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Freitag, den 4. Januar

1884,

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

# Z«m Jubiläum des deutsche» Zollvereins.

Mit dem Anbruch des neuen Jahres 1884 sind gerade fünfzig Jahre seit der Begründung des deutschen Zollvereins verflossen. Der Fall der in» nern Zollschranken und die Herstellung eines freien Personen» und Waarenverkehrs unter der Mehr­zahl der deutschen Volksgenoffen hatte schon in den ersten beiden Jahrzehnten ein so festes wirthschaft- liches Band um Nord- und Süddeutschland ge­schlungen, daß sich der Zollverein als die einzige Position erwies, aus welcher Preußen durch die österreichische Politik nicht verdrängt werden konnte. Preußen mußte sich bald nach seiner politischen Demüthigung in Olmütz wegen des Ablaufs der Zollvereinsverträge wieder zu einer selbstständigen inneren Politik aufraffen und ein Hort der wirth- schastlichen Entwicklung Deutschlands werden, um die materielle Existenz der eigenen preußischen Be­völkerung zu sichern. Preußen unterhandelte im Jahre 1851 mit Hannover und Oldenburg wegen ihres Beitritts zum Zollverein, es widerstand den Anträgen Oesterreichs auf Eintritt in den Zollverein und ging durch Neubegründung und Erweiterung des Deutschen Zollvereins im April 1853 wenig­stens in wirthschaftlicher Hinsicht siegreich aus der deutschen Krisis hervor. Zehn Jahre später trat in Folge des Abschluffes des preußisch-französischen Handelsvertrags wiederum eine Existenzkrisis des Zollvereins ein. Preußen stellte seine Zollver- tzundenten vor die Wahl, entweder den Handels­vertrag mit Frankreich anzunehmen oder aus dem Zollverein auszutreten. Nur die Festigkeit der preußischen Regierung und ihr Vertrauen auf die Unlösbarkeit des wirthschaftlichen Bundes entschied einen neuen großen nationalen und freiheitlichen Fortschritt, denn Bayern und Württemberg muß­ten schließlich kurz vor Ablauf der Zollvereins­verträge doch ihre Zustimmung erklären. — Bald nach der Erneuerung der Zollvereinsverträge im Jahre 1864 schien es eine Zeit lang, als könne der Main zu einer Grenze zwischen dem Nord­deutschen Bunde und den süddeutschen Staaten werden; aber die wirthschaftliche Einheit bildete

die Brücke zur vollen politischen Einheit. Der Zoll­verein wurde schon im Jahre 1867 aus einem völkerrechtlichen Verbände souveräner Staaten in einen unauflöslichen nationalen Verband mit par­lamentarischer Vertretung umgewandelt, und noch ehe es ein deutsches Parlament gab, tagten die offiziellen Vertreter des deutschen Nordens und Südens in einem Zollparlamente.

So hat sich der deutsche Zollverein als die reale Grundlage für den Bau der deutschen Einheit er­wiesen und die Geschichte des Zollvereins ist die Vorgeschichte des Deutschen Reichs geworden. Die Angehörigen des Deutschen Reichs sind nicht bloß durch ihre Sprache und politische Verfaffung, son­dern ganz besonders auch durch wirthschaftliche Interessen und durch die Verfaffung ihres Volks­wohlstandes unauflöslich mit einander verbunden und auf einander angewiesen. Erst seit der Be­gründung des Zollvereins hat sich eine deutsche Großindustrie gebildet, welche nicht nur einen gro­ßen freien heimischen Markt in immer ausgedehn­terem Maße zu versorgen, sondern auch auf dem Weltmarkt erfolgreich zu konkurriren weiß. Schon die erste im Jahre 1844 in Berlin veranstaltete Zollvereinsausstellung eröffnete einen erfreulichen Ueberblick über den Stand des deutschen Gewerb- fleißes und übte einen mächtigen Einfluß auf die Weiterentwicklung der Industrie. Gleichzeitig gab sie auch den Anstoß zu einer Reihe volkswirth- schaftlicher Fortschritte und Verbefferungen auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Vereinsthätigkeit. Schon damals würd' der Gedanke der Fürsorge für die Arbeiter in denkenden Köpfen rege und durch die Begründung des „Centralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen" zur Ausführung gebracht. König Friedrich Wilhelm IV. sprach in einer Kabinetsordre vom 25. Oktober 1844 sein war­mes Einverständniß mit den Bestrebungen des Centralvereins durch folgende Worte aus: „Auf dem Wege des gemeinsamen hilfreichen Wirkens für das Wohl der arbeitenden Klaffen wird die vaterländische Industrie, die so glänzend durch ihre Fortschritte sich auszeichnet, zugleich eine höhere Weihe erhalten und sich am gewiffesten

einen dauernden Segen sichern". Mögen dies königlichen Worte, mit denen die neueste, dem Arbeiterwohle gewidmete Botschaft des deutschen Kaisers übereinstimmt, alle Unternehmer und Arbeiterfreunde auch in dem neubegonnenen Jahre an ihre sozialen Pflichten erinnern!

Deutsches Reich.

Fulda, 4. Januar.

• Ue6er die kirchenpolitischen Ergeb­nisse des Jahres 1883 schreibt die.Provin- zial-Korrespondenz':

Im Dezember des Jahres 1882, zwölf Monate vor dem Besuch, den der Kronprinz dem Vatikan erstattete, gab ein an den Papst Leo XIIi gerichtetes Schreiben un­seres Königs der Ueberzeugung Ausdruck, daß eine beider­seitige Annäherung angezeigt erscheine und daß eine da­durch ermöglichte Wiederbesetzung der im Kirchendienst vor­handenen Vakanzen noch mehr im Interesse der katholischen Kirche, als in demjenigen des Staates liegen würde. Diese Erwartung ist durch die Ereignisse des abgelaufenen Jah­res genügsam gerechtfertigt worden, um der Staatsregie­rung den Dank und die Anerkennung aller derjenigen zu stchern, welche die Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen Staat und Kirche anstreben. Keinen Augenblick wird die rückschaue, de Betrachtung darüber im Zweifel sein können, daß die Sache der Wiederherstellung solcher Beziehungen während der letzten zwölf Monate erfreuliche Fortschritte gemacht hat und daß wir dem in dem Kai­serlichen Handschreiben bezeichneten Zwecke abermals um ein Erhebliches näher gekommen sind. Es genügt in dieser Rücksicht an die Thatsachen zu erinnern, welche der am 31. Dezember 1883 verkündigten bedeutsamen Entschließung des königl. Staatsministeriums unmittelbar vorhergegangen sind. Die Reihe dieser Thatsachen wurde durch einen am 5. Juni v. I. dem Landtage der Monarchie übergebenen Ge­setzentwurf eröffnet, der von der Bereitschaft der Staats regierung zur Beseitigung des in zahlreichen katholischen Gemeinden obwaltenden seelsorgerischen Rothstandes ebenso beredtes Zeugniß ablegte, wie von dem Verständniß der­selben für die unter den katholischen Staatsbürgern herr­schende Auffaffung der kirchenpolitischen Beziehungen. Nach eingehenden Verhandlungen kam ein am 11. Juli v. I. vollzogenes Gesetz zu Stande, welches die Anzeigepflicht auf das Maß des Unentbehrlichen beschränkte, der Zuständigkeit des Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten engere Gren­zen zog und die durch das Gesetz vom 14. Juli 1880 aus­gesprochene Straffreiheit für die Vornahme geistlicher Amts­handlungen ausdehnte. Soweit dies ohne Preisgebung wesentlicher Rechte des Staates möglich war, sollten die

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<Q> Den Frieden gefunden

„Waffer, o nur einen Trunk Waffer und dann mag es mit mir zu Ende gehen!" stöhnte der Schwerverwundete. Mich quälte selbst brennender Durst; aber woher Wasser nehmen? Da schlug der Laut nahender Schritte an mein Ohr und als ich mich umwandte, fiel der Schein zweier Laternen auf meine Gestalt.

Zwei Soldaten mit einer Tragbahre näherten sich mir. Von Flucht konnte keine Rede mehr sein, und so ergab ich inich in mein Schicksal.

„Holla, Bursche, was gibt's da?" rief einer der Leute mich an, während er an meine Seite sprang.

„Tobte und Verwundete," erwiderte ich finster, die päpstliche Uniform erkennens. „Doch wenn ihr euern Feinden auch Mitleid erweisen dürft, so nehmt euch dieses Offiziers hier an; er bedarf der Pflege."

„Verdient habt ihr's freilich nicht," brummte der Eine. „Man sollte euch da liegen lassen; ihr habt's ja so gewollt. Aber wir haben stren­gen Befehl, jeden Verwundeten ohne Unterschied herbeizuholen. Also komm', Peppi, wandte er sich zu seinem Kameraden f faß' an, daß wir das Rothhemd auf die Bahre legen; vorsichtig, wir wollen dem armen Teufel nicht wehe thun."

Der Kapitän stöhnte laut, als die Beiden ihn aufhoben. „Du folgst uns, Bursche," wandte sich

dann der erste Soldat zu mir, „denn entwischen sollst Du jetzt nicht mehr." Ich schleppte mich, so gut es ging, neben der Bahre her, auf der mein armer Kapitän, wieder bewußtlos geworden, lag. Am Verbandplätze waren die Aerzte noch in voller Thätigkeit, wiewohl es nicht weit von Mitternacht fein konnte. Ein noch junger Doktor untersuchte meine Wunde und murmelte dann halblaut in deutscher Sprache vor sich hin: „Einem braven Zuaven hätt's den Schädel zerschmettert, und dem Lumpen da macht es nicht ein Mal so viel."

„Sie halten wohl jeden Garibaldiner für einen Lumpen?" fragte ich gere zt.

Der Arzt blickte verwundert auf, als er die deutsche Sprache vernahm. „Ich habe Sie nicht beleidigen wollen; ich konnte nicht denken, daß Sie mich verständen," sagte er kalt. „Sind Sie Deutscher?" fragte er dann mit einem forschenden Blick, dem ich entnehmen durfte, daß er die eben angewandte Bezeichnung für vollständig richtig er­achtete.

Seine Frage blieb ohne Antwort; grollend setzte ich mich, als der Verband angelegt war, auf einen Baumstamm nieder, den Kopf in beide Hände stützend. Der Arzt zuckte die Achseln und ging zu einem andern Verwundeten.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Rom. Welcher Gegensatz gegen den Einzug, den wir übermüthig sicher erwartet hatten! Ta meine Verwundung nicht schlimm war, wurde ich mit-

einer großen Zahl Leichtverwundeter nach dem Kastell Angelo gebracht, wo wir bis zur Entschei­dung unseres Schicksals bleiben sollten. Mit bren­nender Sehnsucht sah ich der Befreiung entgegen; doch woher und wann sollte die kommen?

Der Plan Garibaldi's war allerdings geschei­tert ; aber trotzdem hoffte ich, Blanda jetzt meinen Bitten um ihre Hand willfährig zu finden; hatte ich doch für ihre Sache nicht nur gekämpft, son­dern auch geblutet.

Der Aufenthalt im Kastell wurde mir von Stunde zu Stunde unleidlicher, sowohl durch die Sehnsucht nach Freiheit als auch durch den Ekel, den ich an meinen Gefährten in diesem gezwun­genen nähern Umgänge fand.

Eines Tages meldete man uns den Besuch des heiligen Vaters. Einige Stunden später trat der ehrwürdige Greis in unsere Mitte, und so mäch­tig war der Eindruck seiner milden Würde, daß selbst die Rohesten unter uns in ehrerbietigem Schweigen verharrten. Der Papst sah schmerzlich bewegt aus. Er warf einen bekümmerten Blick auf die Menschen vor ihm, die ihn so grimmig haßten; dann sagte er sanft: „Hier ist der, den ihr mit Haß angeseindet habt, und den ihr zu verlreiben kamt, und wen seht ihr vor euch? Einen armen, schwachen Greis." Nach diesen Worten schritt er durch die Reihen, hier und da den einen oder andern Gefangenen nach seiner Heimalh fragend.