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Deutsches Reich.

Fulda, 15. Januar.

• (Abgeordneter v. Ludwigs). Der Reichs­tags- und Landtagsabgeordnete Robert v. Ludwig ist, wie gestern bereits gemeldet, am Samstag Mittag auf seinem Gute Neu - Waltersdorf ge­storben. Der Verstorbene war, wie wir der .Germania' entnehmen, am 3. November 1821 geboren. Seit 1874 gehörte er dem Reichstage, seit 1876 dem Abgeordnetenhause an. Die ,Germ.' hebt in ihrem Nekrolog hervor, daß er, um in seinem Kampfe gegen die Gründer sich und dem Centrum die volle Freiheit des Handelns und die selbstständige Verantwortlichkeit zu wahren, aus dem Fraktionsverbande ausschied, ohne aber in den kirchenpolitischen Angelegenheiten sich von seinen alten Kampfgenossen zu trennen. „Herr v. Lud­wig war", bemerkt sie weiter, „eine durch und durch christlich und konservativ angelegte Natur, seine Energie und Lebhaftigkeit vertrugen keine Halbheiten, und fo bezeichnete er sich im Parla­ments-Almanach mit Recht als altkonservativ mit Anschluß an das Centrum in allen katholischen Fragen. Er wich trotz aller Anfeindungen um kein Haarbreit von seinem Entschlüsse ab, das zu thun, was er für recht hielt, und es so zu thun, wie ihm sein Eifer es vorschrieb. Auch die erbit­tertsten Feinde haben es nicht vermocht, seinen Charakter, seine Selbstlosigkeit und seine unbeug- sanie Ueberzeugungstreue irgendwie anzutasten. Neben der Hochachtung und Liebe aller seiner Ge­sinnungsgenossen ziert auch dieses unfreiwillige Z ug- niß seiner keineswegs rücksichtsvollen Gegner sein Grab. Er hat das Recht geliebt und das Unrecht gehaßt; sein Andenken wird in Segen sein".

* (DasMilitärpensions- und dasMili- tärreliktengesetz) soll laut der ,Voss. Ztg.' in der früheren Form dem Reichstage wieder zu­gehen. Selbstverständlich wäre danach, daß man auch das Reliktengesetz für die Reichscivilbeamten wieder erwarten kann, welches nach dem Scheitern der ersten Vorlage in der vorigen Session von der Regierung zurückgezogen wurde. Die Kommunal­steuerfreiheit der Offiziere bildete den Stein des Anstoßes.

Berlin, 14. Januar.

• (Vom Hofe). Der Kaiser beabsichtigt bei günstiger Witterung morgen Hofjagd iin Grüne­wald abzuhalten. — Der Kronprinz empfing gestern das Landtagspräsidium.

"(AusstellungimAbgeordnetenhause.) Der Kronprinz und die Kronprinzessin besuchten Vormittags die im Abgeordnetenhause veranstaltete Ausstellung von Handarbeiten der Schüler der Görlitzer und Posener Handarbeitsschule und nah­men, vom Präsidenten v. Köller empfangen und geleitet, die ausgestellten Arbeiten mit der lebhaf­testen Theilnahme in Augenschein. Sie verweilten eine Stunde und sprachen ihre Anerkennung und Freude über das Geleistete aus. Auch der Kul­tusminister und der Ministerialdirektor Greiff be­suchten die Ausstellung.

lieber diese Ausstellung meldet die ,Post': In einigen Sälen des Abgeordnetenhauses hat der um die Förderung des Handfertigkeits-Unterrichts hochverdiente Abg. von Schenckendorff eine Ausstellung von Arbeiten der Görlitzer und Posener Knaben - Handarbeits­schule veranstaltet, die heute Mittag eröffnet worden ist Die Ausstellung, die bereits in den ersten Stunden nach der Eröffnung u. a. vom Herrn Geheimrath Schneider aus dem Unterrichts-Ministerium, vom Direktor des Kunst­gewerbe - Museums, Herrn Grünow, vom Direktor der könnten; doch von jenem Briefe an den Kapitän Marchi und meiner Absicht, Sie tövten zu lassen, weiß sie nichts bis auf den heutigen Tag".

„Aber fürchtete Blanda denn nicht, ich möchte wiederkehren und sie dann als Betrügerin vor mir stehen?" fragte ich.

„Doch; dieser Gedanke beunruhigte sie oft in höchstem Grade. Aber ich wandte alle Beredtsam- keit auf, um ihre Besorgnisse zu zerstreuen, und stellte ihr besonders vor, daß, wenn Sie wieder­kehren sollten, ich ganz allein die Angelegenheit übernehmen würde. Ich konnte das um so leich­ter versprechen, da ich die feste Ueberzeugung hegte, Kapitän Marchi werde meinen Auftrag auf die eine oder andere Weise ausführen".

„Ich hatte genug gehört. Wie mit hundert Händen riß es mich fort aus der Nähe dieses Menschen, der das Bewußtsein verbrecherisch ge­handelt zu haben, viel leichter trug als ich, das Opfer seiner Schändlichkeit. (Forts, folgt.)

Handwerkerschule, Herrn Jessen, vom General v. Etzel, von dem bekannten Dr. Georgens und von zahlreichen Abgeordneten besucht wurde, gibt ein überaus interessantes Bild von den Bestrebungen jener Schulen, die in ihren Zielen dahin gehen, den theoretischen Unterricht durch praktische Beschäftigung zu ergänzen und diese zugleich als formelles Bildungsmittel zu verwerthen. Die Ausstel­lungen beider Schulen unterscheiden sich insofern wesent­lich von einander, als die Posener Schule, die sich auf die Holzbearbeitung beschränkt, ein vollständiges und klares Bild der stufenweisen Entwickelung der Schüler gibt, wäh­rend die Görlitzer Schule, die neben Tischlerei und Holz­schnitzerei auch Modelliren und Papparbeiten betreibt, eine reiche Auswahl von Musterleistungen gibt, die zugleich zeigt, bis zu welcher Vollkommenheit die Handfertigkeit der Schüler, Knaben von 11 bis 13 Jahren, in vprhält- nißmäßig kurzer Zeit entwickelt werden kann. Um den Nachweis zu führen, welche technische Fertigkeit sich auch Lehrer — Pädagogen von Fach — anzueignen vermögen, selbst wenn sie, wie dies hier der Fall ist, erst in einem späteren Lebensalter derartige Arbeiten aufnehmen, sind gleichzeitig einige Arbeiten der Lehrer ausgestellt, die in den schwedischen Handfertigkeitsschulen eine halbjährige Ausbildung erhalten haben. Die gejammten ausgestellten Arbeiten sind genau nach den mathematischen Gesetzen konstruirt und durchgängig sauber gearbeitet.

* (Der Zusammentritt der Zucker- enquete-Kommission) ist nunmehr auf Mon­tag, den 21. d. M., im Reichsschatzamte in Aus­sicht genommen. Die Arbeiten der Komnnssion haben sich etwas länger, als man ursprünglich erwartete, hingezogen, da außer den von der Cent­ralstelle ernannten Beamten noch 12 Delegirte und sachverständige Interessenten aus den bethei- ligten Bundesstaaten hinzugezogen worden sind.

* Weimar, 13. Jan. (Der Verband gegen Bettelei für den Kreis Weimar), der seit einem halben Jahre besteht, wird dem­nächst seinen Bericht über diesen Zeitraum ver­öffentlichen, der auf's Neue die segensreiche Wirk­ung dieser Einrichtung bestätigen dürfte. Wenigstens wird diese Erwartung gerechtfertigt durch die Er­gebnisse des Wirkens der Verpflegungsstation in der Stadt Weimar. Auf derselben sind vom 1. Juli v. I. bis 1. Januar d. I. unterstützt worden 3646 mit dem mäßigen Kostenaufwande von 897 Mark in Marken für Nachtquartier resp. Kost. Von die­sen 3646 entfallen aber 2111 Personen auf die drei Monate Juli bis September, so daß trotz des Eintritts der rauhen Jahreszeit eine erhebliche Ab­nahme in der Zahl der zu unterstützenden Personen konstatirt ist.

* Karlsruhe, 14. Jan. (Die zweite Kam­mer) verwies die Motion Buol und Genossen um einen Gesetzentwurf im Sinne der preußischen Subhastationsordnung mit der Tendenz, daß der Verkauf von Liegenschaften bei Zwangsvollstreck­ungen nur geschehen darf, wenn das Höchstgebot zur Deckung sämmtlicher Nachhypotheken ausreicht, wegen ihrer großen Wichtigkeit an eine besondere Kommission.

Oesterreich«Ungarn.

* Wien, 14. Jan. (Die Krankheit der Kronprinzessin) verläuft in mildester Form. Das Fieber ist bereits geschwunden, das Allge­meinbefinden ungestört. Es werden keine Bulletins mehr ausgegeben.

* Pest, 14. Jan. (Verschiedenes.) Das Abgeordnetenhaus begann die Generaldebatte über das Budget für 1884 und acceptirte mit großer Majorität das Budget pro 1884 als Basis der morgen beginnenden Spezialdebatte. — Das Votum des Oberhauses über das Mischehengesetz ist eingegangen und wird nach der Drucklegung auf die Tagesordnung gesetzt. — Das radikale Blatt .Fueggetlenseg' wurde wegen Erscheinens ohne Kaution auf Verordnung des Bürgermeisters mit Beschlag belegt.

* Agram, 13. Jan. (Im Landtage) wurde bei der Abstimmung über den gegen das Gens- darmeriegesetz gerichteten' Antrag des Deputirten Markovics von der Partei des Deputirten Star- cevics ein so arger Tumult erhoben, daß die Sitzung resultatlos geschlossen werden mußte.

Frankreich.

* Paris, 14. Jan. (Die Kammer) ging heute über die Anfrage Bisseuil's, die Bisthums- kasse in Larochelle betreffend, und über die Anfrage Delattre's, die Handlungen des ehemaligen Polizei­kommissärs von Saint-Denis betreffend, nach kur­zen Erklärungen der Minister Martin-Feuille und Waldeck-Rousseau zur Tagesordnung über. In der Berathung des Gesetzes bezüglich der Schiedsrichter für Minenarbeiter wurden mehrere Amendements verworfen. — Das Revisionsprojekt der äußersten

Linken von 80 Deputirten, darunter auch Andrieux, unterzeichnet, wird wahrscheinlich am Donnerstag in der Kammer eingebracht.

* Paris, 14. Jan. (Aus Hongkong) er­hielt der Marineminister eine Depesche des Admi­rals Meyer vom 12. Januar, welche die Stim­mung in Hongkong als sehr befriedigend bezeichnet und hmzufügt, daß die Seeräuber, auf welche energisch Jagd gemacht werde, allmählig aus dem Delta zu verschwinden begännen. — Eine Meldung des ,Bureau Reuter' aus Hongkong vom 14. be­sagt: Die Piraten griffen in den Nächten des 1. und 2. Januar Maindink an und erlitten einen Verlust von mehreren Todten und Verwun­deten. Batang bei Hanoi wurde am 4. Januar angegriffen und der Feind in Unordnung mit Verlust zurückgeworfen. — Das Gerücht geht, chinesische Truppen rückten aus der Provinz Quangsi zur Verstärkung der Besatzung Bacninhs vor. — .Times' dementirt die Nachricht des.Gaulois' die britische Regierung habe ihre Zustimmung zu dem Suezkanalabkommen ausgesprochen, indem sie be­merkt, eine endgiltige Entscheidung sei noch nicht erfolgt.

* (Aus Kanton) wird unter dem 13. ge­meldet : Die Behörden der Provinz Kwanglung träfen ernstliche Kriegsvorbereitungen. Zwischen Kanton und der Grenze von Tongking werde eine telegraphische Verbindung hergestellt, nach Hainan würden beträchtliche Truppenverstärkungen geschickt. Eine Proklamation des Viz.königs fordere die Be­völkerung auf, sich auf den Krieg vorzubereiten und einen Angriff der Franzosen zurückzuweisen. Der Aufruf gedenkt schließlich des freundschaftlichen Verhältnisses zu den anderen Nationen.

Italien.

* (Aus dem Vatikan.) Dem hl. Vater ist am 29. Dezember bei dem Empfange des diploma­tischen Korps durch den österreichischen Gesandten Grafen Paar ein Schreiben des österreichischen Kai­sers übergeben worden, worin der Monarch seine Ergebenheit gegen den heiligen Stuhl betheuert und zugleich die Versicherung geben soll, daß er an kei­nen Gegenbesuch im Quirinal denke. Das kaiser­liche Schreiben soll in Betreff dieses Punktes nichts an Entschiedenheit zu wünschen übrig lassen und zugleich den Beweis liefern, daß der Monarch sich sehr wohl des Unterschiedes bewußt ist, der in die­ser Beziehung zwischen einem katholischen und prote­stantischen Fürsten obwaltet. Die Ernennung Bu- tenieffs zum Vertreter Rußlands beim hl. Stuhl ist dem Vernehmen nach in Petersburg bereits voll­zogen worden. Der neue diplomatische Vertreter selbst hat angeblich den Kardinalstaatssekretär von diesem Schritte seiner Regierung in Kenntpiß ge­setzt und es bleiben nur noch die gewöhnlichen Kanz­leiformalitäten zu erledigen. Der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen dem heil. Stuhle und England steht wohl als Haupthinder- niß das anglikanische Vorurtheil entgegen. Das Beispiel des schismalischen Rußland dürfte aber wohl dazu beitragen, auch in England in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen.

Serbien*

* Belgrad, 13. Jan. (Bericht über den Aufstand.) Das amtliche Blatt veröffentlicht einen umfangreichen an den König gerichteten Be­richt des Ministerpräsidenten über den Aufstand und die Maßregeln zu dessen Bewältigung, sowie über die Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung.

Lgypten.

* Kairo, 14. Jan. (Vom Ministerium. — Aus dem Sudan.) Es verlautet, daß der Untersekretär im Ministerium für öffentliche Ar­beiten, Rousseau Bei, in den Ruhestand versetzt und daß der Oberst Moncrieff zum ersten, und der Franzose Barrois zum zweiten Untersekretär in dem genannten Ministerium ernannt ist. Für einen Posten im Finanzministerium ist ebenfalls ein Franzose designirt. — Nach Meldungen aus Suakim ist mit den Häuptlingen mehrerer feind­licher Stämme auf der Route Suakim-Berber ein freundschaftliches Verhältniß hergestellt worden und man hofft dadurch die Route nach Berber für den Verkehr freimachen und damit die Räumung erleichtern zu können. Die Regierung beschloß, daß der Kriegsminister sich auf dem Wege über Korosko nach Khartum begebe, um die Räumung zu überwachen.