Einzelbild herunterladen
 

■■

—

1884

Jeilmg

Jfiilbdcr

— mit der

6

i.

l

t

।

Sonnabend, den 5. Januar

Signore?" , ,

Verwundert schaute ich auf. Woher kannte der Offizier meinen Ramen, und was wollte er^wohl von mir. Ungeduldig wiederholte er feine Frage, und als ich ihm bejahend antwortete, fuhr er fort: Folgen Sie mir! Ihr Kapitän liegt im Ster­ben- er hat den dringenden Wunsch ausgesprochen, vor'seinem Tode noch mit Ihnen zu reden."

Ich konnte mir durchaus nicht denken, was der Arme mir Wichtiges mitzutheilen habe; aber froh der Ablenkung von dem mich quälenden Gedanken folgte ich dem Offizier, der rasch vor mir herschritt, ohne ein weiteres Wort an mich zu richten.

Nach einigen Minuten trat ich an das Bett meines srühern Vorgesetzten. Auf den ersten Blick sah ich, daß der Tod seine Schatten über ihn brei­tete. Aber aus seinen Zügen lag tiefer friede. x5n

Thaten für unsere heilige Kirche und seinen Kaper die Welt mit Ruhm erfüllten, verbündest Dich mit den Feinden des heiligen Stuhles und ieder welt­lichen und geistlichen Ordnung! O, Gott, verzeihe du diesen armen, verführten Menschen!"

Fedes Wort traf mich wie ein Schlag, und noch lange, nachdem der heilige Vater das Kastell ver» lasten hatte, saß ich da wie ein Verbrecher dem der Richter das Todesurtheil verkündet. Meine Augen brannten wie Feuer, und als ich mit zit­ternder Hand über sie hintastete, fand ich, datz ne

»er deutsche Thr-uftlzrr t» -»lehnt, inratait die 8'8«= wärtige Sausterp-litik inhaltlich ru »ertreten nnd lot der Hetien auch nur moralisch eiue Perautmortlichknt für dre- Gerade'dies^fst^durch die Verösfenilichung des Inhalts der Unterredung zwischen Kronprinz und Papst aller W ““lieber* den^Jnhalt des bekannten Berichtes der .National Ztg.' hat die ,Nordd. Allg. Ztg.' sich nicht klar geäußert, jedoch deuten die Ausdrücke „au ge v- lich e" Vorgänge und „Ueb erschw eng l ich rei­ten" in genügender Weise an, daß der Gewährs­mann der .Norddeutschen' den Bericht keineswegs für authentisch hält. Hoffentlich wird sich un wei­teren Verlaufe dieses Streites das mystische Dunkel, welches über diesem Berichte schwebt, lichten.

Deutsches Reich.

Fulda, 5. Januar.

*sKoadjutorsürGnesen-Posen.) Laut einem Telegramm der „Post" meldet der ,Cur. Pozn' aus Rom aus bester Quelle, „daß man in letzter Zeit die Frage eines Koadiutors für das Erzbisthum Gnesen-Posen dis- kutirt habe. Der vom päpstlichen Stuhle vor- qeschlagene, früher schon von einem anderen Bi­schof vorgeschlagene Kandidat sei von der preußi­schen Regierung nicht als persona grata aner­kannt worden. Unter den von der preußischen Regierung proponirten Kandidaten befinde sich kern Deutscher." Gottlob scheint also endlich auch die Posener BiSthumsfrage in Fluß zu kommen.

-* (Giftular der Ceutrumsparter^Der., Vorsitzende der Centrumsfraktion Frhr. v. Schor- lemer-Alst hat an die Mitglieder der Fraktion nachstehendes Circular erlassen: „Zu den am b. Fanuar wieder beginnenden Sitzungen -es Abge­ordnetenhauses bitte ich die verehrlichen ^ckglieder und Hospitanten der Centrumsfraktion, ,lch pünkt­lich einfinden zu wollen, zumal der Antrag Reichensperger voraussichtlich am '.Mitt­woch den 9. zur Verhandlung kommt Die erste Sitzung der Centrumsfraktion findet Dienstag den 8. Januar Abends 7^2 Uhr im Zimmer Nr. 15 statt." —

naß waren. .., , . ..

Ein wieherndes Gelächter dicht neben imr schreckte mich auf. Es war einer meiner Mitgefangenen, auf besten Gesicht die Verkommenheit geschrieben stand. Dann folgte ein den heiligen Vater und mich verhöhnender roher Witz, den ich nicht wieder- qeben kann. In furchtbarem Zorn sprang ich aus und ehe der Bube sich zu schützen vermochte, traf ihn meine Faust, daß er zu Boden stürzte, -ter wachthabende Sergeant, der die Beschimpfung de^ Papstes vernommen, befahl zweien seiner Leute, den Kerl sofort in Arrest zu führen. Dann wandte er sich mit einer freundlichen Bemerkung zu mir; doch ich achtete seiner nicht. Ich war unsäglich elend- ich hätte ausschreien mögen vor L-eelenschmerz. Hin und her risten mich die zwei feindlichen Ge­walten in meinem Innern. Die Erinnerungen an meine schuldlosen Kindcrjahre, an die unverdorbene Jugendzeit, an meine edle Mutter stürmten auf

<0, Den Frieden gefunden.

Rlikicknell durchfuhr mich der (Setmnfe: bu verlierst Blanda, wenn du zu des Papste Füßen

Festeres Nachdenken versunken, merkte ich nickt daß der heilige Vater mit fiinen Begleitern unmittelbar vor mir stand und einen prüfenden Blick auf,nich warf. Meine Haltung Mchte : rn

Du bist kein Italiener, mern Sohn? kragte “ÄÄ «ui und Wütuue nur «-

TM d-nn D.M- L.tm«,h-

''Zch wM-'chm Trotz bieten und lomite eine unwiderstehliche Macht zwang wich zum Spre- cken Fck bin Tyroler", erwiderte ich leise.

' „Was^that ich Dir denn, mein Sohn, daß auch Du die Waffen gegen mich trügest? fragte Prus in einem Tone, der mich fast schmerzlicher berührte, .'““‘su, M Ähn 1-n-- Soll«. »»"» »--dich-

[er mich ein und riefen nur flehend zu, zu brechen mit meinem bisherigen Leben, wieder glücklich zu werden, wie ich es einstens gewesen als gläubiger Mensch. Aber dann tauchte wieder das verführe­risch schöne Bild Blanda's vor meinen Augen aus; ihre großen, glänzenden Augen winkten mir ver­heißend entgegen, und trotzig drängte ich alle guten Regungen zurück. .

Wieder öffnete sich die Thüre. Ern Offizier trat ein und sprach leise mit dem Sergeanten. Dieser blickte forschend umher und zeigte dann auf mich. Der Offizier näherte sich mir, und imlrta- risch grüßend fragte er; „Heißen Sie von Hoheneck,

S lieber de« Bericht der ,Nat-Zeitrmg"

betr. die Unterredung zwischen Papst und Kron­prinz, besten Unrichtigkeiten und „Ueberschwenglrch- keiten" nur zu klar am Tage lagen, hatte die offiziöse Presse bisher ein seltsames Schwergen beo­bachtet, und blieben alle Bemühungen der Presse, durch Stellungnahme zu dem Artikel eine authen­tische Kundgebung zu veranlasten, erfolglos. End­lich hat das Organ Eugen Richters, der fortschritt­liche .Reichsfreund' es verstanden, der . Nordd - Alla Ztg.' den Mund zu öffnen. Derselbe behandelt in einem Leitartikel das Thema „Kronprinz und Kanzler" und hebt hervor, der Kronprinz wähle für seine Mittheilungen stets nur solche Blatter, welche nicht zur Kanzlerpresse gehören, und deren Partei nach Ansicht der ,Nordd.' das Reich, die Monarchie und die Dynastie der Hohenzollern untergraben. Wir geben nachstehend die gleichzeitig den angreifenden Artikel enthaltende Antwort der .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' im Wortlaut roieb®ie .National-Zeitung' hat durch die lieber» schwenqlichkeiten, mit denen sie ihren Bericht über angebliche Vorgänge im Vatikan ausstattete, Er­folg nach einer Richtung hin erzielt welche ne, die doch nur „zukünftige Geschichtsschreiber" für sich reklamirte, weder beabsichtigt, noch erwartet haben mag. Der ,Reichsfreund- der bekanntlich an bet Stirn die bezeichnenden Parteinamen H. Hermes, L. Parisius, Eugen Richter trugt, be­mächtigt sich nämlich der Offenbarungen des sez- zessionistischen Blattes, um die erlauchte Person- lichkeit unseres Thronerben tn einer Form und cpendenz in die Zeitungserörterung zu ziehen, rote das bisher auch im lebhaftesten Parteistreit noch nicht gewagt worden ist. So anwidernd es nun auck erscheinen mag, mit derartigen Auswuchsen der Parteiverbissenheit nähere Bekanntschaft zu machen, so dürfte es doch dem Geiste hohenzollern- scher Tradition entsprechen, aus diesem Pamphlet wenigstens die Eingangssätze zur Kennzeichnung fortschrittlicher Parteitaktik niedriger zu hangen, wobei wir in dem nachstehenden Citat die Au,-

lassungen des .Reichsfreund' auch in der Druck- orm genau wiedergeben:

Kronprinz und Kanzler.

Was der Reichskanzler wohl für Augen gemacht h^aben S3^g“dnerSe?S Bericht über d-n Inhalt der Unterredung des Kronprinzen mit dem Papst zu lesen

Daß dieser Bericht authentisch war, wird ,etzt von kei­ner Seite mehr bezweiselt.

>.me Unterredung fand unter vier Augen statt. Da d-r^Vavst den Bericht an die .National-Zeitung Nicht etn= ae2hat,7° ist L-Einsendung direkt durch den Kron- 8 . neranlakt Vor diesem Bericht der .National- Zeitung' war über den Inhalt jener Unterredung mchts an die Oesfentlichkeit gelangt. Gerade der .National- Zeitung' und dieser allein sendet der Kronprinz einen sol­chen Bericht. Die Redakteure der 'National-Zeitung sind Sezessionisten. Sezessionisten aber gehören zum '.Anhang h -r.artickrittsvartei". So wenigstens kann man e-> allwöchentlich mindestens einmal in der Sesammten Kanz-. lervresse lesen. Beide Parteien untergraben — das wird dort täalich ein- bis zweimal bewiesen — mit ihrem Stre­ben nach parlamentarischer Regierung das Resch, dw Mo­narchie und die Dynastie der Hohenzollern insbesondere. Sinael'tandene Republikaner sind um kern Haar bester. So wemgstens hat es noch jüngst Herr v. Puttkamer versichert.

Der deutsche Thronfolger muß doch anderer Ansicht sein. Man pflegt solche Berichte nicht gerade e ner Zeitung zur Veröffentlichung zu senden, deren R-ch- üna man mißbilligt. Gibt es doch s°°'° andere „gu - gesinnte" Blätter; auch die ,Kreuz-Ztg.' hat einen Redak­teur im Gefolge des Kronprinzen gehabt

Der Kronprinz wählt offenb ar absichU>ch ,u Mittbeilunqen an die Presse Blatter, weiche «iilit ,«r Slüttierpr-ffe z-d--'». ed:r m >tm ßasjlerabha»- gig lind. Der Kronprinz nin mt auch an ffier opposlnorrel- len Richtung solcher Blätter zu der gegenwärtig maygeben- den Politik keinerlei Anstoß.

die Bedeutung der Wahl des Organs zu den vom Kronprinzen gewollten Veröffentlichungen. Aber d.e Haupt- f .r, eifricicr bie »^reunbc bk§ .Kcxnjletö

''n falsche Nachrichten in das Publikum zu bringen den Kronprinzen in di- gegenwärtige K^^^d^Kronmmwn ten diese Politik auch mit dem Mantel des Kronprinzen zu decken sie als die allein den Interessen der hohenzol- s-^-n Tnnastie entsprechende Pol-tik der Zukunst hinzu-