstständigkeit der evangeli­schen und der katholischen Kirche und die Versöh­nung der kirchenpolitischen Gegensätze auf dem be­reits betretenen Wege der Spezialgesetzgebung er­reicht werden kann, zur Tagesordnung überzugehen."

• (Kardinal Hohenlohe). Der Moni­teur de Rome' dementirt das Gerücht, daß Kardinal Hohenlohe zum päpstlichen Nuntius in Ber­lin ausersehen sei, dasselbe sei völlig unbegründet.

• (Die Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf) hat in ihrem neuesten Bericht mitgetheikt, daß die Anstalt bis jetzt 1578 Arbeit suchende Männer ausgenommen habe, von denen 1088 auf das Jahr 1883 kommen. 1036 haben durch die Vermitte­lung der Anstalt anderweitig Arbeit gefunden, 129 zogen in ihren alten Kleidern ab, da sie sich neue Kleidung noch nicht in der Kolonie verdient hat­ten, weil ihnen die ausdauernde Arbeit nicht ge­fiel. 51 haben sich unredlicher Weise entfernt, ohne ihre Kleider ganz abverdient zu haben. 363 Mann sind jetzt in der Kolonie anwesend. Im Allgemeinen spricht sich der Bericht dahin aus, daß die große Mehrzahl der Kolonisten der An­stalt dauernd Freude gemacht hat, auch nachdem die Leute anderweitig in Arbeit getreten waren. Irgend welcher Zwang oder polizeiliche Hilfe ist in der Kolonie niemals nöthig gewesen.

* (Landtagsabgeordneter Kropp), na­tional!. Vertreter von Hannover-Rothenburg, ist heute Nacht in seiner Heimath gestorben.

Berlin, 17. Januar.

* (Der Kaiser) konferirte Vormittags mit dem Kriegsminister und empfing Nachmittags den Statthalter von Manteuffel, den Botschafter in

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<Q> Den Frieden gefunden

Es war in der zweiten Hälfte des November, und der Winter hatte schon seine Herrschaft an­getreten. Mit der Büchse auf dem Rücken schweifte ich umher. Ich hatte am Tage vorher hier in der Gegend gejagt, und ohne bestimmte Absicht lenkte ich meine Schritte der Stelle zu, wo wir uns jetzt befinden. Grabesstille herrschte ringsum, weit und breit war kein Mensch zu erblicken. Als ich hinaufgestiegen, hatte ich eine weibliche Gestalt auf demselben Wege hinter mir gesehen; doch sie mochte längst einen Seitenweg eingeschlagen haben. Ich glaubte mich allein. Finster setzte ich mich auf diesen Felsblock und starrte vor mich hin. Mit Gewalt zog es mich an den Rand der Schlucht, und als ich schwindelfrei hinabblickte, da trat das Bild der hinunterstürzenden Gemse lebhaft vor mein Auge unv damit auch zugleich wieder jene erste schreck­liche Versuchung. Es war mir, als ob ich deutlich die Summe des Versuchers hörte, als ob sein Mund an meinem Ohr läge, und er mir zuraunte: „Wirf das erbärmliche Leben von Dir! Ein Sprung — und alles ist aus!" Mit einer grausamen Gier faßte ich den Gedanken auf. Und weiter drang es auf mich ein: „Stelle Dich hierhin, dicht an den Rand der Schlucht. Nichte die Mündung Deiner Büchse gegen Dich selbst, ein Druck und entseelt stürzest Du in die Tiefe hinab, vergeßen und verschollen.

Paris, Fürsten Hohenlohe, den Herzog von Ratibor und andere Ritter des schwarzen Adlerordens.

" (Abg. Dr. Windthorst.) Im Abgeord­netenhause zeigte heute der Platz des Abg. Dr. Windthorst einen ungewöhnlichen Anblick; eine reiche Sammlung von Blumenbouquets war dort aufgethürmt. Eine Dedikation in Form eines Chro- nikums seitens der Fraktion drückte dem verehrten Führer des Centrums zum 7 2. Geburtstage die Wünsche der Parteigenoffen aus. Als der Abg. Windthorst im Hause erschien und durch die zahl­reich eingegangenen Telegramme sich durchgearbei­tet hatte, wurde er von vielen Gratulanten warm und lebhaft begrüßt. Die Art und Weise, wie auch die liberale und selbst die gouvernementale Presse (z. B. die ,Nordd. Allgem. Ztg.') von dem Geburtstage des bewährten Centrumsführers Notiz nimmt, beweist, wie allgemein die Hochachtung und Verehrung für die „kleine Ercellenz" ist.

* (General von Soe.) Das,DeuscheTag­blatt' meldet: Nunmehr erfolgte die Ernennung des Generallieutenants Soe zum Kommandeur des achten Armeekorps.

* Ibbenbüren (Westphalen), 17.Jan. (Bei der Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause) erhielt der konservative Amtsrichter Weise (Teck­lenburg) 90 Stimmen, Max v. Heeremann-Suden- burg (Centrum) 75 Stimmen.

* München, 17. Jan. (Das Studium der Theologie) scheint in Baiern einen er­freulichen Fortschritt auszuweisen. Rach -einer amtlichen Aufstellung sind die 14 königl. Studien- Seminare und Alumneen im dermaligen Schul­jahr von 1019 Zöglinge besucht, während vor 16 Jahren, im Schuljahre 1867/68, dieselben Anstal­ten nur 674 Zöglinge zählten; die 11 erzbischöf­lichen und bischöflichen Knabenseminare haben im bei maligen Schuljahre 1503 Zöglinge, während vor 12 Jahren, im Schuljahr 1871/72, die Zahl derselben nur 990 betrug. Das Georginische Kle- rikal-Seminar in München, sowie die 8 erzbischöf­lichen und bischöflichen Klerrkal-Seminare haben pro 1883/84 im Ganzen 679 Studenten, während pro 1877/78 nur 531 betragen hatte.

। „Werner, ich vermag es Dir nicht zu schildern, | wie es mich hinriß, mich drängte und schob. Ich schleuderte meinen Hut in den Abgrund, die Jagd­tasche folgte ihm nach — keine Spur sollte von mir zurückbleiben. Dann trat ich rückwärts dicht an den Rand, siehst Du, hier an diese Stelle heran, so dicht, daß ein Kind mich hätte hinabstürzen können. Jetzt spannte ich den Hahn, richtete die Mündung der Büchse gegen meine Stirne — eine Frist, kürzer als ein Augenblick lag zwischen Leben und Tod; — da gellte ein lauter Schrei durch die Luft.

Was nun geschah, kann ich Dir nicht im ent­ferntesten so rasch erzählen, als es sich ereignete.

Ich schrack zusammen. Mit Blitzesschnelle durchzuckte mein Gehirn der Gedanke an meine Mutter, zum ersten Male seit langer Zeit. Ich blickte nach der Richtung, woher die Stimme ge­kommen; doch ich sah nichts mehr, es war zu spät. Die Erschütterung hatte mich schwanken lasten; es dunkelte mir vor den Augen.

Der Hahn der Büchse schlug zu gegen meinen Willen; zischend fuhr die Kugel in die Luft, und mit dem lauten Schrei: „O, Mutter! Mutter!" stürzte ich rücklings in die Tiefe hinab."

Entsetzt sprang ich von unserer Felsenbank auf. War es denn möglich, daß dieser Mann da neben mir, den ich in den schönen Tagen der erneuten Freundschaft so hoch hatte achten gelernt, so weit von Gott hatte abirren können? Und war es denk-

* Stuttgart, 17. Jan. (Herr v. Giers) ist heute Abend bei der Königin empfangen worden. Er wird Sonnabend Mittag mit dem Schnellzuge nach München reifen.

Oesterreich - Ungarn.

* (Eine „Ehren"-Sache). Die .Kölner Volksztg.' schreibt: Aus Innsbruck, 12. d., wird dem .Vaterland' geschrieben: „Der bisherige Re­servelieutenant, Mitglied der hiesigen Studenten­bindung „Austria", Hörer der Medizin, Joseph Hintner, ist vom Ehrenrathe des 14. Korpskom­mandos für Oberoffiziere und Kadetten mit Stim­meineinhelligkeit wegen absoluter Verweigerung des Duelles seiner Charge verlustig erklärt worden. Hinter war am 21. Oktober am Haller Bahnhofe vom Reservelieutenant Karl v. Mörl „päpstlicher Bube" geschimpft worden. Mörl forderte nach ihm angetragener, aber nicht verabfolgter Ohrfeige Hintner auf schwere Waffen und zeigte die Ab­lehnung der Forderung beim Regimentskommando an. Hintner begründete dort die Ablehnung mit feinen katholischen Grundsätzen, mit Gründen der Vernunft, mit Berufung an die Staats- und Mi­litärgesetze und auf die Statuten der Verbindung „Austria". Mittlerweile, 31. Dezember, war Mörl wegen obiger Ehrenbeleidigung vom städtisch-dele- girten Bezirksgerichte zu 20 Fl. Strafe verurtheilt worden. Die,N. Tiroler Stimmen' veröffentlichen den aktenmäßigen Hergang dieses Duell-Skandals unb-‘fügen dieftr DarftellunK hinzu: „Leben wie noch in einem Rechtsstaate, wenn solche Dinge möglich sinb? Wir erfüllen nur unsere Pflicht, wenn wir an Alle, die es angeht, speziell an un­sere Abgeordneten im Reichsrathe und insbeson­dere in der Delegation, die dringende Aufforder­ung richten, mit aller Energie dahin zu wirken, daß solche Zustände ein Ende nehmen. Herrn Hinter aber zollen wir unsere volle Anerkennung dafür, daß er als ganzer Mann und echter Tiroler handelte, dem die Satzungen seiner Religion und seiner Ueberzeugung für gar nichts feil sind." — Wir haben diesen nicht bloß für Oesterreich be­rechtigten Worten nichts beizufügen.

bar, daß es noch eine Rettung gab für den, der hier hinabstürzte?

Mit mildem Lächeln ergriff Walther meine Hand und sagte: „Ich glaube zu ahnen, was Du denkst, Freund; aber bei Gott ist Alles möglich, und wenn auch der von Gott uns zur Seite gestellte Engel durch unsere Handlungen gezwungen wird, weinend sich zu entfernen, dann tritt der Schutzgeist einer Mutter, wie die meine gewesen, nur um so näher an uns heran.

Ich verlor die Besinnung selbst im Sturze nicht. Kaum 10 Fuß hier vom Rande entfernt schlug ich auf den Felsen und rollte dann weiter. Instinkt­mäßig breitete ich meine Hände aus nach einem Halt. Das Gesträuch vermochte zwar nicht meinen Fall zu hemmen; aber es benahm ihm seine Wucht. Siehst Du dort unten jenen kleinen Vorsprung? Von hier scheint er äußerst schmal; in Wirklichkeit ist er etwa 5 Fuß breit. Unmittelbar vor ihm hatte ein knorriger Weißdorn Wurzel gefaßt. Wie durch ein Wunder gelang es mir, ihn zu ergreifen; er brach ab, doch ich war für den Augenblick ge­rettet. Der Sturz wurde so stark gehemmt, daß ich nicht über den kleinen Vorsprung hinunterstürzte, sondern hart aufschlug und dann liegen blieb. Einen Augenblick schwand mir die Besinnung, und als ich wieder zum Bewußtsein gekommen war, schauderte ich vor der Gefahr, in der ich schwebte. Unter dem Felsblocke, auf dem ich lag, fällt die Berg­wand fast senkrecht ab. Wäre ich hier nicht liegen