selbst die demokratische .Franks. Ztg.', welche sonst zu den entschiedensten Gegnern des Kabinets Taaffe gehört, bezeichnet den von der Regierung einge« schlagenen Weg der Unfallversicherung als den richtigsten und zweckentsprechendsten. Ebenso finden wir in den tonangebenden liberalen Blättern Deutschlands höchst anerkennende Urtheile über den Gesetzentwurf, den man für glücklicher gewählt als seinen deutschen Vorgänger bezeichnet. Mit dieser objektiven Haltung der auswärtigen Presse kontra- stiren in sehr auffallender Weise die kleinlichen Nergeleien einzelner deutschliberaler Oppofitions- blätter Oesterreichs, welche mit Thersites Manier die vorgeschlagene Arbeiter-Unfallversicherung abfällig kritisiren und gegen die anerkannten Vorzüge derselben die Augen verschließen. Es ist begreiflich, daß diese gottlob nur sehr vereinzelten Preßstimmen gerade in den arbeitenden Klassen, welche die ihnen aus dem Gesetzentwürfe erwachsenden großen Vortheile dankbar erkennen, Mißbilligung finden. Die Arbeiter wissen ganz genau, daß in den Spalten dieser liberalen Hetzblätter noch niemals ein praktischer Vorschlag zur Besserung der Lage des vierten Standes erschienen ist und daß die jetzigen Nergeleien durchaus nickt aus Rücksicht für das Arbeiterwohl geschehen, sondern geradezu arbeiterfeindlich sind. Einsichtige Liberale bedauern auch diese Preßstimmen und sagen frei heraus, daß man sich in diesem Falle, wo es sich um eine wirklich praktische Schöpfung und eine sozialeThatim besten Sinne des Wortes handelt, der Regierungsvorlage unbedingt anschließen müsse.
* (Tisza- Eszlarer Prozeß.) Nachdem die königliche Tafel in Budapest im Tisza - Eszlarer Prozeß das freisprechende Urtheil bestätigte, geht die Angelegenheit nunmehr an den obersten Gerichtshof, weil dieselbe laut dem ,B. Tgbl.' zu jenen Fällen gehört, welche von Amtswegen alle Instanzen durchmachen müssen.
Frankreich.
* Paris, 26.Dez. (Zugentgleisung.) Ein von Avricourt kommender Güterzug ist heute entgleist. Personen sind dabei nicht verunglückt. Die Wagenladung bestand aus Material und Pferden.
* Paris, 27. Dez. (Senat.) Im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung genehmigte der Senat die Budgets für das Kriegs- und Marineministerium, sowie diejenigen für die Ministerien des Innern, des Aeußern, der Posten, der Justiz und des Kultus. Das Gehalt für den Erzbischof von Paris, welches die Kammer auf 15,000 Fr. herabgesetzt hatte, wurde wiederhergestellt in der Höhe von 45,000 Francs, ebenso wurde der Posten von 916,000 Francs für Freistellen in den Se- minarien, welcher von der Kammer ganz unterdrückt war, wiederhergestellt.
* Paris, 27. Dez. (Einfuhrverbot). Die Regierung beschloß, das Verbot der Einfuhr gesalzenen amerikanischen Fleisches aufrecht zu erhalten, bis die Kammern sich über den Gesetzent-
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<Q> De« Friede« gefunden.
XI.
Ricciotti Garibaldi war ein angenehmer Reisebegleiter und von größter Zuvorkommenheit gegen mich. Mit gleicher Freundlichkeit wurde ich von seinem Bruder Menotti empfangen, auf dessen Schaaren wir einige Stunden vor Monte Libretti stießen. Noch an den, selben Tage trat ich in die Reihen der Garibaldiner ein, gleich ihnen bekleidet und bewaffnet.
Es war keine leichte Aufgabe, die ich übernommen. Alles, was noch von Rechtsgefühl, von Ehre und Scham in mir zurückgeblieben, empörte sich gegen den Schritt, den ich gethan. Der Katholik, der Tiroler, der Edelmann, welchen Stand und 'Traditionen an die Seite der Vertheidiger legitimer Herrschaft verwiesen, gehörte zu den fanatischsten Feinden monarchischer Ordnung und konservativen Sinnes. Dazu kam noch die Zusammensetzung dieser Freiheitshelden. Ich will nlcht abstreiten, daß mancher junge Mann aus guter Familie sich bei uns befand; aber die Mehrzahl war doch Gesindel, welches die Gelegenheit zu einem zügellosen, beutereichen Leben mit Freuden ergriff. Ganz auffallend war mir die mili- ische Geübtheit vieler Rothhemden. Allerdings die Erklärung höchst einfach. Unter den Frei- "n befand sich nämlich eine nicht geringe wn Deserteuren aus der italienischen Ar«
wurf, welchen der Handelsminister Anfang zu der neuen Kammersession einzubringen beabsichtigt, ausgesprochen haben werden. Vom Verbote ausgenommen sind die Häfen Havre, Nantes und Bordeaux, wo das gesalzene Fleisch einer Ueberwachung unterzogen wird, welche die für die öffentliche Gesundheitspflege erforderlichen Garantien bietet.
* (Kriegsnach richten.) Die zweite Truppensendung nach Tongking wird am 10. Januar auf dem Transportschiff „Annamite" und zwei Packetbooten abgehen. — Wie die hiesige Gesandtschaft von Hayti mittheilt, hat die Stadt Jeremie auf Hayti am 18. ds. kapitulirt. Die Stadt Mira- goane biete ihre Uebergabe an und der Aufstand sei demnach als thätsächlich beendet anzusehen.
Italien.
• (Der Weihnachts-Empfang des Kar- dinal-Kollegiums), unter dem sich auch der nur für kurze Zeit in Rom eingetroffene Kardinal Haynald befand, erfolgte in der Mittagsstunde im Thronsaale des Vatikans. Wir haben gestern bereits über den Empfang berichtet und tragen heute einige ausführlichere Angaben nach. Namens des heiligen Kollegiums drückte der Kardinaldekan Di Pietro Leo XIII. die Glückwünsche der hohen Kirchenfürsten aus. Der Wortlaut der päpstlichen Antwort liegt uns noch nicht vor. Der Monit. de Rome' resumirt ihren Inhalt wie folgt:
Der hl. Vater dankte zunächst dem Kardinaldekan für die Glückwünsche, welche er soeben im Namen seiner Kollegen dargebracht hatte und beklagte den unversöhnlichen Haß der Feinde der Kirche, welche ohne Unterlaß mit Erbitterung darauf hinarbeiteten, ihr die Wohlthaten des Friedens zu rauben. In besonders schmerzbewegtem Tone fügte Leo XIII. hinzu, daß sich heutzutage dieser Geist der Feindseligkeit selbst in kathol. Nationen zeige, um der Kirche ihren sozialen Einfluß zu rauhen, ihre festbegründeten Rechte zu schmälern und so ihrer Ausgabe immer mehr Hindernisse in den Weg zu stellen. Namentlich aber wies er auf die sich täglich verschlimmernde Lage hin, welche man dem Oberhaupte der Kirche in seiner eigenen Residenzstadt bereitet habe. Hier, sagt er, dient Alles zum Vorwande neuer Angriffe, und zum Beweise wies er auf die Verleumdungen und Beleidigungen hin, denen die italienischen Pilger, Laien wie Geistliche, jüngst ausgesetzt waren. Erwies ferner auf den Eifer hin; mit welchem eine gottlose Presse selbst zu Rom das Centenarium Luthers gerade zu dem Zwecke gefeiert habe, um den Geist der Empörung gegen das Papstthum aufzustacheln. Diese traurigen Symptome, fuhr der hl. Vater fort, werden täglich schlimmer, denn man wagt sogar öffentlich über eine angeblich allzu große Freiheit, deren sich der Papst noch erfreue, Klage zu führen. Schließlich beklagte sich der Papst darüber, daß die Angriffe äußerer Feinde noch durch gefährliche Schriften verschlimmert würden, durch welche die Fehler undankbarer Söhne der Kirche auf Rechnung gesetzt würden. Diese Anspielung aus eine jüngst erschienene Broschüre (des Ex-Je- suiten Curci) wird unter den Katholiken Italiens nicht ohne Eindruck bleiben.
Nach dieser Ansprache unterhielt sich der heil. Vater noch längere Zeit mit den Kardinälen und ertheilte zum Schluß allen Anwesenden den Segen.
• (Prinz Ludwig Wilhelm vonBaden) machte am Mittwoch in Begleitung des preußischen Gesandten v. Schlözer dem Papste und hierauf auch dem Kardinal-Staatssekretär Jakobini einen Besuch.
mee, von denen auch nicht ein Einziger ernstlich reklamirt wurde. Selbstverständlich fanden sie die beste Aufnahme, und geschickt vertheilte man sie so, daß auf eine gewisse Zahl nicht gedienter Leute eine bestimmte Anzahl dieser Deserteure kam. Hieraus erklären sich auch die, theilweise mit eben so viel Geschick als Energie und Tapferkeit ausgeführten Bewegungen und Unternehmungen.
Die Mannschaft, welche Menotti befehligte, belief sich auf fast achthundert Mann, und noch täglich kamen neue Zuzügler. Tagtäglich wurden Waffenübungen gehalten, und die militärische Haltung dieser bunt zusammengewürfelten Banden war bald eben so gut wie die der regulären italienischen Truppen.
Es liegt nicht in meiner Absicht, Dir ein genaues und umständliches Bild der Ereignisse in jenen Tagen zu liefern. Nur insofern es zur Klarstellung meiner Lebensgeschichte unumgänglich nöthig ist, werde ich einzelne Momente erwähnen. Um gerecht zu sein, muß ich bemerken, daß die Garibaldiner mit derselben Todesverachtung sich schlugen wie die französischen Ohnehosen in Lumpen und wie die Flibustier des siebenzehnten Jahrhunderts. Doch das blinde und wilde Dreinschlagen ist nicht jene Tugend, welche Dichter begeistert, Künstler entflammt, das Herz des Jünglings lauter pochen läßt und selbst dem weichen Gemüthe des Weibes Anerkennung abzwingt. Ein edeles Motiv muß den Arm stählen, das Auge
Aus Stabt, Provinz und Na<Aargebiet.
Fulda, 28. Dezember.
6 Gestern Abend «ar der Himmel wieder, und zwar diesmal in seine ganzen Ausdehnung, mit einem auffallenden rötlichen Hauche überzogen, der ohne Zweifel mit denoft besprochenen Lichterscheinungen am Morgen- und Abendhimmel im Zusammenhang stand, las Phänomen hat sich in der letzten Zeit so ofttals wiederholt, daß man es kaum noch der Mhe werth erachtet, in jedem Falle Notiz davon zu n»men. Wenn wir heute dennoch abermals auf dasThema zurückkomwen, so geschieht es in Anlehnup an einen in dem gestrigen Abendblatt der .Köln.).' erschienenen fachgelehrten Artikel über die Lichte cheinungen. Dieser Artikel konstatirt u. a. an dermnd zahlreicher authentischer Mittheilungen, welchetheils von Beobachtungsstationen, theils von Siiffskapitänen auf See festgestellt wurden, die Dltsache, daß die Erscheinung über einen großen Tlil der Erde verbreitet gewesen ist und schon.egen Ende August in der Nähe der Sunda-Jnßn ihren Anfang genommen hat. Der Verfasser nnmt die Erklärung, wonach die Röthe durch ftinvertheilte staubartige Materie verursacht sei, :elche bei den vulkanischen Ausbrüchen in der Sundastraße in die höchsten Luftregionen emporgchleudert wurde, als sehr wahrscheinlich an. Zm Beweise hierfür wird auch auf die mit tr Erscheinung des Moorrauches verknüpfte trbe Röthung des Himmels exemplifizirt und endch einer interessanten Re- miniscenz aus dem Zahre 1831 gedacht, die wir wörtlich wiedergben: „Schließlich ist noch zu erwähnen, daß auödie merkwürdige Röthe des Abendhimmels im Auzust und September 1831 kurz nach einem vnlkmschen Ereignisse auftrat, welches mit jenem in kt Sundastraße die größte Aehnlichkeit besaß, nämlich nach dem unter gewaltigen und lange anb«enden Rauch- und Dampfausbrüchen stattgehastej Emporsteigen der Insel Ferdinande« im Mittllindischen Meere südlich von ©teilten im Juli 18:)/ _
— Herr Graveur Ho' er dahier erhielt e.n Patent auf einen Zei ngshalter.
— (Personalchror k) Dem Pfarrer Paulus zu Kirchberg im Kreise Fripr ist der Rothe Adler-Orden vierter Klaffe verliehen nrden.
— Die Hessisch BrandversicherungS- Anstalt zu Kasse war bekanntlich bis vor Kurzem Staatsanstalt,und Jedermann in Kurhessen war verpflichtet seine Gebäude in dieser Anstalt zu versichern. Jetzt ist die Anstalt nicht mehr Staatsanstalt, s-ldern steht unter der Kommunalverwaltung deS Regierungsbezirks Hessen. Dementsprechend ist eljetzt auch erlaubt, die Gebäude, die mit keiner! Hypotheken oder sonstigen Lasten behaftet sind, anderweitig zu versichern. Diese Ansicht wird abe wie die ,K. Tpst.' schreibt, vielfach bestritten, wirschen uns daher veranlaßt,
blitzen und das Herz odesfreudig pochen machen. In Roth und Tod fü das Vaterland, für Weib und Kind, für Gott, für Thron und Altar unentwegt einstehen, bd ist Tapferkeit. Wo die edlen Beweggründe feien, wird der Mensch dem wilden Thtere gleich; Tapferkeit wird da Rauflust und Heldenmuth Tobicht.
Es war eine beliete Redensart unserer Führer, die Päpstlichen ls feige Schergen hinzustellen, die vor unserm Ungestüm bald das Weite suchen würden. Dai war eine Lüge, die uns oftmals mit furchtbare Deutlichkeit bewiesen wurde. Ich habe mehrere glßere und kleinere Gefechte mitgemacht; aber aud nicht in einem einzigen Zusammentreffen ennanatten diese aus aller Herren Länder herbeigeeilten Männer, uns zu beweisen, daß sie für eine hoheJvee stritten, voll Begeisterung und Hingebung bis zum Tode — das ist der Boden, dem Heldn entsprießen.
Das Glück begünstzte mich. In mehreren Gefechten blieb ich unvrsehrt. Aber ich sollte wenigstens ein Mal gemhnt werden.
Bei einem unbebeuenben Streifzuge, auf dem wir die Stärke unsere Gegner erforschen mußten, wurden wir genöthig, uns zurü ckzuziehen, weil die vor uns stehend« Zuaven weit zahlreicher waren als wir. Di Entfernung war zu groß, als daß es zum Hangemenge hätte kommen können; die Feinde fchkten uns aber doch vereinzelte Schüsse nach, plötzlich empfand ich einen