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Y4* Donnerstag, den 17. Januar 1884+

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlrcher Adonnementsprers ohne Bnngerlohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., mit der bellekistischen Wochenbeilage .Sterne UNS Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg-»?usuMrts 1 M. .5 Pfg.

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JP. Zur bayerischen Hagelversicherungs- gesetzgebnng.

München, 15. Januar.

Es ist eigenthümlich, daß die meisten Redner, welche in der siebentägigen Hagelversicherungsdebatte das Wort ergriffen Baben, ihre Ausführungen mit der Be­merkung einleiteten, daß sie aus Zwangsbeitritts- Saulussen Freiwilligkeits-Pauluffe geworden seien. Leider hat uns keiner der Herren Abgeordneten eine ein­gehendere Schilderung davon entworfen, wie der Verlauf feiner Bekehrung sich gestaltet hat. Die staatlich geleitete Hagelversicherung wird sich also auf der Basis der Frei­willigkeit aufzubauen haben, ob sie aber reusstren wird, das "steht, wenigstens unserer Ansicht nach, sehr in Frage.

Es ist auffallend und aller Beachtung werth, daß mit Ausnahme der Herren v. Stauffenberg und v. Hörmann alle Abgeordneten, auch die liberalen, für das neue In­stitut gestimmt haben. Es befinden sich unter denselben Namen von waschechtmanchesterlicher Vergangenheit, über deren Abstimmung man sich unwillkürlich eigenthümliche Glossen machen muß. Wir können uns der Vermuthung nicht erwehren, daß ein Theil der liberalen Partei, ins­besondere die fortschrittliche Nuance derselben, bei dem Zustandekommen des Hagelversicherungsgesetzes nur deß- halb mitgewirkt hat, weil sie der Hoffnung lebt, daß durch ein gründliches Fiasko der neuen Anstalt, der Idee, das ganze Versicherungswesen nach und nach zu verstaatlichen, bedeutend Abbruch gethan werden würde. Daher muß man es sich auch erklären, wenn die gesammte liberale Partei für alle Abänderungs - Vorschläge eingetreten ist, welche der Anstaltsleitung einen möglichst geringen Spiel­raum einräumen und hierdurch die Konsolidirung der An­stalt thunlichst erschweren wollten. Hieraus erklärt sich ferner, wie mehr als 40 liberale Abgeordnete, welche am Tage vorher für die Hagelversicherung sich erhoben hat­ten, am letzten Freitag gegen die Errichtung einer ftaat= •«4*- StfeUete« och > li arbran d« Lr.f i. ckerungI - A.n- stalt stimmen konnten. Die Hagelversicherungs-Anstalt wird wahrscheinlich Über kurz oder lang Fiasko machen und daher die öffentliche Meinung gegen jeden weiteren Versuch, andere Versicherungssparten der staatlichen Lei­tung zu unterstellen, einnehmen. Bei der Mobiliarbrand­versicherung stünde aber das gerade Gegentheil hiervon in Aussicht. Die staatlich geleitete Anstalt dieser Art würde alsbald bedeutend in Flor kommen und für die Verstaat- lichu ng auch der übrigen Versicherungsbranchen gewiß Proselyten anwerben. 'Man kann daher als Gegner jed­weder Verstaatlichung oder staatlichen Leitung des Ver­sicherungswesens sehr wohl für die auf die Dauer un­haltbare Hagelversicherung und gegen die unzweifelhaft sehr rentable Mobiliarversicherung stimmen, ohne sich deß- halb einer in konsequenten Handlungsweise schuldig zu machen.

Wir behaupten nicht, daß die Liberalen sich bei ihrer Abstimmung von den vorstehend entwickelten Anschauungen

haben leiten taffen. Man darf unsere Darlegungen viel­mehr nur als einen Versuch auffassen, das grundverschie­dene Verhalten eines Theiles der liberalen Partei gegen­über zwei auf denselben Grundsätzen beruhenden Anträgen zu erklären.

Deutsches Reich.

Fulda, 17. Januar.

* (Bezüglich der Rückberufung des Bischofs von Münster), welche wir bereits am 2. Januar als nahe bevorstehend bezeichnen konnten, erhält die .Franks. Ztg.' nachstehendes Telegramm: „Man sieht der Publikation der Be­gnadigung des Bischofs von Münster im.Staats­anzeiger' bereits für morgen entgegen. Die Be­gnadigung ist formell, rote schon gemeldet, in der Ministerialsitzung am Sonnabend beschlossen worden, Herr v. Puttkamer hat Sonntag dem Kaiser darüber Vvrtrag gehalten, und die Amnestie- Ordre soll gestern unterzeichnet und dem Bischof tele­graphisch davon Mittheilung gemacht worden sein".

♦ (Zur kirchenpolitischen Lage.) Wäh­rend die ,Pol. Korr.' sich von ihrem „vatikanischen" Mitarbeiter aus Rom melden läßt, daß die kir­chenpolitischen Verhandlungen mit Preu­ßen einen guten Fortgang nähmen und der Kreis der Differenzen sich immer mehr verenge, schreibt ein römischer Korrespondent der ,Germ.', daß man dort'befürchte, die Erörterungen würden von staat­licher Seite in die Länge gezogen. Derselbe Kor­respondent schreibt ferne?: die Personen­

fragen anlangt, kann ich Ihnen versichern, daß alle Gerüchte über die Verleihung eines der durch den Tod des Kardinals de Luca vakant gewor­denen Aemter an den Kardinal Ledochowski nur grundlose Dichtungen sind. Daß von preu­ßischer Seite vorgeschlagen worden sei, für die Erzdiözesen Köln und Gnesen-Posen Koadjutoren zu ernennen, berichtete ich Ihnen schon vor meh­reren Monaten. In letzterer Zeit scheint nur von Gnesen-Posen die Rede gewesen zu sein; aber eine Einigung ist noch nicht erfolgt. Der Papst wird vermuthlich nicht eher auf dieses große Opfer ein- gehen, als bis der rechte Erfolg desselben, die

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<0, Den Frieden gefunden.

lieber mir freiste nur noch der Adler, unter mir schäumte der Gebirgsbach, in wilden Sprüngen von Fels zu Fels hinabstürzend, ruhelos und nutz­los, ein Bild meines Lebens.

Eines Tages hatte ich eine Gemse bis tief in's Gebirge hinein, verfolgt. Das arme gehetzte Thier war schließlich meinen Blicken entschwunden, und ärgerlich bemerkte ich, daß von einer weiteren Verfolgung keine Rede mehr fein konnte. Ta raschelte es auf dem meinem Standpunkte gegen­überliegenden Felsen, und ausblickend, gewahrte ich die Gemse wieder. Das arme Thier ahnte nicht, daß es vor mir völlig sicher gewesen, wenn es sich nicht wieder gezeigt. Schnell riß ich die Büchse an die Wange, der Schuß krachte, und mitten im Feuer stürzte das Opfer meiner Jagdgier zusam­men. Doch auch jetzt noch sollte es mir entgehen. Die letzten Bewegungen brachten es dem Rande des Abgrundes nahe, und die Beute stürzte von Klippe zu Klippe, bis sie zerschmettert in der Tiefe verschwand.

~ In finsterem Sinnen schaute ich in die gähnende Schlucht, und ein entfetzlicher Gedanke tauchte in mir auf. Aber er verschwand nicht wieder, son­dern hastete fest mit furchtbarer Zähigkeit. Du erschrickst, Werner, und wahrlich, Du hast nur zu sehr Ursache. Aber überraschen könnte es Dich kaum, nach allem, was Du gehört, als Schluß

meines Lebens eine Tafel zu sehen, auf der das Wort steht: Tod durch eigene Hand. Das Bild der in den Abgrund stürzenden Gemse blieb mir vor Augen, wo ich ging und stand. Mich fesielte nichts mehr an das Leben; es war mir schon längst zur unerträglichen Last geworden. Keinen Augenblick dachte ich daran, wie schwer ich mich versündigte schon dadurch, daß ich solchen Gedanken Raum gab; so vollständig war aller Glaube in mir erloschen, daß ich an Gott, an ein Jenseits und an ein Gericht nicht ein Mal erinnert wurde".

Während Walther die düsterste Seite seines Lebens mir entbüllte, waren wir schon bedeutend das Gebirge hinangeftieaen. Walther kannte mei­lenweit jeden Fußpfad, und so hatte er mir vor­geschlagen, einen allerdings mühevollen, aber auch bedeutend kürzeren Weg zu unferm Ziele zu wäh­len. Der Pfad war so schmal, und die Steigung so stark, daß es unmöglich wurde, die Erzählung fortzusetzen. So stiegen wir schweigend das Ge­birge hinan. Ich hatte Gelegenheit, die Kraft und Gewandtheit meines Freundes zu bewundern, der mit einer Leichtigkeit voranschritt, als ob er sich auf ebener Erde befände. Die Sonne brannte glühend auf uns herab, und es kostete mich Mühe, dem geübten Bergsteiger nahe zu bleiben. Seit unferm Abmarsch von Hoheneck waren ungefähr vier Stunden verflosien. Die anfangs zahlreichen Gehöfte wurden seltener, bis sie endlich ganz ver­schwanden; nur Sennhütten lagen noch an unserem

Wiederherstellung einer regelmäßigen bischöflichen Amtsthätigkeit, durch eine Vereinbarung über die unerläßliche Revision der Maigesetze, insbesondere in Betreff der Erziehungsfrage gesichert ist".

* (Der Antrag Reichensperger) wird voraussichtlich morgen (Freitag) im Abgeordneten­haufe zur Verhandlung kommen.

O (Zur Dispensfrage). In der heuteein­getroffenen Dienstagsnummer des ,M o n i t e u r d e Rome' heißt es: „Wir fonftatiren mit Genugthu- ung, daß der Minister diese Angelegenheit mit einer gewissen Schnelligkeit behandelt, welche ge­wiß ihren guten Eindruck nicht verfehlen wird. Wir sehen zu gleicher Zeit, wie übertrieben die Be­fürchtungen derer gewesen sind, welche darauf gefaßt waren, daß die Regierung eine unbillige Unter­scheidung zwischen den feit 1873 geweihten Prie­stern machen würde. Diese Dlspensirung wird die verwaisten Pfarreien in etwa wieder aufrichten, aber es ist doch immer noch eine provisorische Si­tuation. Wie nöthig wäre eine definitive Lösung, damit nicht nächstens wieder die Wohlthaten dieser wenigen Maßregeln zur Herbeiführung einer ge­rechten Wiederherstellung der Seelsorge verloren gehen".

* (Geburtstag des Dr. Windthorst.) Heute, Donnerstag, den 17. Jan., wird die Cent­rumsfraktion in Berlin zur Feier des Geburtstages des Abg. Dr. Windthvrst im „Hotel de Rome" sich zu einem Festessen vereinigen.

Berlin, 16. Januar.

* (In 6Te"Äbmnii1jtctnut Vor berat h- ung der Jagdordnung) sind gewählt die Abgg. Dirichlet, Schmieder, v. Hönika, Brandenburg, Conrad, Goeßmann (I. Schriftführer) (Fulda), Hagen, Rören, v. Schalfcha, Günther, Franke, Dr. Oetker, Dr. Grimm, v. Krosigk, Wüsten, v. Reumann, Bohtz, v. Riffelmann, Strutz, v. Oertzen und Jensen; darunter 11 Landwirthe und Ritter­gutsbesitzer.

* Ans Thüringen, 16.Jan. (Ueber die Erfolge der Agitation für den Eise- nacher Bauernv er ein) schreibt man der .Schle­sischen Zeitung' aus Thüringen: „Der Lrberalis-

Wege. Jetzt hemmte Walther seinen rüstigen Schritt Er athmete tief auf, zog den breiten Hut ab und strich mit der Rechten über die glühende Stirne. Dann wandte er sich zu mir: „Run, Werner, was denkst Du von solchem Morgenspaziergange? Du wirst müde sein; doch hier halten wir Rast, und von diesem Punkte an steigen wir auf gutem Wege nur noch eine starke halbe Stunde abwärts, dann sind wir am Ziele".

„Sollen wir nicht gleich weiter gehen?" fragte ich, um mich als tapfern Fußgänger zu zeigen.

„Rein, Werner", erwiderte Walther. „Hier auf diesem Punkte setze ich meine Erzählung fort. Diese Stelle spielt eine hervorragende Rolle in meinem Leben, und mit Absicht führte ich Dich hierhin. In das Haus und zu den Menschen, wo wir bald sein werden, gehört keine Erinnerung an Verbrechen und wilde Leidenschaft; da herrscht der Friede".

Ich gewann jetzt erst Zeit, den Ort zu betrach­ten, an dem wir uns befanden. Er war nicht sehr geeignet zu weiterer Ausschau und bot auch sonst feinen landschaftlichen Reiz. Vor uns führte der Weg wieder hinab, während links das Gebirge schroff anstieg. Rechts gähnte eine tiefe Schlucht. Etwa zweihundert Fuß unter uns rauschte aus einer Felsspalte ein starker Gebirgsbach hervor und stürzte donnernd in die Tiefe. Fast betäubend wirkte das Brausen, das durch den Bruch der Schallwellen an den Felswänden noch verstärkt