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Fuldaer W Inlung

Donnerstag, den 10. Januar 1884.

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Eine Audienz beim Papste

wird von einem (protestantischen) Berichterstatter der .Post' in einer auch für unsere Lesrr interes­santen Weise geschildert. Der Bericht verdient um so mehr Beachtung, als der Papst sich dem Berichterstatter gegenüber auch über seine Unter­redung mit dem Kronprinzen ausgesprochen hat, und zwar in einer Weise, welche mit dem vielbe­sprochenen „Bericht" der ,Nat.-Ztg.' keineswegs in Einklang steht.

Der Gewährsmann der .Post' schreibt:

Durch den Thronsaal, in dem sich der päpstliche Stuhl unter einem Thronhimmel befindet, ging der Weg in die Antikamera. Hier befand sich nur der Kommandant der Nobelgarde, ein Monsignore und Monsignore Macchi (der maestro di Camera), der eine kleine Thür öffnete, Ihrem Berichterstatter voranging und diesen in ein kleineres Ge­mach einführte, das nur ein Fenster hat. Es ist ganz roth ausgestattet, an einer Seite befindet sich ein Thron- seflel, von einem Baldachin überragt, um diesen im Kreise Seffel und Tabourets, vergoldet, mit rothem Sammet oder gleichfarbiger Seide bezogen. Dem Thronsessel gegen­über an der Wand ein altarähnlicher Tisch mit einem etagenartigen, nach oben sich verkürzenden Aufbau, roth behangen, darauf ein Kruzifix, darüber ein Smail- oder Mosaikbild religiösen Gegenstandes So einfach prunklos die vorhergehenden Gemächer sich darstellten, so reich, ele­gant und warm in der Farbe erschien dieses — das Pri- vatkabinet des Papstes, in dem er auch den Kronprinzen empfangen hatte. Nur mit flüchtigem Blicke vermochte Ihr Berichterstatter dieses Innerste des Vatikans zu strei­fen. Denn vor dem Tische aus diesem Seiden-, Sammet oder Brokatroth ringsum erschien, aufgerichtet am Altar stehend, die Gestalt Leo's XIII., ganz in Weiß. Die weiße Soutane aus weißer Wolle mit Kragen hatte an den Aermeln Aufschläge von meihem Moire, ebenso war der Gürtel von gleichem Stoffe und das Käppchen, wel­ches das spärliche, fast weiße Haar bedeckte. Auf der Brust ruhte an goldener Kette ein einfaches goldenes Kreuz. Die einzige Farbe an dieser weißen Erscheinung waren die rothsammtenen goldgestickten Pantoffel, die eigentlich Schuhe sind. An der rechten Hand, die wie die linke mit seidenen weißen Halbhandschuhen bedeckt

war, glänzte ein großer, von Brillanten umfaßter Saphir. So das äußere Gewand. War es die Persönlichkeit des heiligen Vaters, war es die große historische Tradition, war es die Fülle geistlicher Macht und Autoriät, die hier in einem Manne vereinigt stand, war es der Gedanke, daß auf dem ganzen Erdenrunde Millionen hierher ihre Gedanken und beladenen Herzen richten — war es das Alles zusammen — Ihr Berichterstatter muß sich gestehen, daß er selbst aus seinen gefesteten evangelischen Ueber- zeugungen heraus des Eindrucks des Jmponirenden sich nicht erwehren konnte. Kein Bild des Papstes kann nach diesem persönlichen Eindrücke den Anspruch auf Treue machen. In allen, die Berichterstatter gesehen, hat der Mund ein Lächeln, das auf den bildlichen Darstellungen nicht gerade angenehm wirkt, das aber in Wirklichkeit den Zügen des Papstes ganz fehlt. Diese tragen allerdings einen freundlichen, aber auch eben so angenehmen Aus­druck. Die Gesichtsfarbe ist blaß, aber nicht kränklich, das Auge verschleiert. Nach den bisherigen Schilderungen der Persönlichkeit des Papstes hatte sich Berichterstatter die Gestalt noch höher gedacht, aber auch noch schmächti­ger, als in Wirklichkeit. In ihrer Haltung ist von Aller wenig bemerkbar. Nur in die Stimme schleicht sich ab und zu ein Ton, der von dem hohen Sechziger berührt.

Der Papst spricht sehr ruhig, fast in einer, an einen vornehmen Professor erinnernden Weise, mit wenig Gesti­kulation. Ost wiederholl er 'am Ende eines Satzes ein Wort, gleichsam um damit den Uebergang zum andern zu finden. Auch geht fein Blick immer nach Innen. In seinen Formen ist er sehr verbindlich,- aus seinem ganzen Wesen spricht Wohin, oll e-r und freundlich« Güte, zwischen deren Ausdruck aber doch hin und wieder ein sich im Klange der Stimme allerdings abtönender herber Zug bemerkbar machen kann. Wie alle Menschen aus vollem Machtbewußtsein her­aus, gibt er Allem, was er sagt, die Bedeutung eines Axioms. Des Französischen bedient er sich mit großer Fer­tigkeit, ohne daß gerade der römische Accent sehr bemerk­bar wurde. Als ihm der Name des Berichterstatters ge­nannt worden war, und Monsignore Macchi das Gemach verlassen hatte, nahm der Papst nach einigen persönlichen Fragen Veranlassung, über die Reise des Kronprinzen in Spanien und über den von ihm empfangenen Besuch im Vatikan zu sprechen. Er bemerkte, daß sich an den ersten Besuch des hohen Herrn in Rom 1853 eine für ihn sehr

denkwürdige Erinnerung knüpfte; er war eben Kardinal geworden, als der damalige Prinz Friedrich Wilhelm aus \ den Zimmern Pius' IX. kam. Abends war der Kardinal

in einer Gesellschaft mit dem Prinzen Beim Fürsten Daria ■ zusammen. Der Kronprinz habe sich deffen wohl erinnert; i er habe in Madrid zum dortigen Nuntius Rampolla ge- - äußert, daß der Papst kein Fremder für ihn fei. Es habe j ihn gefreut, den Kronprinzen wiederzusehen, namentlich | unter den gegenwärtigen Verhältniffen. Seine Heiligkeit

sprach sich in vollstem Ausdruck über die Persönlichkeit des hohen Herrn aus, seine gewinnende würdevolle Erscheinung, seine offene vertrauenerregende Miene, die Rechtlichkeit (droiture) seines Sinnes, die Klarheit seines Geistes. „Das sind Eigenschaften, die dem künftigen Kaiser von Deutschland für seine große Aufgabe nur förderlich sein können, so sehr ich auch dem gegenwärtigen Kaiser in seinem stebenund- achtzigsten Jahre ein langes Leben noch wünsche. Ich habe dem Kronprinzen die katholische Bevölkerung Preußens an das Herz gelegt (recommande). Der Papst wiederholte diese Wotte. Das erste Mal gebrauchte et das Wort „apaiser“. Aber Seine Heiligkeit sprach in dem Momente so leise, daß Berichterstatter, um ganz korrekt zu fein, zweifelhaft ist, ob sie sagte, daß der Kronprinz eine Hoffnung durchblicken ließ, daß sich die gegenwärtigen Irrungen mit dem römi­schen Stuhle mit der Zeit wohl friedlich gestalten würden oder ob der Papst mit dem Worte nur seinen eigenen Wunsch ausdrückte. Aber er wiederholte dieses Ansherzlegen der katholischen Bevölkerung Preußens und sprach dabei von einem künftigen guten Verhältnisse (si desirable). „Man hat", fuhr er fort, „in Deutschland ein Vorurtheil gegen den Papst. Mtt großem Unrecht. Der Papst will nicht den Unfrieden. — Ich empfange Katholiken und empfange Protestanten, weil sie Christen sind. Obgleich sie nicht unserer Kirche angehören, segne ich sie, in der Hoff­nung , ffie als Söhne unserer Kirche ausnehmen zu können (de les recevoir en fils de notre eglise).“ Der Papst wußte, daß er das zu Einem evangelischen Bekenntniffes sprach, wie er überhaupt von der Stellung des Berichterstatters zur Oeffentlichkeit unterrichtet war. Er sagte das mit jener Ruhe, mit der man einen Glau­benssatz ausspricht, dabei umspielte ein leises Lächeln seine Lippen, gleichsam als eine Dreingabe, um das, was er im Innersten glaubte und auszusprechen für eine Pflicht hielt, seinem Gegenüber weniger empfindlich zu machen.

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<P Den Frieden gefunden.

Mein Banquier hatte mir eine ziemlich bedeu­tende Summe eingeschickt; ich fühlte meine Ver­pflichtung, die Spital-Verwaltung wenigstens für die Kosten, welche ich verursacht hatte, zu entschä- digen. Nachdem ich Allen, die mich in meiner langen Krankheit verpflegt, nach Kräften meine Dankbarkeit bewiesen hatte, betrat ich als ein freier Mann die heilige Stadt. Aber es duldete mich keine Stunde länger als nothwendig in ihren Mauern. Schon am anderen Tage fuhr ich pochenden Her­zens Florenz zu. Auf dem Bahnhofe rief ein Zeitungsträger die Tagesblätter aus. Ich kaufte dem Burschen verschiedene derselben ab, darunter auch eine Florentiner Zeitung. Wie zufällig ließ ich meinen Blick über den Jnseratentheil gleiten — und gewahrte Namen, die mich auffahren ließen. Ein wilder Schrei entfuhr meinem Munde. Wie wahnsinnig starrte ich das Blatt an; meine Augen bohrten sich in die Zeilen hinein: „Giovanni Bru- nt'llo und Blanda Toverci — Vermäblte. Florenz, den 30. Januar 1868."

Es war ein Glück, daß außer mir Niemand rm Koupe sich befand; man hätte mich für irrsin- nig gehalten. Immer wieder blickte ich auf das Blatt, und immer wieder las ich die niederschmet­ternden Worte. Ich zerriß die Zeitung und trat Iie wüthend mit Füßen. Dann sank ich müde und und abgespannt auf meinen Sitz zurück, schlug die

Hände vor das Gesicht und verharrte so stunden­lang in dumpfem Schmerz. Endlich lief der Zug in den Bahnhof von Florenz ein. Ich ließ mich nach dem Hotel Europa fahren. Die Kellner be­trachteten mich mit erstaunten Blicken; ich muß abschreckend ausgesehen haben. Mit Mühe gelang es mir, Herr des wüthenden Schmerzes zu werden, der mich durchtobte. Eine Stunde später hielt mein Wagen vor dem Hause des Notars, der das Testament aufbewahrte. Als ich eintrat, starrte mich der Rechtsgelehrte an, als sei ein Geist vor ihm aus der Erde aufgestiegen. War es Schrecken, was sich in seinen Zügen ausprägte? Wer konnte es mir verdenken, daß ich in meinem Seelenzu­stande ihn für einen Mitschuldigen jenes schmäh­lichen Komplots hielt? Doch dem war nicht so, zu seiner Ehre sei es gesagt. Als die erste Be­stürzung vorüber war, streckte er mir herzlich die Hand entgegen und rief: „Ah, Signore Baron, wie freut es mich, Sie wiederzusehen! Sie sind also doch nicht tobt?"

„Wie Sic sehen", erwiderte ich. „Haben Sie mich denn für tobt gehalten'?"

„Ich? Nein! Ich eigentlich nicht; aber Ihr Freund, Signore Brunello, betrauert Ihren Tod."

„Ah, der Gute! er grämt sich wohl sehr darüber?" fragte ich grimmig.

Der Notar betrachtete mich forschend. „Jetzt denkt er wohl an andere Dinge", erwiderte er. „Sie wissen dock, daß Signore Brunello vorgestern

geheirathet hat? Aber, per baccho! Lautet denn die letzte Verfügung für den Fall Ihres Todes nicht zu Gunsten der Signorina Toverci — was sage ich — der Signora Brunello?"

„Freilich", entgegneteich, „und daher wäre denn auch der ungemein tiefe Schmerz rhres Gatten über meinen Tod nur zu natürlich."

Der Notar schüttelte den Kopf. Ihm begann die Sache etwas verdächtig vorzukommen. „Und womit kann ich Ihnen dienen, Signore?" fragte er dann. „Ah so! Jetzt fällt mir ja auch ein: Vor etwa vier Wochen kam Signore Brunello zu mir und theilte mir ganz nievergeschlagen mit, daß über Ihren Tod leider kein Zweifel mehr herr­schen könne. Er habe ganz zuverlässige Nachricht, daß Sie in der Affäre bei Mentana gefallen seien. Dann erzählte er mir, unter welchen Umstünden Sie den Heldentod gestorben. Nun, ich bin ge­rade nicht päpstlich gesinnt; aber für den Ruhe­störer Garibaldi habe ich mich nie recht begeistern können, und so dachte ich bei mir, daß ich Jhnm auch ein befferes Loos gewünscht hätte."

„Ich danke Ihnen für Ihre Theilnahme, Sig­nore", erwiderteich; „doch fahren Sie gefälligst fort."

„Signore Brunello machte mir den Eindruck, als ob Ihr Tod ihn beinahe der Fasiung beraube. Nachdem er sich gesammelt, sagte er, daß Sie ihm für den Fall ihres Todes die Ordnung Ihrer An­gelegenheiten übertragen hätten, was ihm eine recht schmerzliche Pflicht sei. Unter Anverm hätten