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Donnerstag, den 3. Januar

1884.

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<Q> Den Frieden gefunden.

(Fortsetzung.)

Allen voraus drängten die Zuaven heran. Es war ein Ringen Mann an Mann, Brust an Brust. An meiner Seite kämpfte Kapitän Marchi mit einem Muthe, der einer besiern Sache würdig gewesen wäre. Es schien, als ob der heiße Kampf uns wieder nähern sollte. Er rief mir mehrere Male freundlich zu, und als er dann vor meinen Augen niedersank, da faßte mich wilder Zorn. Ich wollte vordringen, um an dem glücklichen Gegner meines Kapitäns Rache zu nehmen, und in der Aufregung vergessend, daß die Muttersprache hier nicht am Platze sei, rief ich ihm laut zu, sich zu mir zu wenden.

„Bei Gott! Ein Deutscher unter diesen Schur» . feil!" schrie ein Zuave in meiner unmittelbaren Rähe, und entrüstet drang er auf mich ein.

Zornig blitzten die blauen Augen meines Geg- rs aus dem pulvergeschwärzten Gesicht. Auf -iich hatten seine Worte eine verderbliche Wirkung ■übt; trotz der entfesselten Leidenschaft fühlte ich iS Berechtigte in der Verachtung des Deutschen, uid zögernd hob ich die Waffe.

Doch mein Gegner war rascher als ich. Mit furchtbarer Wucht schmetterte der Kolben seiner Büchse auf mich hernieder. Es war mir, als ob Tausende von Funken meinen Augen entsprühten; dann sank ich bewußtlos zu Boden.

XII.

„Wie lange ich in der Betäubung gelegen, wußte ich nicht, als ich endlich erwachte. Mein Kopf schmerzte mich entsetzlich, und nur dem Umstande, daß der wuchtige Schlag theilweise von mir pa­rkt worden war und meinen Kopf nur gestreift hatte, verdankte ich mein Leben. Wie schlimm mein Gegner eS aber gemeint hatte, davon kannst Du Dich heute noch überzeugensagte Walther und strich das reiche, braune Haar von der linken Stirnseite zurück. Eine tiefe Narbe kam zum Vorschein, dieselbe, die mir schon in Venedig auf- gefallen war.

Nach einer Pause fuhr Walther fort: „Ich ver­suchte mich aufzurichten; es gelang mir. Die Nacht war feucht und falt. Ich schauerte zusammen und biß die Zähne aufeinander, um das Frösteln, das mich schüttelte, zu unterdrücken. Eine grause Ge­sellschaft umgab mich: Leiche neben Leiche, etwas weiter zurück lagen Tobte und Verwundete sogar aufeinander. Unmittelbar in meiner Nähe starrte das bleiche Antlitz eines Zuaven zum nächtlichen Himmel auf; ein fast milder Zug lag auf dem Gesicht des noch jungen Helden, der vielleicht ein behagliches Leben in der Heimath gegen Noch und Tod eingetauscht hatte.

Ich stützte den schmerzenden Kopf auf die Rechte und schaute sehnsüchtig nach den Laternen hin, deren Schein in ziemlicher Entfernung von mir über das Schlachtfeld glitt. Es waren die Trä­

Deutsches Reich.

Fulda, 3. Januar.

* (Aus Rom) wird der ,Germ.' telegraphisch gemeldet: „Herr von Schlözer hat die Verhand­lungen wieder ausgenommen auf Grund der neuen Instruktion; die Erziehungsfrage steht im Vorder­gründe. Die liberalen Berichte über die Unter­redung zwischen dem Papste und dem Kronprinzen sind gänzlich unbegründet. Von kundiger Seite wird abermals versichert, daß die Unterredung in der schönsten Weise verlaufen ist. Der Kronprinz hatte persönlich spezielle Instruktionen für die Un­terredung erhalten, unabhängig von den Schlö- zer'schen Instruktionen. Die Kirchenpolitik ist be­sprochen worden. Der Papst soll seine Ansicht Über die Weltlage dargestellt, insbesondere auf die aus der Sozialdemokratie drohenden Gefahren sowie auf die Lage Preußens hingewiesen haben, der Kronprinz dagegen bestimmte befriedigende Er­klärungen über die Hauptpunkte gegeben haben; Nebenfragen blieben unberührt. — Der österrei­chische Kaiser kommt nicht nach Rom; eine Zu­sammenkunft mit dem Könige Humbert ist nur in einer anderen Stadt möglich. — Der drohende kirchenpolitische Konflikt in Frankreich wird als der Hauptsache nach gehoben bezeichnet."

Der ,Offervatore Romano' bespricht laut einem Wiener Telegramm den mit der Version der ,Nat.- Ztg.' identischen Bericht des Berliner Korrespon­denten des .Standard' über den Besu^ÄeL^deut-. "scheu Kronprinzen beim Papste und sagt, dieser Bericht sei ein auf die Einfalt gewisser Leute be­rechneter Streich. — Der .Moniteur de Rome' nennt die angeblichen Enthüllungen der .Berliner National-Zeitung' über die Unterredung des Kron­prinzen mit dem Papste abgeschmackt und bemerkt, diese Mittheilungen stammten von einer Seite her, welche den Eindruck gereifter Ereignisse zu verwi­schen beabsichtigt.

* (Bei der Aufhebung der Sperre) in den vier Diözesen Ermland, Culm, Hildesheim, Limburg kommen nach dem Ausweis über die ein« behaltenen Leistungen vom Dezember 1882 fol­

gende Summen in Betracht. Nach Kapitel 115 des Etats (Bisthümer und zu demselben gehörige Institute sind zu leisten für Ermland 105,240,10 M., für Culm 100,038,43 M., für Hildesheim 47,678,91 M. Davon waren gesperrt für Erm­land 104,449,59, für Culm 90,102.43 Mark. (Die Dotation von 9,936 M. für die Dompfarre wurde gezahlt) und für Hildesheim 37,200,43 M. (Inzwischen waren in Hildesheim auch die Zah­lungen für das Domkapitel aufgenommen.) Für Limburg waren 35,414,53 M. ausgesetzt, welche sämmtlich einbehalten waren. Kapitel 116 Tit. 1 des Etats setzt rund 1 }/4 Millionen M. als „Besoldungen und Zuschüsse für katholische Geist­lichen und Kirchen." Davon entfallen auf die Regierungs-Bezirke Königsberg und Gumbinnen (Bisthum Ermland) 4,928,80 M., wovon einge­stellt waren 2,606,64 M. auf den Regierungs­bezirk Danzig, der zum Bisthum Culm und zu einem Theil zu Ermland gehört, 25,917,44 M., wovon eingestellt waren 20,929,19 M.; auf den Regierungsbezirk Marienwerder, an welchen neben Culm und Ermland auch noch die Erzdiözese Po­sen Antheil hat, 4954,55 M, wovon 3888,13 M. gesperrt waren. Auf das Bisthum Hildes­heim entfallen 32,456,25 M., wovon eingestellt waren 18,445,48 M. Aus den Regierungsbezirk Wiesbaden (Diözese Limburg mit zwei Mainzer Pfarreien) entftelen 23,840,37 M., wovon ein­gestellt waren 15,763,09 M. Kapitel 124 Titel 5 Jeßt. „zur Verbesserung der äußeren Lage bet Geistlichen aller Bekenntnisse'' 3,255,612,91 M. aus und zwar mit folgender Maßgabe:

Von diesem Fonds sind zwei Millionen Mark dazu be­stimmt, das Jahreseinkommen der bereirs 5 Jahre im Amte befindlichen Geistlichen in evangelischen Pfarren auf 2400 Mark und in katholischen Pfarren auf 1800 Mark zu erhöhen. Der etwaige Ueberrest dieser zwei Millionen Mark ist zu Zulagen für Geistliche mit einem Einkommen unter 2709 Mark resp. 3000 Mark zu verwenden.

Von dieser Summe entfallen auf die Regierungs­bezirke Königsberg und Gumbinnen 5761 Mark, welche völlig eingestellt waren; auf den Regierungs­bezirk Danzig 4648 Mk, welche bis auf 300 Mk. ' eingestellt waren; auf den Regierungsbezirk Ma-

5 riemverder 3905 Mk., welche vollständig eingestellt e waren; auf das Bisthum Hildesheim 6901 Mk., ) ebenfalls gänzlich eingestellt; auf den Regierungs- a bezirk Wiesbaden 25,649 Mk., bis auf 400 Mk. - eingestellt. Dazu kommen noch die aus dem Grund- '. stücks- und Domänenertrage einbehaltenen Summen, e welche betragen für Danzig 45, Marienwerder 90, . für den Hi desheim'scheu Sprengel 4,588,25 Mk., - für Wiesbaden 17,300 Mk.

c * (Die württember gisch en Kir cheuge - i setzentmürse.) Aus Stuttgart wird dem .Franks. . Journal' geschrieben: Heute sind die Berichte der i staatsrechtlichen Kommission der Kammer der Ab- - geordneten über die beiden Gesetzentwürfe, betret» ! send die Kirchengemeinden und Synodalordnung i der evangelischen Landeskirche und betreffend die

Vertretung der katholischen Pfarrgemeinden und die Verwaltung ihrer Vermögensangelegenheiten erschienen. Die Kommission unterbreitet der Kam­mer den Antrag, in die Berathung der beiden Gesetzentwürfe einzutreten- Uebrigens haben, wie zu erwarten stand, die Angriffe, welche die beiden Gesetze im Plenum auszuhalten haben werden, bereits in der Kommission ihr Vorspiel gefunden. Man war darin einig, daß es ein schwieriger und verantwortungsvoller Schritt für die Staalsgesetz- gebung sei, zu der Durchführung der in den bei­den Gesetzen angestrebten Organisationen mitzu- wirken. Auch ist theils das Bedürfniß der Or­ganisationen, theils die Richtigkeit und Zweckmäßig­keit derselben, theils die Erwartung eines günstigen Einflusses auf die Entwickelung unserer evangeli­schen und katholischen Kiiche in Zweifel gezogen worden, insbesondere wurde darauf hingewiefen, daß die völlige Trennung der Kirchengemeinde von der politischen Gemeinde, wie sie von den beiden Gesetzen angestrebt wird, große Gefahren für den Bestand der beiden Kirchen — für die katholische allerdings in geringerem Grade — in sich schließe. Zwei Gesichtspunkte waren der Kommission maß­gebend, der Kammer den Vorschlag zu machen, jedenfalls in die Berathung der beiden Gesetzent- ■ würfe einzutreten, einmal der mangelhafte Zustand der Gesetzgebung in Betreff der vollgiltigen Ver­

ger, welche die Verwundeten zusammenlasen. Viel­leicht gelang es mir, auf meine Büchse gestützt, mich zu ihnen hinzuschleppen; doch der Gedanke, daß es wahrscheinlich Päpstliche seien und ich so­mit in Gefangenschaft gerathen werde, hielt mich zurück. Dagegen lag die Möglichkeit nahe, daß ich ungesehen im Schutze der Nacht Mentana er­reiche. Langsam erhob ich mich, um den schmerz­haften Marsch anzutreten, als ein tiefes Stöhnen in meiner Nähe mich einhalten lieft. Ich blickte schärfer hin und gewahrte die Umrifte von vier dis fünf Menschen, die, wie der Tod sie fletroffen, auf einander lagen. Es schien mir, als bringe das Stöhnen unter dieser schrecklichen Last her­vor ; einen Unglücklichen in dieser entsetzlichen Sage zu lassen, konnte ich nicht über mich gewin­nen mochte er nun Freund oder Feind sein. Mit einer Anstrengung, die meinen Kopf doppelt schmer­zen lieft, zog ich die Leichen von dem Verwun­deten fort, dessen schwacher Hülferuf jetzt deutlicher an mein Ohr schlug. Es gelang mir, den Ar­men frei zu machen und ich erkannte mit einiger Zufriedenheit meinen Vorgesetzten. Der Kapitän schlug die Augen auf und ein mattes Lächeln er­hellte feine todesbleichen Züge, als er sah, wer ihm den Dienst erwiesen. Er streckte mir die Hand entgegen und als ich mich zu ihm nieder­beugte, flüsterte er leise: „Ich danke Dir, Kame­rad ; verdient habe ich es nicht um Dich. '

Ich schob dieses Bekenntnift auf fein Beneh-