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Dienstag den 15. Januar

dem Vermögen derselben ihre natürliche und noth- wendige Grenze. ES würde weder der Billigkeit und dem allgemeinen Rechtsbewußtsein, noch den wirthschaftlichen Interessen der Gesammtheit ent­sprechen, die Betriebsunternehmer zur Einstellung ihrer Produktion zu nöthigen, wenn an der Hand der praktischen Erfahrungen es sich herausstellt, daß in Folge der ihnen durch die Unfallversicher­ung auserlegten Lasten ihre Leistungs- und Kon­kurrenzfähigkeit gefährdet wird. In diesem Falle einzutreten, ist und bleibt die Pflicht des Reiches!"

Wir erklären uns offen gegen diese beabsich- tigte Staatsgarantie. Das derselben zur Basis dienende Prinzip ist, — worauf besonders zu achten ist, — von der Reichszuschuß^Jdee total verschieden. Der Reichszuschuß war auf eine Pflicht des S t a a- tes begründet, auch über die Anforderungen der öffentlichen Armenpflege hinaus einem Theile seiner Unterthanen mit materiellen Mitteln beizuspringen, also eine Klaffe seiner Bürger .direkt von den er­worbenen Gütern der anderen Theil nehmen zu laffen.

konnten? Wiffen Sie eine andere Bezeichnung als Betrug für die Art und Weise, wie Sie mich be­einflußten, jene Verfügung über mein Vermögen zu treffen? Haben Sie sich nicht in der schänd­lichsten Weise an meiner Ehre vergriffen, durch jenes Schreiben, das mich als Verräther brand­markte? Haben Sie nicht nach meinem Leben ge­trachtet, um in den Besitz meines Vermögens zu gelangen? Und nachdem Sie mehr gethan, als der Feind dem Feinde zufügen kann, raubten Sie mir auch noch die Liebe Blanda's!"

„O, Walther, ich bin ein elender Mensch , ich gestehe es; aber ich weiß, Sie sind edelmüthig — verzeihen Sie mir! Doch nein, verzeiheu können Sie nicht; aber verzichten Sie auf Ihre Rache. Ich bin verloren, wenn Sie mich anklagen!" schrie Brunello, sich krümmend vor Angst.

Ich schwieg.

„Meine ganze Zukunft ist vernichtet! Ich habe furchtbar gegen Sie gesündigt; aber worauf Sie vielleicht den meisten Nachdruck legen, daß ich Ihnen Blanda geraubt habe, dieser Vorwurf trifft mich nicht in dem Maße, wie glauben. Schonen Sie meinen alten Vater!"

Ein schwerer Kampf tobte in mir. Brunello heftete seine Augen auf mich mit der furchtbaren Angst, mit welcher der Verbrecher dem Urtheils- spruch des Richters entgegensieht. Endlich, und

Edelmuth noch mehr in Anspruch nehmen; doch ich war dagegen aus dem einfachen Grunde, weil ich schon damals den Plan hegte, Ihr Vermögen in meinen Besitz zu bringen, und es nicht zu sehr ge­schädigt wissen wollte. Als Sie Blanda kennen lernten, waren wir so gut wie verlobt. Nach und nach weihte ich Blanda in meine Pläne ein. Auf meinen Rath zeigte sie ein wärmeres Gefühl gegen Sie, um mir den Weg zu bahnen, zu jenem Vor­schläge, ein Testament zu ihren Gunsten zu machen. Ich stellte ihr die Möglichkeit vor, daß Sie fallen

Die neue Idee der Staatsgarantie für die Versicherungskosten geht in grundlegender Unterscheid­ung von der eben erörterten, von der Sorge um die Leistungsfähigkeit der Arbeitgeber, der Be­triebunternehmer, der Berufsgenoffenschaften aus und konstruirt für Noth- und Ausnahmsfälle eine eventuelle (subsidiäre) Aushilfepflicht des Reiches für den Fall, daß „eine. Ueberbürbung der In­dustrie" eintritr, für ocn Fall „der büTternberr Leistungsunfähigkeit einer Genossenschaft". Abge­sehen von anderen Gründen und hauptsächlich da­von, daß gar zu leicht der Schein erweckt wird, als ob nun doch noch ein ti einer Bruchtheil der alten Lieblingsidee gerettet werden sollte, können wir uns mit der Staatsgarantie schon deßhalb nicht einverstanden erklären, weil sie durchaus un- nöthig ist, weil im Rahmen des ganzen Systems und nach Vorgang der österreichischen Gesetzge­bung eine andere weit einfachere, zweckmäßigere und gerechtere Lösung der Garantiefrage möglich ist. Die Motive zu dem österreichischen Unsall- versicherungs-Entwurfe sagen hierüber mit Recht: „Ueber dieser Hauvtverpflichtung des Betriebs-

eines Zuschusses aus öffentlichen, namentlich aus Staatsmitteln in Betracht, wie derselbe bekannt­lich von beiden deutschen Entwürfen vorgeschlagen wird. Der vorliegende Entwurf hat es öermieben, eine diesfällige B stimmung aufzunehmen, vorzugs­weise aus dem Grunde, weil es nicht gerechtfertigt erschien, zur Ersatzleistung für die durch die Ge- fahren eines besonderen Berufs herbeigeführ­ten Unfälle die Mittel der Gesammtheit des Staates in Anspruch zu nehmen. Die Gefahren einer Berufsklasse müssen aus den Kreisen ge­deckt werden, welchen das Resultat der Ar­beit dieser Klasse zunächst zu Gute kommt, also aus den Kreisen der Arbert- geber und eventuell der Arbeitnehmer. Die Ge- sammtheit, welche durch den Staat repräsentirt wird, kann zur Beitragsleistung zu solchen Lasten besonderer Berufskreise billigerweise nicht herange­zogen werden". Der österreichische Entwurf hat die Garantiefrage dadurch gelöst, daß er einen Verband der gesammten Genossenschaften für den Fall der Leistungsunfähigkeit einer einzelnen Ge- noffeuschaft eintreten läßt. Wenn es wahr ist, daß, wie die „Grundzüge" ausführen, „ der Ein­tritt der Zahlungsunfähigkeit einer Berufsgenossen- schast nach der vorgesehenen Organisation nahezu ausgeschlossen" ist, so muß der eventuelle Ein­tritt der Gesammtheit der Betriebsunternehmer für eine einzelne Genoffenschaft um so unbedenklicher er­scheinen. Uebrigens haben die Grundzüge dieser Ord- . nung der Dinge schon dadurch den Weg gebahnt, daß sie in Ziffer 18 den Berufsgenossenschasten das Recht verleihen wollen, zur Theilung des Risikos unter ein­ander Vereinbarungen zu treffen, ein Gedanke, der in dem obigem Vorschläge nur konsequent weiter aus­geführt und vollendet erscheint. Durch eine solche Garantie der sämmtlichen Genossenschaften für die Leistungsfähigkeit jeder einzelnen würde die denk­bar größte Sicherheit geschaffen, und es könnte dadurch die unangenehme Eventualität umgangen werden, daß das Reich, also die Vereinigung sämmt- licher Berufsstände, für die besonderen Ver­pflichtungen eines einzelnen Standes einzutreten hätte. (Schluß folgt.)

* Die Grundzüge des Unfallver- | sichernngs-Entwurfs.

III.

, Die Aufbringung der Versicherungskosten soll lediglich durch die Betriebsunternehmer, durch die Berufsgenoffenschaftey erfolgen. Nicht nur die Beitragspflicht der Arbeitnehmer, also der Ver­sicherten, sondern auch der von der Rcgitrung bis­her mit so großer Zähigkeit festgehalteno Reichs - zuschuß ist fallen gelassen. Ohne tiefe Kon­zession an die öffentliche Meinung, welche in der Presse wie im Reichstage und der Reichstagskom-. Mission bezüglich der Verwerfung des Reichszu­schusses eine große Einmüthigkeit an den Tag legte, würde der neue Entwurf dem Schicksal seiner beiden Vorgänger anheimfallen müssen. Nicht so sehr die für das Reichsbudget entstehende Mehraus­gabe, welche verhältnißmäßig kein allzugroßes Opfer im Interesse der arbeitenden Klassen gewesen wäre, als vielmehr die dem Vorschläge zu Grunde lie­gende, an sozialdemokratische und kommunistische Ideen anknüpfende Tendenz war es, welche die weitesten Kreise des Volkes von der Bewilligung des Reichszuschusses zurückschreckte. Nun ist zwar der Reichszuschuß aus der Konstruktion des Gesetzes entfernt, jedoch ist, wie schon angedeutet, ein letzter Rest dieser Verpflichtung des Reiches, unter Umständen und zum Theile für die Kosten der Versicherung aufzukornmen, in dem Entwürfe festzuhalten. Es ist dies die Bestimmnüg, wonach bei eintretender Leistungsunfähigkeit einer Berufs­genossenschaft die Verpflichtungen derselben auf den Reichssäckel übernommen werden sollen. Sehen wir zunächst, wie Die Motive zu den Grundzügen diese staatliche Garantie für die Sicherheit der Unfall- versicherungskasien zu begründen versuchen. Tie bezüg­liche Stelle lautet: „Die in der früheren Vorlage vor­gesehenen Zuschüsse des Reichs sind in Fortfall gekom­men. Wenn auch in neuerer Zeit die Aufsagung im­mer mehr Boden zu gewinnen scheint, welche in der ausschließlichen Uebernahme der durch Betriebsun­fälle herbeigeführten Schäden durch die Arbeitgeber die Befriedigung einer gerechten Forderung erblickt, so findet diese Uebernahme der Kosten der Unfall­

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<Q> Den Frieden gefunden.

Brunello stöhnte laut auf vor Ingrimm. „Was wollen Sie denn noch von mir?" fragte er endlich.

„Ich wollte Genugthuung von Ihnen fordern, Genugthuung mit den Waffen in der Hand. Doch während meiner jetzigen Unterredung mit Ihnen ist mir die Ueberzeugung gekommen, daß ich mich durch einen Zweikampf besudeln würde. Das Gerechtigkeitsgefühl der italienischen Justiz wird hoffentlich durch die Maulwurfsarbeit solcher ver­worfenen Individuen, wie Sie und Ihre Freunde sind, nicht so sehr erschüttert sein, daß die Richter Ihnen keine Sühne Ihrer Handlungen auflegen werden. Röthigen Falles werde ich die Hülse un­serer Gesandtschaft in Florenz anrufen."

Brunello wprde leichenblaß; der letzte Rest fer­ner Frechheit fchwand endlich vor der Erkenntniß der Gefahr, die ihm drohte. „Sie follten im Staude fein, Ihren ehemaligen Freund unglücklich zu machen?" fchrie er auf.

„Wie können Sie wagen, an ein Gefühl zu erinnern, an eine Freundschaft zu appellircn, welche Sie in so unerhörter Weife mit Füßen traten!" rief ich entrüstet.

Ta fiel der Unselige händeringend auf die Kniee nieder und flehte: „Haben Sie Mitleid mit mir, machen Sie mich und mein Weib nicht unglücklich! Bei der Liebe, welche Sie zu Blanda gehegt haben, beschwöre ich Sie, richten Sie mich nicht zu Grunde!"

„Haben Sie Mitleid mit mir gehabt?. Haben das ist ein Lichtpunkt in meinem damaligen trost- Sie mir nicht alles geraubt, was Sie mir rauben losen Dasein, unterlag das wilde Rachegefühl in “ ' meinem Innern. „Nun, so sei es denn", stich ich

mühsam heraus. „Jedoch unter der Bedingung, daß Sie mir auf meine Frage der Wahrheit ge­mäß antworten: wußte Blanda um jenen Anschlag auf mein Leben, und strebte sie mit Ihnen in verbrecherischer Weise nach meinem Vermögen?"

„Nein; daher konnte ich auch so eben mit vollem Rechte sagen, daß ich Ihnen Blanda's Liebe nicht geraubt habe", erwiderte Brunello, ausstehend und tief Äthern schöpfend. „Blanda hat Sie nie ge­liebt. Der Zweck ihres vielleicht mehr als freund- schaftlichen Benehmens gegen Sie zielte anfangs einzig und allein dahin, Sie für die Sache Gan- baldi's zu gewinnen. Wir mußten, daß Sie reich feien, und so waren wir Alle einig darin, Ihnen Unterstützungen für die Zwecke der Expedition zu entlocken. Mein Vater und Blanda wollten Ihren