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H. Dienstag, den 8. Januar 1884.

Fuldaer fll Ieitung.

D-- ,Fulda« Zerrung' erfdjeint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnemenlsprei-^ohne^Bringerlohn und Bestellg-ld- 1 Mk. 50 Pfg., --mit der belletristischen Wochenbeilag- .Sterne und Blumen' m Fulda l Mk. 70 Pfg auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige ZÄe oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; b-, Wiederholungen entsprechender Rabatt. .

ODiepolitischeEntwickelung Frankreichs im abgelaufenen Jahre.

I.

Reich an Aufregungen jeder Art, an inneren und äußeren Kämpfen, überreich an Ueberstürz- ungen und gewagten Unternehmen, so stellt sich die politische Entwickelung Frankreichs im Jahre 1883 der Geschichte der vorhergangenen Jahre seit der Gründung der „glorreichen dritten Repu­blik" ebenbürtig an die Seite. Das Jahr 1883 trug den Stempel der Unsicherheit und des poli­tischen va-banque»©piel6 nur zu deutlich an der Stirne. Der heutige Zustand der französischen Re­gierung, der fortwährende Wechsel derKabinets und Systeme unter dem schwachen, und deßhalb nur zur äußeren Repräsentation stets geeignet bleibenden Präsidenten, die Begünstigung des Streberthums und der politischen Charlatanerie macht das franzö- stsche Volk zum Spielball einer Parteileidenschaft, welcher alle Mittel recht sind, wenn sie nur zum Ziele führen. Und dieses Ziel ist die leitende Stel­lung im Kabinet, ein Sitz im Ministerium, wenn auch nur für Wochen und Monate. Wisien doch die heutigen französischen „Staatsmänner" stets mit großer Eilfertigkeit und Gewandtheit selbst in der kürzesten Zeit die Situation für ihre Person und ihre Partei auszubeuten. Man braucht nur an die bei jedem Kabinetswechsel von Neuem sich voll­ziehende „Säuberung" und „Erneuerung" der wich- tigsten Aemter der Staats- wie Provinzialverwal- tung zu erinnern. Das Jahr 1883 sah in Frank­reich wieder drei Kabinets. Eine dreimalige Minister­krisis in einem Jahre gehört iin Allgemeinen für Pariser Begriffe noch nicht zu den Merkwürdigkeiten. Der Beginn des Jahres fand das kraft- und einflußlose Ministerium Duclerc an der Spitze der Geschäfte. Als in der Neujahrsnacht der populärste Mann der Republik, Gambetta, hinüberschied, und wenige Tage nachher der Tod auch Frankreichs besten General, Chanzy, in's Jenseits rief, entstand begreiflicher Weise eine allgemeine Erregung und Äathlosigkeit, der nur eine eiserne Faust und ein starker Wille hätte Trotz bieten können. Diese

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<0, Den Frieden gefunden.

Wir gingen zur Kinderstube, wo die Kleinen sich unter der Aufsicht der wackern Agatha, einer Litern Person, lustig tummelten. Walter von Hoheneck hob eines nach dem andern auf und drückte sie be­wegt an seine breite Brust. Dann faßte er sie Beide zugleich, und in innigem Glück verklärten sich seine schönen Züge, als die holden Kleinen ihre Aermchen zärtlich um des Vaters Nacken schlangen und ihn herzten. Ich trat zum hohen Burgfenster, um meine Rührung zu verbergen und dachte mit stil­ler Sehnsucht an meine Lieben in der fernen Heimath.

„Komm, Werner," rief Walther und legte seine Hand auf meine Schulter. „Wir gehen zum Dorfe hinab und besuchen den Pfarrer, meinen biedern Freund. Ich hoffe Gesellschaft dort zu finden; mich drängt es heute, Menschen um mich zu sehen." ^Erst als die Sterne in wunderbarem Glanze auf das weite Thal herabsunkelten, kehrten wir nach Hoheneck zurück. Wir hatten einen recht frohen Abend verlebt.

XIII.

Heiter trat Walther am Morgen in mein Zimmer.

„Ich habe einen Plan zurecht gelegt in dieser Nacht; falls er Deinen Beifall findet, gehen wir sofort an seine Ausführung," sagte er, nachdem wir einen herzlichen Gruß ausgetauscht hatten.

„Und wie lautet er denn?" fragte ich.

„Wir besuchen meine Schwiegereltern. Mehrere

Kraft hatte aber weder Grövy, nochj sein'Kabinets- chef Duclerc, welcher zudem noch krank darnieder­lag. So war denn die Krists unvermeidlich, und an die Stelle Duclercs trat am 28. Januar eine Art Geschäftsministerium mit Fallieres an der Spitze, eine Zusammensetzung von Männern, die den wortbrüchischen General Thibaudiu zu ihren Koryphäen zählte, und sich in jeder Beziehung un­fähig erwies, die Geschicke der Republik zu lenken.

Gambetta's Tod machte zwar einen um so nach­haltigeren Eindruck auf das französische Volk, als er der einzige Mann gewesen war, der sich auf sein persönliches Ansehen stützen konnte, und dem große Massen blindlings Glauben und Vertrauen schenkten. Doch Gambetta's Stern war schon lange vor seinem Tode bedenklich erblaßt, und so ist sein Name in der kurzen Zeitspanne eines Jah­res schneller vergeßen worden, als man hätte er­warten können. Den Tod des Exdiktators ver­suchte Prinz Jeröme Napoleon für seine Zwecke auszubeuten. Sein am 16. Januar an die Mauern von Paris angeschlagenes Manifest führte alsogleich zur Verhaftung des Prinzen, mit welcher das weiland Ministerium Falliere sich ohne Zwei­fel das denkbar schlimmste Zeugniß der Unfähigkeit ausgestellt hat. Man überschätzte die Bedeutung des „Appells an das Volk", und als aus den Spruch des Gerichtes hin Prinz Jerome wieder in Freiheit gesetzt werden mußte, konnte er sich sagen, daß seine Feinde ihm durch die Verhaftung den besten Dienst erwiesen hatten. Ploi^Plön war mit einem Schlage ein populärer Mann geworden. Ein greif­barer Erfolg ist ihm aus diesem „Staatsstreich im Kleinen" dennoch nicht erwachsen, das fianzöfische Volk hat heute ein gar kurzes Gedächtniß, und wer nicht in wenigen Tagen große Resultate aufzuwei­sen hat, von dem wendet es sich gelangweilt ab. Auch ist der offene Zwist zwischen den zwei Schat- tirungen der Bonapartisten, den Jerömisten und Viktoristen keineswegs geeignet, das Prestige der Partei zu erhöhen.

In Folge des Jeröme'schen Streiches hatte sich aber eine säst krankhafte Angst wegen der „mo­narchischen Umtriebe" der Regierung bemächtigt,

Gründe laffen mich Dir diesen Plan empfehlen. Erstens machen wir eine prächtige GebirgStour; zweitens erweisen wir meiner Frau einen sehr großen Dienst, die sich überaus freuen wird, wenn mir sie abholen; drittens lernst Du bei der Gelegenheit die Orte kennen, die in meiner weitern Geschichte eine Rolle spielen und viertens

- „Halt! Halt!" rief ich lachend. „Ein Grund genügt schon vollkommen. Also vorwärts I"

„Langsam, langsam, Plattländer," sagte Walther scherzend. „Wir haben ungefähr 6 Stünden theil- weise sehr beschwerlichen Weg; was sagst Du dazu?"

„Nehmen wir an, das sei der vierte Empfeh­lungspunkt. Dem Plattländer hat unser Herrgott auch ein Paar gesunde Beine und eine gute Lunge geschenkt. Also nochmals: Vorwärts!" erwiderte ich stolz.

„So gefällst Du mir," sagte Walther. „In der sichern Voraussetzung, daß Du meinen Plan gut aufnehmen würdest/ habe ich schon ein kräftiges Frühstück bestellt. Bis das fertig, ist, will ich Dir zur Erläuterung und Fortsetzung meiner Lebens­geschichte ein dahin gehöriges wichtiges Dokument zeigen."

Neugierig folgte ich Walther auf fein Arbeits­zimmer. Walther schloß seinen Schreibtisch auf und zog aus einem besonderu Schubfach ein stark abgenutztes Papier hervor. Es war das Schrei­ben, welches der sterbende Gaiibalviner ihm über­geben hatte. Ich entfaltete den Brief und las:

und selbst nachdem das von der Deputirtenkammer votirte Prinzen-Ausweisungs-Gesetz vom Senat verworfen worden, war man nicht eher zu­frieden, als bis Knegsminister Ehren - Thibaudin die orleanistischen Prinzen auf dem Disziplinarwege aus ihren militärischen Stellen entfernt hatte. Diese Vorgänge, welche die Aufmerksamkeit der besseren Elemente des Volkes in hohem Grade auf sich zogen, und nicht minder der gleick darauf erfol­gende Sturz des Ministeriums Falliores und die langwierige Kabinetskrisis gaben den Kommunisten und Anarchisten die beste Gelegenheit, im Trüben zu fischen und in turbulenten Kundgebungen ihre Kraft zu entfalten. Das neue Ministerium Ferry mit Challemel - Lacour (Auswärtiges), Waldeck- Rousseau (Inneres) und Thibaudin (Krieg) zeigte sich seinen beiden Vorgängern weit überlegen, es entwickelte wenigstens eine gewisse Selbststän­digkeit und Entschlossenheit, ohne deßhalb auch nur in einem einzigen Falle das Richtige zu treffen. Die Regierung des Ministeriums Ferry setzt sich eigentlich aus einer fortlaufenden Reihe von Miß­griffen zusammen, und nur die unverfrorene, in der Wahl der Mittel nicht wählerische, stramme Art des Regiments hat das Ministerium Ferry bis­her oben gehalten. Die anarchistischen Bestreb­ungen wurden mit äußerster Schärfe bekämpft, Luise Michel, welche einen Plünderungszug gegen Bäckerläden befehligt hatte, wanderte auf 8 Jahre in's Gefängniß, und die Regierung zeigte über« haupi bei jede" Gelegenheit den Komnmnisten, daß sie gewillt war, ihren Ausschreitungen mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten.

Die Zahl der größeren anarchistischen Demon­strationen blieb auch in Folge der Haltung des Mi­nisteriums auf das Bombenattentat in Lyon, dem schon erwähnten Pariser Exzeß und den Sturm auf das Rathhaus in Roubaix beschränkt. In Folge der großen Anarchistenprozcffe hat sich das Dunkel, welches über den Plänen der Aufrührer geschwebt hatte, in etwa aufgehellt. Die Regie­rung ist daher auf ihrer Hut, und die kommuni­stische Agitation befleißigt sich wieder einer mehr vorsichtigen und zuwartenden Haltung.

„Brüderlichen Gruß dem Kapitano Marchi!

Aus dem diesem Schreiben angefügten Zeichen werden Sie als Eingeweihter ersehen, daß die Sache, welche es behandelt, von äußerster Wichtigkeit und an der Ausführung der darin enthaltenen Ordre ganz außerordentlich viel gelegen ist.

Es ist zu unserer Kenntniß gekommen und hat nach den gewiffenhaftesten Recherchen sich bestätigt gefunden, daß der unter Ihren Befehlen stehende Dentsch-Tyroler Walther von Hoheneck ein höchst gefährlicher Verräther ist. Er hat es verstanden, sich in das Vertrauen geheimer Komito's einzu- drängen, und zwar ist ihm, da man keinen Zwei­fel in seine Zuverlässigkeit setzte, Zutritt zu den geheimen Sitzungen gestattet worden, zumal man in ihm eine sehr wichtige Kraft für unsere Bestre­bungen in Tyrol zu erwerben glaubte. Leider hat sich aber herausgestellt, daß Hoheneck ein elender Schurke ist, der unser Vertrauen in der schmäh­lichsten Weise mißbraucht hat. Von feiner Hand geschriebene und nach Paris, sowie auch nach Wien abgesandte Briefe fielen uns in die Hände und be­stätigen den Verdacht, den einer unserer Brüder zu hegen nur zu triftige Gründe hatte. Die Ent­hüllungen, welche dieser Mensch machen könnte, ge­fährden unserer Sache auf's Höchste, und es er­fordert nicht nur die Sorge der Selbsterhaltung, sondern auch die Pflicht gegen das Vaterland, daß der Verräther mnschädlich gemacht werde. Man dachte daran, ihn nicht mehr lebend aus Florenz